Gesellschaft

Öko-Allianz bringt neue Ideen aufs Tapet
Die fünf Visionen der Parkhausgegner unter der Lupe

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<p>Räume unter der Autobahnbrücke: So wie auf dieser Visualisierung könnte das aussehen.</p>
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Räume unter der Autobahnbrücke: So wie auf dieser Visualisierung könnte das aussehen. (Bild: zvg)

Aufwertung der Innenstadt geht auch ohne Musegg-Parking, sind die Luzerner Parkhaus-Gegner überzeugt. Zum Beweis präsentieren SP, Grüne und GLP fünf Ideen für eine lebenswerte Stadt. Von einem Dach über das Gleis bis zu einer neuen Metro. Wir haben genauer hingeschaut.

«Die Energien würden besser in eine echte Belebung der Stadt Luzern eingebracht.» Dieser Satz fasst zusammen, worum es der Öko-Allianz geht: Sie wollen nicht einfach als Verhinderer des Parkhauses Musegg dastehen – oder noch schlimmer: als Diskussionsverweigerer.

Die bürgerlichen Parteien CVP, FDP und SVP mit Support aus Wirtschaft und Tourismus verknüpfen ihre Kampagne zur Rettung des Musegg-Parkings geschickt mit einer «Aufwertung der Innenstadt», wie die Initiative heisst. Ihre Argumentation: Wenn die Cars und Autos im Musegghügel parkieren, verbessert das die Erreichbarkeit und Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Etwa der Schwanenplatz könnte so von Cars befreit und aufgewertet werden.

Neue Ideen sind gefragt

Diesen Zusammenhang bestreiten SP, Grüne und GLP: «Massnahmen zur Attraktivierung der Aufenthaltsqualität können unabhängig des Parkhauses Musegg geplant und umgesetzt werden.» Zu Deutsch: Aufwertung der Innenstadt ja, aber ohne Parkhaus. Sie fordern in einer Motion deshalb vom Stadtrat einen Gegenvorschlag, der gleichzeitig mit der Initiative in rund einem Jahr zur Abstimmung käme (zentralplus berichtete).

«Neue Ideen für diese Stadt sind wichtig. Das Parkhaus Musegg ist aber ein völlig veraltetes Projekt», argumentiert Links-grün. Aus ihrer Sicht fokussiert die Initiative bereits auf eine in Beton gegossene Lösung, ohne vorgängig andere Lösungen zu analysieren.

Ein Paket an Vorstössen

Die drei Parteien gehen noch weiter und präsentierten am Mittwoch unter dem Titel «Luzern lebt» fünf Vorstösse, wie aus ihrer Sicht ein lebendiger öffentlicher Raum aussieht. Teils sind es Visionen, teils konkrete Vorschläge und teils alte Ideen, die wieder aufgewärmt werden. Aber es lohnt sich, sie genauer unter die Lupe zu nehmen.

1. Mensch statt Motor

Die Grüne Partei fordert in ihrer Motion «Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum», dass sich die Stadtplanung wieder stärker an der Geschwindigkeit des Menschen orientiert als am motorisierten Verkehr. «Aus den prächtigen Boulevards Schweizerhofquai und Pilatusstrasse, wo einst Fussgängerinnen flanierten, sind heute vierspurige lärmige Autostrassen ohne Aufenthaltsqualität geworden», so die Motion.

Die Stadt der Zukunft soll wieder die Lebensqualität der Menschen in den Mittelpunkt stellen. Als Vorbild dient den Grünen der dänische Stadtplaner Jan Gehl, von dem der Slogan «Public Space – Public Life» stammt. Er hat unter anderem in Bern bei einer Analyse der Altstadt mitgewirkt.

Lebensraum für Menschen statt für Autos.

Lebensraum für Menschen statt für Autos.

(Bild: zvg)

In einem ersten Schritt sollen in Luzern drei Orte analysiert werden: Kasernenplatz, Franziskanerplatz (inklusive Innenhof des Regierungsgebäudes) und Löwenplatz. Darüber hinaus fordern die Grünen ein neues Konzept für den öffentlichen Raum.

