Die erste Frau in Männerdomänen
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Bundesratsfoto 2004: Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz (im roten Kleid) mit den damaligen Bundesräten. (Bild: zvg/Bundeskanzlei)

Was macht eigentlich... Annemarie Huber-Hotz? Die erste Frau in Männerdomänen

5 min Lesezeit 14.02.2015, 15:00 Uhr

Von Baar aus ist Annemarie Huber-Hotz aufgebrochen zu einer langen Karriere im Umfeld der eidgenössischen Räte in Bern. Als erste Frau überhaupt wurde sie Bundeskanzlerin und somit Stabschefin des Bundesrates. Seit ihrem Rücktritt vor sieben Jahren ist Huber-Hotz zwar nicht mehr so häufig in der Öffentlichkeit präsent – sie ist aber nicht minder engagiert.

Annemarie Huber-Hotz lebt und arbeitet seit über dreissig Jahren in der Bundesstadt. Aufgrund ihrer verschiedensten Mandate und Aufgaben ist sie viel mit dem Zug unterwegs. «Ich werde erstaunlich oft erkannt und angesprochen», sagt die Zugerin fast entschuldigend. Denn Huber-Hotz ist eine zurückhaltende Person und steht nicht gern im Rampenlicht. Doch wer einen solchen Leistungsausweis vorweisen kann, braucht sich nicht zu verstecken.

So richtig in den Fokus der Öffentlichkeit rückte Huber-Hotz Ende 1999: Damals wurde sie im vierten Wahlgang von den National- und Ständeräten zur Bundeskanzlerin gewählt. Dabei war sie schon zuvor 20 Jahre für das eidgenössische Parlament tätig.

Doch das Bundeskanzleramt war vor allem medial und vom Prestige her ihr Karrierehöhepunkt. Es ist die älteste heute noch bestehende Institution der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Der erste Bundeskanzler wurde 1803 gewählt.

Eine Vorbildfunktion

Annemarie Huber-Hotz› Wahl war vor allem insofern speziell, als dass sie die erste Frau überhaupt in diesem Amt wurde. «Das war schon ein wichtiger Aspekt meiner Wahl», sagt sie 15 Jahre danach und sieben Jahre nach ihrem Karriereende beim Bund. Sie habe auch eine Art Vorbildfunktion gehabt. «Ich bin oft gefragt worden, wie ich Familie und Beruf vereinen kann», sagt sie rückblickend.

«Man muss sich Führungspositionen als Frau auch zutrauen.»

Annemarie Huber-Hotz, einstige Bundeskanzlerin und heutige SRK-Präsidentin

Annemarie Huber-Hotz an der Wahlfeier als Bundeskanzlerin in Baar 1999. (Bild: zvg)

Annemarie Huber-Hotz an der Wahlfeier als Bundeskanzlerin in Baar 1999. (Bild: zvg)

Huber-Hotz genoss grosse Unterstützung von ihrem Mann. Er habe zu Hause viele Pflichten übernommen, sagt sie. Oft habe sie junge Frauen beraten und ihnen immer wieder erklärt: «Man muss sich solche Positionen als Frau auch zutrauen.» Frauen hätten oft den Anspruch an sich selbst, eine Familienfrau zu sein. Da stelle sich die Frage, wie viel Zeit und Aufwand man für den Beruf auf sich nehmen könne.

«Es liegt mir mehr, die Politik zu managen»

Dass beides möglich ist – Familie und Karriere – hat Huber-Hotz eindrücklich bewiesen. 28 Jahre lang war sie im Bundeshaus tätig, viele Jahre davon in leitenden Funktionen (siehe Box). Obwohl Mitglied der FDP, war sie aber nie politisch aktiv, sondern blieb im Hintergrund der eidgenössischen Räte. «Meine Aufgabe war eine Überpolitische; institutionelle Fragen standen im Vordergrund», erklärt sie. Es ging darum, die Grundprinzipien des Staates aufrecht zu erhalten. «Es liegt mir mehr, die Politik zu managen, als mich über längere Zeit in einem Dossier zu vergraben.» Für die Details seien die Fachleute zuständig.

In der Bundeskanzlei stieg ihre Verantwortung dann noch einmal, auch was die Medienpräsenz und die Repräsentationspflichten anbelangte. «Daran musste ich mich zuerst gewöhnen.» Allerdings habe sie auch heute noch viel Öffentlichkeitsarbeit zu bewältigen.

Engagement im humanitären Bereich

Heute ist Huber-Hotz vor allem als Präsidentin des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) im Einsatz. Sie zog sich Ende 2007 nach zwei Amtszeiten als Bundeskanzlerin zwar aus der Bundespolitik zurück – doch sich zur Ruhe setzen, war für die damals 59-Jährige keine Option.

Sie habe gewusst, dass sie sich im humanitär-sozialen Bereich engagieren wolle, sagt Huber-Hotz. «Entsprechend habe ich mich vorbereitet und verschiedene Mandate angestrebt.» Nach einer so interessanten Karriere wollte sie ihre Zeit danach auch der Freiwilligenarbeit widmen.

