Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
«Die klopfen Cordon-Bleu die ganze Woche hindurch»
  • Wirtschaft
  • Gastgewerbe
Die Cordon-Bleu-Produktion im Restaurant Kränzlin an der Bruchstrasse stösst gewissen Nachbarn sauer auf. (Bild: gwa / Bildmontage)

Luzerner Anwohner wehren sich gegen Küchenlärm «Die klopfen Cordon-Bleu die ganze Woche hindurch»

5 min Lesezeit 5 Kommentare 06.01.2017, 11:24 Uhr

An der Bruchstrasse sorgt das Restaurant Kränzlin für rote Köpfe: Die Beiz klopft fleissig Cordon-Bleus und treibt einige Nachbarn damit auf die Palme. Ob der Wirt einlenkt?

Franziska* lebt seit 16 Jahren an der Dufourstrasse 13 im Luzerner Bruchquartier. Seit einem halben Jahr habe sie keinen ruhigen Abend mehr: «Die klopfen Cordon-Bleu die ganze Woche hindurch. Das ganze Haus vibriert, sieben Tage die Woche bis spät am Abend.» Grund für das Ungemach ist das Restaurant Kränzlin schräg gegenüber an der Bruchstrasse 68, das dort seit dem letzten Frühling italienische und Schweizer Küche anbietet. «Seit das Kränzlin geöffnet hat, kann ich am Abend nicht ausspannen oder in Ruhe fernschauen.»

«Die Verwaltung hat uns versprochen, mit dem Pächter das Gespräch zu suchen.»

Unterstütze Zentralplus

Franziska*, betroffene Mieterin

«Wir haben genug Geduld gezeigt»

Um den Wirt zum Einlenken zu bewegen, habe sie bereits das persönliche Gespräch gesucht. Der Pächter hat aber kein Verständnis gezeigt. Da der Dialog mit dem Wirt nicht möglich sei, hat sie deshalb einen Brief an die Verwaltung geschrieben, den drei weitere Mietparteien im gleichen Haus unterschrieben haben. «Sie hat uns versprochen, mit dem Pächter das Gespräch zu suchen.» Seither hat sich aber nichts mehr getan. Sie will deshalb einen zweiten Brief schreiben: «Wir haben genug Geduld gezeigt.» Und falls das wieder zu nichts führt? «Wir können auch anders, dann gehen wir zur Gewerbepolizei.»

«Ich kann die Cordon-Bleus nicht den Tag hindurch vormachen»

Ganz anders sieht das Pächter Müslüm Karakoc. Er hat die Räumlichkeiten der ehemaligen Pizzeria Da Milo Anfang Jahr übernommen (zentralplus berichtete). Die Vorwürfe sind aus seiner Sicht völlig übertrieben. «An einem sehr guten Abend machen wir maximal 20 Cordon-Bleus und im Durchschnitt sind es rund zehn Stück.» Mehr liege mit nur einem Koch neben all den anderen Menüs gar nicht drin. «Unsere Küche schliesst normalerweise um 22 Uhr und wir liefern kaum mehr etwas aus später am Abend. Und falls doch, sind es vor allem Pizzen.»

Er betont, dass er die Nachtruhe nicht gezielt störe: «Ich kann die Cordon-Bleus nicht den Tag hindurch vormachen, denn wir verwenden verschiedene Arten von Fleisch und die Nachfrage variiert von Abend zu Abend. Ich will kein Fleisch wegschmeissen müssen.» Neben dem Restaurant Kränzlin betreibt er mit seinem Bruder den Kebab-Laden Favori an der Pilatusstrasse. Franziska habe mit ihm das Gespräch gesucht. «Die Kompromissvorschläge waren aber nicht sinnvoll.»

 

Müslüm Karakoc, Pächter und Wirt des Restaurant Kränzlin, zeigt uns, wo und wie die Cordon-Bleus zubereitet werden.

Müslüm Karakoc, Pächter und Wirt des Restaurants Kränzlin, zeigt uns, wo und wie die Cordon-Bleus zubereitet werden.

