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Die medizinische Ausbildung in Luzern bleibt wohl ein Traum
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Ärzte im Spital: Der Kanton Luzern will bei der Ausbildung mitreden (Bild: Emanuel Ammon/ AURA Fotoagentur)

Universität Luzern Die medizinische Ausbildung in Luzern bleibt wohl ein Traum

7 min Lesezeit 1 Kommentar 12.03.2013, 11:22 Uhr

Der Ärztemangel in der Schweiz ist offensichtlich, und so sind Ausbildungsplätze für angehende Ärzte ein Wachstumsmarkt. Da möchte sich auch der Kanton Luzern ein Stück vom Kuchen abschneiden. Doch Luzerns Pläne liegen quer in der Landschaft.

Es war nur eine spröde und technisch klingende Medienmitteilung der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK, und nur wenige Medien haben sie veröffentlicht: Die Kantone stimmen mehrheitlich dem Hochschulkonkordat zu.

Für den Kanton Luzern aber ist diese Nachricht vom 28. Februar brisant. Sie könnte durchaus dazu beitragen, dass die Träume der bürgerlichen Parteien FDP, CVP und Grünliberale von einer neuen medizinischen Ausbildung an der Universität Luzern zu Schaum werden – doch Genaueres dazu später.

Die Vorgeschichte über die Schaffung einer medizinischen Ausbildung in Luzern ist bekannt: Im November letzten Jahres entschied der Kantonsrat, die Regierung müsse die Einführung eines Masterstudiums Medizin an der Universität abklären.

Angestossen wurde dieser Auftrag von CVP-Kantonsrat Thomas Willi aus Emmen. Er hatte einen Planungsbericht für eine medizinische Fakultät verlangt. Doch eine voll ausgebaute Fakultät war dem Kantonsrat zu teuer. Aber eine Mehrheit aus CVP, FDP und Grünliberalen entschied sich für eine Machbarkeitsstudie über einen medizinischen Master-Studiengang – gegen den Willen von SVP, SP und Grünen. Letztere sagten, das sei ein «unnötiges Prestigeprojekt». Die Studie soll rund 40 000 Franken kosten.

 Nicht jetzt – aber später

 «Mit dem Entscheid des Kantonsrates kann ich leben», sagt Thomas Willi heute dazu, «denn der Kanton muss sparen und kann sich eine medizinische Fakultät nicht leisten.» Trotzdem will der Rechtsanwalt seine Vision nicht aufgeben: «Der Ärztemangel bleibt ein aktuelles Thema, und die Universität Luzern könnte bei der Lösung dieses Problems eine aktive Rolle übernehmen.»

Unterstützung erhält Thomas Willi vom Kantonsspital Luzern. Verena Briner, Departementsleiterin Medizin, sagt: „Wir haben zunehmend Schwierigkeiten, Ärztinnen und Ärzte zu rekrutieren. Die Schweiz muss dringend mehr Ärzte ausbilden, wenn sie die medizinische Versorgung auf dem heutigen Niveau weiterhin gewährleisten will.»

Im Kantonsspital absolvieren gegenwärtig rund achtzig Studentinnen und Studenten ihr Praktikum, weitere assistieren an Nachmittagen bei Visiten oder klinischen Untersuchungen. Dabei stammen 90% der Studierenden im Praktikum der grossen Fächer wie Medizin und Chirurgie und über 40% der Ärzte in Weiterbildung aus dem Ausland, grossmehrheitlich aus Deutschland.

Darum setzt Thomas Willi auf die Zukunft. «Es ist durchaus möglich, dass der Kanton mittel- bis langfristig finanziell wieder mehr Spielraum hat, und deshalb sollten wir die Schaffung einer voll ausgebauten medizinischen Fakultät nicht aufgeben.» Ein Ausbau der Universität Luzern in Richtung Medizin würde der Wirtschaft und dem Tourismus in der Zentralschweiz wichtige Impulse geben.

Gelder zielgerichtet einsetzen

Luzern mit einer neuen medizinischen Fakultät, so wie sie bereits die Kantone Genf, Lausanne, Bern, Basel und Zürich haben? Da schüttelt der Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann nur den Kopf. «Eine solche Zersplitterung der medizinischen Lehre und Forschung ist nicht sinnvoll. Fünf Medizinische Fakultäten reichen mit Sicherheit aus, um die Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten für die Schweiz sicherzustellen.» Zudem, sagt Eymann, würden gegenwärtig an verschiedenen Universitäten die Zahl der Studienplätze für Mediziner erhöht.

