Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Die Geisterstadt von Schüpfheim
  • Wirtschaft
  • Architektur
  • Raumplanung
Nicht viel los im «Mülipark». Das gilt sowohl für die «Parkanlage», als auch für die einzelnen Wohnungen. (Bild: tob)

Leere Neubauwohnungen im Entlebuch Die Geisterstadt von Schüpfheim

4 min Lesezeit 4 Kommentare 07.08.2014, 05:00 Uhr

«Draussen und doch mittendrin» heisst es auf der Werbebroschüre der Luzerner Architekten Romano & Christen zur Überbauung «Mülipark». «Draussen» bleiben aber vor allem die potentiellen Käufer und Mieter. Zwei Jahre nach der Fertigstellung herrscht in vielen Wohnungen der Überbauung gähnende Leere. Ein Besuch in Schüpfheim und die Frage nach dem «Warum».   

Schüpfheim hat eine der höchsten Ziffern an leerstehenden Neubauwohnungen im ganzen Kanton Luzern. Gemäss einer soeben veröffentlichten Statistik über die Leerwohnungszahlen belegt die Gemeinde im Entlebuch mit 44 leeren Neubauwohnungen einen Spitzenplatz.



Hauptverantwortlich dafür ist die Überbauung «Mülipark». Sie liegt am Dorfrand von Schüpfheim, idyllisch gelegen am Ufer der kleinen Emme, mit Blick auf die umliegende Hügellandschaft. 99 Wohnungen sind es insgesamt, verteilt auf zwölf Mehrfamilienhäuser. 45 Wohnungen werden vermietet, 54 wurden als Wohneigentum erstellt. Die meisten davon sind grossräumig konzipierte 3.5- oder 2.5 Zimmer-Wohnungen.



Wenig Interesse an «luxuriösen Wohnoasen»

Sie verteilen sich auf dem weitläufigen Parkareal, ein schmaler Weg windet sich von Haus zu Haus. Dazwischen stehen vereinzelte Sitzgelegenheiten. Es wirkt wie eine Ferienanlage. 

2012 wurde die Grossüberbauung vom Luzerner Architekturbüro «Romano & Christen» fertiggestellt. Zwei Jahre zuvor war der offizielle Verkaufsstart der im Werbeprospekt als «luxuriöse Wohnoasen» ausgeschriebenen Objekte.

Allerdings fehlen diesen Objekten bis heute die Abnehmer. Laut der Webseite der Luzerner Architekten von «Romano & Christen» fanden 25 Wohnungen bis jetzt keinen Mieter und 24 suchen noch immer einen Käufer. Rund die Hälfte der Wohnungen steht also leer. «Geisterstadt» haben einige Einheimische die Überbauung deshalb getauft. 

Überall auf der Anlage stehen Hinweisschilder, die zu den noch verfügbaren Wohnungen deuten.

Das Thema im Dorf

Um die Häuser ist das Gras knöchelhoch gewachsen, die schmalen Wege sind menschenleer. «Tagsüber sieht man hier kaum jemanden, die Bewohner kommen nur nach Hause, um zu schlafen», sagt eine Nachbarin. Ihr Haus liegt auf der anderen Strassenseite, gegenüber der erst zwei Jahre alten Wohnblöcke. Viele, die dort wohnen würden, kämen aus der Region, einige aus Schüpfheim selber. Lebhaft sei es in der Überbauung allerdings höchstens während der Bauphase zu und her gegangen.

Am anderen Ende der Überbauung steht das Unternehmen der Familie Zihlmann. «Natürlich waren die leeren Wohnungen im «Mülipark» das Thema im Dorf», sagt David Zihlmann, Co-Geschäftsführer der Zihlmann Maschinen und Geräte AG. Mittlerweile habe man sich aber an das eher triste Bild der Bauten gewöhnt. 

1’920 Franken für 3.5 Zimmer

Fragt man in Schüpfheim nach dem Grund für die schlechte Auslastung der Überbauung, werden als Erstes die hohen Miet- und Kaufpreise genannt. Eine rund 120 Quadratmeter grosse 3.5 Zimmer-Wohnung kostet zwischen 1’820 und 1’920 Franken, je nach Stockwerk. Hinzu kommen die Nebenkosten von etwa 250 Franken. 

Zum Vergleich: Unweit des «Müliparks» entstehen momentan 22 neue Mietwohnungen. Bezugsbereit im Frühling 2015. Dort kostet eine 3.5 Zimmer-Wohnung bloss 1’400 Franken ohne Nebenkosten, dafür ist diese mit 87 Quadratmetern deutlich kleiner. 16 Franken beträgt hier der Quadratmeterpreis. 15 Franken ist er bei der günstigsten Mietwohnung im «Mülipark».

Auch beim Wohneigentum liegen die «luxuriösen Wohnoasen» nicht über dem gängigen Marktpreis. Laut dem Immobilienspiegel der Luzerner Kantonalbank beträgt der Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen in Schüpfheim zwischen 5’000 und 5’500 Franken. Rechnet man diese Zahl mit den bereits genannten 120 Quadratmetern für eine 3.5 Zimmer-Wohnung hoch, resultiert ein Preis von rund 660’000 Franken. Die 3.5 Zimmer-Wohnungen im «Mülipark» sind bei derselben Grösse und einem Verkaufspreis von 575’000 bis 620’000 Franken sogar vergleichsweise günstig.



Zuviele Wohnungen in Schüpfheim?