(Bild: gwa)

Beispielsweise habe Franziska vorgeschlagen, die Cordon-Bleus den Tag hindurch bei einer Metzgerei herstellen zu lassen. Das sei aber nicht möglich, weil das Fleisch am Abend dann nicht mehr frisch sei. Karakoc ist aber offen für Alternativen: «Ich weiss nicht, was ich machen soll, aber wenn jemand einen nützlichen Kompromiss vorschlägt, dann bin ich gerne bereit, diesen umzusetzen.»

Diese Geräusche des Cordon-Bleu-Klopfens nerven die Anwohner:

 

Geräusche stören nicht alle

Gelassen nimmt den Streit Architekt Beat Stadelmann. Er hat an der Dufourstrasse 13 sein Büro. Den Brief an die Verwaltung hat er nicht unterschrieben, weil er nicht direkt betroffen ist: «Da ich nur den Tag hindurch arbeite, stören mich Geräusche aus der Küche nicht.» Ausserdem sei der junge Wirt ein «guter Mann». Er könne aber nachvollziehen, dass am Abend die Zubereitung der Cordon-Bleus vielleicht etwas störend sein könne. «Aber da gibt es sicher eine Lösung.»

«Mir war nicht bekannt, dass es da ein Problem gibt.»

Liegenschaftsbesitzer Nik Fanger

Laut Franz Hunkeler, Inhaber von «ImmoDienste Zentralschweiz AG», habe man bereits Massnahmen ergriffen: Einerseits sei vom Pächter eine spezielle Unterlage für das Klopfen der Cordon-Bleus angeschafft worden, andererseits schliesse Herr Karakoc konsequent das Fenster gegen die Strasse hin beim Klopfen. Auch habe man eine Dämmung installiert.

«Wer neben einem Restaurant einzieht, weiss, dass es manchmal etwas lauter wird.»

Franz Hunkeler, Inhaber Immodienste Zentralschweiz

Ausserdem müssten Anwohner beim Einzug in der Nähe eines Restaurants mit Emissionen rechnen. «Wir haben die notwendigen Massnahmen ergriffen. Die einzige Alternative ist, dass der Wirt keine Cordon-Bleu mehr produziert. Dann ist das Restaurant wirtschaftlich gefährdet.» Hunkeler gibt auch zu bedenken, dass an der Bruchstrasse 68 seit Jahrenzehnten gewirtet wird. «Wer neben einem Restaurant einzieht, muss damit rechnen, dass es manchmal etwas lauter werden kann. Mit gewissen  Lärmemissionen muss man in einem solchen Fall leben.» 

Hausbesitzer Nik Fanger sagt: «Mir war nicht bekannt, dass es da ein Problem gibt. Wer an der Bruchstrasse lebt, weiss, wie laut es hier manchmal sein kann.» Auch vorher gab es am gleichen Ort mit der Pizzeria Da Milo bereits ein italienisches Restaurant, da habe nie jemand reklamiert.

«Mit einem gewissen Lärmpegel müssen Mieter in der Regel leben.»

Ruedi Spöndlin, Mieterinnen- und Mieterverband

Mieter müssen mit Emissionen leben

Ruedi Spöndlin vom Schweizer Mieterinnen- und Mieterverband empfiehlt, im Fall von gewerblichem Lärm die Lärmschutzbehörde sowie die Gewerbepolizei zu konsultieren. Es stelle sich die Frage, ob es sich um einen unzulässigen Lärm handelt, die rechtlichen Bestimmungen seien aber sehr technisch. Eine Lösung sieht Spöndlin in baulichen Massnahmen zur Lärmreduktion. Der Experte für mietrechtliche Fragen gibt aber zu bedenken: «Mit einem gewissen Lärmpegel müssen Mieter in der Regel leben.»

«Wenn der Vermieter eine besonders ruhige Wohnlage verspricht oder sich die Situation stark verändert, kann der Mieter aber möglicherweise eine Mietzinsreduktion verlangen.» Dass der Mieter eine solche Reduktion zugesprochen erhält, sei ansonsten schwierig einzufordern.

