«Die Mitte»: CVP Luzern ist für einmal kompromisslos
  • Politik
Agnes Keller kämpfte für das «C» – Michael Ruppen dagegen.

Historischer Abschied vom «C» «Die Mitte»: CVP Luzern ist für einmal kompromisslos

6 min Lesezeit 2 Kommentare 07.09.2021, 05:01 Uhr

Die CVP im Kanton Luzern tauft sich um: Ab sofort ist die grösste Partei als «Die Mitte» unterwegs. Was für Agnes Keller einen schwierigen Abschied vom «C» darstellt, ist für Michael Ruppen der dringend nötige Aufbruch.

Es geht eigentlich nur um eine Etikette. Und doch um so viel mehr.

«Es ist für mich eine Frage der Identität», sagt Agnes Keller am Montag. In wenigen Stunden wird ihre Partei, die CVP, über den zukünftigen Namen entscheiden. Die 57-Jährige, seit rund zehn Jahren für die CVP im Luzerner Stadtparlament, kämpft für den Erhalt des «C» im Parteinamen.

Vergeblich, wie sich am späteren Abend zeigen sollte. Die Delegierten haben in Hochdorf beschlossen, sich neu «Die Mitte Kanton Luzern» zu nennen (zentralplus berichtete).

Sehr zur Freude von Michael Ruppen aus Nebikon. Der 19-Jährige ist Mitglied der Jungpartei, die sich in Luzern bereits seit Januar «Junge Mitte» nennt. Für ihn ist klar: «Das C braucht es nicht mehr. Es schüchtert viele potenzielle Wähler ein. Wir können viel mehr Leute abholen, wenn wir es aus dem Parteinamen kicken.» 

Einmal CVP, immer CVP – das ist vorbei

Agnes Keller und Michael Ruppen stehen für die zwei Meinungen, welche innerhalb der CVP Luzern beim Namenswechsel vertreten werden. Und für zwei Generationen, die viel über den Wandel der Partei aussagen.

Welche Partei man wählt, war für viele lange gar keine Frage. Auch Agnes Keller gehört zu denjenigen, die aus einer CVP-Familie stammt. Michael Ruppen hingegen wählte die Partei nicht aufgrund familiärer Banden, sondern einzig aufgrund des politischen Profils.

«Wir sind auf einem sinkenden Schiff. Das müssen wir reparieren, um uns über Wasser zu halten.»

Michael Ruppen, Junge Mitte

«Einmal CVP – immer CVP: Das ist leider schon länger vorbei», sagt Vizepräsidentin Karin Stadelmann. Das katholische Milieu ist kein Selbstläufer mehr, sondern zum Bremsklotz geworden.

Das «C»: Für manche Kompass, für andere Hürde

Gerade Junge schreckt das «C» oft ab. Sie verbinden es mit «katholisch» und das wiederum mit konservativ und rückständig. Es ist ein Abbild der gesellschaftlichen Entwicklung. Gingen vor 30 Jahren noch viele Luzerner am Sonntag in die Kirche, laufen ihr immer mehr Mitglieder davon. Und damit auch der CVP.

«Wir sind auf einem sinkenden Schiff. Das müssen wir reparieren, um uns über Wasser zu halten», sagt Michael Ruppen und verweist auf das, was Parteipräsident Gerhard Pfister als «Kurve des Grauens» bezeichnete: der stetig sinkende Wähleranteil.

In die Kirche geht auch Agnes Keller nur hin und wieder – und nicht jeden Sonntag. Für die Bäuerin aus Littau haben die christlichen Werte aber nichts mit dem Kirchgang zu tun, sondern mit der Haltung. Dass manche Kirche und CVP vermischen, ist für sie Zeichen, dass es Gespräche braucht, aber nicht einen neuen Namen.

Und, so finden auch andere Delegierte, schon gar nicht etwas so Inhaltsleeres wie «Die Mitte». «Das ist für mich kein Name, das ist eine Orientierung», kritisiert Agnes Keller. «Links und rechts haben ja auch alle Parteien einen richtigen Namen – ausser wir.»

Viele Amtsträger wollen Namen ändern

Obwohl sie mit dieser Meinung im Kulturzentrum Braui in Hochdorf nicht alleine steht, bemerkt Agnes Keller bald: Der Applaus für Voten der «C»-Anhänger ist zurückhaltender als bei denjenigen, die für einen Wechsel plädieren.

Eine Frage der Identität: Agnes Keller hätte gerne einen Kompromiss für den Parteinamen gehabt.

