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Die Mall kämpft mit unbekannten Marken und trauert um Zara
  • Wirtschaft
Der starke Mann hinter der Mall of Switzerland: Centerleiter Jan Wengeler, ein Berliner in Ebikon. (Bild: Manuel Lopez)

Mall-Direktor hofft auf Effekt der Surf-Welle Die Mall kämpft mit unbekannten Marken und trauert um Zara

6 min Lesezeit 1 Kommentar 09.06.2018, 05:50 Uhr

Seit sieben Monaten ist die Mall of Switzerland offen. Die nahe Konkurrenz hatte Angst, doch statt einen Besucherschwund zu beklagen, legte das Emmen Center gar zu. In der Ebikoner Mall hingegen scheint immer wieder Flaute zu herrschen. Centermanager Jan Wengeler rechtfertigt sich.

Seit der Eröffnung der Mall of Switzerland gibt es überraschenderweise mehr Kundschaft im Emmen Center als zuvor. Der Platzhirsch beim Seetalplatz, 42 Jahre lang das grösste Shoppingcenter der Region und plötzlich Nummer zwei, hält sich wider Erwarten stark.

Emmen Center spürt Mall-Konkurrenz kaum

Centerleiter Roland Jungo hatte gesagt: «Vor der Eröffnung der Mall of Switzerland erwarteten wir die ersten Monate einen klaren Frequenzrückgang und gingen davon aus, dass sich dann die Besucherströme wieder einpendeln würden.»

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Doch das war ganz und gar nicht so: Wie zentralplus berichtete, legte das Emmen Center 2017 um 7 Prozent und im laufenden Jahr bereits wieder um 2 Prozent zu.

zentralplus: Jan Wengeler, ging der überraschende Zuwachs des Emmen Centers auf Kosten Ihrer Mall in Ebikon?

Jan Wengeler: Darüber kann man höchstens spekulieren. Fest steht: Die rund 100 Verkaufseinheiten in der Mall of Switzerland konnten in den ersten sechs Monaten offensichtlich einen substanziellen Anteil des regionalen Gesamtumsatzes im Retailhandel auf sich vereinen. Wenn auch das Emmen Center von diesem Hype profitiert hat, freut mich das. Ich sehe das als weiteren Beleg, dass das Format «Shoppingcenter» nach wie vor Zukunft hat. Sofern man es denn richtig macht und bereit ist, in gute Ambiance und neue Ideen zu investieren. 

zentralplus: Wie läuft Ihre Mall bislang?

Wengeler: Wir sind gut gestartet, aber natürlich auch noch in der Aufbauphase. Zahlen nennen wir keine.

«Bestimmte Mieter müssen noch an ihrem Bekanntheitsgrad feilen.»

zentralplus: Was klappt noch nicht rund?

Wengeler: Wir stellen fest, dass bestimmte Mieter noch an ihrem Bekanntheitsgrad feilen müssen. Camicissima ist zum Beispiel in Italien sehr beliebt – aber die Schweizer müssen das erst noch entdecken. Ähnliches gilt für den Schuhhersteller Hostic, der bei uns exklusiv ist. Und selbst an sich bekannte Brands wie Stefanel oder Wrangler tun sich schwer beim Etablieren.

Ein Berliner in Ebikon

Jan Wengeler (39) aus Berlin ist Center-Manager des am 8. November 2017 eröffneten Shoppingcenters Mall of Switzerland in Ebikon. Der Deutsche war viele Jahre als Chef in verschiedenen Shoppingmalls tätig und ist seit 2016 beim Immobiliendienstleister CBRE Schweiz für die Entwicklung von Shoppingcentern verantwortlich. Wengeler lebt in Ebikon.

zentralplus: Man hört viel von der ausbleibenden Kundschaft, vor allem während der Woche und untertags. Wie kommt das?

