Abstimmungen zeigen: Die Krienser Bevölkerung ist tief gespalten
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Die Planungsarbeiten für die Pilatusarena können nun vorangetrieben werden. (Bild: zvg)

Ja zur Pilatus Arena, Nein zur Weinhalde Abstimmungen zeigen: Die Krienser Bevölkerung ist tief gespalten

5 min Lesezeit 11 Kommentare 29.11.2020, 14:06 Uhr

Das Krienser Stimmvolk hat der Pilatus Arena inklusive Wohnturm in Luzern Süd zugestimmt. Das Projekt Weinhalde erlitt an der Urne jedoch Schiffbruch. Bis auf Weiteres wird es auf dem Areal am Sonnenberg folglich keine neue Überbauung geben. Die Resultate fielen erwartungsgemäss knapp aus. Für den Stadtrat ist das Verdikt zur Weinhalde ein Warnschuss.

Es war ein emotional geführter Abstimmungskampf. Gegner und Befürworter der geplanten Pilatus Arena in Luzern Süd kämpften mitunter mit harten Bandagen. Während einige Exponenten der Gegnerschaft den Initianten der Halle und des 100 Meter hohen Wohnturms sowie der Stadt Kriens mangelnde Transparenz vorwarfen, enervierte sich die Gegenseite über Falschinformationen auf einem Flyer oder über das Plakat der Gegnerinnen (zentralplus berichtete). Dieses zeigte ein Hochhaus, das so gar nicht gebaut werden soll.

Seit Sonntagnachmittag herrscht nun Klarheit, wie es im Gebiet weiter gehen soll. Die Krienser stimmen dem Bau der Sporthalle sowie des Wohnturms zu. Wie die Auseinandersetzungen im Vorfeld vermuten liessen, fiel das Resultat knapp aus. 5190 Ja-Stimmen standen am Ende 4925 Nein-Stimmen gegenüber.

Gegner sehen knappes Resultat als Zeichen

Die Befürworter freut es. «Es ist uns gelungen, zu zeigen, dass Kriens und der Sport von der Pilatus Arena profitieren», schreibt Toni Bucher, Verwaltungsratspräsident der Pilatus Arena AG, in einer Medienmitteilung. Auch Nick Christen, Initiant der Pilatus Arena, atmet auf. Er betont: «Dieser wegweisende Entscheid sichert verschiedensten Hallensportarten das Überleben. Das verpflichtet uns, nun zügig mit der Realisierung zu beginnen.»

Für die Gegner des Projekts ist das Ergebnis allerdings ein Signal dahingehend, dass «viele Krienserinnen und Krienser genug haben vom Bauwahn im Gebiet Mattenhof», wie einer Mitteilung zu entnehmen ist. Die Diskussionen vor der Abstimmung hätten aber auch gezeigt, dass offenbar sehr viele Ja gestimmt haben wegen der Halle, die Hochhäuser jedoch als negativ beurteilt worden sein. «Die Halle hat offenbar den Ausschlag gegeben», so das Fazit.

Als Nächstes sollen die Planungsarbeiten wieder aufgenommen und es soll mit Hochdruck auf den Baustart hingearbeitet werden.

Extrem knappes Nein bei der Weinhalde

Hingegen muss vorerst auf eine Überbauung im Gebiet Weinhalde am Südhang des Sonnenbergs verzichtet werden. Das Stimmvolk lehnt das Projekt, das 45 Eigentumswohnungen sowie eine neue Zufahrtsstrasse vorsah, an der Urne ab. Das Ergebnis fiel extrem knapp aus – lediglich 73 Stimmen machten den Unterschied. 4’932 Stimmen sprachen sich für das Projekt aus, während 5’005 Stimmen eine Überbauung ablehnten.

«Bevor noch mehr Land für Überbauungen eingezont werden soll, muss Kriens den aktuellen Wachstumsschritt verdauen.»

Komitee «Vernünftiges Wachstum Kriens»

Die Hauptgründe für den Widerstand waren unter anderem eine notwendige Rodung von Wald sowie befürchteter Mehrverkehr. Als Kompensation für die gefällten Bäume war eine Aufforstung an einem anderen Ort vorgesehen. Das Areal dürfte also bis auf Weiteres unbebaut bleiben.

Unterschiedliche Ansichten bei Bevölkerung und Politik

Entsprechend erfreut ist man beim Komitee «Vernünftiges Wachstum Kriens», welches das Referendum gegen die Pläne ergriffen hatte. Insbesondere deshalb, weil es ein Abstimmungskampf «David gegen Goliath» gewesen sei.

