Die grosse Gefahr: Keiner weiss, was dieser FCL kann
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Steht der FCL mit Captain Dejan Sorgic nach dem Fehlstart in die aktuelle Saison auf? (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Sommertransferfenster ist geschlossen Die grosse Gefahr: Keiner weiss, was dieser FCL kann

5 min Lesezeit 1 Kommentar 01.09.2021, 16:30 Uhr

Der Cupsieger ist nach den ersten fünf Spielen Tabellenletzter: Das ist nach den letzten fünf Saisons, in denen der Kampf um den Ligaerhalt immer Thema war, kein Grund, Panik zu schieben. Aber das, was der FC Luzern bislang auf den Platz gebracht hat, sieht in der Mehrheit nicht gut aus. Eine Analyse.

Zweimal war der FCL nahe dran, den ersten Sieg in der Meisterschaft einzufahren. Zum Auftakt gegen die Young Boys, den viermaligen Schweizer Meister in Serie. Da mussten die Luzerner trotz einer 3:1-Führung nach einer Stunde Spielzeit doch noch als Verlierer vom Platz stapfen (zentralplus berichtete).

Ähnlich erging es dem FCL jüngst im Duell der Tabellenletzten gegen Lausanne. Nachdem den Luzernern lange die offensive Zielstrebigkeit abging, schaffte der Gastgeber in der letzten halben Stunde Spielzeit zunächst den Ausgleich zum 1:1 und scheiterte danach gleich dreimal an der Torumrandung (zentralplus berichtete).

An die anderen drei Auftritte in dieser Saison erinnern sich alle, die den FCL im Herzen tragen, nur ungern. «Mit den Leistungen in den drei Spielen gegen St. Gallen, Zürich und Servette dürfen und können wir nicht zufrieden sein», gibt FCL-Sportchef Remo Meyer unumwunden zu.

Die Problemzonen des Cupsiegers

Die Problemzonen des FC Luzern sind augenfällig und schon ausführlich kritisiert worden. Die defensive Abstimmung fehlt. Das ist nicht zuletzt dem verletzungsbedingten Ausfall von Stammgoalie Marius Müller geschuldet (zentralplus berichtete).

Aber auch dem Fakt, dass die neuverpflichteten Innenverteidiger Holger Badstuber und David Domgjoni ihrer zugedachten Rolle (noch) nicht gerecht werden (zentralplus berichtete). Und auf der Aussenbahn blieb der von Red Bull Salzburg geholte Österreicher Patrick Farkas bislang den Nachweis schuldig, ein sportlich höheres Niveau als seine Vorgänger Christian Schwegler und Silvan Sidler zu erreichen.

Hinzu kommt, dass dem FCL mit dem Ende der Ausleihe von Regisseur Louis Schaub viel Durchschlagskraft im Angriff verloren gegangen ist. Der Österreicher, der seine zweite Chance beim Bundesligisten 1. FC Köln zu nutzen versucht, hatte seine Mitspieler besser und beim Torabschluss erfolgreicher gemacht.

Niemand bekommt Schaubs Abgang derzeit mehr zu spüren als Mittelstürmer Dejan Sorgic. Der neue FCL-Captain hat in seinen bislang sieben Pflichtspieleinsätzen nicht einen einzigen Treffer erzielt. Letzte Saison waren es 13 Tore und 3 Assists in 33 Auftritten.

Balance fehlt – FCL sucht Flucht nach vorne

Dem FCL reicht es zurzeit vorne (1,6 Tore pro Spiel) kaum und erst recht hinten (2,8 Gegentore pro Spiel) nicht, um mit den ersten fünf der Super League Schritt halten zu können. Cheftrainer Fabio Celestini und seine Mannen sind nach wie vor nicht in der Lage, das für den Erfolg ausschlaggebende Stichwort «Balance» fehlerfrei zu buchstabieren.

Also reagierte die sportliche Leitung in den zwei Tagen bis zum Schliessen des Transferfensters am Dienstag um Mitternacht und verpflichtete mit Nikola Cumic einen auf beiden Aussenbahnen einsetzbaren Offensivspieler. Schnell und torgefährlich ist der 22-jährige Serbe nach Einschätzung seiner neuen Chefs (zentralplus berichtete).

«Wir haben genug Qualität im Team, um den nächsten Ernstkämpfen unseren Stempel aufzudrücken und eine gute Rolle in der Super League zu spielen», sagt FCL-Sportchef Remo Meyer trotz dem Fehlstart im Brustton der Überzeugung (zentralplus berichtete).

