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Wochenendausflugsziel gefällig? Wir wüssten was!
Die gfürchigsten, wertvollsten und hübschesten Wälder des Kantons Zug

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Nicht nur besonders schöne Wälder, sondern auch historisch bedeutsame und biologisch besonders wertvolle gibt es in Zug.

Es ist doch meist so: Wenn wir uns nach einem Waldspaziergang sehnen, laufen wir nur dieselbe Strecke, auf der wir jeden Baum schon kennen. Dabei gäb’s im Kanton Zug eine Menge Gehölze, die es sich zu besuchen lohnt. Auch weil man dabei unverhofft auf ein paar Bunker oder – noch viel besser – auf einen Wolf stossen könnte.

Gerade stecken wir in jener besonderen Jahreszeit, in der das Laub langsam bunt wird, die Rehe wohlgenährt und träge über die Wege tappen und der eine oder andere Jäger hinter dem Baum für den nötigen Adrenalinkick sorgt. Die Zecken werden weniger und es ist noch nicht so kühl, dass man sich nur in geheizten Räumen aufhalten möchte. Also raus auf neue Waldpfade. Nicht nur besonders schöne Wälder, sondern auch historisch bedeutsame und biologisch besonders wertvolle gibt es in Zug. Wir verraten, wo man diese findet und was an ihnen so aufregend ist.

Die biologisch Interessanten

Moorlandschaft Zugerberg

Ist klar, den Zugerberg kennt jeder Expat und jeder Einheimische. Doch gerade in dieser Jahreszeit verströmt der Zuger Haushoger eine besondere Atmosphäre, insbesondere in der Moorlandschaft Eigenried. Ob die vielen Birken, die hier aus dem nassen Boden schiessen, als Wald gelten, sei dahingestellt. Wunderschön ist der Anblick alleweil.

Das Gebiet ist gemäss dem Zuger Amt für Wald und Wild «von nationaler Bedeutung». Bis nach dem 2. Weltkrieg wurde hier Torf abgebaut. Von daher rührt der heute nicht unproblematische Namen eines Waldteils westlich des Hintergeissboden: Diesen nannte man «Negerdörfli». Dies, weil dort früher polnische Arbeiter wohnten. Beim Abbau des Torfs verfärbte sich offenbar die Haut ebendieser Arbeiter und wurde dunkler. Noch bis vor einigen Jahren wies ein Wegweiser auf ebendiese politisch unkorrekt benannte Waldgegend hin. Der Wegweiser ist mittlerweile verschwunden.

Nasse Füsse bekommt man bei der Querung dieses Moorstückes dank des Stegs nicht.

Vor sieben Jahren hat der Kanton Zug die Zuschüttung der Gräben in Auftrag gegeben, welche einst für den Abbau des Torfs geschaffen wurden. Der Grund: Das Moor wird durch die Gräben entwässert. Dies will man aus ökologischen Gründen verhindern. Der Wanderweg führt zwar nicht direkt durchs Moor, doch knapp daran vorbei.

Vom Hintergeissboden gelangt man über eine kleine Hügelkuppe mit grossartiger Aussicht zum Ewegstaffel. Kurz geht man dabei über einen Steg, der durch einen kleinen Birkenwald führt. Gerade im Herbst ist das eine wunderbare Sache. Die Augen offenzuhalten, lohnt sich hier grundsätzlich: Im April dieses Jahres wurde ein Wolf auf dem Zugerberg identifiziert. Wer weiss, vielleicht streicht er ja noch immer umher.

Wildspitz: Hier gibt’s wirklich eine Menge Wild

Wer auf der Suche nach Superlativen ist: Der höchste Wald des Kantons befindet sich beim Wildspitz. Wer hier sehr leise geht, kann Rehe, Hirsche und auch Gämsen finden. Auf der Nordseite des Wildspitzes liegt zudem das Waldnaturschutzgebiet Oberalpli. Die Biodiversität freut’s.

Wilde Hühner

In die Schlagzeilen geriet vor einiger Zeit der Gutschwald. Der Grund: Hier wohnt das seltene Auerwild. Das arme Tier wurde aufgrund des hohen Aufkommens von Corona-Spaziergängern im letzten Jahr beim Balzen leider so arg gestört, dass der Kanton mahnende Worte ans Volk richtete. «Es ist äusserst wichtig, die balzenden Hähne trotz ihres teils aufdringlichen Verhaltens in Ruhe zu lassen und ihnen auszuweichen», so der Leiter des Amts für Wald und Wild damals.

Dies sei wichtig, um die eher scheuen Weibchen nicht abzuschrecken. Nur so bestünde die Chance auf Nachwuchs. Auch wenn nun die Paarungszeit vorbei ist, sollen Spaziergängerinnen in diesem Waldstück nahe des Ratenpasses auf den offiziellen Wegen bleiben.

Etwas für Geschichtsfreunde

Mittelwaldbewirtschaftung! Wie bitte?

Im Zolleinschlag, einem Wald bei Hünenberg, fand im 17. und 18. Jahrhundert eine spezielle Art der Waldbewirtschaftung statt. Kurt Betschart, der Forstwart der Korporation Hünenberg, erklärt bei einer Begehung vor Ort: «Früher war man erpicht darauf, möglichst viele alte Eichen für den Bau der umliegenden Häuser zur Verfügung zu haben. In der Folge fällte man die anderen Bäume rundum sehr regelmässig.»