«Mit dem Nein zur Einzonung Weinhalde bestätigen die Krienserinnen und Krienser ihre Forderung nach einem qualitativen statt quantitativen Wachstum der Stadt», schreibt das Gremium in einer Mitteilung. Eine grosse Mehrheit der Krienser Stimmbürger sei nicht den Parolen ihrer Parteien gefolgt, weil sie in Sachen Stadtentwicklung nicht einfach ein «weiter wie bisher» wollten, so das Komitee. Zur Erinnerung: SP, SVP, FDP und CVP hatten sich für das Projekt ausgesprochen. Nur die GLP und die Grünen waren dagegen.

Und weiter: «Für uns ist die Weinhalde nicht eine Baulücke, sondern ein wichtiger Freiraum, eine Grünzone im Siedlungsgebiet, die es gerade auch im Hinblick auf das Stadtklima zu erhalten gilt.» Dazu komme, dass Kriens ein grosses Verkehrsproblem hat, das mit jeder neuen Siedlung noch grösser werde. Erst recht mit «autointensiven Überbauungen» wie in der Weinhalde geplant.

Für die Gegner ein logischer Entscheid

Für die Gegner ist das Verdikt denn auch eine klare Folge der Zustimmung zum Einzonungsmoratorim vor zwei Monaten (zentraplus berichtete). «Bevor noch mehr Land für Überbauungen eingezont werden soll, muss Kriens den aktuellen Wachstumsschritt verdauen. Es müssen Lösungen präsentiert werden, wie das Verkehrsproblem entschärft werden kann. Mit dem Bau von neuen Wohnungen mit übermässig vielen Parkplätzen funktioniert das nicht», schreibt das Gegenkomitee dazu.

Auf dem Areal Weinhalde in Kriens hätte drei Gebäude entstehen sollen (Bildmitte).

Stadtrat will Ergebnis genau analysieren

Ganz anders ist die Gefühlslage bei der Regierung: «Der Stadtrat nimmt das Nein des Krienser Stimmvolkes mit Bedauern zur Kenntnis. Sowohl Einwohner- als auch Stadtrat waren nach intensiven Beratungen der Meinung, dass dieses Projekt realisiert werden kann», lässt sich Bauvorsteher Maurus Frey in einer Mitteilung zitieren.

«Wir waren der Meinung, dass die Realisierung ein konsequenter nächster Schritt wäre.»

Stadtrat Maurus Frey zur Weinhalde

Das Nein zeige, wie stark der Sonnenberg in der Krienser Bevölkerung emotional besetzt ist. «Durch das 15-jährige Moratorium für Einzonungen, welches vom Krienser Stimmvolk bei der letzten Abstimmung in Kraft gesetzt wurde, ist ein alternatives Bauprojekt auf der Weinhalde nicht möglich», so Frey. Dass eine Mehrheit der Krienser Stimmbevölkerung gegen das Projekt stimmte, lasse auf eine hohe Sensibilität für Raumplanungsfragen schliessen, ja vielleicht sogar auf einen Meinungsumschwung.

«Das gilt es jetzt zu analysieren und in die anstehende Ortsplanungsrevision einfliessen zu lassen. Wir waren der Meinung, dass die Realisierung ein konsequenter nächster Schritt wäre – eine Mehrheit der Krienserinnen und Krienser sieht das nun aber anders.»

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11 Kommentare
  1. Emma Medici, 30.11.2020, 16:30 Uhr

    „Das Krienser Stimmvolk hat der Pilatus Arena inklusive Wohnturm in Luzern Süd zugestimmt.“ Eben nicht. Sondern es wurde über den Bebauungsplan Pilatus Arena und die Teilzonenplanänderung für 110m hohe Monstertürme abgestimmt. Das ist noch keine Baubewilligung, für welche es eine eigenes, rechtsstaatliches Verfahren mit entsprechenden Einsprachemöglichkeiten – bis vor Bundesgericht – gibt. Wenn es dieses Verfahren schon für Pergolas in Nachbarsgarten gilt, dann erst recht für die Landschaft verschandelnde Ungetüme.

    Die beiden Dinge zu verwechseln zeigt das (leider fehlende) Verständnis für rechtsstaatliche Vorgänge der hier Schreibenden. Kein demokratischer Entscheid darf diese Einsprachemöglichkeiten direkt Betroffener einschränken können.

    Die Initianten zeigen auch heute noch keine Visualisierungen die den Babelturm in ganzer Höhe in Relation zur weiteren Umgebung zeigen – nur das schon zeigt, mit welch unlauteren Mitteln hier für Pfründe gekämpft wird. Das wird sich mit dem Baugesuch ändern müssen. Nachdem die Krienser die Katze im Sack gekauft haben, ist es Zeit sie mal raus zu lassen. Ich sage voraus: Die Überraschung wird gross sein.

