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«Die FDP wird nie eine Umweltpartei werden»
  • Politik
Peter Schilliger (FDP) stellt sich nach dem Verlust des Nationalratssitzes den Fragen der Medien. (Bild: Emanuel Ammon/Aura)

Das sagt der abgewählte Luzerner Peter Schilliger «Die FDP wird nie eine Umweltpartei werden»

5 min Lesezeit 2 Kommentare 20.10.2019, 20:41 Uhr

Die Luzerner Nationalratswahlen waren spannend bis zum Schluss: FDP und SVP müssen je einen Sitz abgeben, die GLP konnte mit Roland Fischer hingegen einen Sitz zurückerobern. Der abgewählte Felix Müri zeigt sich gelassen – bitter ist die Niederlage für Peter Schilliger (FDP).

Die Entscheidung ist gefallen: Die Luzerner CVP kann ihre drei Sitze im Nationalrat halten, SVP und FDP verlieren je einen Sitz. Die Grünliberalen gehen als grosser Gewinner aus dem Rennen. Roland Fischer konnte seinen Sitz, den er vor vier Jahren abgeben musste, zurückerobern (zentralplus berichtete).

Mit einer besonderen Enttäuschung hat der Wahlsonntag für Felix Müri (SVP) und Peter Schilliger (FDP) geendet: Beide wurden abgewählt.

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Der Leidensdruck fehlte, der Optimismus war da

Bitter ist die Abwahl besonders für Peter Schilliger. Geknickt steht er da, den rechten Arm in einer Schiene. Nein, kein Kampf mit der Linken, sagt er schmunzelnd. Ein Sportunfall beim Tennis, die Sehne ist gerissen. Mehr noch als sein Arm schmerzt ihn am Sonntag aber die Abwahl. Die Enttäuschung über das Ergebnis steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Mit dem Sitzverlust haben er und seine Partei nicht gerechnet. Und vielleicht sei genau das der Hauptgrund für seine Abwahl, wie Schilliger sagt: «Wir sind immer davon ausgegangen, dass wir unsere zwei Sitze im ganzen Kontext von Listenverbindungen im Trockenen halten können. Vielleicht fehlte der nötige Leidensdruck, um alles abzuholen.»

Also war man schlichtweg zu optimistisch? «Persönlich habe ich immer gesagt: Diese Wahlen werden keine Kür. Dass wir wiedergewählt werden, ist kein Selbstläufer.»

Das Feuer nicht mitgenommen

Dennoch habe die Partei zu wenig den Fokus auf die Wiederwahl der Bisherigen gelegt und sich mehr damit beschäftigt, wer hinter Albert Vitali und ihm an dritter Stelle folgt – und es damit in eine Reserveposition schafft. «Vielleicht sind das die gefährlichen Momente, die in einer kritischen Phase von politischen Themen, in denen wir nicht Leader sind, in negativen Ergebnissen münden können.»

«Ich bin überhaupt nicht traurig.»

Felix Müri, SVP

Denn der Klimawandel, das Dauerthema der diesjährigen Wahlen, hat es der FDP nicht leicht gemacht. Schilliger glaubt denn auch, es sei der Partei nicht gelungen, andere, wirtschaftliche Themen aufs Parkett zu bringen. Gerade die Klimafrage habe im Umfeld und in den Medien dominiert. «Die FDP wird nie eine Umweltpartei werden», so der 60-Jährige. «Wir können weniger verlieren, wenn wir’s gut machen, aber eine Siegerpartei mit Umweltthemen werden wir vermutlich nie werden.» Als Klimakritiker möchte er sich dennoch nicht abstempeln lassen.

Das Ergebnis der Wahlen ist für die Freisinnigen zwiegespalten. Mit Damian Müller gelang es der Partei im ersten Wahlgang, ihren Sitz im Ständerat zu halten. Ein «Riesenerlebnis», so Schilliger. «Gleichzeitig ist es uns nicht gelungen, das gleiche Feuer auf die Proporzwahlen des Nationalrates zu bringen.» So spricht er denn auch «von zwei Herzen in seiner Brust».

