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Die Kampagne in Pink – für Politik statt Brot
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Die 17-jährige Ylenia wirbt gegen die Fremdsprachen-Initiative. (Bild: les )

Fremdsprachen-Initiative mit familiären Bindungen Die Kampagne in Pink – für Politik statt Brot

4 min Lesezeit 28.08.2017, 04:10 Uhr

Eine 17-Jährige verkauft in pinker Uniform ein Brot. Dahinter steckt für einmal aber keine Werbung der Confiserie Bachmann, sondern eine politische Botschaft. Dabei spielt jedoch auch der Papi der Werbeträgerin eine wichtige Rolle. Doch damit nicht genug: Auf der politischen Gegenseite gibt es gar eine knisternde Verbindung.

Die 17-jährige Ylenia aus Buchrain strahlt auf dem Flyer, der gegen die Fremdsprachen-Initiative wirbt. Am 24. September stimmt das Luzerner Stimmvolk über eine Initiative ab, welche künftig nur noch eine Fremdsprache in der Primarschule unterrichten will. Die Initianten lassen zwar offen, ob dies Englisch oder Französisch sein soll – Bildungsdirektor Reto Wyss hat allerdings bereits unmissverständlich klar gemacht, dass man Englisch auf die Oberstufe verbannen würde (zentralplus berichtete).

Zurück zu Ylenia. «Ich brauche meine Sprachkenntnisse täglich», heisst es im Testimonial, das sie beim Verkauf einer Backware zeigt. Auffällig, sie trägt Pink und präsentiert einen pinken Papierbeutel. Und das in Luzern. Kein Schelm, wer denkt, die Confiserie Bachmann habe hier die Hände im Spiel. Gerade auch, weil es in der Stadt Luzern mit allen Touristen gar nicht abwegig ist, dass man mit Deutsch alleine nicht durchkommt.

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Firmenname wird nirgends erwähnt

Die 17-Jährige arbeitet tatsächlich bei der Confiserie Bachmann. Geschäftsführer Matthias Bachmann dementiert jedoch ein politisches Engagement seines Unternehmens: «Ylenia wurde direkt von der Kampagnenleitung angefragt, weil ihr persönlich Fremdsprachen wichtig sind und sie sich dafür interessiert.» Deshalb sei auch nirgends ein Logo zu sehen oder der Firmenname erwähnt. Falls es für Ylenia stimme, habe man lediglich das Einverständnis gegeben, dass sie am Arbeitsplatz fotografiert werden dürfe.

«Es ist doch schön, wenn Jugendliche bereit sind, für ihre Überzeugungen einzustehen.»

Alex Piazza, Kampagnenleiter Contra-Komitee

Kampagnenleiter Alex Piazza von der «apimedia ag» erklärt den Sinn hinter dem Testimonial: «Wir haben zwei Hauptargumente für das frühe Erlernen von Fremdsprachen: Es nützt und es macht Spass.» Die 17-jährige Ylenia könne ihre Sprachkenntnisse im Beruf täglich anwenden. Auf einem zweiten Sujet ist ein Knabe zu sehen. Der 12-jährige Tobias aus Werthenstein – «Fremdsprachen sind voll cool» – verkörpere, dass die Kinder bereits in der Primarschule Freude an Sprachen entwickeln. «Das Ziel ist, dass die Botschaft authentisch vermittelt wird – und das ist der Fall», sagt Piazza.

Zurück zur auffälligen farblichen Verbindung mit dem Luzerner Grossunternehmen. «Da ist überhaupt nichts dran», sagt der Kampagnenexperte. «Es ist doch schön, wenn Jugendliche bereit sind, für ihre Überzeugungen einzustehen.» Doch wie kam es zur Zusammenarbeit? Piazza erklärt, wie schwierig die Suche nach geeigneten Personen ist. «Eltern für eine solche Zusammenarbeit zu überzeugen, ist gar nicht so einfach. Die Jugendlichen exponieren sich stark.» Bei der 17-jährigen Ylenia handelt es sich um Piazzas eigene Tochter. Er macht dies völlig transparent und sagt: «Da ist überhaupt nichts Verwerfliches dran.»

«Es spielt keine Rolle, dass dies die Tochter des Kampagnenleiters ist.»

Xaver Vogel, Kampagnenleiter Pro-Komitee

Die Frage sei, wer die Botschaft verkörpern könne. Man spürt, Piazza spricht lieber über den weiteren Inhalt des Flyers. Und dieser beinhaltet durchaus Spannendes. 40 Personen sind abgebildet. Unternehmer, Kulturschaffende, Lehrer und gar ein Olympiasieger. Dazu mit Ausnahme der SVP alle Fraktionschefs. Der Widerstand gegen die Initiative ist gross. An diesem Montag wird die Kampagne definitiv lanciert.

Bei den Befürworter agiert ein Liebespaar

Ebenfalls diese Woche wollen die Befürworter mit ihrem Geschütz auffahren. Angeführt wird diese Kampagne von Xaver Vogel, auch er verspricht ein breites Komitee. Eine wesentliche Rolle bei den Befürwortern spielt Annamarie Bürkli, Präsidentin des Lehrerinnen- und Lehrerverbands. Und auch da gibt es eine pikante Verbindung: Vogel kennt Bürkli gut – sie ist seine Partnerin. Diese Verbindung sei überhaupt kein Problem, sagt er. «Das Komitee gab es ja schon, bevor er die Kampagnenleitung übernahm.» Kam er also zum Handkuss? «Meine Partnerin weiss um meine Arbeitsbelastung. Zu tun hätte ich auch sonst genug. Ich erhielt den Zuschlag, weil die Entscheidungsträger von meiner Arbeit überzeugt sind.»

Wie der Flyer der Gegner daherkommt, will er übrigens nicht gross kommentieren. «Es spielt keine Rolle, dass dies die Tochter des Kampagnenleiters ist», sagt er knapp. Was ihn allerdings stört, ist der Inhalt. «Es wird suggeriert, wir wollten eine Fremdsprache abschaffen.» Die einzige Forderung sei, dass man eine Fremdsprache in die Oberstufe verlegen wolle. Dafür würden vor allem entwicklungspsychologische Gründe sprechen.

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