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Die Mieten in Sursee und Luzern könnten bald sinken
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Derzeit entsteht mitten in Sursee die Überbauung Dreiklang. (Bild: zvg)

Immobilien-Studie der LUKB zeigt Brisantes auf Die Mieten in Sursee und Luzern könnten bald sinken

4 min Lesezeit 12.02.2020, 05:00 Uhr

In den kommenden acht Jahren sollen in Sursee sage und schreibe 2200 neue Wohnungen entstehen. Gemäss Experten ist das deutlich mehr, als effektiv benötigt wird. Entstehen ganze Quartiere, die dann leerstehen? Der Surseer Bauchef beäugt den entsprechenden Bericht der LUKB skeptisch.

In Sursee wird gebaut. Das ist kein Wunder. Der Agglomerationsraum Sursee ist der zweitwichtigste Wirtschaftsraum im Kanton Luzern. Doch die Menge der Wohnungen, die hier in den letzten Jahren entstanden sind, macht stutzig. Gemäss einer jährlichen Studie der Luzerner Kantonalbank (LUKB), welche diese gemeinsam mit der Wüest Partner AG durchgeführt hat, dürfte dass in den Gemeinden rund um Sursee in den kommenden Jahren das Wohnungsangebot weiter wachsen.

Das wiederum könne gemäss Michel Amberg, dem Immobilien-Experten der LUKB, problematisch werden. In den letzten Jahren nämlich sei das Wohnangebot stärker gewachsen als die Bevölkerung.

Jährlich wurden 50 Wohnungen zu viel gebaut

Zwischen 2009 und 2018 wuchs der Wohnungsbestand in der Region Sursee im Durchschnitt jährlich um 2,5 Prozent. Insgesamt also um rund 2700 Wohnungen, wie man im Bericht liest. Das Bevölkerungswachstum hingegen lag in dieser Zeit bei 2 Prozent. «Dieses leichte Ungleichgewicht führte zu einer Überproduktion von rund 50 Wohnungen pro Jahr, sodass sich die Leerstandsziffer von 0,5 Prozent auf 1 Prozent verdoppelte.

Gerade bei grösseren Wohnungen mit vier oder mehr Zimmern bestehe ein Angebotsüberschuss. «Als Konsequenz leben aktuell viele Kleinhaushalte in grossen Wohnungen.»

3400 Wohnungen sollen in der Region Sursee entstehen

Gemäss LUKB sind in der Region Sursee zwischen 2019 und 2028 sage und schreibe 3’400 neue Wohnungen geplant, davon 2’200 in der Stadt Sursee. Das entspreche etwa 26 Prozent mehr Wachstum als in den vergangenen zehn Jahren. «Legt man die heute bekannten Projekte auf eine Zeitachse, wird das Angebot insbesondere in den nächsten fünf Jahren markant zunehmen und danach abflachen», so der Bericht.

Was nur macht Sursee mit den Wohnungen?

Weiter hätten Analysen ergeben, dass der Löwenanteil von rund drei Vierteln im Mietsegment entstehen soll. Bei einer Wohneigentumsquote von über 50 Prozent in dieser Region (die des Kantons Luzern liegt bei 35 Prozent), sei dies eher erstaunlich.  

LUKB-Immobilienexperte rechnet damit, dass die Leerstandsziffer in der Region Sursee in den kommenden Jahren deutlich steigen dürfte. «Konkret werden in der Region rund 130 bis 140 Wohnungen pro Jahr zu viel fertiggestellt.»

Gut für Mieter, schlecht für Investoren?

Eine ähnliche Prognose macht Amberg auch die Stadt Luzern. Dort sollen bis 2028 10’000 neue Wohnungen entstehen. Orientiere man sich an den aktuellen Prognosen der Bevölkerungszahl für die kommenden Jahre, «wird die Leerstandsziffer markant ansteigen.»  Das dürfte sich auf die Mieten auswirken. Positiv für Mieter, negativ für Investoren und Eigentümer.

120 bis 140 Wohnungen, die in Sursee jährlich zu viel gebaut werden. Das klingt problematisch. Ursi Ineichen, Mediensprecherin der LUKB, relativiert: «So absolut kann man das nicht sagen. Es handelt sich letztlich um den Markt. Im aktuellen Marktumfeld kalkulieren Immobilieninvestoren durchaus ein, dass ihre neu erstellten Objekte nicht von Beginn an voll vermietet sind.»

Sursee baut seine ersten Hochhäuser

Der Surseer Bauvorsteher Bruno Bucher äussert sich vorsichtig zum vorliegenden Bericht.

«Im Moment gibt es in der Stadt zwei grössere Bauvorhaben. Einerseits den Dreiklang, welcher die LUKB selbst bauen lässt. Es handelt sich um die ersten beiden Hochhäuser, die in Sursee entstehen.» Laut Bucher würden dort, entgegen der ursprünglichen Absicht, ausnahmslos Eigentumswohnungen entstehen.

Ein zweites Projekt entstehe gleich beim Bahnhof. Dort will die PAX Versicherung unter anderem ein 62,5 Meter hohes Hochhaus realisieren. «Im März entscheidet die Bevölkerung über den Bebauungsplan, ich rechne dem Projekt jedoch gute Chancen ein, dass es durchkommt.»

Stimmen die Zahlen der LUKB überhaupt?

Den LUKB-Bericht nimmt Bucher jedoch mit einer gewissen Skepsis zur Kenntnis. «Mir ist nicht ganz klar, ob die Wachstumsprognosen aufgrund der Nichtgenehmigung einzelner Umzonungen anlässlich der Gemeindeversammlung vom März 2019 nach unten korrigiert wurden oder nicht. Damals scheiterten die beiden geplanten Umzonungen Münchrüti und Surenhof am ablehnenden Entscheid des Souveräns.»

Damit seien die geplanten Bauvorhaben für den Moment vom Tisch. «Vor diesem Hintergrund ist nicht damit zu rechnen, dass in den kommenden Jahren eine gravierende Überhitzung eintreten wird, wie sie die LUKB prognostiziert», schliesst Bucher.

Auf Anfrage von zentralplus bestätigen die Verantwortlichen des Berichts jedoch, dass die LUKB-Erhebung die rechtliche Ist-Aufnahme per Ende 2019 zeige. Dies in Absprache mit den Gemeindeverantwortlichen. Somit sind auch die beiden von Bucher erwähnten, abgelehnten Bauprojekte Surenhof und Münchrüti im Bericht berücksichtigt.

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