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Die Furcht vor der Majorzwahl
  • Politik

Parteien vor der Wahl: Alternative - die Grünen Die Furcht vor der Majorzwahl

4 min Lesezeit 2 Kommentare 08.09.2014, 11:57 Uhr

Keine andere Grünen-Partei hat so viele Wähler wie die Zuger Alternative – die Grünen. Sehen die Prognosen ebenfalls rosig aus? Was hat sich bei den Zuger Grünen in den letzten Jahren getan, wohin wollen sie? Und warum blickt die Partei mit einem flauen Bauchgefühl auf die kommenden Wahlen? Der dritte Teil unserer Parteienporträts.

Wo stehen sie im Moment, die Alternative – die Grünen? Was ist ihre Position? Co-Präsidentin der Grünen, Jolanda Spiess-Hegglin findet dafür klare Worte: «Wir sind nicht einfach die Grünen. Wir sind die politische Linke.» 

Seit Jahren sind die Grünen in Zug im Aufschwung. Bei den Kantonsratswahlen vor vier Jahren hatten die Alternative – die Grünen einen Wähleranteil von über 14 Prozent. Im Oktober dieses Jahres wird neu gewählt. Dort kommt aus, ob es vorbei ist mit dem anfänglichen Schub, oder ob der Boost noch immer anhält. Die grüne Zuger Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard sagt dazu: «Eigentlich sind wir gut aufgestellt für die kommenden Wahlen. Insgesamt sind es 64, die für die Grünen kandidieren, davon sind 33 Frauen.»

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Zudem seien es viele Junge, die für die kommenden Wahlen kandidierten. «Es steht also viel Potential zur Wahl», so Weichelt. Dass der Frauenanteil bei den Grünen mit über 50 Prozent, verglichen mit etwa 25 Prozent gesamthaft in den Kantonalen Parlamenten, deutlich höher ist, sieht Weichelt als klaren Vorteil.

Und wie steht es mit dem Bauchgefühl vor den Wahlen am 5. Oktober? «Heuer kommt zum ersten Mal bei den Regierungsratswahlen die Majorzwahl zum Zug. Das wird sicherlich eine riesige Herausforderung.» Bisher wurde in Zug das Verhältniswahlrecht, sprich das Proporzsystem angewandt.

«Wir sind nicht einfach die Grünen. Wir sind die politische Linke.»

Jolanda Spiess-Hegglin, Co-Präsidentin Zuger Alternative – die Grünen 

 Wohnraum und Rohstoffhandel werden gross geschrieben

Die Themen, mit der sich die Zuger Grünen derzeit befassen, sind tatsächlich nicht nur klassisch «grün». Sie sind auch sozialer Natur. So beschäftigen sich insbesondere die jungen Zuger Grünen intensiv mit günstigem Wohnraum. Die Junge Alternative sammelt derzeit, gemeinsam mit der Juso Zug, Unterschriften. Mit der Gesetzesinitiative «für zahlbaren Wohnraum» soll der Prozentsatz an günstigen Wohnmöglichkeiten erhöht werden. «Im Moment sind es bloss 4 Prozent der Wohnungen, die laut den gegebenen Kriterien als zahlbar gelten», erklärt Kantonsrat Andreas Lustenberger.

Die Zuger Alternative – die Grünen im Überblick

2005 entstand die Zuger Alternative Partei nach dem Zusammenschluss verschiedener lokaler Gruppierungen. Die grösste davon: die Sozialistisch Grüne Alternative Zug (SGA). Diese ging aus der Revolutionären Marxistischen Liga, respektive der sozialistischen Arbeiterpartei hervor. Zwischen 1990 und bis 2006 vertrat Hanspeter Uster die SGA im Regierungsrat. Nach den Wahlen 2006 war die Alternative Kanton Zug im Kantonsrat mit zwölf von 79 Sitzen vertreten (heute sieben). 2009 wurde die Alternative Kanton Zug zum Vollmitglied der Grünen Schweiz ernannt. Seither nennt sich die Partei Alternative – die Grünen Zug. Co-Präsidentinnen der kantonalen Partei sind derzeit Barbara Beck-Iselin und Jolanda Spiess-Hegglin.

Zwischen 2003 und 2011 vertrat Josef Lang die Alternative - die Grünen Zug im Nationalrat. Dort schloss sich Lang von Anfang an der Grünen Fraktion an.

