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Die kleinsten Gemeinden stellen am meisten Kandidaten
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In der Gemeinde Neuheim treten vier Bisherige und fünf Neue zur Wahl an. Drei Kandidaten sind parteilos, sie sehen das als Vorteil. (Bild: zvg)

Gemeinderatswahlen Kanton Zug Die kleinsten Gemeinden stellen am meisten Kandidaten

7 min Lesezeit 31.07.2014, 05:25 Uhr

Parteien in der ganzen Schweiz beklagen sich immer wieder, sie fänden in kleinen Gemeinden keine Politiker. Zug beweist genau das Gegenteil. Die drei Gemeinden mit den wenigsten Einwohnern bieten bei den anstehenden Gemeinderatswahlen die grösste Auswahl. Eine deutlich grössere sogar als in den Jahren zuvor.

Widerlegt der Kanton Zug die Binsenwarheit, dass kleine, ländliche Gemeinden politische Wüsten seien? In Unterägeri und in Hünenberg finden im Oktober zwar stille Wahlen statt, weil sich nur die bisherigen fünf Gemeinderäte für eine weitere Amtsperiode «verknurren» lassen (wir berichteten). Doch derselbe Kanton beweist auch das pure Gegenteil: In den drei kleinsten Zuger Gemeinden Neuheim, Walchwil und Menzingen bietet sich den Wählern eine beachtliche Auswahl an Kandidierenden.

In allen drei Ortschaften kämpfen neun Kandidaten um die fünf Sitze. Die kleinste von ihnen ist Neuheim mit rund 2’000 Einwohnern. Zum Vergleich: In Baar, das mit rund 22’500 Einwohnern die grösste Gemeinde nach der Stadt Zug ist, stellen sich für sieben Gemeinderatssitze gerade einmal zehn Personen zur Verfügung. In Cham – rund 15’300 Einwohner – sind es sieben Kandidierende für fünf Sitze. Ebenfalls sieben sind es in Risch mit knapp 10’000 Einwohnern.

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Dieser Verhältnis-Unterschied ist erstaunlich, klagen doch die Parteien in der ganzen Schweiz, dass sie in den kleinen Gemeinden keine Politiker finden würden. Eine Erklärung dafür könnte das neue Wahlsystem sein. Am 5. Oktober 2014 wählen die Zuger zum ersten Mal die Gemeindeexekutiven im Majorzsystem – der Personenwahl. Nun zeigt sich: Die Parteibindung kann in kleinen Gemeinden sogar ein Hindernis sein.

Die Parteien finden in Neuheim keine Leute

Christof Wicky, Gemeindeschreiber in Neuheim, sagt: «In Neuheim treten für die Wahlen im Oktober tatsächlich viele Kandidaten an». Im Vergleich zu den Wahlen vor vier Jahren sei das auffällig: «Damals standen für die fünf Sitze lediglich sechs Kandidaten zur Wahl, dieses Jahr sind es neun». Unter den neun Kandidierenden in Neuheim sind fünf neue Anwärter und Anwärterinnen, drei von ihnen gehören nicht einer Ortspartei an, sondern treten als Parteilose an.

Ein Parteiloser sitzt in Neuheim bereits im Gemeinderat. Franz Keiser kam vor sieben Jahren als SVP-Mitglied in die Exekutive, trat dann aber aus der Partei aus und ist seither ein unabhängiger Politiker. «In Neuheim haben die Parteien Mühe, Leute zu finden», sagt er gegenüber zentral+. Dass er dieses Jahr nicht mehr als einziger Parteiloser antritt, sondern mit ihm Susanne Krüdewagen und Rolf Gisler, überrascht ihn nicht: «Weil neu im Majorz gewählt wird, konnten sich mehr Neuheimer für ein solches Amt motivieren.» Denn es gehe in einer kleinen Gemeinde wie Neuheim vor allem darum, dass die Person im Ort verankert ist und man sie kenne.

«Als SP-Kandidat hätte man kaum Chancen»

Die Parteizugehörigkeit sei nicht so wichtig, im Gegenteil, sie könne manchmal sogar hinderlich sein. «Falls jemand für die SP antreten würde, hätte er hier praktisch keine Chancen. Eine Person, die aber links politisiert, ohne einer Partei anzugehören, kann sich reale Chancen ausrechnen», so Keiser. In Neuheim mit seiner kleinen Grösse biete die Personenwahl vielen Kandidierenden eine attraktive Ausgangslage, so Keiser, und «die Parteien sind viel wichtiger auf kantonaler und nationaler Ebene.» Auch in einer Stadt hätten die Parteien mehr Gewicht, denn dort kenne man sich nicht gegenseitig.

«Die Parteien sind viel wichtiger auf kantonaler und nationaler Ebene.»

Franz Keiser, Gemeinderat Neuheim

Dieses Jahr gilt es in Neuheim auch das Gemeindepräsidium neu zu besetzen, möglicherweise eine weitere Motivation, räumt Keiser ein. Er selbst stellt sich für dieses Amt auch zur Verfügung. Neben Keiser wollen aber auch die beiden bisherigen Gemeinderäte Richard Schubnell (SVP) und Roger Bosshart (FDP) an die Spitze.

