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Die Luzerner Bobzwillinge sind bereit für den südkoreanischen Eiskanal
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Die Zwillingsschwestern Rahel (links) und Eveline Rebsamen reisen nach Südkorea. (Bild: cmo)

Eveline und Rahel Rebsamen starten in Pyeongchang Die Luzerner Bobzwillinge sind bereit für den südkoreanischen Eiskanal

4 min Lesezeit 08.02.2018, 14:06 Uhr

Der Zufall führte die Zwillinge Eveline und Rahel Rebsamen in den Bobsport. Nun sind die beiden Schwestern aus Eschenbach nach Südkorea gereist – um mit über 100 Sachen den Eiskanal runterzudüsen. Doch wer von den beiden tatsächlich im Bob sitzen wird, steht noch nicht fest. Anders soll dies in vier Jahren sein.

Von Eschenbach nach Pyeongchang führt die Reise von Eveline und Rahel Rebsamen. Die eineiigen Zwillingsschwestern aus dem Kanton Luzern starten diesen Februar im Zweierbob an den 23. Olympischen Winterspielen in Südkorea.

Allerdings sitzen die beiden nicht gemeinsam im Schlitten. Die 23-jährigen Frauen fahren als Anschieberinnen im Team von Bobpilotin Sabina Hafner mit. Mit dem 6. Rang am Weltcuprennen in St. Moritz und dem 7. Rang im deutschen Altenberg sicherte sich die Baselbieterin ihre dritte Olympiateilnahme. Mit den Rebsamen-Zwillingen stellt Hafner das einzige Schweizer Team in dieser Disziplin in Südkorea.

Konkurrentinnen – nur auf dem Papier

Rahel oder Eveline: Wer in Pyeongchang als Anschieberin starten darf, wird erst in Südkorea im Training entschieden. «Je nach Tagesform, es geht bei uns beiden manchmal nur um hundertstel Sekunden», sagt Eveline Rebsamen. Obwohl sie auf dem Papier also Konkurrentinnen sind, ist von Neid oder Missgunst nichts zu spüren.

«Verkettungen und Zufälle führten uns zum faszinierenden Bobsport.»

Eveline Rebsamen

Die beiden werden zum ersten Mal an einer Olympiade teilnehmen, kein Wunder, fahren sie doch erst die zweite Saison als Anschieberinnen bei Sabina Hafner mit. Internationale Rennerfahrungen konnten sie zuvor unter anderem in Königssee bei den Weltmeisterschaften und in St. Moritz am Weltcuprennen sammeln. In Südkorea gilt es für die beiden am 20. und 21. Februar ernst. «Es erwarten uns vier Läufe über zwei Tage. Am Weltcup gibt es jeweils nur zwei Läufe», sagt Rahel Rebsamen voller Vorfreude.

Von der Leichtathletik zum Bobsport

Die athletischen Zwillingsschwestern bringen beste Voraussetzungen für den Bobsport mit. Ihre sportlichen Wurzeln liegen in der Leichtathletik. Kraft und Schnelligkeit sind ein Muss in beiden Sportarten. Beim Bobfahren braucht es zusätzlich noch eine Portion Mut.

«Verkettungen und Zufälle führten uns zum faszinierenden Bobsport. Eine Kollegin machte uns das eisige, rasante Vergnügen schmackhaft. Zuerst nur mir, dann auch Rahel. Denn schliesslich hat sie die gleichen Gene», sagt Eveline Rebsamen und lacht.

Kraft im Doppelpack: Die ehemaligen Leichtathletinnen bringen alle Voraussetzungen mit für den Bobsport.

Kraft im Doppelpack: Die ehemaligen Leichtathletinnen bringen alle Voraussetzungen mit für den Bobsport.