Im Restaurant Kränzlin wird vorerst weitergeklopft: «Damit das Restaurant läuft, muss ich Umsatz machen und meine Cordon-Bleus sind beliebt. Ich werde sie mit Sicherheit auch in Zukunft anbieten», sagt Pächter Karakoc.

*Der Name wurde geändert, ist der Redaktion aber bekannt.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

5 Kommentare
  1. Franzisca Müller, 10.01.2017, 00:39 Uhr

    Liebe Lesern

    Wie sie bereits aus dem Artikel entnehmen können, wohne ich seit 16 Jahren an der gleiche Adresse. Mitte in der Stadt! Es ist laut, die Leute feiern, wir habe hier mehrere Bars in der Nähe, Autos kommen und gehen… Und mein Schlafzimmer ist auf der Strassenseite… Da ich in der Stadt so lange wohne, kann es nicht sein dass ich auf ein mal auf Lärm so empfindlich bin. Es stört mich nicht! Es ist halt so in der Stadt! Aber, es ist eine andere Situation wenn den ganzen Tag geklopft wird! Es hört sich wie auf eine Baustelle an, wobei den ganzen tag gehämmert wird! Das ganze Haus vibriert und das unerträgliche Hämmern raubt den letzen nerv. Wer was von Physik versteht, weiss vorüber ich spreche. Es sind Vibrationen und Klopfen die durch die Bausubstanz übertragen werden uns somit das Hammer in Wohnstube bringt. Es wir sonntags, am Feiertagen, wie z.B. Allerheiligen, Maria Himmelfahrt, usw. gehämmert, ja bis 20 mal am Tag. Und nicht nur bis zum 22 Uhr, es geht viel länger! Prüfen Sie die Arbeitszeiten der Restaurant, dann sprechen wir weiter… Geschweige von bis 4 Autos die im Innenhof auf die Durchfahrt geparkt werden. Die Herren aus Kränzlin benützen die öffentliche Fläche einfach so. Die anderen Einwohner zahlen für die Parkplätze, Kränzlin nein! Dann bitte schreiben sie oder sprechen sie nicht von Sachen die sie selbst nicht erlebt haben.

  2. Сандро Грујанић, 07.01.2017, 17:20 Uhr

    Ja ich weiss wie es sich anhört. Wohne einen Haus nummer weiter und höre es ständig bis spät in die Nacht und das über 22:00 . Das parkieren ihrer Fahrzeuge im Hof wo bis 4 autos stehen aber keinen gemiteten parkplatz besitzen finde ich nicht in ordnung . Und ja das wir in der Stadt wohnen aber beim Milo war er Ruhig . Ist es in der stadt ist oder aufem Land ..Laut ist Laut … und es ist nicht nur Franziska die es stöhrt sonder 90% des hofes.

  3. Peter Schmid, 06.01.2017, 17:11 Uhr

    Ist das Ganze wirklich von öffentlichem Interesse? Was soll das, liebes zentral+? Solche Stories sind hier völlig fehl am Platz.

    1. Redaktion Christian Hug, 06.01.2017, 17:33 Uhr

      Danke für Ihr Feedback. Was für den einen «völlig fehl am Platz» erscheint, interessiert andere – und umgekehrt. Sie werden sicherlich Verständnis dafür haben, dass wir die Auswahl der veröffentlichten Themen auf zentralplus auch zukünftig selbst vornehmen. Und wir sind überzeugt, dabei auch Ihre Bedürfnisse mit abzudecken.

  4. Martin Fähndrich, 06.01.2017, 16:40 Uhr

    Liebe Franziska,
    Was ich da lese, haut mich schlicht und einfach um. Ist dies dein grösstes Problem momentan?
    Gratuliere. Ich darf dich vielleicht daran erinnern, dass du in einer Stadt wohnst. Echt jetzt, zieh doch aufs Land. Ist nur ein gutgemeinter Tip. Lieber Gruss Martin

Mehr Wirtschaft