Die neun gewählten Luzerner Nationalräte:


Müri gibt sich gelassen

Das gleiche Schicksal wie Schilliger teilt Felix Müri (SVP). Für den Emmer hingegen kommt seine Abwahl überhaupt nicht überraschend. 2003 gewählt, ist er diesen Herbst für seine fünfte Legislatur angetreten. Nach der Niederlage zeigt er sich gefasst – und nimmt die Niederlage gelassen: «Ich bin überhaupt nicht traurig.» Schon in den vergangenen Nationalratswahlen landete Müri parteiintern auf dem 2. oder 3. Sitz. Und: Bereits im Vorhinein war klar, dass insbesondere CVP und SVP zittern müssen. Dass es ihn am ehesten treffen wird, damit hat Müri gerechnet. Er habe sich «geistig» darauf vorbereitet, sagt er am Sonntagabend.

«Am Schluss war die grösste Gefahr für uns, dass sich die SP einen zweiten Sitz holen könnte.»

Roland Fischer, GLP

Kam noch hinzu, dass er im August in die Schlagzeilen geriet. Beim Dachverband der Masseure, wo Müri im Präsidium sitzt, sollen 150’000 Franken fehlen (zentralplus berichtete). Dass ihm das politisch geschadet hat, bestreitet der 61-Jährige.

Die politische Laufbahn hängt er jedoch nun an den Nagel. Wenn er denn auch die letzten 16 Jahre in der Grossen Kammer nicht missen möchte – viel gelernt und schöne Erlebnisse gehabt habe.

Roland Fischer: «Vom halben Bisherigenbonus profitiert»

Über beide Ohren strahlt hingegen Roland Fischer, der am Sonntag in den Luzerner Nationalrat gewählt wurde: «Ich bin überglücklich, dass es gelungen ist. Ich freue mich vor allem für meine Partei, dass wir wieder in Bern vertreten sind.» Die Grünliberalen hätten die letzten Jahre eine konsequente Umwelt-, Wirtschafts- und Finanzpolitik betrieben, was sich letztlich ausbezahlt habe, so der Udligenswiler.

Schon bei den Kantonsratswahlen im Frühling konnten die Grünliberalen zulegen. Und auch die Umfragen deuteten darauf hin, dass dies bei den Nationalratswahlen ebenfalls zutreffen wird. Sie seien zuversichtlich gewesen, aber Fischer sagt: «Es war ein Hin und Her, ein Auf und Ab, ein Zittern um den letzten Sitz. Am Schluss war die grösste Gefahr für uns, dass sich die SP einen zweiten Sitz holen könnte.»

«Überglücklich»: Roland Fischer jubelt. (Bild: AURA/Emanuel Ammon)

Interessant ist, dass es ihm gereicht hat – Michèle Graber als GLP-Ständeratskandidatin hingegen nicht vom Frauenbonus profitiert zu haben schien und ihr auch der Sprung in die grosse Kammer nicht gelang. Es würden verschiedene Faktoren mitspielen, dass es ihm, aber seiner Lebenspartnerin Graber nicht gereicht habe, sagt Fischer: «Vielleicht war es auch der halbe Bisherigenbonus, den ich hatte.» Und auch von seiner Rolle als Parteipräsident habe er vermutlich profitiert.

In die Situation von Peter Schilliger kann sich Fischer gut hineinversetzen – war er doch vor vier Jahren in genau derselben Situation. «Ich kann seine Enttäuschung gut verstehen.»

Diese neun Nationalrätinnen und Nationalräte wurden am Sonntag gewählt:

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2 Kommentare
  1. mebinger, 21.10.2019, 16:26 Uhr

    «Die FDP wird nie eine Umweltpartei werden»
    Falsch: Echter Liberalismus umfasst die Natur und eine ökologisch ausgerichtete Wirtschaft. Diese Politik prägte die FDP in den 80er. dann fiel sie auf die Neoliberalen rein und wurde zu einer unmenschlichen Wirtschaftspartei. Petra Gössi versucht dies sachte zu ändern. Auf so Typen wie Peter Schilliger kann ich problemlos in der FDP verzichten. Sie haben keine Ahnung, vom echten politischen Liberalismus und verstehen darunter was Falsches. Auch die FDP Zug muss sich von solchen ewiggestrigen lösen und ihren Weg gehen, eine Politik, die Verantwortung gegenüber allen, also auvh der Natur zeigt, ohne die dumme Verbotspolitik de grünen zu kopieren. Liberal heisst dort zu regeln, wo notwendig und nicht wie Neoliberal, die schwachen der Wirtschaft zu opfern und für Geld über Leichen zu gehen

    1. Peter Graf, 23.10.2019, 22:06 Uhr

      So sehe ich das auch. Und mit der glp soll die fdp die strategische allianz suchen.