Ein Walchwiler sieht die Parteilosigkeit als Vorteil 

Neben Neuheim fallen die zweitkleinste Zuger Gemeinde, Walchwil, und die drittkleinste, Menzingen, durch gut gefüllte Listen auf. In Walchwil mit rund 3’600 Einwohnern wollen neun Personen regieren, ebenso in Menzingen mit rund 4’300 Einwohnern. In Walchwil sind sechs neue Kandidaten dabei, unter ihnen auch der Parteilose Mario Zanella. Er kandidiert das erste Mal für ein politisches Amt. Dass er parteilos ist, sieht er als Vorteil: «Man muss für die Gemeinde da sein, nicht für eine Partei. Wenn eine Partei eine gute Idee hat, dann kann ich das trotzdem unterstützen», so Bademeister Zanella.

Auf die Frage, welche Qualitäten er denn in den Gemeinderat einbringen könnte, sagt er: «Ich wohne und arbeite im Dorf und kenne die Bevölkerung sehr gut.» In Walchwil treten neben Zanella alle Kandidierenden auf den Listen von SVP, FDP, SVP und SP auf. Neu steht dieses Jahr auch die glp mit René Schmid-Bill zur Wahl.

Insgesamt kämpfen sie um zwei freie Sitze. Guido Suter (SP) kandidiert neu für den Kantonsrat, der Gemeinderat Peter Roth ist Ende April bei einem Unfall tödlich verunglückt.

Einzig die Vakanzen spielen eine Rolle

Der Walchwiler Gemeindepräsident Tobias Hürlimann teilt die Ansicht nicht, dass sich in kleineren Gemeinden tendenziell mehr Kandidaten zur Wahl stellen als in grösseren: «Aufgrund der Ausgangslage ist die Anzahl Kandidaten absolut normal und nicht überraschend». Bei zwei Vakanzen sei es richtig und auch sinnvoll, Wahlen zu ermöglichen und den Stimmbürgern eine Auswahl zu bieten.

Entscheidend seien die Vakanzen in einer Gemeinde, so Hürlimann. Dies sei der Hauptaspekt zur Anzahl Kandidierenden. Gerade die Gemeinden Neuheim, Menzingen und Walchwil würden dies deutlich aufzeigen. «Zusammenfassend kann man davon ausgehen, je mehr Sitze zu besetzen sind, desto mehr stehen dafür zur Verfügung, und umgekehrt», erklärt Hürlimann. 

«Je mehr Sitze zu besetzen sind, desto mehr stehen dafür zur Verfügung.»

Tobias Hürlimann, Gemeindepräsident Walchwil

Die Anzahl Kandidaten habe ausserdem «überhaupt keinen Zusammenhang» mit dem geänderten Wahlsystem: «Der Gemeinderat wurde aus Sicht des Stimmbürgers immer mit den Personen gewählt, jetzt ist es ehrlicher und muss nicht über die Parteizugehörigkeit ausgeübt werden.» 

Von links bis rechts alles in Menzingen

In Menzingen mit rund 4’300 Einwohnern treten nur gerade drei bisherige Kandidaten – Peter Dittli (FDP), Martin Kempf (SVP) und Susan Staub-Matti (CVP) – wieder an. Aber an Neuen mangelt es auch hier nicht, und diese vertreten das gesamte politische Spektrum: Für die Alternativen-Die Grünen kandidiert Barbara Beck-Iselin, Florian Mauchle für die Piratenpartei, Isabelle Menzi-Vogel und Titus Rüedi für die CVP, Michael Meyer für die FDP und Markus Staub für die SVP. Von links nach rechts ist also alles mit dabei, und sogar die in Zug neu antretende Piratenpartei.

Ob ein Zusammenhang zwischen Grösse und Anzahl Kandidaten besteht, mag umstritten sein, aber mindestens haben die Wähler in den drei kleinsten Zuger Gemeinden am 5. Oktober eine echte Auswahl. Gerade auch, was die politische Ausrichtung angeht.

Auf der nächsten Seite finden Sie alle Kandidierenden der Zuger Gemeinden!

Wer kandidiert für welchen Gemeinderat: die Übersicht

 

Neuheim

Schillig Daniel, 1965, Landwirt, CVP, neu
Monika Ulrich-Meier, 1972, Sekretärin, CVP, bisher
Roger Bosshart, 1964, Grafiker, FDP, bisher
Marcel Güttinger, 1969, kfm. Angestellter, FDP, neu
Rolf Gisler, 1960, Sozialarbeiter, parteilos, neu
Franz Keiser, 1957, Landwirt, parteilos, bisher
Susanne Krüdewagen, 1962, Lic.phil I, parteilos, neu
Andreas Bächtold, 1981, Geschäftsführer, SVP, neu
Richard Schubnell, 1950, Unternehmer, SVP, bisher

