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Die Gewinner und Verlierer unter FCL-Trainer Celestini
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Unter Celestini erstmals Stammspieler: FCL-Flügel Ryder Matos punktet mit Schnelligkeit und Technik. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Die Luzerner im Leistungscheck Die Gewinner und Verlierer unter FCL-Trainer Celestini

9 min Lesezeit 07.02.2020, 16:32 Uhr

Den FC Zürich und Titelverteidiger YB besiegt: Besser hätte Fabio Celestini mit den Luzernern nicht in die Rückrunde starten können. Unter dem neuen Übungsleiter sind sie im Verbund allesamt Sieger – individuell haben sie aber ein unterschiedliches Standing.

Die Mission «Ligaerhalt» ist nach zwei Spielen und sechs Punkten für den FC Luzern auf einem guten Weg, das oftmals für das sportliche Wohl wegweisende Selbstvertrauen aufgeforstet. Neun Punkte Vorsprung auf die Neuenburger hat Celestinis Team vor dem Auftritt am Sonntag (16 Uhr) beim Tabellen-Neunten.

Celestini, der einen gültigen Vertrag bis 2021 besitzt, wird die Rückrunde auch dazu nutzen, um sich ein Bild davon zu machen, welcher FCL-Spieler für seinen technisch und taktisch geprägten Fussball taugt. Im nächsten Sommer wird der 44-jährige Romand das Kader nach seinen Vorstellungen umgestalten.

zentralplus verschafft nachfolgend einen Überblick, welcher Spieler derzeit gute Karten in Händen hält – und wer die Wackelkandidaten sind. Deren berufliche Zukunft im FCL kann auf die positive oder negative Seite kippen:

Das sind die Gewinner

Ryder Matos (26): Unter der Leitung des gefeuerten Thomas Häberli kam er nie über die Rolle eines Einwechselspielers hinaus. Unter Celestini hingegen durfte er beide Male von Beginn weg im linken Mittelfeld ran – und bewirkte Gutes für den FCL: In Zürich erzielte der flinke Brasilianer das zwischenzeitliche 2:1 und gegen YB holte er einen Freistoss und die gelb-rote Karte gegen Zesiger heraus, die den Charakter und die Richtung des Spiels veränderte. Nun überlegt sich FCL-Sportchef Remo Meyer, die Kaufoption von Matos bei Udinese zu ziehen (zentralplus berichtete).

Lucas Alves (27): Der brasilianische Abwehrturm war der einzige FCL-Spieler, der sich unter Celestinis Vorgänger Thomas Häberli in eine positive Richtung entwickelte (zentralplus berichtete). Und seit Beginn dieses Jahres ist er im Luzerner Captain-Team die Nummer 2 hinter Christian Schwegler. Die Vertragsverlängerung des leidenschaftlichen Kämpfers scheint bloss noch eine Frage der Zeit zu sein. Sportchef Meyer bestätigte kürzlich laufende Vertragsverhandlungen.

Darian Males (18): Zusammen mit Francesco Margiotta bildet der schweizerisch-serbische Doppelbürger den «M&M»-Sturm (zentralplus berichtete). Ihre Werte lassen sich sehen: Zehnmal haben sie in dieser Saison zusammen gespielt, fünfmal ging der FCL als Sieger vom Platz. Die technisch beschlagenen Males und Margiotta verstehen und spüren sich auf dem Platz. Der bisherige Höhepunkt ihrer kreativen Arbeit war Margiottas herrlicher Siegtreffer zum zwischenzeitlichen 3:1 über den FC Zürich.

FCL-Stürmer Francesco Margiotta erzielt in dieser Szene das siegbringende 3:1 gegen den FC Zürich.

Francesco Margiotta (26): Als ihn Fabio Celestini 2016 nach Lausanne holte, machte der Italiener schnell von sich reden. Er wurde zu einem der besten Stürmer im Land. Ihre Zusammenarbeit beschädigte Celestini dadurch, dass er im Winter 2017 mit den Millionen des neuen Klub-Besitzers «Ineos» unter anderem den Fehltransfer von Simone Rapp tätigte (zentralplus berichtete). Ein paar Monate später wurde der Trainer gefeuert. Nun erhalten die beiden beim FCL eine neue Chance, und im Gegensatz zu Häberli weiss Celestini, wie er Margiotta gewinnbringend einsetzen muss. Ein zweites Mal wird er seinen Goalgetter nicht mehr aus der Bahn werfen.

Tsiy Ndenge (22): Als Häberli sein System von einem 4-2-3-1-System auf ein 4-4-2 umstellte, verlor der Deutsche seinen Stammplatz im defensiven Mittelfeld. Als Einwechselspieler verletzte er sich am 1. September beim 2:2 gegen die Young Boys. Doch Ndenge wurde zum Trainerwechsel am Ende der Vorrunde rechtzeitig fit und gehört unter Celestini zur zweimal siegreichen Stammformation. Mit seinen Fähigkeiten als Ballverteiler und seiner körperlichen Robustheit scheint er in Celestinis Vorstellung von Fussball zu passen.

