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Die Krone, der Fels in der Baarer Beizenlandschaft
  • Regionales Leben
Irene und Bruno Branca kamen in vor 32 von Kriens nach Baar.   (Bild: wia)

Pizzen stiessen vor 32 Jahren bei ZKB auf Skepsis Die Krone, der Fels in der Baarer Beizenlandschaft

6 min Lesezeit 12.01.2019, 11:46 Uhr

Mitten im Herzen der Gemeinde Baar trotzt ein Wirtepaar der Krise, in der die hiesige Gastrobranche zu stecken scheint. Seit 32 Jahren führen Irene und Bruno Branca das Restaurant Krone. Und das durchaus erfolgreich. Nicht nur die Kundschaft scheint der Beiz treu zu sein, auch die Angestellten sind es.

Einem neuen Gastrolokal räumt man in Baar keine grossen Chancen mehr ein. Viel zu oft hat die Bevölkerung Restaurants kommen und gehen sehen, Take-aways sind mit teils wagemutigen Ideen aus dem Boden geschossen und kurz darauf wieder eingegangen. Doch nicht nur die hat’s erwischt. Auch viele altbewährte Beizen haben dichtgemacht: Kreuz, Landhaus, Hans Waldmann, Freihof, Rössli, um nur einige zu nennen.

Die Gründe dafür sind mannigfaltig (zentralplus berichtete). Dennoch gibt es auch die anderen. Die Lokale, die funktionieren in dieser schnelllebigen Zeit. Im Restaurant Krone etwa wirtet seit 32 Jahren das gleiche Paar. 

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Es ist zehn Uhr morgens, abgesehen von den Stammgästen und ein paar Kaffeetrinkern ist es noch ruhig in der «Krone». Irene Branca und ihr Mann Bruno sitzen am Tisch. Die Gastgeberin erzählt: «Im Januar 1987 haben wir aufgemacht. Wir sind damals von Luzern nach Baar gekommen, weil wir neugierig waren auf dieses Lokal.»

«Vor 32 Jahren waren wir die Einzigen, die Pizza anboten.»

Irene Branca, Inhaberin des Restaurants Krone in Baar

Zuvor führte das Ehepaar in Kriens das Café Morgenstern. Auf die Idee, selbst ein italienisches Restaurant zu eröffnen, brachte sie ein Arbeitskollege. Eine Idee, die naheliegend war, hat Bruno Branca doch süditalienische Wurzeln. Er sei seinem Vater in die Schweiz gefolgt, nachdem dieser als Saisonier herkam, erzählt der Wirt.

Seine Frau übernimmt: «Heute sagen die Leute, wir seien das einzige Restaurant mit normaler Küche. Zu Beginn waren wir die einzigen, die ausländisches Essen anboten.» Entsprechend sei man anfänglich im Dorf etwas skeptisch gewesen. Nicht nur die Gäste, auch der Direktor der Zuger Kantonalbank, der das Haus damals gehörte, sei nicht begeistert gewesen von der Idee eines Pizzaofens. «Das hat einiges an Überzeugungskünsten gebraucht», sagt die Wirtin.

Vor lauter Eröffnungsstress den Geburtstag des Kinds vergessen

«Wir waren damals sehr jung. Wir dachten, wir hätten keine Chance auf den Mietvertrag. Doch dann willigten die Besitzer überraschend ein und plötzlich musste alles schnell gehen.» Sechs Wochen habe man Zeit gehabt für den Einzug und die Bauarbeiten. «Am 14. Januar wurde der Pizzaofen eingebaut, am Tag darauf feierten wir die Eröffnung.»

Dass die Wirte im Trubel den ersten Geburtstag ihres Sohnes vergassen, trage er ihnen heute noch nach. Scherzhaft natürlich. «Wir haben einfach einen Tag später gefeiert», so die Gastwirtin.

Einige Angestellte sind seit 30 Jahren dabei

Anfangs sei neben Geschäft und Familie wenig Freizeit geblieben, sagt die vierfache Mutter. Mittlerweile habe sich die Situation gelockert. «Wir haben gute, langjährige Angestellte. Da liegt es zwischendurch drin, dass wir für ein paar Tage verreisen», sagt Bruno Branca.

Tatsächlich: Einige der Angestellten sind 10, 15, ja 25 Jahre an Bord. Jemand sogar 30. Wie schafft man das, in einer Zeit, da die Arbeit im Service von vielen als Zwischenlösung angesehen wird? «Wir sind ein Familienbetrieb, und das merkt man wohl auch im Umgang. Gute Angestellte sollte man auch gut behandeln», so das Credo von Irene Branca. Sie ergänzt: «Leider hat der Job als Serviceangestellter kein gutes Ansehen in der Gesellschaft. Dabei ist das ein wunderbarer Beruf, bei dem man immer im Kontakt mit Menschen steht.»