Und das sind nicht nur die Jungen. Auch viele Amtsträger, die anfänglich noch Mühe bekundeten mit dem Namenswechsel, stehen hinter dem neuen Namen. Die Luzerner Ständerätin Andrea Gmür etwa oder Nationalrätin Ida Glanzmann. Die Luzerner Grossstadträtin Agnes Keller ist derweil eine der wenigen Aktiven, die sich nach wie vor nicht nur für die christlichen Werte einsetzt, sondern auch für das «C», das diese im Parteiname widerspiegelt.

«Viele in öffentlichen Ämtern wollten sich nicht exponieren», sagt sie, «erst recht, nachdem die CVP Schweiz den Namen wechselte.» Manche an der Basis, sagt Agnes Keller und schliesst sich darin selber ein, hätten sich durch den Entscheid der Mutterpartei überrollt gefühlt. Kaum sei der neue Name zur Diskussion gestanden, habe die CVP Schweiz bereits entschieden.

National erhofft sich die CVP von der Fusion mit der BDP zur «Die Mitte» auch in reformierten Kantonen besser Fuss zu fassen. An der Delegiertenversammlung der Luzerner CVP spielt die BDP derweil die Rolle, die sie im konservativ geprägten Kanton seit je her hat: keine (zentralplus berichtete).

Die Werte sollen bleiben

Vielmehr steht die Zukunft der eigenen Partei zur Debatte. Gerade die Jungen wollen nicht jubeln, wenn sie «nur» zwei Sitze verlieren. Sie wollen zulegen. «Wir bei der Jungen Mitte haben enormen Mitgliederzuwachs seit dem Namenswechsel», sagt Michael Ruppen. Für die Junge Mitte ist klar, dass die neue Strategie erfolgversprechender ist als der bisherige Weg.

«Die Wähler orientieren sich am Inhalt und den Werten der Partei und doch nicht nur am Namen.»

Agnes Keller, Grossstadträtin

Gewinnen möchten auch die Anhänger des «C». Doch Agnes Keller bezweifelt, dass dazu eine neue Marke nötig ist. «Die Wähler orientieren sich am Inhalt und den Werten der Partei und nicht nur am Namen.» Dem Vorwurf, die CVP werfe dem Erfolg zuliebe ihre Identität über Bord, entgegnet Tiefbauzeichner Michael Ruppen wie die Mehrheit der Partei: «Unsere Werte und Visionen bleiben dieselben.»

Spürt den Aufbruch: Michael Ruppen ist Mitglied der Jungen Mitte.

Nach über einer Stunde Diskussion zeigt sich, was Agnes Keller schon nach den ersten Voten spürte: Die konservativen Kräfte kämpfen auf einsamem Posten. 282 Delegierte sprechen sich für «Die Mitte» aus, nur 43 für den Kompromissvorschlag. Betrübt nimmt die Littauerin das Resultat zur Kenntnis. Michael Ruppen und seine Kollegen von der Jungpartei holen sich derweil ein Bier.

Der Kompromiss ist diesmal nicht der Königsweg

Dabei ist es doch die CVP, die sich als Partei der pragmatischen Lösungen und der Kompromisse verkauft. Gerade deshalb hoffte Agnes Keller und ihr Komitee auf ihren Vorschlag: «CVP Luzern – die Mitte». Diesen Mittelweg gingen auch die Kantonalparteien in Obwalden und Uri.

«Wer, wenn nicht die CVP, findet Lösungen, wenn die Fronten verhärtet sind?», bemerkt Agnes Keller, im Sternzeichen Waage, wie sie schmunzelnd anfügt. «Unser Vorschlag holt beide Seiten ab und wäre der perfekte Kompromiss.»

Doch der junge Michael Ruppen und letztlich auch die Mehrheit der Delegierten sehen das anders. «Dieser Name signalisiert: Es bleibt alles beim Alten.» 

Es geht eben nicht nur ums Etikett. Sondern auch um ein Gefühl, das bei der CVP nach Jahren des Niedergangs viele sehnlichst vermissen und mit dem neuen Namen «Die Mitte» verbinden: Aufbruchstimmung.

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2 Kommentare
  1. Hegard, 08.09.2021, 16:00 Uhr

    Die Mitte ist der richtige Name.Sie schauen beim Fussgänger streifen,nach links und rechts,können sich aber
    nicht entschliessen,ob Sie über die Strasse gehen wollen,ich staune wie viele nachläufer sie haben.Anscheinend doch Katholisch.

    1 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter
  2. Hegard, 08.09.2021, 15:52 Uhr

    Ich kenne Sie nicht anders,als ja,ja nichts Sager und Zuschauer, die FDP als Trittbrettfahrer,sonst wären die Bauern immer noch Fän s

    0 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 1 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter
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