(Bild: cmo)

Mit über 100 Stundenkilometern einen Eiskanal runterfahren ist nichts für schwache Nerven. «Angst begleitet uns aber keine, sonst wären wir blockiert. Eher Respekt», sagt Eveline Rebsamen. Wichtig sei das Vertrauen in die Pilotin. «Sabina Hafner spürt den Bob sehr gut und legt das nötige Feingefühl und die Konzentration an den Tag, die es braucht. Denn Bobfahren ist Millimeterarbeit.»

«Schweizer Schokolade darf auf keiner Auslandreise fehlen.»

Rahel Rebsamen

Bei Geschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern ist es wichtig, dass die Besatzung optimal zusammenarbeitet. Schon kleinste Lenkfehler können sich fatal auswirken. Entsprechend wichtig ist das Reaktionsvermögen der Pilotin. Doch auch die Anschieberin spielt eine wichtige Rolle, denn viele Rennen entscheiden sich bereits im Anlauf.

Klirrende Kälte

Am Samstag sind die beiden Schwestern nach Südkorea geflogen – mit ein paar Tafeln Schweizer Schoggi im Gepäck. «Die darf auf keiner Auslandreise fehlen», sagt Rahel und beide schmunzeln. Zu viele Süssigkeiten sind aber tabu. Die beiden achten auf eine ausgewogene Ernährung, viel Schlaf und bereiten sich mental auf das grosse Abenteuer vor.

Bevor es losgeht, haben die beiden ein paar Tage in Andermatt verbracht. «Dort gibt es eine Startbahn, wo wir den Start optimal trainieren konnten», sagt Rahel. Für die beiden Frauen ist klar: «Wir sind bereit für den südkoreanischen Eiskanal.»

Der etwas mehr als 170 Kilogramm schwere Bobschlitten wurde bereits nach Pyeongchang geflogen – wo übrigens ungefähr minus 16 Grad herrschen. Aber klirrende Kälte sind die beiden Frohnaturen schliesslich gewohnt.

Die beiden sind für die Olympischen Spiele ausgerüstet, der mehr als 170 Kilogramm schwere Schlitten wurde bereits nach Südkorea geflogen.

Die beiden sind für die Olympischen Spiele ausgerüstet, der mehr als 170 Kilogramm schwere Schlitten wurde bereits nach Südkorea geflogen.

(Bild: cmo)

Zudem sind sie bestens ausgerüstet. Alle selektionierten Olympia-Teilnehmer durften sich Ende Januar in Luterbach einkleiden. Für die beiden Schwestern praktisch: Was Rahel passt, das passt auch Eveline. Jacken, Schuhe, Mützen, Koffer, T-Shirts, Turnschuhe waren dabei – alles, was es braucht für die Winterspiele. Wenn die beiden ihre Olympia-Kollektion tragen, sind ihr Stolz und die Vorfreude auf das sportliche Grossereignis unübersehbar.  

Peking 2022 im Visier

In Südkorea könnte das Rampenlicht für einmal auch auf den Frauen-Bobsport fallen. Eine Disziplin, die sich ansonsten noch nicht ganz etabliert hat. Die Liestalerin Sabina Hafner gab 2010 ihren Rücktritt aus dem Spitzensport, danach gab es lange keine Schweizer Pilotin mehr im Bobsport.

2016 kehrte Hafner zurück – mit den Rebsamen-Zwillingen an Bord. Unterstützt werden die Schwestern durch das Projekt «Unsere Helden Luzern» und durch den Verband «Swiss Sliding».

In dieser Kombination wird es in Südkorea allerdings ihr letzter Auftritt sein. Denn Sabina Hafner hat bereits angekündigt, dass sie nach den Olympischen Spielen ihre Karriere definitiv beenden wird. Für die zwei Luzernerinnen ist hingegen klar, dass ihr Weg im Bobsport noch nicht zu Ende ist.

Ihr Ziel ist die Olympiade in Peking 2022. Dort möchten sie im selben Schlitten den Eiskanal runter. Als Team Rebsamen – Kraft und Geschwindigkeit vereint im sympathischen Doppelpack.

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