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Die «Flüchtlingskrise» aus elf ganz persönlichen Perspektiven
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Elf junge Filmschaffende haben sich in Berlin des Themas Flucht angenommen.   (Bild: zvg Filmausschnitt)

Kurzfilmprojekt aus Berlin kommt nach Luzern Die «Flüchtlingskrise» aus elf ganz persönlichen Perspektiven

3 min Lesezeit 1 Kommentar 01.02.2017, 15:01 Uhr

Elf Filmschaffende haben sich als Kollektiv in Berlin mit der Flüchtlingskrise auseinandergesetzt. Die enstandenen Kurzfilme sind nun in Luzern zu sehen. Mit von der Partie ist auch die Nidwaldnerin Thaïs Odermatt.

Thaïs Odermatt studiert seit zweieinhalb Jahren an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf in Berlin. In der Zentralschweiz keine Unbekannte, hat die 36-Jährige die Jahre zuvor in Luzern gelebt, gedreht und Preise abgeräumt. Nun hat sie sich gemeinsam mit ihrem Partner, dem Kameramann Carlos Isabel, in der deutschen Hauptstadt eingerichtet (zentralplus war zu Besuch).

Mit ihrem neusten Projekt «Research Refugees» ist sie derzeit auf Schweizer Tour und macht dabei auch in ihrer alten Heimat Luzern halt. Das Projekt: Elf Filmemacher – drei davon Schweizer Regisseurinnen – erzählen in kurzen filmischen Skizzen ganz persönliche Sichten auf den Herbst 2015, die «Hoch»-Zeit der sogenannten «Flüchtlingskrise». Sie beleuchten das Thema der Flucht über die Gesänge der Asylsuchenden, über die Begegnungen in einem Kiosk auf Lesbos oder im Berliner Erstaufnahmelager, über Diskussionen der überforderten Gesellschaft und ihre Ängste. Es sind Geschichten von Goldfolien, Kinderliedern, von griechischen Tragödien, Akkuladestationen, Geschichten vom Kommen, vom Gehen und vom Warten dazwischen.

Das Projekt

Deutschland 2015. 441’899 neue Asylanträge. Tausende besorgte Bürger. Mehr als 500 rechtsextreme Übergriffe. Elf Kurzfilme.

Die Filmemacher: Thaïs Odermatt, Valérie Anex, Sophia Bösch, David Gross, Christoph Eder, Jonas Eisenschmidt, Baturay Ertas, Therese Koppe, Laura Laabs, Sophie Linnenbaum, Duc Ngo Ngoc, Felix Pauschiger, Natalia Sinelnikova, Tobias Wilhelm

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«Jeder Filmemacher beziehungsweise jedes Team hat die Betroffenheit über die Situation auf seine ganz eigene Art ausgedrückt. So sind extrem unterschiedliche Filme entstanden», erklärt Odermatt. Abgesehen davon gäbe es im Projekt keinen roten Faden. Zum Teil sind die Filme dokumentarisch, dann wieder poetisch und absurd – auf jeden Fall uneinheitlich.

Vom Zufall des eigenen Lebens

Thaïs Odermatts Kurzfilm heisst und handelt vom «Zufall». Vom Zufall, wo man geboren wird und wie man aufwächst, wie die Politik, die Wirtschaft oder die Natur plötzlich ein Leben verändern kann – oder wie das Leben durch weiche, gut gefestigte Bahnen gleiten kann. «Es ist ein Sinnieren über das eigene Leben und die Zufälle darin», so Odermatt.

«Ich konnte die Kamera nicht auf Flüchtlinge richten.»
Thaïs Odermatt

Sie sei sehr froh gewesen, als der Regisseur und Dozent Michael Klier das Projekt initiiert habe. «Es gab mir eine Möglichkeit, mich zu all diesen Bildern und Informationen, die mich so betroffen gemacht haben, ausdrücken zu können.» Sie habe jedoch sofort gewusst, dass sie nicht an die Grenze oder in ein Flüchtlingslager gehen wolle. «Ich hatte zu viel Respekt davor, den Schicksalen dieser Menschen gerecht zu werden: Ich konnte die Kamera nicht auf Flüchtlinge richten.» Und so richtete sie sie auf sich selbst und die Zufälle, die ihr Leben prägten.

Austausch statt Aufführung

Das Feedback auf das Projekt sei grösser ausgefallen als erwartet. «Bei unseren bisherigen Vorführungen wie auf der Berlinale oder bei verschiedenen Diskussionsforen hat uns viel positives Feedback erreicht und es entwickelten sich anregende Gespräche. Daher ist es uns wichtig, dass der Film ein noch grösseres Publikum findet», schreiben die Filmemacher. Das Kollektiv entschied sich deshalb, mit dem Projekt auf Tour zu gehen.

Thaïs Odermatt

Thaïs Odermatt

Sie zeigen «Research Refugees» nun – nach den deutschen Stationen – auch in Stans, Luzern, Bern und Zürich. «Sophia Bösch und ich werden das Kollektiv vertreten und bei jedem Screening vor Ort sein», so Thaïs Odermatt. Weil der Film sich mit aktuellen politischen und künstlerischen Fragestellungen auseinandersetze, wollen die beiden Filmemacherinnen im Rahmen der Vorstellungen jeweils einen Dialog fördern. 

Bei der Vorführung im Bourbaki am Mittwoch, 1. Februar, wird sich daher auch die Organisation «HelloWelcome» aus Luzern vorstellen. Geflüchtete werden ebenfalls vor Ort sein und ein Dialog zwischen Publikum, Flüchtlingen, Freiwilligen von HelloWelcome und den Filmemacherinnen soll entstehen.

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1 Kommentare
  1. Boris Kerzenmacher, 01.02.2017, 18:02 Uhr

    Spannend wird es erst dann richtig in Europa, wenn die “moderaten Rebellen” in Syrien nach einer absehbaren Niederlage als angebliche “Flüchtlinge” an die Türen der westlichen Wertegemeinschaft klopfen und mit allem was sie auf dem Kerbholz haben sofortigen Einlass, Asyl und Sozialhilfe fordern. Dagegen ist die jetzige Gefährder- und Flüchtlingsdiskussion in Europa dann nur “Peanuts”.

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