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Die kuriosen Vier aus Steinhausen
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4 Männer, zwei Generationen, viele Stilrichtungen und grosses Engagement. Das ist «Kurious Kurt & Söhne» (Bild: zvg)

«Kurious Kurt & Söhne» – Musik aus dem Keller Die kuriosen Vier aus Steinhausen

6 min Lesezeit 08.11.2014, 05:36 Uhr

«Kurious Kurt & Söhne» machen Musik, die jeder versteht. Darum hat die Band so viele Auftritte. Nur, so richtig Karriere hat die Zuger Band noch nicht gemacht. Warum eigentlich nicht?

Die Zuger Band «Kurious Kurt & Söhne» macht ihrem Namen alle Ehre. Auf der Homepage der vierköpfigen Band finden sich nur ominöse Aussagen zur Band, abgesehen davon wird man im Internet kaum fündig wenn man nach der Zuger Band sucht. Es gibt nur ein Video, bloss ein paar wenige kurze Musikproben.

Tatsächlich zu finden ist die Band in Steinhausen, zuhause bei Kurt Scheidegger, dem Namensgeber der Band, den eigentlich alle nur «George» nennen. Alle vier Musiker sitzen am Tisch, ausserdem Kurts Frau Edith, die ganz offensichtlich ein wesentlicher Teil dieser ominösen Gruppe ist. Sie unterstützt «Kurious Kurt & Söhne» von ganzem Herzen, ist über die Jahre eine richtige Band-Mama geworden, die nicht zuletzt dafür sorgt, dass alle Mitglieder mindestens einmal wöchentlich etwas Vernünftiges zwischen die Zähne kriegen.

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Von Reggae bis hin zu schweizerdeutschem Rockabilly

Was spielen die da eigentlich? Lange drucksen die Bandmitglieder herum, die Palette ist breit. «Einerseits machen wir Blues, Country, Rockabilly und ein wenig Reggae, anderseits aber auch Balladen. Einiges übersetzen wir ins Schweizerdeutsche», erklärt George. «Zwischendurch streuen wir eigene Songs ins Set. Es ist dann jeweils schön, wenn wir für selber geschriebene Lieder den gleichen Applaus bekommen wie für fremde, auch wenn die Leute denken, es seien Lieder von anderen Musikern.» Es sei im Übrigen nicht schwieriger, ein eigenes Lied zu komponieren. «Ein fremdes Lied zu einem eigenen Stück zu machen ist genau so schwierig», so George weiter.

Koteletten, Schiebermütze und ein Koffer voller Mundharmonikas

Auf die gestellten Fragen antworten alle gleichzeitig, es werden Sätze angefangen und von anderen Mitgliedern ergänzt. Mal wird es laut, oft wird gelacht. Hier, am Esstisch der Scheideggers, ist man zuhause, auch als Gast. Hier wird geplaudert und Feierabendbier getrunken vor der wöchentlichen Probe.

Sie sind sehr unterschiedlich, die vier Menschen, die etwa seit acht Jahren gemeinsam Musik machen.  Da ist George oder eben Kurt, Hauptprotagonist der Band. Er hat Koteletten, einen Dreitagebart und eine Schwäche für erlesene alte Gitarren. «Cousin Schnaps» ist mit über 60 Jahren gleichzeitig ältester Herr und neustes Bandmitglied. Stets ist er mit einem Koffer voller Mundharmonikas unterwegs. «Mätti», den man optisch und charakterlich sofort in die Reggae-Schublade stecken möchte und der stille «Anas» mit seiner Schiebermütze und der Statur eines Schmiedes, sind glatt eine Generation jünger als George und «Schnaps».

 Eine Band mit chronischem Unterstatement

So unterschiedlich die vier Männer äusserlich auch sind, so einfach scheint die Kommunikation untereinander zu sein. Ein mögliches Erfolgsrezept dafür verrät George: «Wir nehmen uns selber nicht ernst, im Gegensatz zu unserer Musik.» Tatsächlich widme er dieser etwa zwei Stunden täglich. Mätti ergänzt: «Ich habe mit meiner Frau abgemacht, dass ich immer genügend Zeit für die Musik bekomme. Aus diesem Grund arbeite ich 80 Prozent. So habe ich genügend Zeit für unsere Kinder.» Obwohl die vier Männer wöchentlich für Auftritte gebucht werden, scheinen sie alle nicht ganz überzeugt davon zu sein, dass ihre Musik so richtig gut ist. «Wir sind nicht die besten Musiker, dafür sind wir die besten Freunde», sagt etwa George – alle anderen lachen und nicken zustimmend.