Wengeler: Dass die Besucherzahlen sowohl im Verlauf der Woche als auch innerhalb des Tages variieren, ist durchaus normal und lässt sich genauso in klassischen Einkaufszentren oder etwa in der Luzerner Innenstadt beobachten. Besonders frequenzstark sind bei uns die Abendverkäufe sowie der Samstag. Schade, dass der Detailhandel im Kanton Luzern durch die restriktiven Öffnungszeiten gerade in diesen Zeitspannen viel Kaufkraft an die Nachbarkantone verschenkt.      

zentralplus: Das ruft nach Änderungen. Welchen?

Wengeler: Wir sind überzeugt, dass die Behörden und das Gewerbe im Kanton Luzern mittelfristig ihre Haltung bezüglich der Öffnungszeiten überdenken werden. Was die Erfahrungen in der Mall selbst betrifft, so sind bisher einige kleinere Änderungen angefallen. Etwa bei der Besucherführung in der Mall mittels Hinweistafeln. Und wir haben auch beobachtet, dass wir die Dienstleistungen rund um unser Angebot noch besser bekannt machen müssen. Selbst viele regelmässige Besucher wissen nicht, dass Gratis-Garderoben, Heimlieferservice, Geschenkkarten-Automaten, elektronische Shop-Finder-Systeme und andere zur Verfügung stehen.

zentralplus: Womit sind Sie sehr zufrieden?

Wengeler: Ganz besonders freut uns, dass das Konzept der sehr breit gefächerten Gastronomie so gut ankommt und dass die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln so rege genutzt wird. Denn diese beiden Elemente sind zentral für unsere Positionierung als zeitgemässe Einkaufsdestination vor dem Hintergrund des sich ändernden Shoppingverhaltens.

zentralplus: Wie meinen Sie das?

Wengeler: Als Stichworte nenne ich da gerne «Symbiose mit dem Online-Handel». Ich denke auch an neue «Trends in der Mobilität».

So gross war der Andrang in der Mall of Switzerland in den ersten Tagen nach der Eröffnung.

So gross war der Andrang in der Mall of Switzerland in den ersten Tagen nach der Eröffnung.

(Bild: zvg/Manuel Lopez)

zentralplus: Eine andere Gruppe der Kundschaft allerdings wendet sich ab: Die Neugier scheint gestillt, die meisten waren mal in der Mall in Ebikon. Und jetzt kauft man wieder in der altbekannten Umgebung?

Wengeler: Das muss man differenziert beantworten: Zum einen verzeichnen wir bereits jetzt einen wachsenden Anteil von täglich wiederkehrenden Kunden. Dazu zählen natürlich auch die vielen Migros-Kunden, die den Wechsel vom alten Standort im MParc zur Mall mitvollzogen haben. Andererseits gibt es tatsächlich das altbekannte Phänomen, dass es eine Zeit dauert, bis sich ein neuer Einkaufsort in den täglichen Gewohnheiten des Konsumenten etabliert. Dieser Prozess ist jetzt im Gang.

zentralplus: Die Manor-Lebensmittelabteilung im Emmen Center hat seit Eröffnung der Mall schwer zugelegt. Wie erklären Sie sich das: Ist Ihre Migros zu wenig konkurrenzfähig?

Wengeler: Migros und Manor sind von der Profilierung und ihrem Sortiment her sicher nicht eins-zu-eins vergleichbar. Gemäss Rückmeldung unserer Kunden ist auch der Foodbereich der Migros in der Mall beliebt. 

«Wir spüren in letzter Zeit zunehmende Frequenz am Abend.»

zentralplus: Wie stark wird das Rahmenangebot in der Mall genutzt?