«Eine solche Zersplitterung der medizinischen Lehre und Forschung ist nicht sinnvoll.»

Christoph Eymann

Der Liberaldemokrat ist Präsident der Schweizerischen Universitätskonferenz, dem gemeinsamen Organ von Bund und Kantonen für die universitätspolitische Zusammenarbeit. Doch zitiert werden will Eymann «nur» als Erziehungsdirektor von Basel. Christoph Eymann warnt, die Mittel der Kantone und des Bundes für zusätzliche Studienplätze in der Medizin müssten zielgerichtet und konzentriert eingesetzt werden, sonst gehe dieser Ausbau zu Lasten anderer Hochschuldisziplinen.

«Aus gesamtschweizerischer Optik», sagt Eymann über die Luzerner Ideen, «liegt die Schaffung einer zusätzlichen Medizinischen Fakultät quer in der Landschaft.» Und weiter: «Die neue Gesetzgebung gibt dem Bund mehr Kompetenzen, auch Konzentrationsprozesse anzuschieben. Dies wird in nächster Zeit erfolgen. Die Schaffung zusätzlicher Medizinischer Fakultäten steht im Widerspruch dazu.»

In Zukunft die Kräfte bündeln.

Hier nun kommt also die spröde Medienmitteilung der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK vom 28. Februar ins Spiel: Das neue Hochschulkonkordat. Grundlage dafür ist das neue Hochschulförderungs- und koordinationsgesetz von 2011.

Dieses Gesetz wird Bund und Kantonen künftig mehr Kompetenzen im Hochschulbereich geben. «Es geht darum, die Kräfte zu bündeln, Kompetenzzentren zu bilden, Profile zu schärfen und Portfolios zu bereinigen», erklärt Silvia Studinger vom Staatsekretariat für Bildung, Forschung und Innovation in Bern die Ziele. Es gehe darum, «in den kostenintensiven Bereichen wie etwa der Ärzteausbildung vermehrt Koordinationsmöglichkeiten auszuschöpfen.»

Kein Zwang zur Koordination

Das heisst: Die Zeichen stehen auf Konzentration und nicht auf Ausbau. «Ich weiss, dass der Bund die Kräfte bündeln will», sagt Thomas Willi dazu, «und es ist mir klar, dass meine Idee nicht in dieses Konzept passt. Aber ich sehe das langfristig. Für Luzern wäre das Angebot einer medizinischen Ausbildung von grossem Nutzen.»

Und was bedeutet das für die bürgerliche Mehrheit im Kantonsrat, die mit dem medizinischen Master-Studiengang in Luzern eine Light-Version wünscht? «Ein Ausbau der Studienplätze ist gut», sagt Silvia Studinger vom Bund dazu, «eine Verzettelung der Kräfte hingegen nicht.» Studinger fügt allerdings hinzu, ein Wettbewerb zwischen den Universitäten habe auch positive Effekte, und die Bildungshoheit liege weiterhin bei den Kantonen. «Es liegt letztlich in der Kompetenz des Kantons Luzern zu entscheiden, ob er eine Medizinerausbildung anbieten möchte. Niemand kann den Kanton Luzern zwingen, bei der Koordination der Medizinerausbildung mitzumachen.»

Trotzdem muss sich der Kanton Luzern mit der Frage auseinandersetzen, ob eine  Zersplitterung der medizinischen Forschung und Lehre Sinn macht. «Es ist richtig, dass man die sehr teuren Ausbildungen besser koordiniert», sagt Karin Pauleweit, Leiterin Dienststelle Hochschulbildung und Kultur im Luzerner Bildungs- und Kulturdepartement. «Doch es gibt bereits Ausbildungsplätze in unseren Kliniken, und da muss man sich überlegen, ob man nicht einen Schritt weiter gehen soll: Das Drumherum zu einem eigentlichen Angebot ausbauen und dabei innovative Schwerpunkte setzen.»

Kosten sind noch nicht abschätzbar

Klar ist: Ein Master-Studiengang im Sinne des Kantonsrates würde sehr teuer. Wie teuer ist aber unklar, weil unterschiedliche Zahlen herumgereicht werden. Der Luzerner Kantonsrat ging im letzten November davon aus, dass der Kanton für 210 Masterstudenten (70 pro Jahrgang) jährlich acht Millionen Franken zahlen müsste.