Risikobehafteter Weg in die Zukunft

Die Frage ist: Reichten die finanziellen Mittel der Luzerner nicht aus, um in beide Mannschaftsteile zu investieren? Schliesslich spülte dem FCL die Teilnahme von YB an der Gruppenphase der Champions League einen Solidaritätsbeitrag von gut einer halben Million Franken in die Kasse.

«Unser Verhalten am Transfermarkt war keine Frage des Geldes. Sondern vielmehr war sie unserer Kaderplanung, von der wir überzeugt sind, geschuldet. Der Solidaritätsbeitrag dank dem Erfolg der Berner hatte keinen Einfluss auf unser Sportbudget», stellt Remo Meyer klar.

Dennoch: Der Weg der Luzerner in die unmittelbare sportliche Zukunft ist und bleibt risikobehaftet. Im Vergleich zum Start in die letzte Saison, in der Celestinis Mannschaft erst im siebten Meisterschaftsspiel den ersten Sieg errang, scheint derzeit kein FCL-Akteur über die Klasse zu verfügen, mit der man defensive oder offensive Schwächen übertünchen könnte.

Gentner kann nicht beides

Falsch wäre es, dieses Defizit dem altgedienten Bundesliga-Titanen Christian Gentner (36) in die Schuhe schieben zu wollen. Der Schwabe zieht eine Mannschaft mit, indem der Mittelfeldstratege kaum einen Fehler macht und die Bälle nach der Eroberung schnell und präzise nach vorne spielt.

Er kann bisweilen zwar den tödlichen Pass spielen und mit seinem guten Schuss einen Torerfolg realisieren. Aber Christian Gentner kann nicht den Spielmacher und Abfangjäger gleichzeitig spielen. Er war noch nie Deutschlands Antwort auf Italiens Legende Andrea Pirlo.

Das Leistungsvermögen der neuesten FCL-Ausgabe korrekt einzuschätzen, wird dadurch erschwert, dass der Cupsieger spätestens seit der Spektakelniederlage gegen YB (3:4) von Verletzungen wichtiger Leistungsträger geplagt wird. Darüber hinaus hat sich Marvin Schulz im zweiten Ernstkampf gegen St. Gallen (2:2) eine Rote Karte eingehandelt und wurde für die anschliessenden drei Spiele auf Schweizer Klubebene aus dem Verkehr gezogen. Schulz ist seit Jahren ein Referenzpunkt im Spiel der Luzerner.

Zweiten Fehlstart mag es nicht leiden

Nach der bis zum übernächsten Wochenende dauernden Nati-Pause erfolgt für den FCL ein zweiter Saisonstart. Es handelt sich quasi um eine Galgenfrist. Verliert der FCL sein nächstes Heimspiel gegen Aufsteiger GC, reisst in der Tabelle eine Lücke auf.

In den vergangenen Spielzeiten war der abstiegsbedrohte FCL immer in Schlagdistanz zum rettenden Ufer. Erschwerend kommt dazu: In der Liga gibt es keine Aussenseiter wie Thun oder Vaduz mehr. Selbst der FC Sion, zuletzt ein sicherer Wert für den Barrageplatz, liegt bereits fünf Punkte vor dem FCL.

Die sportliche Ausgangslage dient aber nicht zur Panikmache: Schliesslich werden mit Stammgoalie Marius Müller und Vorkämpfer Pascal Schürpf zwei Teamleader zurück erwartet. Und Samuele Campo hat mit seiner Einwechslung gegen Lausanne den FCL aufblühen lassen.

Sportchef Remo Meyer hat den FC Luzern seit 2017 mit seiner Weitsicht durch alle sportlichen Stürme geführt. Und er hat mit Fabio Celestini Anfang 2020 jenen Trainer geholt, mit dem der Klub im Mai dieses Jahres den Cupsieg feiern durfte. Es war der erste Titelgewinn seit 29 Jahren.

Ein Abschneiden in den vorderen Tabellenplätzen und die Wiederholung des Cup-Coups liegen auch diese Saison drin. Die nächsten Wochen werden zeigen, wie steinig der Weg des FCL in dieser Meisterschaft wird

Sollte sich Meyer in der Qualität des Kaders getäuscht haben, kann er in der Winter-Transferperiode, die im Januar 2022 beginnen wird, die nächsten Korrekturen am aktuellen Kader vornehmen.

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1 Kommentare
  1. Heimwehberner, 02.09.2021, 12:38 Uhr

    Der FCL kann??!!
    Was für eine retorische Frage. Er kann Mobbing, Schönreden, Hoffnung?, Schwache Führung, ein Konzept, Geld fehlt…..
    Und so weiter….
    Wer soll da aufstehen??

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