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Die Jagd nach den hellen Köpfen
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Die talentierten Studenten werden von Unternehmen heiss umworben. (Bild: zvg)

Umwerbung von Studenten Die Jagd nach den hellen Köpfen

5 min Lesezeit 18.02.2014, 06:00 Uhr

Unternehmen bemühen sich um Luzerner Studenten. Mit Kooperationen und Partnerschaften nutzen sie alle Möglichkeiten, die von Uni oder Fachhochschule angeboten werden. Die Palette reicht dabei von elitärer Begabtenförderung bis hin zum exklusiven «Jahrgangs-Sponsoring».

Emmi wird in Zukunft besonders nett zu den Studierenden sein. Das Grossunternehmen hat mit der Hochschule Luzern – Wirtschaft einen «Jahrgangs-Sponsoring»-Vertrag abgeschlossen. Für die nächsten drei Jahre darf sich Emmi an verschiedenen Anlässen als Unternehmen in einem guten Licht präsentieren und mit «seinen» Schützlingen in Kontakt treten. Selbstverständlich mit klarer Erwartung: «Die Rekrutierung von geeigneten Mitarbeitenden gestaltete sich in den vergangenen Jahren nicht immer einfach», sagt Sibylle Umiker, Mediensprecherin von Emmi. «Konkret erhoffen wir uns einen besseren Zugang zu qualifizierten Wirtschaftsinformatikern.»

Solche Karriere-Plattformen, Schnittstellen-Angebote und Kooperationen mit Universität und Fachhochschule sind bei den Unternehmen sehr beliebt. Um mit «Studierenden in Kontakt zu treten», wird offenbar keine Gelegenheit ausgelassen. Und je näher die Wirtschaft an ihre potenziellen Arbeitskräfte herankommt, desto besser.

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Zugang zu Bewerbungsprofilen

Für einen Betrag in der Höhe «bis 25’000 Franken» pro Jahr erkauft sich Emmi einen exklusiven Zugang. Emmi darf sich auf verschiedenen Anlässen und Plattformen zuvorderst vorstellen. Dafür steht dem Unternehmen ein Sammelsurium an Möglichkeiten zur Auswahl, um sich den Studenten nähern zu können. Sei es durch Fachreferate, Exkursionen, Kontaktgespräche oder Firmenpräsentationen.

Das Departement Wirtschaft ist die einzige Abteilung der Hochschule Luzern, die das «Jahrgangs-Sponsoring» kennt. UBS und Credit Suisse haben sich in den Vorjahren beteiligt. Neben Emmi ist aktuell noch das Beratungsunternehmen PriceWaterhouseCoopers (PWC) für den Studentenjahrgang 2011 dabei.

Als Gegenleistung darf ein Jahrgangs-Sponsor während drei Jahren auf die Bewerbungsprofile der Studierenden zugreifen, welche diese in einem Netzwerk der Hochschule angelegt haben. Mit Einwilligung der Studierenden ist es ihnen zudem erlaubt, ihren Schützlingen viel Glück bei den bevorstehenden Prüfungen zu wünschen, oder zu gratulieren, wenn sie bestanden haben. Und die besten Diplomarbeiten ihres Jahrgangs werden prämiert.

Die Omnipräsenz lohnt sich für die beteiligten Unternehmen. Die Berater von PWC, die mit dem Kontakteknüpfen an der HSLU vor zwei Jahren begonnen haben, haben offenbar erste Erfolge vorzuweisen: «Wir können talentierte Absolventen rekrutieren, welche die gewünschten Anforderungen mitbringen und zu PWC und unserer Unternehmenskultur passen», sagt die Projektverantwortliche Natalie Vogel. Konkret nimmt PWC an einem «Mentoring-Programm» teil und stellt nach Bedarf Fachexperten für Referate zur Verfügung.

Auch für den Ausbildungsleiter der Hochschule Luzern – Wirtschaft, Pius Muff, geht die Rechnung schlussendlich auf: «Die Partnerorganisationen haben ein Interesse daran, möglichst hoch qualifizierte Arbeitnehmer zu rekrutieren. Ein Weg, dies zu erreichen, ist die Stärkung des Praxisbezugs der Fachhochschulen. Mit einem Jahrgangs-Sponsoring leisten sie einen Beitrag zu beiden Aspekten.»

Finanziell abhängig mache sich die Hochschule Luzern nicht von den Sponsoren. «Gewisse Dienstleistungen müssten ohne Sponsoring möglicherweise eingeschränkt werden, ohne dass dies aber die qualitative Kernsubstanz beeinträchtigen würde. Inhaltliche Beiträge des Sponsoringunternehmens wie zum Beispiel Fachreferate erfolgen nur auf Wunsch und im Einverständnis mit der Hochschule», sagt Pius Muff.