Referenz für diese Zahl sind die Planungen des Kantons Tessin, der ebenfalls einen – wegen der Sprachregion weniger umstrittenen – Master-Studiengang plant. «Wir rechnen jährlich mit 23 Millionen Franken nur für die Lehre. Nach Abzug der interkantonalen Beiträge und der Subventionen des Bundes bleiben für den Träger, den Kanton Tessin, noch rund sechs bis acht Millionen Franken zu finanzieren», sagt Sandro Rusconi, Direktor des Departementes für Bildung, Kultur und Sport in Bellinzona.

Hinzu kämen die vom Bund finanzierten Kosten für Grundlagenforschung und klinische Forschung. «Die ganze Maschine wird 55 bis 60 Millionen Franken kosten», sagt Rusconi. Dabei habe das Tessin den Vorteil, dass es bereits über zwei hoch spezialisierte Angebote in der biomedizinischen Forschung und in der Onkologie verfüge. Rusconi betont allerdings, die Kostenberechnungen seien noch ungenau.

Investitionen in Labors und Hörsääle

Wie hoch die Kosten in Luzern tatsächlich sein werden, ist heute nur schwer abschätzbar. «Wir haben noch keine eigenen Berechnungen angestellt», sagt Karin Pauleweit von der Dienststelle Hochschulbildung, «wir stehen mit unserer Machbarkeitsstudie erst ganz am Anfang.»

Entscheidend wird sein, ob die Infrastruktur im Kantonsspital wenige oder viele Investitionen erfordert. Investitionen in Hörsääle und in Labors zum Beispiel. Für das Luzerner Kantonsspital sind die Voraussetzungen zumindest auf personeller Ebene gut. «Wir haben bereits ein sehr gut ausgebautes klinisches Ausbildungsangebot», sagt Departementsleiterin Verena Briner, «und zahlreiche Kaderärztinnen und -ärzte verfügen über Professuren.»

«Wir sind heute im Spital schon gut ausgestattet», betont auch Karin Pauleweit, das Spital sei ein zentraler Baustein und ein wichtiger Partner. Jetzt müsse man klären: «Wo sind wir gut, wo sind wir stark? Machen wir einfach ein weiteres Angebot, oder setzen wir einen speziellen Schwerpunkt oder verfolgen wir einen innovativen Ansatz?» Ob das möglich sei, fügt Pauleweit hinzu, «ist offen».

Das Problem ist das fehlende Geld

Mit einen speziellen Schwerpunkt läge Luzern durchaus auf der eidgenössischen Linie, weil die Masterausbildung in den Kliniken neu gestaltet werden soll. Der Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann erklärt das so: «Die Spitäler sollen in der Ausbildung Schwerpunkte setzen. Doch die universitären Institutionen sollten nicht eine Vermehrung erfahren.»

Trotz vieler Einwände gegen den Einstieg des Kantons Luzern in die universitäre medizinische Ausbildung bleibt Kantonsrat Thomas Willi aus Emmen optimistisch. «Die Masterausbildung wäre nur ein erster Schritt in Richtung Vollausbau. Ich sehe das so, dass wir den Vollausbau in 15 bis 20 Jahren realisieren könnten.»

Doch man muss kein Prophet sein, um heute schon festzustellen: Einen medizinischen Master-Studiengang wird es in Luzern kaum je geben, und eine medizinische Fakultät schon gar nicht. Das Problem ist vor allem das Geld: Die Regierung will aus Spargründen den Globalbeitrag für die Universität weniger stark erhöhen als geplant, und im Raum steht noch ein anderer Wunsch: Eine neue Wirtschaftsfakultät.

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1 Kommentare
  1. Hasan Candan, 12.03.2013, 14:17 Uhr

    FDP und CVP haben nicht zu Ende gedacht. Es ist bekannt, dass das teure am Medizinstudium der Bachelor Studiengang ist, welcher ein naturwissenschaftliches Studium verlangt an der phil. nat. Fakultät. Da wird neben Biologie, Chemie und Physik auch Medizin gelehrt. Ich glaube, dass der Entscheid, nur ein Master anzubieten, erstens ein Affront gegenüber der Kantone, welche die medizinische Grundversorgung mit dem Bachelor sicherstellen und zweitens diese Kantone sicherlich nicht bereit sind mit dem Kanton Luzern zu kooperieren es sei denn, der Kanton Luzern beteiligt sich an diesen Kosten. Wir wissen aber alle, dass die Sparpolitik der Bürgerlichen dies aber nicht zu lassen wird

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