  2. Hans Hafen, 30.11.2020, 16:21 Uhr

    Ich kondoliere den Kriensern zu ihrem Entscheid, den sie alsbald bereuen und teuer berappen werden! Der Turmbau zu Kriens kann beginnen….

    1. Kasimir Pfyffer, 30.11.2020, 16:32 Uhr

      Die Baulobby freuts, und das Stimmvolk, das den „Für den Sport“-Bullshit geglaubt hat, darf noch ein bisschen weiterträumen. Wenn die Landschaft dann definitiv mit dem DDR-Turm verschandelt, die Verkehrs- und Infrastrukturüberlastung komplett und die munzige Mehrwertabschöpfung im Budgetdefizit verpufft ist, kommt das böse Erwachen.

  3. B Suter, 30.11.2020, 09:55 Uhr

    Generell ist den zukünftigen Bauherren und Architekten mitzugeben, dass mehr für den Geschmack der Bevölkerung geplant werden muss und weniger dem architektonischen Zeitgeist. Wenn man die Bevölkerung im Boot haben will muss man mehr so planen, dass die Projekte auch der Bevölkerung gefallen. Zb. kommen innovative Ansätze wie das bepflanzte Hochhaus sehr gut an, auch Lichtkunst, verspielte Fassaden und interessante Gebäudeformen kommen bei vielen gut an. Wenn in Zukunft weiterhin nur renditeoptimierte kubische Blöcke mit eintönigen Fassaden geplant werden, gebe ich den Bauherren geringe Chancen auf Erfolg.

  4. Tobias Mueller, 30.11.2020, 00:13 Uhr

    Anhand Bildern aus dem Fotoarchiv der ETH lässt sich die Schliessung der „Baulücke“ zwischen Ehrendingen und Dattenberg entlang der Südflanke des Sonnenbergs über die vergangenen 45 Jahre gut nachverfolgen. Damit wird man einerseits der Absurdität des zitierten Ausdrucks gewahr, und andererseits auch des Scheiterns der Steuerstrategie, welche im Abstimmungskampf als Pro-Argument herhalten musste: Die heute so desolaten Finanzen von Kriens wären demnach ja gar nie entstanden.

    1. Kasimir Pfyffer, 30.11.2020, 09:42 Uhr

      Danke für diesen Hinweis. Das ständige „Gute Steuerzahler“-Geleier von Parlament und Regierung ist lächerlich. Wer viel Geld zu versteuern hat, möchte an einem Ort mit tiefem Steuersatz und einer intakten Landschaft wohnen. Kriens bietet keines von beidem.

  5. Tomas, 29.11.2020, 22:48 Uhr

    Gratulation an den Gegner: doch mit falschen Abstimmungs-Projektrecherche, Halbwahrheiten, falsche Projektevaluation, Plakatierungen auf fremden Grundstücken, eigensinnige – veraltete Denkweise so weit gekommen sind!
    Das JA gilt der Zukunft vom Sport und den Sportbesuchern. Das Stimmvolk von Kriens sagt JA für den Nachwuchssport, Breitensport und den Spitzensport.

  6. Renggloch Böög, 29.11.2020, 18:34 Uhr

    Es ist sehr gut, dass es dem gegnerischen Lügen-Komitee nicht gelungen ist, das tolle, zukunftgerichtete und von allen Parteien unterstützte Projekt zu bodigen! Die Jungen und Freizeitsportler können sich auf eine coole Halle freuen.

    1. paul, 29.11.2020, 19:10 Uhr

      @ emma medici
      volk hat abgestimmt, volk hat ja gesagt! bitte akzeptieren! demokratiiiiiii! danke!

  7. Emma Medici, 29.11.2020, 15:20 Uhr

    Was vor allem gezeigt wurde ist das trotz Halbwahrheiten und massivem Geldeinsatz der Befürworter nur ganz knappe Mehrheiten gefunden werden. Trotzdem eine Schande. Nun gilt es das Baugesuch bis vor Bundesgericht zu ziehen. So eilig wie es die Initianten nun plötzlich haben, wird ihnen das Geld wohl bald ausgehen.
    Eine Schande ist auch die offizielle Webseite von Kriens, die als amtliches Sprachrohr heute wie ein Propagandaorgan wirkt. Es wird keine Stellungsnahme des Referendumskommitees veröffentlicht – das immerhin knapp die Hälfte der Stimmbürger repräsentiert. Demokratischer Diskurs sieht anders aus.

    1. Philipp, 29.11.2020, 16:02 Uhr

      Die Einzigen die mit halbwahrheiten Stimmung gemacht haben waren die Gegner. Das Sie jetzt schon wieder von Bundesgericht sprechen zeigt, dass Sie eine schlechte Verliererin sind die demokratische Entscheidungen nicht akzeptieren kann.

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