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«Die Glamour-Welt interessiert mich nicht»
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FCL-Mittelfeldspieler Markus Neumayr im Zweikampf mit Thuns Stefan Glarner. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Mann der Stunde beim FC Luzern: Markus Neumayr «Die Glamour-Welt interessiert mich nicht»

6 min Lesezeit 26.08.2016, 17:15 Uhr

FCL-Mittelfeldspieler Markus Neumayr landete in frühen Jahren bei Manchester United – und scheiterte. Es folgte eine wahre Odyssee, welche ihn im Januar nach Luzern brachte. Momentan überzeugt der Deutsche mit starken Leistungen. Er hat seine Position gefunden, doch das könnte sich schnell wieder ändern.

Der FC Luzern ist formidabel in die neue Saison gestartet. In den fünf bisherigen Spielen gab es vier Siege. Nur gegen Liga-Krösus Basel musste man als Verlierer vom Platz. Einen grossen Anteil am erfolgreichen Start trägt die zentrale FCL-Achse. Im Tor David Zibung, der diesen Freitag seinen Vertrag bis 2019 verlängerte (zentralplus berichtete). In der Abwehr Ricardo Costa und ganz vorne Goalgetter Marco Schneuwly.

Dreh- und Angelpunkt des FCL-Spiels ist jedoch der Deutsche Markus Neumayr (30). Er wechselte auf die letzte Rückrunde hin aus Vaduz nach Luzern und benötigte zuerst einige Anlaufzeit. Seit Saisonbeginn ist der Kreativspieler aber in Topform und reifte zum absoluten Leistungsträger. zentralplus sprach mit ihm im Interview über sein Traumtor gegen Thun, seinen Ex-Club Manchester United und Gilbert Gress.

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zentralplus: Markus Neumayr, die Mannschaft ist in Fahrt. Was macht den FC Luzern so stark?

Markus Neumayr: Es gibt mehrere Gründe, doch darüber machen wir Spieler uns gar nicht viele Gedanken. Wir sind sehr darauf bedacht, uns von Spiel zu Spiel zu verbessern.

Dass es läuft, bewies Neumayr vergangenes Wochenende mit diesem Traumtor:

 

zentralplus: Eine Riesenkiste. Können Sie uns erzählen, was im Moment, als Sie den Ball trafen, in Ihrem Kopf vorging?

Neumayr: Gar nicht viel. Der Ball wurde in die Mitte gespielt und ich orientierte mich in den Rückraum, um für einen Abpraller da zu sein. Der Ball fiel mir dann perfekt vor die Füsse und dann traf ich ihn auch noch ordentlich. Dass er so schön reinfällt, ist toll.

Die Odyssee des Markus Neumayr

Neumayr wächst in Hösbach, einer Kleinstadt in Unterfranken, auf. Schon bald fällt sein Talent auf und er wechselt via Viktoria Aschaffenburg mit 13 Jahren in die Juniorenabteilung von Eintracht Frankfurt. An seinem 17. Geburtstag unterzeichnet er einen Vertrag bei Manchester United. Fürs Fanionteam reichte es ihm allerdings nicht. Erst spielte er bei den Junioren, dann in der zweiten Mannschaft.

Und so ging's weiter:

2003–06: Manchester United

2006–08: MSV Duisburg

2008–09: Zulte Waregem (Belgien)

2009–10: Rot-Weiss Essen

2010–11: Wacker Burghausen

2011–12: FC Thun

2012–13: AC Bellinzona

2013–16: FC Vaduz

Seit 2016: FC Luzern

zentralplus: Wussten Sie sofort, dass der Ball passen wird?

Neumayr: Ja, das merkt man. Aber Latte, Pfosten oder Torwart können immer noch das Tor verhindern. Dennoch: Ich traf ihn genau so, wie ich mir das vorgestellt hatte.

zentralplus: Das schönste Tor Ihrer Karriere?

Neumayr: Es ist mit eines der schönsten Tore. Aber was zählt das? Jedes Tor ist wichtig.

zentralplus: Sie spielen plötzlich etwas defensiver – auf einer 6er-Position. In Vaduz waren Sie offensiver. Wie hat sich Ihr Spiel verändert?

Neumayr: Nun gut, in Vaduz spielte ich einfach dort, wo der Trainer das Gefühl hatte, ich könne beim Gegner am meisten Schaden anrichten. Hier hat der Trainer eine andere Rolle für mich. Ich bin ein polyvalent einsetzbarer Spieler und habe in meiner Karriere schon auf vielen Positionen gespielt. Für mich ist das nicht so eine grosse Umstellung. Meinem Spiel kommt sicher entgegen, dass wir einen hohen Anteil Ballbesitz anstreben. So habe ich als Zentrumsspieler mehr Einfluss auf das Spiel.

zentralplus: Auf dieser Position sind oder waren Spieler wie Andrea Pirlo und Frank Lampard zu Hause. Haben Sie ein Vorbild?

Neumayr: Klar, Pirlo ist sicher ein Vorbild. Zinédine Zidane hat mich immer fasziniert, auch wenn er etwas weiter vorne agierte. Grundsätzlich muss jeder seinen eigenen Stil finden. Das ist ein Prozess und ich glaube, meine derzeitige Position passt ganz gut zu mir.

zentralplus: Jetzt sind Sie seit Januar in Luzern. Wie gefällt es Ihnen?

Neumayr: Luzern ist nicht der schlechteste Ort der Welt. Es macht Spass, für einen so tollen Club mit tollen Fans zu spielen. Gerade auch die Challenge, mit diesem Club etwas zu erreichen, ist da – und vielleicht sogar noch grösser als bei potenteren Clubs.

zentralplus: Der FCL steht auf Platz 2. Was liegt drin in dieser Saison?