Prognose: Beim Franziskanerplatz, den heute Parkplätze dominieren, ist wohl das grösste Potenzial und eine realistische Chance vorhanden – das haben auch die Parkhaus-Initianten bereits erkannt. Gerade jetzt, da die angrenzende Kleinstadt saniert und aufgewertet wird. Aber auf dem Kasernen- und Löwenplatz, wo heute vor allem Cars parkieren, ist da nicht viel herauszuholen.

2. Eine Metro für Luzern

Ein Postulat der Grünliberalen fordert «ein zuverlässiges, engmaschiges und damit attraktives ÖV-System». Denn der Verkehr wird noch zunehmen, gerade um das Stadtzentrum Luzerns herum. Daher fordert die Partei mehr Mut, Fantasie und neue Ideen für den ÖV – gerade für die äusseren Stadtteile und Agglomerationsgemeinden, quasi als direkte Verbindungen zwischen Luzern Nord, Süd und Ost.

Vorbild: die Metro in Lausanne.

Vorbild: die Metro in Lausanne.

(Bild: zvg)

Ein Vorschlag: eine Metro nach dem Vorbild von Lausanne. «Lausanne baut schon seine dritte Metrolinie, wieso kann man das nicht auch für Luzern anschauen?», fragt GLP-Grossstadtrat András Özvegyi. Er sieht eine Metro als mögliche Ergänzung zum Durchgangsbahnhof und den heutigen Bahnlinien. «Es könnten aber auch ganz andere Ideen zusammen mit dem Verkehrshaus evaluiert werden», so die GLP.

Prognose: Wer kann schon gegen solch visionäre Ideen sein? Aber schon der Durchgangsbahnhof scheint noch in weiter Ferne. Wie in absehbarer Zeit die Stadt, zusammen mit Kanton und anderen Partnern, ein neues Metroprojekt aufgleisen sollte, ist fraglich. Wünschenswert wäre es allemal, auch wenn der Vorstoss noch äusserst unkonkret ist.

3. Leben unter die Autobahnbrücke

Dieser Vorschlag kommt von der SP – respektive vom Architekten Frieder Hiss und Kollegen. Vis-à-vis vom Xylofonweg entlang der Reuss Richtung Luzern Nord verläuft die Autobahnbrücke. Und darunter: toter Raum. Die SP fordert in ihrem Postulat ein «Start-up-Reusstal»: Vorfabrizierte Module unter dem 300 Meter langen Autobahnviadukt, darin könnten Büros, Ateliers, Praxen, Ausbildungsräume oder kulturelle Räume unterkommen. Dies ist eine von 15 Ideen für eine Stadt am Wasser (zentralplus berichtete).

So könnten die neuen Flächen unter der Autobahn aussehen.

So könnten die neuen Flächen unter der Autobahn aussehen.

(Bild: zvg)

«Mit einer simplen Idee könnten wir den toten Raum nutzen und beleben», ist SP-Grossstadtrat Mario Stübi überzeugt. 3’000 bis 4’000 Quadratmeter neue Nutzfläche erhofft er sich. SP und Grüne fordern vom Stadtrat eine Machbarkeitsstudie und eine öffentliche Diskussion zum Thema.

Prognose: Her damit! Man stört dort niemanden und die Achse zwischen der Kernstadt Luzern und dem Boom-Quartier Luzern Nord wird immer wichtiger, siehe neu eröffnete Sommerbar Nordpol. Somit könnte man auf einfache Weise, wenn man denn will, das rechte Reussufer aufwerten und beleben und günstigen Raum schaffen.

So sieht die Autobahn an der Reuss heute aus.

So sieht die Autobahn an der Reuss heute aus.

(Bild: zvg)

4. Ein Deckel auf das Gleis

Wer schon mal entlang der Bahnhofeinfahrt, diesem Schacht mit den zwei Gleisen, gewohnt hat, hat sich bestimmt schon gefragt: Wieso nicht einfach ein Deckel drauf? Der Lärm wäre beseitigt und zusätzliche Fläche gewonnen.