Es bleibt noch genug Zeit

Das Schweizerische Rote Kreuz habe sie schon seit ihrem Studium interessiert. «Es ist eine faszinierende Organisation, welche die humanitäre Tradition der Schweiz verkörpert», sagt sie überzeugt. Seit 2008 ist sie deshalb Mitglied des Rotkreuzrates, 2011 wurde sie zu dessen Präsidentin gewählt – ebenfalls als erste Frau in der auch schon fast 150-jährigen Geschichte des SRK. In dieser Funktion ist sie auch Vizepräsidentin der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften.

In kommenden Juni steht die Wiederwahl an. Huber-Hotz möchte das Amt als SRK-Präsidentin nochmals vier Jahre übernehmen, danach ist aufgrund einer Amtszeitbeschränkung ohnehin Schluss.

28 Jahre in der Bundesverwaltung

Annemarie Huber-Hotz studierte Soziologie, Ethnologie und Politikwissenschaften in Bern, im schwedischen Uppsala und in Genf. Später absolvierte sie ein Nachdiplomstudium in Raumplanung an der ETH Zürich. 1978 trat Huber-Hotz eine Stelle im Generalsekretariat der Bundesversammlung an. Es folgte eine fast 30-jährige Karriere in der Bundesverwaltung. Ab 1981 leitete sie das Sekretariat des Ständerats, 1992 stieg sie zur Generalsekretärin der Bundesversammlung auf. Im Dezember 1999 wurde sie zur Bundeskanzlerin gewählt. Von 2000 bis Ende 2007 war sie somit Stabschefin des Bundesrates. Nach ihrem Austritt aus der Bundesverwaltung übernahm sie mehrere Mandate bei gemeinnützigen Organisationen.

Jetzt, da sie das Pensionsalter erreicht hat, möchte sie da nicht etwas mehr Zeit für sich und ihre Familie haben? Huber-Hotz denkt diesbezüglich positiv: Dafür bleibe noch genug Zeit. Zudem erachtet es die 66-Jährige als Privileg, nicht mehr wie zuvor im Bundeshaus zu 100 Prozent in den Arbeitsprozess eingebunden zu sein. «Ich kann mir auch für anderes Zeit nehmen – zum Beispiel für die Familie und die Grosskinder.» Übers Jahr gesehen entspreche das Präsidium etwa einem 60-Prozent-Pensum.

Arbeitsbesuch in Haiti

Huber-Hotz spricht ruhig und überlegt. Wenn sie vom SRK erzählt, ist ihre Überzeugung von der Arbeit des Hilfswerks spürbar. Sie erzählt von der Zusammenarbeit mit den Rotkreuz-Kantonalverbänden, den Schweizer Rettungsorganisationen und von den Hilfsprojekten im Ausland. Erst im Januar war sie in Haiti, wo vor fünf Jahren ein schweres Erdbeben grosse Verwüstungen anrichtete. Das SRK setze sich für die verletzlichsten Menschen ein, auch für Opfer vergessener Katastrophen, so Huber-Hotz.

«Mittelfristig ist es unser Ziel, nach Baar zurückzukehren.»

Solche Arbeitsbesuche unternimmt Huber-Hotz jedoch nur selten. Ihre Aufgabe innerhalb des SRK liegt mehr auf der strategischen Ebene, in der Repräsentation der Organisation. Eine sehr wichtige Aufgabe sei die Mittelbeschaffung, sagt sie. Die SRK-Gruppe hat einen jährlichen Umsatz von etwa 600 Millionen Franken. Ungefähr 100 Millionen davon werden durch Spenden eingeholt. «Die Aufgabe motiviert mich sehr, ich kann meine berufliche Erfahrung einbringen.» Sie habe eine spannende und sinnstiftende Arbeit wie diese gesucht.

Familie in Baar stark verwurzelt

Aufgewachsen in Baar, lebt Annemarie Huber-Hotz seit 40 Jahren ausserhalb ihrer Heimat – in Schweden, in Genf und seit vielen Jahren in Bern. zentral+ verrät sie jetzt: «Mittelfristig ist es unser Ziel, nach Baar zurückzukehren.» Denn sie habe über all die Jahre immer einen starken Bezug zum Kanton Zug und zu Baar gehabt. Ihre Familie ist in der Gemeinde tief verwurzelt, alle ihre fünf Geschwister leben dort. «Wir haben einen engen Familienzusammenhalt, es ist ein innovatives Umfeld. Wir haben einige gemeinsame Projekte.»

Die frühere Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz in ihrem Büro am Hauptsitz des Schweizerischen Roten Kreuzes in Bern. (Bild: tog)

Die frühere Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz in ihrem Büro am Hauptsitz des Schweizerischen Roten Kreuzes in Bern. (Bild: tog)

 

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