Neumayr: Atmet tief. Standard-Journalistenfragen scheinen ihm ordentlich auf den Keks zu gehen. Wir wollen möglichst viele Punkte. Jedes Wochenende geht es um drei. Im Fussball kann so viel passieren. Es gibt immer Phasen, wo’s mal nicht so gut läuft und auch wir werden leider eine solche Phase durchleben müssen. Eine solche Talsohle wollen wir aber so schnell wie möglich überwinden und Konstanz reinbringen.

Markus Neumayr (Luzern) feiert den Sieg gegen den FC Thun gemeinsam mit seinen Kindern Lani und Dian. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Markus Neumayr (Luzern) feiert den Sieg gegen den FC Thun gemeinsam mit seinen Kindern Lani und Dian. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

zentralplus: Sie waren in der Vergangenheit ein richtiger Wandervogel (siehe Box). Ist mit Ihrer Ankunft in Luzern Ihre Odyssee beendet?

Neumayr: Das weiss man nie im Fussball. Es kann viel passieren. Ich würde mich nicht festlegen, aber ich kann sagen, dass ich mich wohlfühle und mir vorstellen könnte, längerfristig hier zu bleiben. Ich denke, wir haben eine gute Richtung mit dem FC Luzern eingeschlagen. Auf diesem Weg wollen wir weitergehen. Wir sind ein gutes Kollektiv.

zentralplus: Schaut man auf die Clubs, bei denen Sie gespielt haben, fällt natürlich sofort Manchester United auf. Können Sie etwas über diese Zeit erzählen?

Neumayr: Lacht und zögert.

zentralplus: Oder ist das schon zu weit weg?

Neumayr: Nein, nein. Das war natürlich toll. Da lernst du nicht nur Dinge auf dem Platz, sondern auch neben dem Platz. Du siehst, wie die Profis sich verhalten, und davon profitiere ich noch heute. Wie gehe ich mit anderen Leuten um, wie verhalte ich mich, um gut zu regenerieren. Solche Dinge lernt man in einem so grossen Club.

Mit dieser Mannschaft trainierte Neumayr. Erkennen Sie Cristiano Ronaldo, Wayne Rooney, Ryan Giggs oder Paul Scholes?

Mit dieser Mannschaft trainierte Neumayr. Erkennen Sie Cristiano Ronaldo, Wayne Rooney, Ryan Giggs oder Paul Scholes?

 

zentralplus: Viel hört man über die Glitzer- und Glamourwelt. Waren Sie dort mittendrin?

Neumayr: Verdreht die Augen. Mir ist klar, dass dies euch Journalisten interessiert. Das zählte für mich zu dem Zeitpunkt genauso wenig wie heute und deshalb kann ich dazu wenig sagen.

zentralplus: Verfolgen Sie den Club noch? ManU hat gerade Fussballgott Zlatan Ibrahimovic und den teuersten Fussballer aller Zeiten, Paul Pogba, gekauft.

Neumayr: Nun leuchten seine Augen. Natürlich. Als kleiner Junge schon war ich ein riesiger Fan des Vereins. Deshalb ging ich auch dahin. Beckham, van Nistelroy, Solksjaer waren meine Helden. Und es ist natürlich toll, dass ich einmal für einen solchen Verein spielen durfte und das alles hautnah miterleben konnte. Ich schreibe auch ab und zu noch eine Kolumne für eine Fanpage und gebe dort alle zwei, drei Monate meine Sicht ab.

zentralplus: Zum Leben abseits des Fussball-Platzes. Sie machen immer wieder mit extravaganten Frisuren auf sich aufmerksam – im Gegensatz dazu hat der Schweizer Kult-Trainer Gilbert Gress immer dieselbe. Ihr habt euch letzthin getroffen. Worum ging’s?

Neumayr: Es war ein lustiges Grill-Duell eines TV-Senders. Auch privat grille ich gerne – das ist in deutschen Genen vorhanden. Ich hab mich über die Einladung gefreut und es machte Spass. Gress ist eine Koriphäe auf dem Fussballgebiet – aber am Grill hat er seine Schwächen. Lacht.

Auf Instagram postete Neumayr ein Bild des Duells:

 


 

zentralplus: Speziell ist auch Ihr Fahrzeug. Sie fahren einen Smart. Warum keine fette Karre?

Neumayr: Ich habe schon noch ein Familienauto. Aber mit dem Smart ist’s ganz gemütlich. Fürs Training hin und zurück braucht es wirklich keinen Rennwagen. Aber das ganze Leben wird’s wohl nicht dabei bleiben.

 

«Augen auf bei der Berufswahl»

Am Sonntag, 13:45 Uhr, trifft der FC Luzern auswärts auf St. Gallen (im zentralplus-Liveticker). «Es kommt ein schwieriges Spiel auf uns zu», sagt Trainer Markus Babbel. «Das ist eine körperlich starke Mannschaft, die sich immer voll reinkniet.» Wie immer müsse man von Anfang an wach sein. «Manchmal muss man auch über den Kampf zu seinem Spiel finden – und das wird am Sonntag der Fall sein.»

Auf die angespannte Situation bei den St. Gallern angesprochen und darauf, dass Trainer Zinnbauer möglicherweise kurz vor der Entlassung steht, sagte Babbel: «Augen auf bei der Berufswahl.» Aber unterschätzen dürfe man die St. Galler unter keinen Umständen. «Sie sind fleissig, kämpfen, ihnen fehlt einfach das Quäntchen Glück vor dem Tor.»

 

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