«Die Fussgängerzone gehört den Fussgängern»
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Soll die Hertensteinstrasse für Velos in beiden Richtungen tagsüber befahrbar sein?

Widerstand gegen mehr Velos in der Hertensteinstrasse «Die Fussgängerzone gehört den Fussgängern»

3 min Lesezeit 6 Kommentare 03.06.2020, 14:50 Uhr

SP und Grüne der Stadt Luzern fordern, die Hertensteinstrasse ganztags in beiden Richtungen für Velos freizugeben, weil die Route über den Schweizerhofquai zu gefährlich sei. Das Problem werde damit aber nur verlagert, finden Kritiker.

Velofahrer dürfen derzeit nur nachts vom Museumsplatz Richtung St. Karli über die Hertensteinstrasse fahren. Tagsüber müssen sie auf die Alpenstrasse und den Schweizerhofquai ausweichen, weil dann in der Hertensteinstrasse Einbahn herrscht.

Das wollen Mario Stübi (SP) und Martin Abele (Grüne) ändern (zentralplus berichtete). Aus ihrer Sicht ist der Umweg über den stark befahrenen Schweizerhofquai zu gefährlich. Die beiden glauben, dass eine «rücksichtsvolle Koexistenz von Fuss- und Veloverkehr» möglich ist. Wenn viele Fussgänger unterwegs sind, würden die Velofahrer auch vorsichtiger sein, so ihre These.

Soll die Hertensteinstrasse in beiden Richtungen für Velos befahrbar sein?

City Vereinigung zweifelt an Rücksicht der Velofahrer

Das sieht Josef Williner von der City Vereinigung Luzern jedoch anders: «Mehr Velos würden das Einkaufserlebnis in der Hertensteinstrasse einschränken.» Würde das Einbahnregime aufgehoben, gäbe es massiv mehr Veloverkehr in der Fussgängerzone, ist er überzeugt. Das sei weder dem Gewerbe noch der Sicherheit dienlich. «Heutzutage sind Velos teils schon so schnell, dass man wirklich aufpassen muss. Leider missachten viele Velofahrer auch die Verkehrsregeln.»

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Für Williner ist der Sicherheitsaspekt deshalb nur ein Scheinargument. «Sicherheit muss für alle gelten. Ich verstehe das Problem der Velofahrer. Der Mehrverkehr würde aber die Fussgänger gefährden.» Williner schlägt deshalb vor, sichere Velowege zu realisieren. «Die Fussgängerzone gehört den Fussgängern.»

Silvio Bonzanigo, Präsident von Fussverkehr Luzern, gibt den Postulanten zwar in einem Punkt recht. Nämlich, dass die Signalisation in der Hertensteinstrasse irreführend ist. Von der Forderung, das Einbahnregime aufzuheben, hält er aber wenig: «Das Postulat wird von uns klar abgelehnt.» Schon jetzt sei die Situation aus Sicht der Fussgänger unbefriedigend.

«Die Kernstadt soll den Fussgängern gehören, so wie es mit der Fussgängerzone beabsichtigt wurde.»

Silvio Bonzanigo

Bonzanigo wünscht sich tagsüber sogar zeitweise eine Komplettsperrung der Hertensteinstrasse für jeglichen Verkehr, inklusive Velofahrer, in beiden Richtungen. Denn auch er findet: «Die Kernstadt soll den Fussgängern gehören, so wie es mit der Fussgängerzone beabsichtigt wurde.»

Veloverkehr soll aussenrum geführt werden

Eine Aufhebung der Einbahnstrasse würde diesem Sinn widersprechen: «Mit der Öffnung der Hertensteinstrasse in beide Richtungen würde sie zur durchgängigen Veloroute.» Die Gemischtverkehrsfläche, die dadurch entstehen würde, wäre «unfallträchtig» und würde «die Hektik der Fussgänger steigern». Damit wäre auch die Schutzwirkung einer Fussgängerzone zunichtegemacht, so Bonzanigo.

