<p>Strafe absitzen: Christian Ineichen (links) und Theo Schnider von der Biosphäre Entlebuch auf ihrer beschlagnahmten Bank im Luzerner Stadthaus.</p>
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Strafe absitzen: Christian Ineichen (links) und Theo Schnider von der Biosphäre Entlebuch auf ihrer beschlagnahmten Bank im Luzerner Stadthaus. (Bild: jwy)

Luzerner «Banküberfall» geht glimpflich zu Ende Die Entlebucher sind gekommen, um ihre Strafe «abzusitzen»

3 min Lesezeit 03.10.2017, 16:41 Uhr

Seit die Entlebucher ungefragt eine Sitzbank in der Stadt Luzern aufstellten, ist Feuer unter dem Dach. Die Aktion hat hohe Wellen geschlagen. Nun haben die Entlebucher ihr Bänkli am Dienstag abgeholt, aber leider hatte im Stadthaus niemand Zeit für sie.

Punkt 15 Uhr fährt am Dienstag ein weisser Transporter vor dem Luzerner Stadthaus vor. Zwei Männer in Sträflingskleidung steigen aus und schauen sich um. Ziel: Der Innenhof des Verwaltungsgebäudes, wo seit Freitagabend die Entlebucher Sitzbank weggesperrt ist. Sie treten ins Stadthaus und suchen «ihre» Bank.

Im 1. Stock steht das Objekte der Begierde, die zwei setzen sich drauf und atmen durch. «Die letzten Minuten in Freiheit», scherzt Christian Ineichen, Regionalmanager von Biosphäre Entlebuch. Er ist zusammen mit Theo Schnider, Direktor der Biosphäre, hier, um ihre Strafe «abzusitzen».

Eine Aktion mit viel Aufsehen

Letzte Woche am Dienstag stellten sie ihre Original Entlebucher Sitzbank zu den anderen acht Objekten auf den Kornmarkt, die dort zum Testsitzen stehen. Ungefragt und ohne Bewilligung, was die Stadt veranlasste, die Bank nach einem Ultimatum am Freitag abzuräumen und ins Stadthaus zu verbannen (zentralplus berichtete). Die Aktion sorgte für viel Aufsehen. «Wir erhalten unglaublich viele Rückmeldungen, und es reisst nicht ab», sagt Schnider.

Die beiden Sträflinge staunen über das Stadthaus – aber niemand hat Zeit für sie.

Die beiden Sträflinge staunen über das Stadthaus – aber niemand hat Zeit für sie.

(Bild: jwy)

Die zwei Entlebucher haben den Städtern als Wiedergutmachung eine Kiste mit Biosphäre-Hochglanzprospekten dabei – aber leider ist am Dienstagnachmittag niemand von der Abteilung Stadtraum und Veranstaltungen abkömmlich. Weder Abteilungsleiter Mario Lütolf noch jemand von seinen Stellvertretern.

«Wir haben es uns spektakulärer vorgestellt.»

Christian Ineichen, Biosphäre Entlebuch

So spontan wie sie sind, haben Schnider und Ineichen ihren Besuch natürlich nicht angemeldet. «So viele Stellvertreter und niemand hat Zeit», sagt Ineichen. «Wir sind da, um unsere Strafe abzusitzen und niemand ist da», bedauert Schnider.

Auch die Stadträtin hat keine Zeit

Schliesslich nimmt Teamleiterin Maja Lovrinovic das Anliegen entgegen, bevor sie an die nächste Sitzung eilt. Was haben die beiden Bänkli-Guerrilleros zu erwarten? Sie würden mit einem Schreiben nochmals darauf aufmerksam gemacht, wie sie nächstes Mal vorgehen müssten, sagt sie. Spätestens 14 Tage vorher eine Bewilligung einholen. Schnider verspricht, dass sie sich daran halten würden.

Die beiden sorgen für verwunderte Augen und einige Lacher, als sie in Sträflingskluft durch die Gänge des Stadthauses schlendern – aber sie ziehen ihre Mission stoisch durch. Die zwei Besucher probieren schliesslich noch, bei Stadträtin Franziska Bitzi eine Audienz zu kriegen – sie stammt schliesslich ebenfalls aus dem Entlebuch. Aber vergebens, auch sie ist abwesend.

Die Entlebucher Bank geht zurück in den Bus.

Die Entlebucher Bank geht zurück in den Bus.

(Bild: jwy)

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

Etwas enttäuscht tragen die beiden ihre recht schwere Bank vom ersten Stock ins Parterre – echtes Handwerk hat Gewicht. Bei dieser Bank handelt es sich übrigens um einen Prototypen, erfahren wir. Es existieren erst zwei Stück davon. «Wir hätten auch darum gern mit Herrn Lütolf geredet, um zu erfahren, was wir noch optimieren können», sagt Schnider. Denn trotz allem Klamauk: Mit ihrem Vorschlag der Entlebucher Bank für die Stadt meinen es die beiden durchaus ernst – das letzte Wort im Bänkli-Streit ist noch nicht gesprochen. «Wer weiss», sagt Schnider vielsagend.

Sie verstauen die Bank mitsamt Fahne im Bus. Und sind sie zufrieden? «Wir haben es uns spektakulärer vorgestellt», sagt Ineichen und steigt in den Bus. Nächster Halt: Entlebuch.

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