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«Die einzige nationale Route im Kanton Zug hat Besseres verdient»
  • Politik
Unfallträchtig: Nationale Veloroute 9, hier beim «Rössli» in Neuägeri. (Bild: ewy)

Kritik trotz Ausbau der Radstrecke ins Ägerital «Die einzige nationale Route im Kanton Zug hat Besseres verdient»

4 min Lesezeit 05.06.2019, 13:05 Uhr

Der Kanton Zug baut im Sommer einen neuen Radweg von Menzingen nach Unterägeri. Ausserdem will er einen Teil der Hauptverbindung ins Ägerital sanieren, auf der eine nationale Veloroute verläuft. Dass auch zukünftig Teile der Strecke für Radfahrer gefährlich bleiben, stösst den Zuger Velo-Interessensverbänden sauer auf.

Das Ägerital rückt bald näher an Zug, denn die Verkehrsverbindungen von der Lorzenebene ins Zuger Voralpengebiet werden ausgebaut: Die Nordtangente – derzeit in Konstruktion – leitet den Verkehr direkt in den Raum zwischen Zug und Baar und ermöglicht eine schnelle Auffahrt auf die Autobahn.

Ausserdem wird ab kommendem Jahr der Streckenabschnitt zwischen Nidfurren und dem Schmittli ausgebaut und mit zwei Velostreifen versehen. Dies wird die Verbindung attraktiver machen – auch für Zweiradfahrer. «Mit der steigenden Attraktivität der E-Bikes wäre die Strecke auch für Pendler interessant», meint Victor Zoller, Co-Präsident von Velo Zug.

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Im Mimimum einen Radstreifen

Das Problem: Auch nach dem Neubau der Teilstrecke bis ins Schmittli bleibt ein Teil der Strecke ins Ägerital eng, kurvig, vielbefahren und für Velofahrer nicht ungefährlich. Zoller erwähnt die Limite von 80 Stundenkilometern über die Lorzentobelbrücke – vor allem aber den Streckenabschnitt zwischen Schmittli und Unterägeri.

Auch Philipp Kissling, Vorstandsmitglied beim VCS Zug, stört sich an diesem Mangel, für den unmittelbar keine Abhilfe in Sicht ist. «Die einzige nationale Veloroute im Kanton hat Besseres verdient», meint er. Auf dieser hätte man gern, wenn möglich ein eigenes Trassee für Velofahrer – aber im Minimum einen separaten Radstreifen, welcher zwischen Lorzentobel und Unterägeri noch fehlt.

«Seenroute» windet sich durchs enge Tal

Kissling spricht von der nationalen Veloroute 9, der sogenannten «Seen-Route», welche die Schweiz vom Bodensee zum Genfersee auf 510 Kilometern in Alpennähe durchmisst und dabei an 10 verschiedenen Seen vorbeiführt. Offiziell führt sie zwar erst über die Höllgrotten und das Lorzental in Richtung Ägeri, trifft aber beim Schmittli auf die Kantonsstrasse.

Daneben durchquert auch die regionale Veloroute 99 das Ägerital, die sogenannte «Herzroute». Sie wird aber auf Nebenstrassen und Feldwegen über den Zugerberg und über das Oberägerer Berggebiet geführt und ist für den alltäglichen Zweiradverkehr weniger gut geeignet.

Velorouten durchs Ägerital.

Velorouten durchs Ägerital.

(Bild: Screenshot schweizmobil.ch)

Keine Abstriche fürs Velo beim Bauprojekt

Nun ist es keineswegs so, dass die Zuger Kantonsregierung velofeindlich eingestellt wäre. Bei der Sanierung des Streckenabschnitts Nidfurren–Schmittli hat sie die Realisierung von zwei Radstreifen durchgesetzt, obwohl Teile des Kantonsrats dort Abstriche machen wollten. Und im Sommer wird bekanntlich mit dem Bau eines neuen kantonalen Radwegs zwischen Menzingen und Unterägeri begonnen (zentralplus berichtete).

Probleme machen aber Fragen der Abstimmung – etwa wenn Velorouten über Kantonsgrenzen führen – wie im Fall der beliebten Zugersee-Umrundung (zentralplus berichtete). Unterschiedliche Zuständigkeiten beim Projektieren von Verkehrswegen durch Raumplaner und ihre Erstellung durch die Tiefbauer.

Spardruck ist das Hauptproblem

Und vor allem: der Spardruck, der in den letzten Jahren im Rahmen der Krise der Zuger Staatsfinanzen herrschte und dazu führte, dass einzelne Projekte aufgeschoben oder gestrichen wurde.

«Bei jedem Strassensanierungsprojekt werden bauliche Massnahmen für einen Rad- oder Fussweg geprüft.»

Florian Weber (FDP), Zuger Baudirektor

Dies hat nun dazu geführt, dass bei der Kantonsgrenze in Morgarten der Kanton Schwyz seine Kantonsstrasse zwischen der Schornen und Sattel ausgebaut und mit einem breiten Trottoir versehen hat, welches Fussgänger und Velofahrer beherbergen kann, während Zug sich im Rahmen des Sparprogramms zwischen Morgarten und der Schornen weiter auf die enge Kantonsstrassenverbindung für Autos beschränkt.

Bei neuen Renovationen wird Veloweg geprüft

Dies stört Pro Velo Zug. Doch Zoller setzt mittlerweile einen anderen Schwerpunkt – die Strecke über die Kantonsstrasse entlang des Ägerisees. Diese sei vor allem für Freizeitradler und Rennvelofahrerinnen wichtig, sagt er. «Und erstere würden dort durchgehende Radstreifen begrüssen.»

Der kantonale Baudirektor Florian Weber (FDP) sagt, «zwischen Unterägeri über Oberägeri nach Morgarten werden bei jedem Strassensanierungsprojekt die entsprechenden baulichen Massnahmen für einen Rad- oder Fussweg geprüft und allenfalls umgesetzt.»

Ägeriseetour: «Unproblematisch»

Einen Ausbau des Wanderwegs für Pedaleure auf der anderen Seite, dem naturbelassenen Südwesten des Ägerisees, scheint derzeit nicht zur Diskussion zu stehen. «Die Velotour um den Ägerisee ist schon heute ohne weiteres machbar», heisst es bei Ägerisee-Tourismus. Und auch Philipp Kissling findet die Rundfahrt «unproblematisch».

«Das Einzige, was fehlt, ist eine klare Signalisation, dass die Velofahrer zwischen Morgarten und Oberägeri auf dem Trottoir fahren dürfen», sagt er.

Baudirektor Florian Weber (FDP) geht aufgrund der örtlichen Gegebenheiten davon aus, dass eine solche Strecke für eine Radrundtour rund um den Ägerisee «eher einem gemeindlichen Interesse» entspräche. «Die Zuständigkeit liegt dabei bei den betreffenden Einwohnergemeinden.»

Mehr Busse auch am Sonntag

Beim VCS brennt angesichts der Verbindung ins Ägerital noch ein zweites Thema auf der Zunge. Nicht nur die Verkehrswege für Zweiräder möchte man dort ausgebaut sehen, sondern auch die Busverbindungen – am Sonntag. Dafür brauchts keine millionenteuren Bauprojekte.

«Durch den Viertelstundentakt unter der Woche sind viele Leute auf den Bus umgestiegen», sagt Philipp Kissling. «Weil aber am Sonntag immer noch der Halbstundentakt gilt, sind die Busse  ziemlich voll.» Hier könne man sich eine Ausdehnung des Viertelstundentaktes überlegen, meint er.

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