Christian Schwegler (35): Der Aussenverteidiger hat zwar noch kein Meisterschaftsspiel bestritten, seit er von Celestini zum FCL-Captain ernannt worden ist, weil er infolge seiner Knieverletzung auch noch krank wurde. Aber weil der Routinier in der Teamhierarchie nun ganz oben steht, wird er spielen, wenn er einsatzfähig ist. Macht sein Körper mit, scheint eine weitere Profisaison nicht ausgeschlossen.

Ashvin Balaruban (18): Er hat beim 3:2-Sieg der Luzerner im Zürcher Letzigrund sein Super-League-Debüt gegeben. Am Tag zuvor hat der Aussenverteidiger seinen ersten Profivertrag mit Gültigkeit bis 2023 unterschrieben. Das heisst: Celestini sieht in Balaruban ein Talent, dem die Zukunft im FCL gehört.

Das sind die Wackelkandidaten

Pascal Schürpf (30): Als Captain war er in der Vorrunde in eine Schaffenskrise geraten (zentralplus berichtete). Celestini befreite den Antreiber bei seinem Jobantritt von dieser Verantwortung. Aber mit dem Spitzenplatz in der Teamhierarchie verlor Schürpf auch seinen Stammplatz im linken Mittelfeld. Die Stärken des Baslers liegen mehr im unbedingten Siegeswillen und im Abschluss als im spielerischen Bereich, den Celestini fordert und fördert. Gegen YB kam Schürpf bloss von Beginn weg zum Einsatz, weil Ibrahima Ndiaye eine Spielsperre absitzen musste. Die Frage ist: Kann sich Schürpf, der einen Vertrag bis 2022 besitzt, in Zukunft mit einer Joker-Rolle anfreunden?

Blessing Eleke (23): Der Mittelstürmer überwarf sich in der Vorrunde mit Thomas Häberli und machte bloss zwei Tore in der Meisterschaft. Mit Celestini stimmt offensichtlich die Chemie. Eleke hat seinen Trainer nach seinem Tor zum 2:0 gegen YB umarmt. Doch den verlorenen Stammplatz hat der Nigerianer nicht zurück. Im Sturmzentrum muss er hinter Males und Margiotta anstehen, auf den Aussenbahnen im Mittelfeld hinter Ndiaye, Matos und Schürpf. Weil eine Joker-Rolle weder seinem Wesen noch seiner Karriereplanung entspricht, wird sich Eleke damit wohl höchstens bis im Sommer zufrieden geben. Je treffsicherer er dabei ist, umso grösser der Transfererlös, den der FCL mit Eleke (Vertrag bis 2022) generieren wird.

Marvin Schulz (25): Wenn ein neuer Übungsleiter das Kommando übernimmt, ist es für einen Profi nie förderlich, verletzungsbedingt zu fehlen. Doch das ist beim defensiven Mittelfeldspieler seit dem 26. Oktober oder neun aufeinanderfolgenden Meisterschaftsspielen wegen eines Knochenödems der Fall. Ohnehin passte für Schulz in der laufenden Meisterschaft wenig zusammen. Vor der Verletzung kam dem FCL-Zugpferd der letzten Saison das Selbstvertrauen abhanden, weil ihn Häberli zum Nachfolger von Ruben Vargas machen wollte (zentralplus berichtete). Und nun hat Celestini wegen des optimalen Rückrundenstarts kaum Grund, sein bisheriges Aufgebot anzupassen. Schulz ist zwar polyvalent einsetzbar, doch im defensiven Mittelfeld machten Idriz Voca und Tsiy Ndenge einen tadellosen Job – und in der Innenverteidigung Lucas Alves und Stefan Knezevic. Der Gladbacher, der für Zweikampfstärke und Schusskraft steht, wird sich wohl gedulden müssen, bis er seine Bewährungschance bekommen wird. Sein Vertrag läuft bis 2022.

Silvan Sidler (21): Im Frühjahr 2018 nahm seine Karriere unter dem damaligen FCL-Trainer Gerardo Seoane Fahrt auf. Es schien, als ob der U21-Internationale eine schöne Karriere vor sich hat. Aber der Zuger ist, um es freundlich auszudrücken, in seiner Entwicklung stecken geblieben. Seine Fehlerquote im Pass- und im Stellungsspiel ist viel zu hoch. Mit dem bevorstehenden Comeback von Captain Christian Schwegler und dem Nachrücken von Balaruban gerät sein Stammplatz ins Wanken. Gelingt es Celestini, Sidler (Vertrag bis 2022) wieder auf Kurs zu bringen?