Die Ursachenforschung zum halbleeren «Mülipark» geht also weiter. Auffallend oft trifft man in Schüpfheim auf Hinweistafeln zu neuen Überbauungen in der Gegend. Ist der Wohnungsmarkt in Schüpfheim übersättigt? 

Die Gemeinde im Entlebuch hat laut der Luzerner Kantonalbank mittlerweile die teuersten Bodenpreise der Region, trotzdem bleibt die Nachfrage nach Eigentumswohnungen konstant. Es werde viel gebaut in Schüpfheim, bestätigt Gemeindepräsidentin Margrit Thalmann-Theiler. «Gleichzeitig mit der Überbauung «Mülipark» wurden hier rund 80 andere Wohnungen gebaut. Diese rege Bautätigkeit ist mit ein Grund, weshalb die Wohnungen nicht besetzt sind.»

Auch sei sich «Romano & Christen» von Anfang an bewusst gewesen, dass nicht alle Wohnungen gleichzeitig vermietet oder verkauft werden können. Laut der Gemeindepräsidentin will man sich beim renommierten Luzerner Architekturbüro dafür einige Jahre Zeit lassen. «Wir gehen davon aus, dass wir noch sicherlich zwei Jahre brauchen, bis der gesamte «Mülipark» belegt ist», bestätigt Sandra Stalder von «Romano & Christen». Die Region verfüge gar nicht über genügend Bewohner, um alle der rund 100 erstellten Wohnungen innert zwei Jahren zu besetzen. «Wir haben von Anfang an mit einer Absorbationszeit von fünf bis sechs Jahren gerechnet.»

Finanziell ist es für das Luzerner Architekturbüro deshalb auch ein «sportliches Engagement, welches sich erst nach einigen Jahren auszahlt», sagt Stalder. Allerdings finde man so optimal gelegene Grundstücke wie den «Mülipark» nur selten. Daher lohne sich diese Investition.

Es wird also noch etwas dauern, bis die Hinweisschilder für leere Wohnungen im «Mülipark» verschwinden. Die Geisterstadt in Schüpfheim wird sich nur langsam mit Leben füllen.

Nutzen Sie die Kommentar-Funktion und schreiben Sie jetzt Ihre Meinung!

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

4 Kommentare
  1. Franz Schmidiger, 27.08.2014, 22:52 Uhr

    Ob nun Romano & Christen renommierte Architekten und/oder Spekulanten sind, will ich nicht kommentieren. Dass sie sich mit grossen Sprüchen auf schönen Plakaten 😉 präsentieren kann man nicht verneinen. Gut möglich, dass die graphische Leistung bei den Plakaten besser ist als die architektonischen Leistungen. Sicher ist, dass der Bau der Wohnungen in Schüpfheim am Markt vorbei produziert wurden. Vorallem begreife ich nicht, dass bei der herrschenden Hochkonjunktur im Bauwesen solche Projekte erstellt werden, wenn zu gleicher Zeit in anderen Regionen neue Wohnungen nachgefragt und gefragt sind. Da stimmt doch etwas nicht, vermutlich wurde da in früheren Jahren der falsche Weg eingeschlagen oder nötige Massnahmen, sprich, Landkäufe am richtigen Ort nicht getätigt. Die leidtragenden sind die örtlichen Handwerker und Unternehmer in nächster Zeit. Die Wohnungen sind nun auf Jahre hinaus gebaut, in einer viel zu schnellen ungesunden Art und Weise. Für das örtliche Gewerbe ist auf Jahre hinaus viel Wertschöpfung verloren gegangen.

  2. Werner Raymond Duss, 24.08.2014, 20:29 Uhr
  3. Thomas Stadelmann, 18.08.2014, 09:59 Uhr

    Gute Artikel, nur: R&C sind keine renommierten Luzerner Architekten, sondern Immobilienspekulanten, die am Markt Häuser bauen können und sich mit schönen Sprüchen auf grossen Plakaten präsentieren. Viel wichtiger ist: Das Beispiel zeigt, was herauskommt, wenn ländliche Gegenden bei Überbauungen in dieser Grössenordnung nur die (politischen und fiskalen Gewinne) sehen und dafür auf eine Qualitätsdiskussion (sprich ein Planungsverfahren unter Konkurrenz: welche Entwicklung wollen wir, wo und mit welcher Qualität) verzichten. So bestimmt eben die “Absorbationszeit” die Qualität.

  4. Werner Raymond Duss, 09.08.2014, 21:39 Uhr

    So, so man hat mit einer Absorbationszeit von fünf bis sechs Jahren gerechnet. Quizfrage: Wer zieht in eine Neubauwohnung ein die fünf Jahre leergestanden ist? Die Wohnungen mögen schön und flächenmässig gross sein. Praktisch sind sie jedoch eher nicht und für diesen Preis erwarten viele Mieter heutzutage auch einen Steamer und einen grösseren Tiefkühler in der Küche. In der zweiten Nasszelle dürfte man bei einer neuen Wohnung in dieser Preisklasse auch eine Dusche erwarten. Gibts übrigens in anderen durchaus vergleichbaren Neubauwohnungen an zentraleren Lagen schon für deutlich weniger Geld. Auch eine schöne Aussicht gibts in den Häusern die von der Emme abgewandt sind nicht. Da sieht man höchstens ans nächste Haus. Mietzinse mind. 200 Fr. senken und die Wohnungen werden vermietet. Aber so sehe ich schwarz.