Die Grünen rücken mit einem Postulat diese alte Idee wieder in den Fokus: «Der tiefe Bahneinschnitt zwischen Neustadtstrasse und Gütschtunnel mit den steilen Böschungen hat mitten in den lebendigen Quartieren eine zerschneidende Wirkung», heisst es im Vorstoss. Würde man die Einfahrt überdecken, könnte man bis zu 20’000 Quadratmeter zusätzliche Fläche gewinnen. Fläche für eine «boulevardmässige Nutzung» schwebt den Grünen vor: Grünraum, Spielplätze, Fuss- oder Velowege, aber auch genutzte Flächen. «Das wäre für die Quartierentwicklung sehr wichtig, es gibt dort heute wenig Grünflächen», sagt Grossstadtrat Christian Hochstrasser.

Hier könnte man einen Deckel drüberlegen und viel Raum gewinnen.

Hier könnte man einen Deckel drüberlegen und viel Raum gewinnen.

(Bild: zvg)

Die Grünen fordern den Stadtrat auf, sich für diese Überdeckelung einzusetzen – ganz oder teilweise. Welche Flächen das effektiv wären, müsste mit dem Durchgangsbahnhof abgestimmt werden.

Prognose: Man wundert sich, wieso das nicht schon lange geschehen ist. Klar dürften Aufwand und Kosten nicht zu unterschätzen sein – aber ebenso die immense Wirkung für den Stadtteil. Trotzdem wird wohl nicht viel passieren in dieser Sache, bis man Gewissheit über den Durchgangsbahnhof hat.

5. Gegen zu hohe Ladenmieten

Man kennt sie, die Herausforderungen für den Detailhandel in der Stadt: Mall of Switzerland, Internethandel, starker Franken, Einkaufstourismus … «Was oft vergessen geht, sind die Mieten, sie betreffen jedes Geschäft», sagt Mario Stübi.

Teuer Mieten verdrängen viele Geschäfte – etwa im Grendel.

Teure Mieten verdrängen viele Geschäfte – etwa im Grendel.

(Bild: zvg)

In einem Postulat fordert die SP, dass der Stadtrat Massnahmen ergreift, um die Preisspirale bei den Geschäftsmieten zu durchbrechen. «Dieser Ausgabenposten kennt seit Jahren meist nur eine Richtung, nämlich steil nach oben», heisst es im Postulat. Vor allem in der Altstadt werde deswegen das einheimische Gewerbe verdrängt, der Branchenmix leide, weil sich vermehrt nur noch internationale Ketten, Uhrengeschäfte oder Gastro-Multis niederlassen.

Die SP fordert mehr Transparenz bei den Mieten, mehr Austausch mit Liegenschaftsbesitzern und Ladenketten und mehr Einsatz der Wirtschaftsförderung zugunsten eines gesunden Branchenmixes. Zudem müsse die Stadt wieder aktiv Liegenschaften kaufen und könnte so als Player im Mietmarkt mitspielen.

Prognose: Der Vorschlag tönt wenig visionär und spektakulär, trifft aber einen wunden Punkt. Bürgerliche Parteien werden sich aber hüten, dass sich die Stadt in den freien Markt einmischt, aber es wird eine wichtige Diskussion lanciert. Spätestens mit der Eröffnung der Mall of Switzerland im November wird die Situation für die Geschäfte in der Stadt noch ungemütlicher.

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1 Kommentare
  1. Lukas Schmid, 25.05.2017, 20:11 Uhr

    Die Ideen sind ganz Gut aber:
    Wiso eine Metro?
    Besser und günstiger wäre eine Gondelbahn, die das VBL-Linienetz abdeckt. Über den Strassen der Stadt.
    Und Büros unter der Autobahn?
    Wer möchte schon dort arbeiten, wenn er den ganzen Tag das Auto und Lastwagen gedonnere über sich hört.

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