«Die Häuser sind gebaut – jetzt geht es um Inhalte»
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Das Team der IG Kultur (mit Catherine Huth 3. von links und Martina Kammermann, 4.v.l.) (Bild: Kulturmagazin)

IG Kultur verliert Geschäftsführerin «Die Häuser sind gebaut – jetzt geht es um Inhalte»

5 min Lesezeit 14.11.2013, 06:01 Uhr

Nach zehn Jahren verlässt Catherine Huth die Interessengemeinschaft Kultur Luzern. zentral+ spricht mit ihr und Antoinette Gnos, welche selber über 20 Jahre in der IG Kultur aktiv war, über die Interessengemeinschaft und die Kultur in Luzern. Grundtenor: Luzern investiert in Bauten. Für kulturelle Projekte, für die Inhalte fehle dann das Geld.

Catherine Huth sitzt seit 2004 im Vorstand der IG Kultur und übernahm 2008 deren Geschäftsleitung. Angesprochen auf die Frage, inwiefern sich der Fokus der IG Kultur in den letzten Jahren verändert hat, spricht Huth eine deutliche Sprache: «Die Probleme haben sich von der Hülle zum Inhalt hin verlagert. Heute sind die Hüllen mehr oder weniger vorhanden – die Kulturhäuser stehen.» Nun gehe es darum, diese zu bespielen. Konkret verlangt sie mehr Ressourcen, nach finanzieller Unterstützung.

Das Problem in Luzern sei, dass man «die Häuser plane, finanziere und dann baue. Aber für den Betrieb danach werden einfach zu wenig Mittel bereit gestellt.» Auch Antoinette Gnos, welche 1985 der IG Kultur beigetreten ist, bekräftigt Huth in dieser Aussage und kritisiert vor allem die aufwändige Bauweise: «Luzern lässt für die Kultur Luxusobjekte erstellen, die auch teure Unterhaltskosten verursachen. Für kulturelle Projekte, für die Inhalte fehlt dann das Geld.»

Die IG Kultur umfasst heute 200 verschiedene Kulturinstitutionen aus der Zentralschweiz. Huth ist sich bewusst, «dass diese Spannbreite riesig ist. Dabei kann man es nicht allen recht machen. Aber man kann es versuchen.» Sie wünscht sich, dass in Zukunft vor allem auch kleinere Projekte wieder vermehrt gefördert werden: «Klar braucht es die Leuchttürme wie das Lucerne Festival oder Luzerner Theater. Aber es ist auch wichtig, die Kleinen zu fördern.» Als Beispiel nennt sie das Comix-Festival «Fumetto». Dieses habe als kleines Projekt begonnen und präge nun das Kulturbild der Stadt Luzern international.

 «Die Kultur zur Politik tragen»

Mehr Ressourcen wünscht sich Catherine Huth auch für die IG Kultur, welche mit einem Beitrag von 162’500 Franken von der Stadt Luzern und der «Regionalkonferenz Kultur RKK» unterstützt wird. Mit diesem Beitrag betreibt die IG Kultur das Kulturforum an der Bruchstrasse in Luzern. Das Kulturforum ist eine Anlaufstelle für Kulturschaffende und dient als Büroräumlichkeit, um die administrativen Aufgaben der Interessengemeinschaft zu erledigen. Hauptaufgabe als Geschäftsleiterin der IG Kultur sei es, «zwischen den verschiedenen Kulturexponenten zu vermitteln. Aber auch den Dialog zwischen Kultur und Politik aufrecht zu erhalten.»

Dieser Dialog war laut Antoinette Gnos schon jeher Hauptaufgabe der IG Kultur: «Ein Projekt der IG Kultur und Kultur-Forums war damals, den Politikern die Gelegenheit zu bieten, Kunstschaffende an ihrem Wirkungsort zu erleben. Je zwei Vertreter aus allen Parteien haben Ateliers, Proberäume und so weiter besucht und die Künstlerinnen konnten ihnen ihre Anliegen und Wünsche darlegen.» Sie kritisiert, dass in der heutigen Zeit die Parlamentarier kaum mehr Zeit fänden, sich mit der Kultur zu beschäftigen. «Weil überall gespart wird, ist es wichtig, dass die Kunstschaffenden unübersehbar ständig präsent sind, sie prägen mit ihrem Wirken die Kulturstadt Luzern.»

Der Spardruck bereitet auch Catherine Huth Sorgen. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass «es die Kultur mindestens schafft, den Status Quo zu halten. Ich mache mir aber Sorgen, ob dieses Ziel erreicht werden kann.»