Lingam Yathurai steht in der Küche und bereitet das Mittagessen vor.

Lingam Yathurai steht in der Küche und bereitet das Mittagessen vor.

(Bild: wia)

Eine Branche in stetiger Veränderung

Viel habe sich in der Gastrobranche verändert in den letzten 32 Jahren. Das spürt auch das Ehepaar Branca. «In vielen Beizen hat der Wirt früher selber gearbeitet und war im steten Kontakt mit seinen Gästen. Heute kommt das seltener vor», sagt die Geschäftsführerin.

«Wir haben festgestellt, dass die Gäste mehr Essen bestellen, seit man im Lokal nicht mehr rauchen darf.»

Irene Branca

«Und auch das Essverhalten hat sich geändert. Man isst weniger ausgiebig zu Mittag, hat weniger Zeit. Früher tranken einige gar ein Schnäpsli zum Zmittag.» Nicht zuletzt wegen der neuen Promillegrenze für Autofahrer trinke die Kundschaft heute weniger. «Die Veränderungen sind jedoch nicht nur negativ. So haben wir festgestellt, dass die Gäste mehr Essen bestellen, seit man im Lokal nicht mehr rauchen darf», so die Wirtin.

Die Trümpfe? Vielseitigkeit und Konstanz

Auf die Frage, wie die Brancas das Restaurant Krone so lange schon am Laufen halten, erklärt die Geschäftsfrau: «Wahrscheinlich wegen der Vielseitigkeit. Am Morgen kommen die ersten Kunden für Kaffee und Gipfeli sowie die Stammgäste, später kommen die Mittagsgäste, am Nachmittag die Jasser und am Abend haben wir wieder Gäste, die zum Essen kommen sowie Vereine, die noch ein Bier trinken kommen.»

«Unsere Öffnungszeiten haben sich seit Anfang an noch nie geändert.»

Bruno Branca, Inhaber der «Krone»

Und die, die essen, würden das sehr unterschiedlich tun. «Da gibt es jene, die nur schnell einen Salat und eine Suppe essen, andere feiern hier ihren Geburtstag oder halten ihr Weihnachtsessen ab.» Bruno Branca erzänzt: «Uns ist Konstanz sehr wichtig. Sowohl im Angebot als auch bei den Öffnungszeiten. Diese haben sich seit Anfang an noch nie geändert.»

Mehr Beizen, mehr Attraktivität

Apropos Öffnungszeiten. Viele Zuger wundern sich, warum es im Kanton so wenige Lokale gibt, die sonntags geöffnet haben. Auch die «Krone» bleibt dann geschlossen. Warum? «Vor 32 Jahren gab es in Baar vier Beizen, die am Sonntag offen hatten. Darum zogen wir das damals gar nicht in Erwägung», sagt die Wirtin. «Ausserdem haben die Zuger am Sonntag wohl anderes im Sinn. Sie gehen im Sommer an den See oder wandern und im Winter skifahren. Das würde sich wahrscheinlich nicht lohnen.»

«Es ist nicht so, dass Baar überaus attraktiv wäre.»

Irene Branca

Wie sieht das Wirtepaar die heutige Beizensituation in Baar? Zwar gibt es viele kurzlebige Gastrobetriebe, dennoch bestehen einige Restaurants schon lange und haben Erfolg. Durch diese Konkurrenz fühle man sich nicht bedroht, erwidert Bruno Branca. «Eine gewisse Konkurrenz ist gesund.» Und seine Frau weiter: «Tatsächlich wird ein Dorf interessanter, wenn mehr läuft. Das zieht Leute an. Es ist ja nicht so, dass Baar überaus attraktiv wäre.»

Die Krone lebe vor allem von lokaler Kundschaft und Stammgästen. «Ein Stammgast kommt seit unserer Eröffnung sogar täglich zu uns.» Laufkundschaft käme nur ab und zu vorbei, etwa Gäste des Hotel Ibis.

Die Zukunft? Unklar

Obwohl das Wirtepaar das Pensionsalter erst in einigen Jahren erreicht, machen sie sich bereits jetzt Gedanken zur Zukunft. «Es kann sein, dass unser Sohn, der das ‹Cheers› in Baar führt, den Betrieb übernimmt. Doch sind wir hier als Mieter, weshalb noch sehr vieles offen ist.» Auch die Frage, wie lange die Brancas noch in der «Krone» wirten wollen, können sie nicht mit Sicherheit beantworten. Der Geschäftsführer sagt: «Das hängt sehr davon ab, wie es uns gesundheitlich geht.» Und seine Frau ergänzt: «Wir nehmen eines nach dem anderen.»

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