Tatsächlich findet man auch heute noch die eine oder andere riesige Eiche vor Ort. Betschart lotst uns zu einem Exemplar, ihr Umfang ist massiv. Der Förster vermutet, dass sie 160 Jahre alt sein dürfte. «Das ist jedoch nicht leicht zu bestimmen, bevor man sie fällt.» Ein besonderes Merkmal der Mittelwaldbewirtschaftung: Es entstehen Triangel-Bäume, wie es Betschart nennt. Aus einem ursprünglichen Stamm ragen drei neue Stämme. «Das passiert, wenn man Eschen, wie eben bei der Mittelwaldbewirtschaftung, immer wieder schneidet. Sie beginnen neu zu wachsen.»

Da wachsen drei Bäume aus ursprünglich einem Stamm.

Im westlichen Waldstück, in dem wir uns befinden, hat man vor rund 30 Jahren grösstenteils aufgehört, «der Natur reinzufunken». Ziel sei es, eine Art Urwald zu schaffen, welcher einen schönen Beitrag zur Biodiversität leistet. Entsprechend können auch die Eschen frei wachsen. Oder besser gesagt: Sie könnten, wenn da nicht die Eschenwelke grassieren würde, eine schwere Krankheit, die den hiesigen Bäumen zu schaffen macht.

Tatsächlich fällt das Totholz hier auf, das die Förster bewusst liegenlassen. Besonders imposant: Eine stehende Buche, welche zwar riesig, aber offensichtlich tot ist. Es wachsen keine Blätter mehr, ja überhaupt sind die meisten Äste bereits abgeknickt. «Die Krone hatte einst einen Durchmesser von zwölf Metern.» Es sei eine der grössten Buchen in der Umgebung gewesen. Betschart sagt das nicht wehmütig. Hier nimmt die Natur ihren Lauf.

Ein Wanderweg führt durch diesen besonderen Wald. Von hier aus ist bereits ersichtlich, dass dieser Wald anders ist als die meisten.

Bunker-Hopping auf dem Gubel

Nahe der Lenkwaffenstellung Bloodhound auf dem Gubel befindet sich ein seltsam anmutendes Waldstück namens Fürschwand. In diesem befinden sich mehrere Bunker und Panzerhindernisse aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Besichtigung dieses Nadelwaldes ist insbesondere bei Nebel ein seltsames, ja leicht gruseliges Erlebnis.

Eine militärische Festung auf dem Gubel/Gottschalkenberg.

Gemächlich über den See

Ein Spektakel, das nur rund alle vier Jahre vonstatten geht, passiert gerade diesen Samstag. Am Ägerisee wird heuer geflösst. Heisst: Im Bergwald am südwestlichen Ufer des Sees werden Bäume geschlagen und ins Wasser geführt. Von da werden die Stämme über den See nach Ober- und Unterägeri geflösst.

Gemäss Priska Müller vom kantonalen Amt für Wald und Wild handelt es sich um ein Handwerk, das europaweit nur noch in diesem Gebiet aktiv betrieben wird. Besonders aus der Vogelperspektive ist das Flössen interessant. Damit sie besser durchs Wasser gleiten, werden die Baumstämme in die Form eines Schiffes gebracht und zusammengebunden.

Reisttag ist der 16. Oktober. Die Flossüberfahrt nach Unterägeri findet am 30. Oktober statt.

So sieht es aus, wenn die Holzstämme gen Unterägeri geflösst werden.

Oh, du schöner Wald

Neben all den nützlichen Zuger Wäldern gibt es auch die, die schlicht einfach hübsch sind und wo sich ein Spaziergang lohnt. Etwa der Schönbüelwald, dessen Waldweg schnurgerade verläuft. Von Weitem sieht man so quasi «das Ende des Tunnels». Nicht selten sieht man hier Rehe.

Auch der Steinhauserwald mit seinem hübschen Waldsee ist natürlich nicht zu verachten, obwohl dieser an Wochenenden gut besucht ist. Weiter gilt die bewaldete Baarburg beinah noch als Geheimtipp. Zwar geht’s ab Baar zunächst bergauf und Spaziergänger brauchen eine gewisse Fitness, erst auf dem Plateau angekommen, wird man jedoch mit einer wunderbaren Aussicht auf alle Seiten belohnt. Achtung: Teils geht’s an den Aussichtspunkten steil runter. Abschrankungen gibt es keine.

Für Hundebesitzer gut zu wissen: Jeweils montags, mittwochs und samstags wird im Kanton Zug gejagt. Es sei geraten, dem Vierbeiner eine Leuchtweste anzuziehen und ihn an der Leine zu lassen.

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2 Kommentare
  1. Bruno Bollinger, 17.10.2021, 11:49 Uhr

    Zum Zuger-Wald gäbe es dann noch den 2020 erschienenen Waldroman «Der Förster» vom Unterägerer Autor Andreas Iten. Vielleicht interessiert das noch jemand.

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    1. Redaktion Valeria Wieser, 18.10.2021, 13:35 Uhr

      Sie haben völlig recht! Danke für Ihren Hinweis, Herr Bollinger.

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