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Die Haudegen des FC Meggen versauern in der 4. Liga
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Zu viele Karten: Der FC Meggen bleibt in der 4. Liga. (Bildmontage pze)

Aufstieg verpasst – trotz genügend Punkten Die Haudegen des FC Meggen versauern in der 4. Liga

4 Min 27.06.2017, 15:55 Uhr

Weil die Fussballer des FC Meggen ein paar gelbe Karten zu viel geholt haben, steigen sie trotz Top-Torverhältnis nicht in die 3. Liga auf. Schuld ist eine besondere Regel auf Regionalebene. Mit dem Aufstieg hätte es dennoch beinahe geklappt – wäre da nicht noch eine zweite Innerschweizer Spezialregel.

Da zeigt sich, wie wichtig gute Manieren sind. Der FC Meggen hatte den Aufstieg vor Augen. Die zwei bestplatzierten Mannschaften werden in der nächsten Saison in der 3. Liga spielen – die Megger kämpften also um jeden Punkt und holten tatsächlich am zweitmeisten, nämlich 17 aus neun Spielen. Den punktgleichen SC Schwyz überflügelte Meggen mit dem Torverhältnis. Also: Aufstieg! Oder nicht?

Fairplay-Regel im Weg

Was das Lächeln auf dem Gesicht der Megger gefrieren liess, war die Fairplay-Regel des Innerschweizer Fussballverbands (IFV). Diese ist nun zehn Jahre alt und besagt: Die «Strafpunkte» sind gleich nach der Anzahl geholter Punkte die entscheidende Grösse für die Tabellenposition. Das heisst: Egal wie viele Tore Meggen noch geschossen hätte – es nützt alles nichts.

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Strafpunkte holt sich ein Team via Vergehen wie gelbe Karten (ein Strafpunkt), rote Karten (zwei pro gesperrtes Spiel) oder Ampelkarten (drei Strafpunkte). Härtere Vergehen werden drastischer geahndet: Eine Tätlichkeit gegenüber dem Schiedsrichter, auch vor oder nach dem Spiel, gibt 40 Strafpunkte (ganze Tabelle siehe Box am Ende).

Mit der Fairness-Wertung wollte der Innerschweizer Fussballverband gegen die ansteigende Gewalt im Regionalfussball angehen.

Aufstieg der 2. Mannschaft

Was die erste Mannschaft knapp verpasst hat, hat dafür die zweite in der 5. Liga gepackt: Der FC Meggen II gewann am 10. Juni das Aufstiegsduell gegen den FC Sins mit 3:1 und wurde Gruppenerster mit 38 Punkten aus 16 Spielen.

Meggen interveniert

Trotz der Wertung blieb ein Hoffnungsschimmer: Denn die 3. Liga wird ab nächster Saison aufgestockt. Da aus den überregionalen Ligen aber nicht genügend Innerschweizer Clubs abgestiegen sind, gab es plötzlich übriggebliebene Startplätze in der höheren Spielklasse. Die Megger hofften, als Drittplatzierte einen dieser wertvollen Plätze ergattern zu können.

Doch Fehlanzeige: Die Regeln des IFV entschieden gleich zweimal zu Ungunsten der Luzerner. Nicht nur kämpften die Megger mit härteren Bandagen als ihre Mitstreiter, auch holten die Dritt- und Viertplatzierten in anderen Aufstiegsgruppen der 4. Liga mehr Punkte als sie. So erspielten sich Rothenburg, Sachseln, Gunzwil und Grosswangen allesamt 18 Punkte. Dabei war doch der FC Grosswangen sogar noch einen Punkt unfairer als der FC Meggen.

Die Tabelle: Der FC Meggen ist knapp unter dem Strich gelandet.

Die Tabelle: Der FC Meggen ist knapp unter dem Strich gelandet.

(Bild: screenshot)

Insgesamt gibt es drei Aufstiegsgruppen. Die Regel besagt: Wenn mehr als sechs Teams aufsteigen, so werden gruppenübergreifend die Teams berücksichtigt, die am meisten Punkte holten. Deshalb steigen in den Gruppen 2 und 3 jeweils vier Teams auf, aus der Gruppe 1 jedoch nur zwei.