David Mistrafovic (links) und Blessing Eleke, die für den zweiten Treffer gegen YB verantwortlich waren, lassen sich von den Fans feiern. (Martin Meienberger/freshfocus)

David Mistrafovic (18): Ein Nachwuchsspieler (Vertrag bis 2022), in dem Celestini Potenzial sieht. Sonst hätte ihn der Trainer gegen den FC Zürich (3:2) und YB (2:0) nicht eingewechselt. Der schweizerisch-kroatische Doppelbürger hat die Füsse für eine schöne Karriere – aber auch den Kopf? In Zürich hat er Celestini mit der einen oder anderen Aktion ratlos gemacht, gegen YB aber den zweiten Treffer durch Eleke initiiert.

Lorik Emini (20): Vor dem Rückrundenstart durfte auch das Zuger Talent einen bis zum Ende der nächsten Saison gültigen Profivertrag unterschreiben. Der defensive Mittelfeldspieler mit albanischen Wurzeln kam im Dezember, als die Personalnot gross war, zu drei Einsätzen und wusste zu gefallen. Aber mit der Rückkehr von Schulz und einem möglichen Engagement von Pirmin Schwegler, des jüngeren Bruders von FCL-Captain Christian, wird seine Aussicht auf Einsatzgelegenheiten nicht besser. Emini wird in der täglichen Arbeit einen Effort leisten müssen, um den Durchbruch unter Celestini schaffen zu können.

Marco Burch (19): Als der FCL im letzten Vorrundenspiel unter dem tags darauf gefeuerten Thomas Häberli den FC Basel 2:1 besiegte, ging der Innenverteidiger zum zweiten Mal in Folge in einem 3-4-1-2-System über die volle Distanz. Unter Celestini spielte der FCL in einer Viererabwehr aber bloss noch mit zwei Innenverteidigern – darum blieb ihm bisher nur ein Platz auf der Ersatzbank. Der Obwaldner, der einen Vertrag bis 2022 besitzt, wird seine Chance packen müssen, wenn sie wegen Verletzungen oder Spielsperren kommt.

Otar Kakabadze (24): An der Spielweise des georgischen Interationalen scheiden sich die Geister der Beobachter. Die einen schätzen seine dynamisch und nach vorne gerichtete Spielweise, die anderen vermissen Technik und Effizienz in seinen Aktionen. Celestini wird zeigen, ob der Verteidiger Platz in seinem technisch und taktisch geprägten Fussball hat. Seit Ende November fällt der mit einem Vertrag bis 2021 ausgestattete Kakabadze mit einem Bänderriss am Sprunggelenk aus.

Das sind die Verlierer

Shkelqim Demhasaj (23): Der Mittelstürmer hat sich schon bei den letzten FCL-Trainern René Weiler und Thomas Häberli nicht durchsetzen können, und sein Standing hat sich auch unter Celestini nicht verbessert. Seit 22 Meisterschaftsspielen oder dem 15. Mai in Basel (2:3) hat er nicht mehr getroffen. Gelegenheiten, sich auf höchster Spielebene zu bewähren, erhielt Demhasaj genug. Doch mittlerweile muss er hinter Males, Margiotta und Eleke anstehen. Er hat keine Argumente geliefert, um den im Sommer auslaufenden Vertrag zu verlängern.

Simon Grether (27): Er ist ein klassischer Lückenbüsser und sprang in der Abwehr und im defensiven Mittelfeld ein, wenn Not am Mann war. Seit der Defensivspezialist im Sommer 2016 beim FCL angeheuert hat, bestritt Grether 80 von insgesamt 128 Spielen (gut 62 Prozent). Das ist aller Ehren wert, spricht für seine professionelle Einstellung, körperliche Konstitution und Fitness. Dennoch sind Grethers fussballerischem Können zu enge Grenzen gesetzt, um auf ihn für eine sportlich erfreulichere Zukunft der Luzerner bauen zu können. Deshalb wird er den FCL im Sommer verlassen müssen.

Eric Tia (23): Es war keine grosse Meldung wert, als der schnelle FCZ-Mittelfeldspieler im Februar 2019 nach der Entlassung von René Weiler zu den Luzernern stiess. Und es wird erst recht keine sein, wenn Eric Tia zum Ablauf seines Vertrages im Sommer zu neuen Ufern aufbricht. Ihm fehlt das Auge für den Mitspieler, um sich in der Super League durchsetzen zu können. Bisher kam er in der ersten Mannschaft auf 39 Einsatzminuten.

Torhüter Marius Müller (26), Verteidiger Stefan Knezevic (23) und Mittelfeldspieler Idriz Voca (22) haben wie in der Vorrunde einen Stammplatz. Ihre berufliche Situation hat sich kaum verändert.

Ersatzgoalie Simon Enzler (22) hat noch keine Einsatzgelegenheit in der Meisterschaft erhalten. Der 36-jährige Goalie David Zibung steht indes in seinem letzten Halbjahr als Profi. Und der im Sommer von Lugano transferierte Salah Aziz Binous (19), der einen Vertrag bis 2022 besitzt, hat sich nach zehn Einsatzminuten mit der ersten Mannschaft einen Kreuzbandriss zugezogen. Seine Situation erlaubt keine Einschätzung.

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