Der Veloverkehr müsse deshalb um ausgewiesene Gehflächen herumgeführt werden, «nicht mitten durch sie hindurch». Das würde zu Konflikten zwischen Fussgängern und Velofahrern führen, ist er überzeugt. Hinzu kämen E-Bike-Fahrer. «Sie müssten sich selbstverständlich an das allgemeine Geschwindigkeitsregime ‹Schritttempo› in der Fussgängerzone halten. Dass dies der Fall wäre, darf angezweifelt werden.»

Schweizerhofquai. (Bild: Gerold Kunz)

Bonzanigo weist die Argumente der Postulanten zurück: «Velofahrer müssen sich entscheiden, ob sie über Kenntnisse der Verkehrsregeln und über angemessene Fahrpraxis verfügen, um am allgemeinen Verkehrsgeschehen teilzunehmen. Der Abschnitt Alpenstrasse/Schweizerhofquai bedingt für Velofahrer keine ungesicherten Knotenquerungen oder andere sehr anspruchsvolle Fahrmanöver.»

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6 Kommentare
  1. David L, 04.06.2020, 22:58 Uhr

    Unsinniger Vorschlag. Natürlich: Zu Corona-Zeiten wo die Hertensteinstrasse leer war, hätte man das schon machen können. Aber unter normalen Umständen gehört diese Strasse natürlich komplett Velofrei.
    Die berechtigten Anliegen der Velofahrer müssen anders gelöst werden,

  2. Rene, 04.06.2020, 11:08 Uhr

    Ich bin dagegen. Von der Jesuitenkirche zur Pfistergasse zu spazieren ist ja mittlerweile lebensgefährlich. Lasst uns wenigstens die Hertensteinstrasse.

  3. CScherrer, 04.06.2020, 07:59 Uhr

    Es ist Zeit, den motorisierten Individualverkehr von den Innenstädten zu verbannen. Dann müssen wir auch nicht über solchen Mist diskutieren. Fahrräder haben nichts, aber auch rein gar nichts in einer Fussgängerzone verloren. Deshalb heisst es auch Fussgängerzone und nicht Begegnungszone oder sonst welchen Irrsinn. Nochmals: Das Auto ist das Problem! Nicht Fussgänger und nicht Fahrradfahrer.

    1. Andreas Peter, 04.06.2020, 11:03 Uhr

      CScherrer, der Autohasser wieder.
      Für mich als Stadtvelofahrer sind die Busse und Lastwagen das grössere Problem.
      Wollen Sie die auch verbieten?
      Das wäre doch ein Job für Sie: Die Schweizerhof Migros von Dierikon aus mit dem Eselwagen beliefern? Stellen Sie sich das so vor?
      Ihr Hass verleitet Sie zu illusorischen Forderungen.
      Was haben Sie eigentlich gegen den Individualverkehr? Stört Sie das Wort „Individual“?
      Hat das etwas mit Sozialismus zu tun?

  4. Schmdiger Sybille, 03.06.2020, 19:44 Uhr

    Letzte Woche fuhr ich mit dem Velo durch die Hertensteinstrasse. In der korrekten Richtung, alles legal, in äusserst gemässigtem Schritttempo. Ein sehr aggressiver Senior wies mich zu Unrecht darauf hin, dass hier ein Fahrverbot gelte. Auf meine Hinweis hin, er solle doch die Beschilderung mal korrekt lesen, riss er mich fast vom Velo und beschimpfte mich aufs Übelste! Vielleicht sollte man die Fussgänger/-innen mal informieren, was für Regeln gelten.

    1. Andy Bürkler, 03.06.2020, 22:04 Uhr

      @Schmdiger Sybille: Ihr Beispiel zeigt doch gerade, dass es eben nicht geht.
      Es ist intuitiv falsch, dort mit dem Velo zu fahren, das empfinde ich als Velofahrer wie als Fussgänger so.
      Deshalb sollte man diese Fussgängerzone in beide Richtungen tagsüber für Velos sperren.
      Alles andere ist verwirrend, unlogisch und führt zwangsläufig zu Konflikten und Unfällen.

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