Ein Viertplatzierter steigt also auf und ein Drittplatzierter bleibt sitzen? Gegen diese Regel hat der FC Meggen am Montag Einsprache eingelegt. Auf ihrer Homepage schreiben die Megger: «Beantragt wird, dass die unklaren Modalitäten bezüglich Aufstieg klar zu regeln und umzusetzen sind.» Zudem seien die Aufsteiger von der 4. in die 3. Liga aufgrund eines klaren Regelwerks neu zu definieren. Bereits vor einer Woche hatte Meggen eine Intervention gegen das Reglement beim IFV eingereicht, bisher aber keine Antwort erhalten. Man will sich also mit dem Verbleib in der 4. Liga noch nicht ganz zufrieden geben.

Der Vorstand des FC Meggen hat entschieden, «zum jetzigen Zeitpunkt des laufenden Verfahrens keine Stellungnahme abzugeben», wie der Kommunikationsverantwortliche Rudolf Wyss auf Anfrage verlauten lässt.

Mit neuem Trainer in nächste Saison

In den Kommentaren zum Beitrag auf der Homepage «regionalfussball.ch» entstanden rege Diskussionen. So schreibt User Daniel: «Gönnt dieser hochtalentierten Mannschaft diesen verdienten Aufstieg! Jeder 3.Platzierte steigt auf, dies ist vom IFV bestätigt.» Dieser Aussage halten andere User das Reglement entgegen, welches besagt: Die geholten Punkte seien höher zu gewichten als die Platzierung, Meggen dürfe also nicht aufsteigen.

User «Häbu» zeigt sein Unverständnis.

User «Häbu» zeigt sein Unverständnis.

(Bild: screenshot)

User Häbu zeigt sich enttäuscht: «Das Ganze zeigt, dass dieser 4.-Liga-Modus endlich beerdigt gehört.» Oder «Zuschauer» schreibt: «Regel ist Regel, Glückwunsch an die Vereine, die es geschafft haben. Finde es aber als neutraler Beobachter nicht fair.»

In welcher Liga die Megger in der nächsten Saison spielen, dazu muss sich der IFV nun genau äussern – es ist anzunehmen, dass es wohl die 4. Liga sein wird. Dies machen sie übrigens mit einem neuen Trainer. Krist Nuaj räumt nach zweieinhalb Jahren den Trainerposten. Ab nächster Saison stehen Salvi Sorrentino und sein Assistent Yves Schacher an der Seitenlinie.

Strafpunkteregelung des IFV

Die Bewertung der Strafpunkte erfolgt nach folgender Skala:

1. Strafen Spieler

  • Verwarnung eines Spielers = 1 Strafpunkt
  • Zeitstrafe = 1 Strafpunkt
  • Suspension als Spieler, pro Verbandsspiel = 2 Strafpunkte
  • Ausschluss nach Ampelkarte = 3 Strafpunkte
  • Drohung gegen Schiedsrichter oder Gegner, zusätzlich = 3 Strafpunkte
  • Tätlichkeit gegenüber Schiedsrichter (vor oder nach dem Spiel) = 40 Strafpunkte

2. Strafen gegen Mannschaft

  • Verweigerung Shake Hands = 3 Strafpunkte
  • Verwarnung einer Mannschaft (Mannschaftsbusse) = 6 Strafpunkte
  • Forfait durch Spielerkontrolle SFV = 3 Strafpunkte
  • Forfait durch Behörden des IFV und der Kontroll- und Strafkommission des SFV (sofern nicht Vereinsverschulden) = 6 Strafpunkte
  • Verlassen des Spielfeldes durch eine Mannschaft, Weigerung Spielfortsetzung = 20 Strafpunkte
  • Spielabbruch wegen Tätlichkeit gegen den Schiedsrichter = 30 Strafpunkte

3. Strafen gegen Mannschafts-Funktionäre (Trainer und Betreuer)

  • Missachten des Alkohol- und Rauchverbotes (Spielfeld) = 3 Strafpunkte, im Wiederholungsfall = 5 Strafpunkte
  • Grobe Beleidigung gegenüber Schiedsrichter oder Gegner, Wegweisung = 5 Strafpunkte, im Wiederholungsfall = 10 Strafpunkte
  • Drohung gegenüber Schiedsrichter oder Gegner, Wegweisung = 6 Strafpunkte

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