Walchwil

Tobias Hürlimann, 1963, Unternehmer, CVP, bisher
Stefan Hermann, 1972, Geometer, CVP, bisher
Monika Hürlimann-Rust, 1970, Hausfrau, CVP, neu
René Loosli, 1964, Executive Director, FDP, bisher
Eveline Bräm, 1981, eidg. dipl. Betriebswirtein, FDP, neu
René Schmid-Bill, 1966, Leiter Kundendienst, glp, neu
Caroline Schmid, 1978, Sachbearbeiterin, SVP, neu
Jeannette Simeon-Dubach, 1961, Werbe-Beraterin, SP, neu
Mario Zanella, 1959, Gärtner, parteilos, neu

Menzingen

Susan Staub-Matti, 1962, Familienfrau, CVP, bisher
Isabelle Menzi-Vogel, 1973, Dipl. Betriebsökonomin FH, CVP, neu
Titus Rüedi, 1969, Drucktechnologe EFZ, CVP, neu
Peter Dittli, 1957, Fahrlehrer, FDP, bisher
Michael Meyer, 1965, Kaufmann, FDP, neu
Martin Kempf, 1970, Geschäftsführer, SVP, bisher
Markus Staub, 1986, Sanitärmonteur, SVP, neu
Barbara Beck-Iselin, 1954, Laborantin/Schulergänzende Betreuung, Alternative-Die Grüne, neu
Florian Mauchle, 1982, Systemadministrator/Anwaltsassistent, Piratenpartei, neu

Oberägeri

Evelyn Rust, 1978, Geschäftsleitungsmitglied, CVP, neu
Peter Staub, 1957, Gärtner/Unternehmer, CVP, bisher
Marcel Güntert, 1969, dipl. Ing.-Agr. FH, FDP, bisher
Pius Meier, 1957, Landwirt, FDP, bisher
Andreas Meier, 1962, Energieingenieur, SVP, bisher
Paul Iten, 1954, Sekundarlehrer, Forum Oberägeri, bisher

Cham

Christine Blättler-Müller, 1967, Familienfrau/Lehrerin, CVP, neu
Georges Helfenstein, 1965, Unternehmer, CVP, neu
Markus Baumann, 1954, Architekt, FDP, bisher
Rolf Ineichen, 1953, Kaufmann, SVP, neu
Claus Soltermann, 1964, IT-Projektleiter, glp, neu
Charles Meyer, 1953, Systemischer Coach, KRIFO, bisher
Beat Schilter, 1964, Projektleiter, parteilos, bisher

Baar

Sylvia Binzegger, 1961, Gemeinderätin, CVP, bisher
Paul Langenegger, 1952, Gemeinderat, CVP, bisher
Pirmin Andermatt, 1966, Geschäftsführer, CVP, neu
Andreas Hotz, 1959, Rechtsanwalt, FDP, bisher
Jost Arnold-Merz, 1952, Bauunternehmer, FDP, bisher
Ursula Müller-Wild, 1958, Primarlehrerin, FDP, neu
Hans Steinmann, 1949, Eidg. dipl. Haustechniker/Sanitär, SVP, bisher
Oliver Wandfluh, 1969, Senior Consultant, SVP, bisher
Alois Gössi, 1959, Eidg. dipl. Wirtschaftsinformatiker/Kantonsrat, SP, neu
Berty Zeiter, 1956, Gemeinderätin, Alternative-Die Grünen, bisher

Steinhausen

Barbara Hofstetter-Kurmann, 1958, CVP, bisher
Hans Staub, 1958, CVP, bisher
Carina Brüngger-Ebinger, 1965, Führungsfrau mit eidg. Fachausweis, FDP, bisher
Esther Breuer, 1969, Teamleiterin Hauswirtschaft, FDP, neu
Heinz Fuchs, 1956, Betriebsmeister, SVP, neu
Andreas Hürlimann, 1982, Betriebsökonom FH, Alternative-Die Grünen, neu
John Stutzer, 1957, Projektleiter, parteilos, neu
Peter Felber, 1959, Finanzplaner, parteilos, neu

Risch

Peter Hausherr, 1966, Immobilienverwalter/Buchhalter, CVP, bisher
Markus Scheidegger, 1965, Unternehmer, CVP, bisher
Ruedi Knüsel, 1955, El. Ing. HTL, FDP, bisher
Roland Zerr, 1950, Lic. oec. HSG, FDP, neu
Francesco Zoppi, 1956, Gewerbelehrer, SVP, bisher
Flavio Roos, 1970, Unternehmer, SVP, neu
Rémi Odermatt, 1950, Schulinspektor, Alternative-Die Grünen, neu

Alle Listen vorbehältlich Prüfung durch die Gemeindekanzleien. Die bereinigten Listen werden am 15. August 2014 publiziert.

Für die Gemeinden Hünenberg, Unterägeri und Grosser Gemeinderat der Stadt Zug siehe die Artikel

«In zwei Gemeinden bereits gewählt» und

«Die Piraten machen Ernst».

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