Mit der Initiative soll unter anderem erreicht werden, dass dieser Anteil innert 20 Jahren auf 20 Prozent steigt. Jolanda Spiess-Hegglin, Co-Präsidentin der Grünen Zug, ergänzt: «Viele Familien fühlen sich nicht ernst genommen von den Bürgerlichen. Sie können sich die Wohnungen nicht leisten und ziehen weg.»

Versuche, in Zug erschwinglichen Wohnraum zu schaffen, gab es schon mehrmals. Warum glauben die Grünen, dass es jetzt klappt mit der Umsetzung? Manuela Weichelt-Picard dazu: «Es ist ein Thema, das die Bevölkerung schon lange bewegt. In den letzten Jahren ist der Druck noch grösser geworden; viele können sich das Leben in Zug nicht mehr leisten.» Das Problem sei, so Spiess, dass die Bürgerlichen in Zug das Sagen haben, wenn es um die Höhe der Steuern gehe. «Es ist Zeit, dass sich die Dumping-Politik bei den Steuern ändert. Es geht nicht, dass bei der Bildung, bei der Bevölkerung, im öffentlichen Verkehr und im Sozialen gespart wird und gleichzeitig haufenweise Millionäre nach Zug ziehen.» 

Ernüchtert und doch motiviert

Auch mit einem weiteren Feld haben sich die Grünen in den letzten Jahren intensiv befasst. Beim Thema Rohstoffhandel beissen sich die Alternativen regelmässig die Zähne aus. Auch Lustenberger findet es zuweilen ernüchternd, dass der Einsatz in diesem Gebiet bisher kaum Früchte getragen habe. «Nach wie vor ist es unser Ziel, den Bürgerlichen aufzuzeigen, dass es im Rohstoffhandel Korruption und Menschenrechtsprobleme gibt. Motiviert sind wir trotzdem. Nicht zuletzt deshalb, weil wir sehr gut vernetzt sind. Mit verschiedenen Non-Profit-Organisationen, auch international. Und sie alle finden es wichtig, dass wir am Ball bleiben.» Spiess-Hegglin sieht noch einen weiteren positiven Effekt: «Nicht zuletzt wegen dieser Thematik haben wir einen so grossen Wähleranteil.»

Eine sehr lokale, geradewegs heimatverbundene Kampagne macht die Alternative in Baar. «Unter dem Slogan ‹Wir geben Baar ein Gesicht› soll erreicht werden, dass die Gemeinde, in der eine relativ hohe Fluktuation herrscht, eine stärkere Identität erhält. Lustenberger ergänzt: «Wir wollen, dass die Leute eine Verbundenheit haben mit dem Ort, wo sie wohnen. Es geht hierbei vor allem um den Umweltbereich.»

Dass die Bevölkerung also die Naturplätze und Naherholungsgebiete, die es in und um Baar herum gäbe, wieder vermehrt schätze. «Der Golfplatz Zugersee, der im Säuliamt und zum Teil auch auf dem Gebiet Baar geplant war, ist Ausdruck davon, dass diese Naturverbundenheit bei vielen fehlt.»

«Wir glauben daran, zu wachsen.»

Andreas Lustenberger, Co-Präsident Junge Grüne Schweiz, Kantonsrat

Lustenberger ist grundsätzlich davon überzeugt, dass die Zuger Grünen ein grosses Potenzial haben. «Wir möchten allen Gemeinden zeigen, dass es – wie der Name bereits sagt – eine Alternative gibt zu den gängigen Parteien. Wir glauben daran, zu wachsen.» Auch Jolanda Spiess-Hegglin sieht grosses Potenzial in der eigenen Partei. Und dies, obwohl die Linken in Zug ein Schattendasein fristen neben den mächtigen, bürgerlichen Parteien. «Diese Underdog-Position, die wir haben, liegt uns eigentlich. Es ist motivierend, wenn auch anstrengend.»

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2 Kommentare
  1. Valeria Wieser, 12.09.2014, 16:41 Uhr

    Sehr geehrter Hubi

    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Es handelts sich in der Tat um Parteienporträts, die wir kontinuierlich und im Hinblick auf die Wahlen veröffentlichen. Auf der rechten Seite neben dem Artikel finden Sie die Links zu den anderen Parteien, die bisher porträtiert worden sind.

    Freundliche Grüsse

    Valeria Wieser

  2. Paul Huber, 12.09.2014, 00:30 Uhr

    Es fällt auf: Hier wird eindeutig häufiger die Grüne in den Fokus gebracht und positiv kommentiert, als andere Parteien. Ist dies für ein unabhängiges Magazin vertretbar?