Wengeler: Wir spüren in letzter Zeit zunehmende Frequenz am Abend. Die Bereiche Fitness und Gastronomie laufen sehr gut. Beim Kino muss man wohl noch die ganze Filmsaison abwarten, um sich ein Urteil bilden zu können. Ganz besonders freuen wir uns aber natürlich auf die Eröffnung der ersten Indoor-Surfanlage der Schweiz im September, die ganzjährig geöffnet sein wird. Das wird mit Sicherheit noch einmal einen weiteren Kreis von Leuten anziehen.

zentralplus: Doch da macht sich in der Region bereits Widerstand breit, wie wir berichteten. Seit diesem Freitag ist nun bekannt, dass das Public Viewing nur im Inneren der Mall stattfinden kann (zentralplus berichtete). Was sagen Sie dazu?

Wengeler: In Gesprächen mit Anwohnern, Behörden und verschiedenen anderen Interessengruppen haben wir eine Lösung im Interesse aller Beteiligten ausgehandelt. Einerseits soll die Mall ein regionaler Treffpunkt, ein Ort des gesellschaftlichen und kulturellen Austauschs sein, andererseits wollen wir aber natürlich auch auf die Anliegen der Nachbarn Rücksicht nehmen.

zentralplus: Zudem soll offenbar auch eine Arztpraxis eröffnet werden?

Wengeler: Das ist richtig. Es handelt sich um eine hausärztliche Gruppenpraxis des Luzerner Anbieters MedCenter, der ja schon die Notfallpraxis «Permanence» im Luzerner Bahnhof betreibt. Diese medizinische Infrastruktur erschliesst der Mall ab November einen zusätzlichen, neuen Funktionsbereich neben Einkauf, Freizeit und Gastronomie.

Ein Jahr nach der Eröffnung soll die Indooranlage endlich Fans in die Mall locken.

Ein Jahr nach der Eröffnung soll die Indooranlage endlich Fans in die Mall locken.

(Bild: zvg)

zentralplus: Viele Kunden nennen als grossen Vorteil des Emmer Shoppingcenters die Gratis-Parkplätze: Sind Sie im Nachteil, weil Emmen 2’100 Gratisparkplätze anbietet, während Ihre Mall aber nur 1’600 gebührenpflichtige Parkplätze hat und immer mal wieder mit Stau auf sich aufmerksam machte?

Wengeler: Die hervorragende Anbindung der Mall an die S-Bahn und den Busverkehr macht die reduzierte Zahl der Parkplätze wett. Und das Thema Stau hat sich ja insgesamt weitgehend entschärft: Aus den Erfahrungen der ersten Tage konnten wir für die Verkehrsführung im Parkhaus schnell wirksame Massnahmen ableiten. Und der Unfall in der Tunnelbrücke A14A, welcher ausgerechnet in der Stosszeit einen Rückstau bewirkt hatte, hat sich zum Glück nicht wiederholt.  

«Natürlich würden wir gerne auch noch Zara bei uns aufnehmen.»

zentralplus: Emmen hat vom weltweit führenden Modehaus Zara den Zuschlag erhalten, Sie haben immerhin die Zara-Schwesterfirma Bershka. Zufrieden oder doch nur zweite Wahl?

Wengeler: Natürlich würden wir gerne auch noch Zara bei uns aufnehmen, aber Bershka ist auf jeden Fall ein grosser Gewinn für die Mall. Bershka spricht ein etwas anderes Publikum an und ist insofern exklusiver, als es sich um die erste Präsenz dieser Marke in der Zentralschweiz handelt.

zentralplus: Ihre Ladenflächen sind erst zu 80 Prozent ausgebucht. Welche Pläne haben Sie für die nahe Zukunft?

Wengeler: In diesem Sommer haben wir zahlreiche Events geplant. Auf jeden Fall werden wir auch in nächster Zeit weitere Vermietungen bekanntgeben, um die Vielfältigkeit und Attraktivität der Mall noch ausbauen zu können.

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1 Kommentare
  1. Michel Ebinger, 09.06.2018, 16:21 Uhr

    Es ist zu hoffen, das dieses unnötige Ding bald Konkurs geht zu Wohle aller und als Abschreckung. Es braucht keine solchen Center mehr.