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Die Kaltblütigkeit unterscheidet die Berner von den Zugern
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Carl Klingberg fällt über Wochen aus. (Bild: Fabrizio Vignali )

Eine Spielanalyse zum Match EVZ gegen SCB Die Kaltblütigkeit unterscheidet die Berner von den Zugern

3 min Lesezeit 01.10.2017, 16:56 Uhr

Die mit Spannung erwartete Reprise des letztjährigen Playoff-Finals zwischen dem EVZ und dem SC Bern bot eine spektakuläre Begegnung. Die beiden Kontrahenten haben bereits zu Beginn dieser Saison bewiesen, dass sie wieder zu den Titelanwärtern gehören werden, aber noch viel Luft nach oben aufweisen.

Nach der defensiv äusserst kompakten und konzentrierten Darbietung am Freitag, mit der die Zuger in Fribourg den Tabellenführer ablösen konnten, ereilte sie am Samstag dasselbe Schicksal. Für mehr Gesprächsstoff als der doppelte Fluch des Tabellenführers dürfte der turbulente und so atypische Verlauf des Spitzenkampfes sorgen. Zuger und Berner boten ein unerwartetes Spektakel, dem zeitweise die Ordnung gänzlich abging.

Die Zuger, mit Ausnahme des langzeitverletzten Alatalo erstmals in Bestbesetzung angetreten, zeigten dabei zwei unterschiedliche Gesichter, die sowohl den insgesamt gelungenen Saisonstart als auch das noch reichlich vorhandene Steigerungspotenzial illustrierten.

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Starke Reaktion stellt Klasse unter Beweis

Die Zuger erwischten dabei einen denkbar schlechten Start, indem sie wegen eines ebenso unnötigen wie übermotivierten Checks mit Grossmann ihren momentan formstärksten Verteidiger für den Rest der Partie verloren und sich einen 0:2-Rückstand einhandelten, bevor die Teams bei personellem Gleichstand einen Wechsel vollziehen konnten. Dass das Heimteam die Partie danach drehen konnte, spricht für seinen Kampfgeist, seine Klasse und seine Widerstandsfähigkeit.

Angeführt von der Kampfkraft und dem schieren Willen von Garrett Roe und dem omnipräsenten McIntyre, der nach seiner Verletzungspause bereits wieder den dominanten Zuger Einzelspieler mimt, wendeten die Zuger innerhalb eines Wimpernschlags die Partie und zerzausten die sonst so souveräne Ordnung des Meisters. Während drei Vierteln der Begegnung zeigten die Zuger, dass sie sich über den Sommer in den richtigen Bereichen verstärkt sowie an Tempo gewonnen haben und über das momentan wohl beste Ausländerquartett der Liga verfügen.

Unerklärliche individuelle Fehler

Doch dem EVZ ist es am Samstag nicht nur gelungen, dem Titelhalter den Meister zu zeigen, sondern auch sich selbst – den amtierenden Tabellenführer – zu bezwingen. Am Ursprung dessen standen drei gravierende Fehler von Führungsspielern, die selten vorkommen – geschweige denn kumuliert in einer Zeitspanne von weniger als vier Minuten. Dass Coach Kreis und die erfahrenen Spieler Helbling und Schnyder den Knackpunkt der Partie allesamt in der umstrittenen Strafe gegen Stalberg sahen, die zur doppelten Unterzahlsituation und dem Berner Ausgleich führte, mag plausibel klingen. Nur bleiben damit zwei wesentliche Punkte ungenannt.

Erstens mag die Strafe kleinlich gepfiffen gewesen sein, doch war das Nachstochern des Zuger Topscorers bei Genoni in jener Spielsituation – in Unterzahl und mit einem Tor in Führung – vollkommen unnötig. Zweitens erklärt es den Zusammenbruch der Zuger nach dem Ausgleich nicht. Dieser überrascht umso mehr angesichts der starken Reaktion aus der wesentlich vertrackteren Situation zu Beginn der Partie.

Der Scheibenverlust von Diaz, der weiterhin auf der Suche nach seinen dominanten Auftritten des Frühjahrs ist, kann unter keinen Umständen akzeptiert werden – zumal nicht von einem Spieler dieser Klasse. Der Patzer Stephans vor dem 3-5 wurde wohl von Schnyder am besten zusammengefasst, wonach «Fehler menschlich sind und passieren können».

Kaltblütigkeit als Differenz zwischen Bernern und Zugern

Umso bitterer, dass es den Zugern zuvor nicht gelungen ist, die Fehler des taumelnden Meisters kaltblütiger auszunutzen. Vielleicht dient das fünfminütige Blackout an diesem regnerischen September-Abend als Lektion, um vom Meister zu lernen. Deren Inhalt ist ebenso entscheidend wie banal: Es reicht nicht, besser als der Gegner zu spielen, wenn die Dominanz nicht in Treffer umgemünzt wird. Die erste Reprise des Playoff-Finals dient dem EVZ als Erinnerung, dass Kaltblütigkeit, Schnörkellosigkeit und Erfahrung weiterhin die Differenz zwischen Bernern und Zugern ausmachen. In diesem Sinne hat schliesslich der Titelhalter, der in den kapitalen Momenten zugeschlagen hat, den Zugern erneut den Meister gezeigt.

Es hat nicht sein sollen: Der EVZ verliert mit 3:6 gegen den SC Bern. Die Mannschaft bedankt sich bei den Fans für die Unterstützung.

Es hat nicht sein sollen: Der EVZ verliert mit 3:6 gegen den SC Bern. Die Mannschaft bedankt sich bei den Fans für die Unterstützung.

(Bild: Fabrizio Vignali)

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