Jus-Talente im Fokus

Spezielle Partnerschaften wie die Hochschule Luzern kennt auch die hiesige Universität. Dort wird unter Namen «Primius» der Zugang zu talentierten Jura-Studenten geregelt. Primius gilt unter den Schweizer Rechtsfakultäten als einzigartig und soll ambitionierte Bachelor-, Master- und Doktoratsstudierende fördern. Sie würden später einmal verantwortungsvolle Positionen in Wissenschaft, Wirtschaft, Justiz und Verwaltung übernehmen, so die Uni Luzern.

Das elitäre Programm wird von fünf privaten Partnern unterstützt (darunter drei Anwaltskanzleien, wieder PriceWaterhouseCoopers sowie die  Helvetia Versicherungen). Was die Unternehmen erwarten können, wird im Werbeslogan klar: «Möchten Sie in Zukunft vermehrt die besonders talentierten Jus-Studierenden und -Doktorierenden mit gezielten Partnerschaften ansprechen? Wir unterbreiten Ihnen eine starke Idee, die wir gerne mit Ihnen umsetzen möchten», heisst es in den Unterlagen zu Primius.

Mit wie viel Geld die Universität dabei unterstützt wird, will sie nicht bekannt geben. «Manche suchen den Kontakt zu den Studierenden, andere beteiligen sich aus Goodwill, weil sie es für eine gute Sache halten», sagt Lukas Portmann, Kommunikationsbeauftragter der Universität.

Bei «Primius» besuchen Jus-Studenten mit einem besonders guten Notendurchschnitt die Fortbildungen der Unternehmen im Bereich Kommunikation, Management oder Konfliktlösung, sie belegen «interdisziplinäre Kurse» oder praxisorientierte Angebote «zur Stärkung der sozialen sowie kulturellen Kompetenzen».

Praktika als Job-Flirts

In gewissen Studienrichtungen sind an der Uni Luzern mehrmonatige Praktika vorgeschrieben oder möglich. Dies sei eine gute Möglichkeit für die Studierenden, mit potenziellen Arbeitgebern in Kontakt zu kommen und vor allem auch, einen Einblick in den Arbeitsalltag zu erhalten, sagt Portmann.

Interessanterweise werden in diesen Praktika die angehenden Absolventen der theologischen Fakultät besonders umworben. «Da gibt es mehr offene Stellen als Anwärter», sagt Portmann. Das Bistum Basel lädt zum Beispiel die Studierenden ein, die Bistumsleitung kennen zu lernen. Oder es wird extra für die Studierenden eine zweitägige Weiterbildungstagung organisiert.

HTA: Betreute Projektarbeiten und Speed-Dating

Ein besonders «nettes Miteinander» gibt es scheinbar bei Projekt- und Abschlussarbeiten. Zum Beispiel am Departement Technik und Architektur (HTA) der Hochschule Luzern. Dort zahlt ein Unternehmen pro Student und Abschlussarbeit 1000 Franken an die Hochschule. «Die Industrieprojekte sind hervorragende Instrumente für die Kontaktpflege zu Unternehmen», sagt René Hüsler, Direktor HTA. Im 5. Semester führen Studenten die in Auftrag gegebenen Projektarbeiten durch. Diese dauern 14 Wochen und pro Student oder Studentin werden jeweils 180 Stunden geleistet.

Einen besonderen Vorteil hat hier die CKW, die Centralschweizerische Kraftwerke AG. Sie kann durch ihre Kooperation mit der HTA potenzielle Arbeitskräfte direkt anwerben. Die CKW finanziert an der HTA eine Assistenzstelle und besetzt diese mit frisch diplomierten Elektroingenieuren. Die Vorarbeiten zu den Projekten werden in Form von Diplomarbeiten anderer Studierender erbracht.

Ferner sind Kontakt-Messen seitens der Unternehmen sehr beliebt. Die HTA hat zusammen mit der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz ein erfolgreiches «Career-Speed-Dating» durchgeführt. Und bei jährlichen Kontaktgesprächen der HSLU nehmen rund 90 Firmen teil.

Die Reaktionen von Studierenden, die an solchen Karriere-Plattformen teilnehmen, sind unterschiedlich. Die einen empfinden das Auftreten der Firmen und eine omnipräsente Werbung als aufdringlich, wie ein Student auf Anfrage erklärt. Eine Mehrheit aber spricht sich für die Karriere-Plattformen aus. «Ich habe die Möglichkeit, nicht einzuwilligen oder den Angeboten einfach aus dem Weg zu gehen», sagt Dominik Schürmann, Informatik-Student und ehemaliger Präsident des Studierendenrates Luzern. Und was er noch anfügen möchte: «Mein Komilitone hat über eine Projektarbeit eine Stelle bekommen.»

 

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