«Es ist doch auch schön, dass wir nur für den flüchtigen Moment eines Konzerts für die Leute zugänglich sind.»

Anders «Anas», Cajón-Spieler und Sänger

Diese Band ist chronisch bescheiden. Das zeigt sich darin, dass die vierköpfige Band in einem acht Quadratmeter grossen Kellerabteil probt. Darin, dass die Band gerne auf kleinen Bühnen spielt und das am liebsten auf gleicher Ebene wie das Publikum. Und schlussendlich auch darin, dass es selbst nach acht Jahren Bandexistenz noch keine CD der Gruppe gibt. Warum eigentlich nicht? «Auf einer CD würde man ja jeden Fehler hören. Das macht mehr Angst als Freude», sagt Mätti dazu. Ausserdem, so Anas, «ist es doch auch schön, dass wir nur für den flüchtigen Moment eines Konzerts für die Leute zugänglich sind.» Ganz mit leeren Händen müssen Fans jedoch nicht heimgehen. Anstatt einer CD verkauft die Band ihre eigene Chilisauce, die Edith zuhause in der Küche braut.

 «Alles nur mit Mund-zu-Mund-Beatmung»

Sie haben schon am Polyball gespielt und auch an der Zuger Jazz Night gab «Kurious Kurt & Söhne» ein Konzert. «Und das, obwohl wir nie Werbung gemacht haben», sagt George, «alles nur mit Mund-zu-Mund-Beatmung», lacht er. Meist spiele man aber an Hochzeiten oder Geburtstagen, «sogar an einer Beerdigung haben wir einmal gespielt. Uns fehlt eigentlich nur noch ein Gig an einer Scheidungsparty», scherzt George. Und dann im Ernst: «Wir würden gern mehr an kleinen Festivals spielen. Ein Auftritt am Waldstock wäre beispielsweise toll.»

Ob die Gruppe von der Musik alleine leben könnte? «Wenn wir alle keinen Job hätten, könnten wir uns unser Essen tatsächlich mit der Musik verdienen», sagt George. Nur. Das will offenbar niemand von der Band. «Als ich 20 Jahre als war, hat mir der ehemalige Gitarrenbauer der Rolling Stones, Tony Zemaitis, gesagt, ich solle immer nur halbprofessionell Musik machen und daneben einen Job behalten. So würde ich immer wissen, wie es ist, morgens um sieben aufzustehen oder Milch einkaufen zu müssen. So würde ich auch in 20 Jahren noch Musik machen. Das war der beste Rat, den ich je erhalten habe.»

 «Uns fehlt eigentlich nur noch ein Gig an einer Scheidungsparty.»

Kurt «George» Scheidegger, Leadsänger und Gitarrist

«Kurious Kurt», das ist ein Name, der Potential für Verwirrung und Fehler birgt. «Ich hatte früher eine Band, die «Curious Curt» hiess. «Kurious Kurt» ist der gleiche Name im Muotathaler Dialekt. Ja was hat es eigentlich mit diesem Muotathal auf sich? «Wir hatten mal ein Konzert dort vor einigen Jahren. Wir sind dorthin gekommen und wurden nur grimmig angeschaut. Als wir auf die Bühne kamen, standen alle Gäste zuhinterst im Raum. Erst als wir angefangen haben zu spielen, kamen die Leute nach vorne und es wurde immer ausgelassener. Vor zwei Jahren hat uns dann der Organisator des Konzerts erneut gefragt, ob wir dort auftreten. Das hat uns schon sehr stolz gemacht, dass wir bei den Muotathaler so gut ankommen.»

Mit Filzfinken und Herzblut

Nach einem Bier in der gemütlichen Wohnung nehmen «Kurious Kurt & Söhne» mit Instrumenten bewaffnet den Lift vom fünften Stock ins Untergeschoss, wo sie sich in die hinterste Ecke des Kellers verschanzen und mit Filzfinken an den Füssen zu spielen beginnen. Mit altem Equipment das «gepflegt wird wie ein Oldtimer» und mit sehr viel Herzblut. Unsicher sein ob ihrer Musik, das müssen diese kuriosen Gesellen nun wirklich nicht. Bei den ersten Klängen der Kellerprobe wird klar: Diese Musik ist solide, erdig, lebendig. Man kriegt Lust, sich eine der vielen Mundharmonikas zu schnappen und in die Lieder einzustimmen.

Währenddessen kocht Edith im fünften Stock für alle Spaghetti.

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