Die Köchin des Jahres wurde dank Corona zur Königin der Improvisation
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Michèlle Meier ist Köchin des Jahres. (Bild: Tina Sturzenegger)

Töff und vegetarische Menüs Die Köchin des Jahres wurde dank Corona zur Königin der Improvisation

4 min Lesezeit 1 Kommentar 08.05.2021, 18:16 Uhr

Michèle Meier vom Restaurant Lucide im KKL Luzern ist im November nicht nur mit 16 Gault-Millau-Punkten geehrt, sondern auch als Köchin des Jahres ausgezeichnet worden. Wenige Wochen später musste das «Lucide» wegen der Coronapandemie schliessen. Seither muss die Spitzenköchin improvisieren – etwa mit dem neuen Pop-up auf der Terrasse der Seebar.

«Ich habe ja im April 2019 im damaligen ‹Red› angefangen. Unsere Kurve zeigte von Anfang an aufwärts. Christian Gujan als Gastgeber und ich funktionieren gut miteinander», erzählt Michèle Meier, als zentralplus sie zum Gespräch trifft. Anfang 2020 wurde das «Red» wegen des Umbaus für längere Zeit geschlossen. «Die Wiedereröffnung als ‹Lucide› fiel bereits in den ersten Lockdown. Als wir ab Mai wieder offen hatten, konnten wir mit dem neuen offenen Ambiente punkten», sagt Michèle Meier. Denn für 16 Gault-Millau-Punkte brauche es nicht nur gutes Kochen, auch das Ambiente müsse stimmen.

Von den Punkten und der Auszeichnung profitiert nicht nur die Karriere von Michèle Meier, sondern natürlich auch das «Lucide». «Nachdem ich zur Köchin des Jahres gekürt wurde, waren wir sofort noch besser besetzt», freut sie sich. Als das Restaurant im Dezember wieder geschlossen wurde, haben die 42-Jährige zusammen mit Christian Gujan Ideen gewälzt, wie sie die Zeit nützen könnten. «Christian hatte die Idee zu den Take-away-Boxen. Doch ich war erst skeptisch. Ein Vier-Gang-Menü, das die Gäste selbst fertigkochen: Da bleibt auch mit einer Anleitung noch ein Restrisiko», vermutet sie.

Take-away-Boxen sind kein Zukunftsmodell

Doch Christian Gujan konnte sie überzeugen. «Wir haben von vielen Gästen Fotos geschickt bekommen, wie sie ihre Menüs angerichtet haben. So wurde ihnen auch bewusst, was hinter unseren Gerichten steckt», meint sie schmunzelnd. Für diese Krise sei das okay, doch nach den Massnahmen kann es sich Michèle Meier nicht vorstellen, dass sie die Take-away-Boxen weiter anbieten werde. «Mit dem Foodtrailer ist das etwas anderes», betont sie.

«Ehrlich gesagt, bin ich grad happy so wie es ist.»

Auf dem Vorplatz des KKL Luzern bietet das «Lucide» im Foodtrailer seit Kurzem etwa Fish ’n’ Chips oder ein Beef Sandwich im Fladenbrot an. «Hier können wir selber anrichten und haben wieder Kontakt zu unseren Gästen. Das habe ich sehr vermisst», so die Köchin des Jahres. Es tue gut, arbeiten zu können. Auch für die Mitarbeiter, die so als Team eingespielt blieben. Sie seien parat, um Vollgas zu geben.

Zwangs- als Kreativpause genutzt

Während das «Lucide» aber immer noch geschlossen ist und Aktionen wie die Take-away-Boxen oder der Foodtrailer zwar lässig sind, steht Michèle Meier dennoch viel mehr Freizeit zur Verfügung als ohne Corona: «Ich nutze die Zeit mit meiner Familie und zum Motorrad fahren. Aber auch beruflich bin ich immer dran.» So bekomme sie immer wieder Interviewanfragen als Köchin des Jahres oder wurde eingeladen, als Jurymitglied beim Swiss Kitchen Award und beim Marmite Youngster Award mitzumachen. «Durch solche Engagements kann ich mich weiterentwickeln und man vernetzt sich dabei natürlich auch.»

Ein gutes Team: Christian Gujan und Michèle Meier.

Experimente mit veganer Küche

Köchin des Jahres und 16 Gault-Millau-Punkte: Welche Ziele hat Michèle Meier, die in Inkwil (BE) aufwuchs und bei Nik Gygax ihre Lehre absolvierte, noch? «Ehrlich gesagt, bin ich grad happy so wie es ist», meint sie lachend. Das sei schwierig zu toppen: «Ich will jetzt geniessen, was ich erreicht habe. Mir gefällt es hier im ‹Lucide› in Luzern. Christian und ich haben viele Freiheiten und geniessen grosses Vertrauen. Ich habe einen schönen Arbeitsplatz.»

«Ich möchte unsere Gäste wieder normal empfangen. Ich vermisse das Anrichten, den richtigen Service. Ja, die Action und ein volles Restaurant.»

Ein eigenes Restaurant sei mitunter schon ein Thema: «Klar, ab und zu liebäugle ich damit. Aber die Sorgen werden mit einem eigenen Restaurant nicht weniger.» Entwickeln tut sie sich auch im ‹Lucide›. «Inspirationen finde ich – auch während den Coronamassnahmen – zum Beispiel auf Instagram. Die Take-away-Boxen zu konzipieren war auch eine neue Herausforderung. Und wir befinden uns was vegetarische Menüs angeht in einem Lernprozess. Ich habe immer mehr Freude daran. Wir sind von vegetarischen Gängen zu einem ganzen vegetarischen Menü gekommen und überlegen uns nun, sogar vegane Gänge zu entwickeln», verrät die Spitzenköchin.

Mittagsmenüs und Snacks für zwischendurch

Michèle Meier wurde als Köchin des Jahres ziemlich ausgebremst durch Corona. Sie sehnt sich nach Normalität: «Ich möchte unsere Gäste wieder normal empfangen. Ich vermisse das Anrichten, den richtigen Service. Ja, die Action und ein volles Restaurant» – die Leidenschaft funkelt in ihren Augen.

Die freien Abende, die sie zurzeit hat, seien zwar nett gewesen, aber für die 42-jährige Expertin für französische Küche sei es normal, abends und am Wochenende zu arbeiten. Ein erster Schritt in diese Normalität ist nun das «Lucide»-Pop-up auf der Terrasse der «Seebar» im KKL Luzern – zumindest bei schönem Wetter.

«Wir bieten wechselnde Mittagsmenüs an, eine feine Abendkarte und Snacks für zwischendurch. Für den Muttertag haben wir ein spezielles Menü kreiert», freut sich Meier. Ob das Pop-up wegen schlechtem Wetter geschlossen ist, wird auf dem Instagram-Kanal des «Lucide» kommuniziert.

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1 Kommentare
  1. Theresa Hofmann, 14.05.2021, 11:23 Uhr

    Es zeigt sich wieder einmal: wer den nötigen Drive und Ideenreichtum hat, schafft alless. Super gemacht!

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.