Die Mountainbiker haben jetzt eine Lobby in Luzern
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Auch an der Rigi tummeln sich viele BIker – geregelt sind die Velowege am Berg aber mehr schlecht als recht. (Bild: zvg)

Neuer Verein gegründet Die Mountainbiker haben jetzt eine Lobby in Luzern

3 min Lesezeit 3 Kommentare 18.02.2021, 09:35 Uhr

Mountainbike Luzern will die Bedürfnisse und Interessen von Bikern, Bikeschulen, Verbänden und Vereinen im Kanton Luzern bündeln. Im Vorstand engagiert sich auch ein bekannter Politiker.

Im Bireggwald, am Rooterberg, Napf, Pilatus, in Beromünster, Hohenrain oder im Entlebuch: Die Coronapandemie hat gezeigt, dass der Mountainbikesport nicht nur ein touristischer Faktor ist, sondern zu einer Möglichkeit der Naherholung der Einheimischen geworden ist. «Vor ein paar Jahren war Mountainbiken noch ein Trendsport, heute ist es ein Breitensport geworden», sagt Andy Stalder, Präsident von Mountainbike Luzern. Der Mountainbikeguide engagierte sich an vorderster Front für die Schaffung von Mountainbike Luzern, eines gemeinsamen Ansprechpartners für Politiker, Behörden, Bikevereine und das Gewerbe. «Inzwischen fahren rund 30’000 Personen im Kanton Luzern Mountainbike – das sind mehr als Fussball spielen.» Diesen eine Stimme zu geben ist das erklärte Ziel des Vereins, der am Donnerstag aus der Taufe gehoben wurde.

Die hohe Zahl der aktiven Biker zeigt die Dringlichkeit: Mit der zunehmenden Beliebtheit nimmt auch der Nutzungsdruck auf Wald- und Wanderwege zu. Das sei gerade während des Lockdowns im vergangenen Frühling für viele sichtbar geworden. «Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sich für ein friedliches Miteinander aller Nutzer – Biker, Waldeigentümer, Jäger und Wanderer – starkzumachen», ist Stalder überzeugt. Dabei soll die Diskussion auch in eine andere Richtung gelenkt werden: Statt über «Eindämmung» soll verstärkt darüber geredet werden, wie Bikesport «möglich» wird (zentralplus berichtete). «Wir wollen ein positives Bild fördern», sagt Stalder.

Biker wollen sich auf bestehenden Wegen bewegen

Der Verein fördert ein flächendeckendes, attraktives, naturbelassenes und sicheres Trailnetz. Dabei sollen mehrheitlich bestehende Wege genutzt werden. Die existierenden Vereine wie etwa die Freeride-Connection in der Stadt Luzern oder die Napfbiker am gleichnamigen Berg sollen jedoch nicht konkurrenziert, sondern eingebunden werden. «Wo derzeit verschiedene Gruppierungen zersplittert in den Gemeinden für Bikeparks, Nutzungsrechte und Trails kämpfen, will Mountainbike Luzern bei der Planung mithelfen, koordinieren und nicht zuletzt auch für die Politik Ansprechpartner sein.»

«Die Signale aus der Politik sind bisher sehr positiv.»

Andy Stalder, Präsident von Mountainbike Luzern

Denn gerade die Politik tut sich bisweilen schwer, Luzern zu einem mountainbike-freundlichen Gebiet umzugestalten. Das für die Nutzung von Wald- und Wanderwegen zuständige Lawa hat immer wieder versucht, Regeln für Biker aufzustellen, was bisher mehr schlecht als recht gelang. Der Versuch, im Bireggwald ein weiteres Angebot in der Stadt Luzern zu schaffen – neben dem Trail im Gigeliwald –, konnte bisher trotz grosser Bemühungen von verschiedenen Seiten nicht ins Trockene gebracht werden (zentralplus berichtete). Die Napfbiker, die jährlich ein Marathonrennen durchführen, müssen sich jedes Jahr wieder aufs Neue damit beschäftigen, wo die Teilnehmer durchfahren dürfen – und wo eben nicht. Auch an anderen Orten gibt es Konflikte, die bisher nicht gelöst werden konnten.

Politische Brisanz wächst in den kommenden Monaten

Hier setzt der Verein an. Helfen wird Mountainbike Luzern dabei sicher auch, dass der Vorstand nicht nur aus eingefleischten Bikefreaks besteht. Im Vorstand wirken unter anderem Mitglieder von Bikeguides Zentralschweiz, Wirtschaft, Tourismus und der neuen Regionalpolitik Projekt Mountainbike Zentralschweiz mit. Dabei sind alle Regionen des Kantons vertreten. Mit CVP-Präsident und Biosphäre-Vizechef Christian Ineichen hat auch ein gestandener Politiker und erklärter Bikefreund Einsitz. «Die Signale aus der Politik sind bisher sehr positiv», freut sich Stalder.

Vor dem Hintergrund des Bundesgesetzes über Velowege, das sich derzeit in der Planung befindet, dürfte Mountainbike Luzern in den nächsten Jahren an Relevanz gewinnen, beziehungsweise die Möglichkeit erhalten, sich als Schnittstelle zwischen Politik, Branche und Nutzern zu bewähren. Oder in den Worten von Andy Stalder: «Das Momentum ist jetzt da, erste Projekte sind bereits am Laufen.»

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3 Kommentare
  1. hans, 20.02.2021, 08:22 Uhr

    Schön das die Jungs helfen wollen, wohl angemerkt das die Interessen im bikeverkauf und kommerziellen guiding haben.
    Alle biker , bike shops und guides sollen doch Gebühren für den Erhalt der Wege bezahlen

  2. Tell, 18.02.2021, 23:08 Uhr

    Dieser Verein ist eine Mogelpackung. „Friedliches Nebeneinander“ wenn die Wanderwege freigegeben werden…dass ich nicht lache, diese Zielsetzung widerspricht sich selber. Der Präsident dieses Vereins will aktiv die Wanderer verdrängen und wird traurigerweise vom CVP-Parteipräsidenten sekundiert. Damit ist Zoff auf den Wanderwegen, mit den Wildhütern, den Bauern und Jägern vorprogrammiert. Ich hoffe sehr, dass Verwaltung und Politik vernünftig bleiben und schnellstmöglich eine wirkungsvolle Entflechtung um- und klare Verhaltensregeln durchsetzen. Nur so ist „friedliches Nebeneinander“ möglich.

  3. H. Muster, 18.02.2021, 18:44 Uhr

    „«Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sich für ein friedliches Miteinander aller Nutzer – Biker, Waldeigentümer, Jäger und Wanderer – starkzumachen», ist Stalder überzeugt.“ Merke: Biker zuerst, Wanderer am Schluss. Alles verstanden, Hr. Stalder! La raison du plus fort est toujours la meilleure, wie schon La Fontaine sagte.

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