Sprachrohr «Kulturmagazin» feiert Geburtstag

25 Jahre Kulturmagazin

Herausgeberin des Kulturmagazins ist die Interessengemeinschaft Kultur Luzern. Sie wurde 1977 gegründet und ist der Dachverband von über 200 kulturellen Institutionen in der Zentralschweiz. Ihre Aufgabe ist es, die Interessen ihrer Mitglieder in der Kulturpolitik zu vertreten und deren Anliegen zu vermitteln.

Seit 1988 ist die IG Kultur Herausgeberin des Kulturmagazins. Es erscheint monatlich in einer Auflage von 4000 Exemplaren (Abonnemente: 3400) und berichtet über kulturelle Projekte oder kulturpolitische Prozesse. Vorgänger des Kulturmagazins war der Kulturkalender, welcher auch heute noch mit über 600 aufgeführten Veranstaltungen pro Monat das Herzstück des Magazins darstellt.

Das wichtigste Instrument der IG Kultur ist «041 – das Kulturmagazin», welches aktuell seinen 25. Geburtstag feiert. Seinen Ursprung hat das Magazin im Kulturkalender, der 1988 erstmals erschien ist. Erst mit der Zeit entwickelte sich dann der redaktionelle Teil: Die Kulturhäuser erhielten Abwechselnd die Gelegenheit, sich im Kulturkalender vorzustellen und es erschienen immer mehr geschriebene Beiträge. Im Jahr 2000 wurde dann der Kulturkalender zum heutigen – bis zu 60 seitigen – Magazin weiterentwickelt.

Vor allem in kulturpolitischen Diskussionen wie zum Beispiel der Schliessung der Boa im Jahr 2007 oder bei der Diskussion um die Salle Modulable nahm das Kulturmagazin die Rolle als Sprachrohr der Kulturszene ein. Wobei es gerade bei solchen Diskussionen schwierig ist, alle Mitglieder der IG Kultur zufrieden zu stellen, weil aufgrund der Summe der Mitglieder eine einheitlicher Konsens kaum zu erreichen ist.

Kritischere Betrachtungsweise erwünscht

Noch heute sind es vor allem diese kulturpolitischen Momente, welche dem Magazin die nötige Relevanz verleihen, bestätigt die aktuelle Chefredakteurin Martina Kammermann: «Bei Themen wie der Abstimmung zur Initiative der Industriestrasse, der Bau- und Zonenordnung der Stadt Luzern, dem Südzubringer oder beim Südpol: Da können wir uns kritisch und unabhängig für die Interessen der Kultur einsetzen.» Wobei diese Interessen gar nicht so einfach zu vertreten sind: «Vom KKL Luzern bis zum Sedel versuchen wir mit dem Magazin alle Kulturinstitutionen zu berücksichtigen,» erklärt Kammermann und gibt zu, «dass dieser Spagat nicht immer einfach ist.»

Für die Zukunft des Magazins wünscht sie sich, «vermehrt kritisch über Kulturprojekte zu berichten. Vielleicht entscheiden wir uns zu oft dazu, über Projekte zu schreiben die wir gut und unterstützungswürdig finden.»

Der Dämpfer zum Geburtstag – Crowdfounding gescheitert

Im Schatten des 25 jährigen Jubiläums des Kulturmagazins feiert auch der Blog «kulturteil.ch» sein Fünfjähriges. Der Blog soll das monatlich erscheinende Kulturmagazin tagesaktuell begleiten. Um ihn auch weiterhin finanzieren zu können, wurde im Sommer 2013 eine Crowdfounding-Aktion durchgeführt. Nur gerade 55 Prozent der angestrebten 4000 Franken konnten gesammelt werden – die Finanzierung mittels Crowdfounding ist trotz guter Resonanzen des Blogs und bis zu 400 Besuchern pro Tag gescheitert, konnte nun aber erfolgreich auf einem anderen Weg für mindestens ein Jahr realisiert werden.

Das Crowdfounding-Projekt für den Kulturblog stiess also nicht auf erwartete Resonanz. Die Gründe dafür zu finden, sind laut Martina Kammermann schwierig: «Ich treffe immer wieder junge Leute, die sich für Kultur interessieren, das Kulturmagazin oder den kulturteil.ch aber nicht kennen. Vielleicht nimmt man den Blog aber auch einfach so gegeben hin und der Aufschrei erfolgt erst, wenn er nicht mehr da ist.»

Für Kammermann ist aber klar, dass gerade das Entwickeln von Online-Strategien zu den grossen Herausforderungen der Kulturmagazin-Redaktion zählt, um auch in Zukunft, die nächsten 25 Jahre bestehen zu können.

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