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Die Dräcksou: «Das ist absolut nicht unterstützungswürdig»
  • Kultur
Die Dräcksou rennt durch den animierten Wald – zur kakofonischen Begleitung von Symphonieorchester und Gugge. (Bild: screenshot )

Zuger Experiment vor ausverkauftem Haus Die Dräcksou: «Das ist absolut nicht unterstützungswürdig»

4 min Lesezeit 10.11.2016, 09:00 Uhr

Ein Hünenberger Filmemacher will beweisen, dass Fasnacht auch Kultur ist. Deshalb bringt er das Zuger Stadtorchester plus Guggenmusiker auf die Bühne. Es kracht. Und ist schon fast ausverkauft. Ob das klappt?

Die Idee hat schnell Feuer gefangen. «Ich wollte einfach klarstellen: Fasnacht ist auch Kultur.» Das sagt Michael Werder. Er hatte per Zufall davon gelesen, dass es hohe Kultur gäbe und niedrige, und offenbar hat das im Hünenberger Filmemacher eine Streitlust angefacht. Eine, die nun dazu geführt hat, dass zwei Jahre später Guggenmusiker und das Zuger Stadtorchester gemeinsam auf einer Bühne stehen und Musik machen, gleichzeitig, und sogar zusammen. «Das ist absolut nicht unterstützungswürdig», hatte ein Stiftungsrat noch gesagt bei der Finanzierungsfrage, «das ist keine Kultur.»

Werder lacht, wenn er daran denkt. Man hat dann doch noch ein paar Stiftungen überzeugen können. Aber vor allem: «Wir konnten ganz viele Kleinbeträge zusammenbringen. Das freut mich besonders. Denn das bedeutet: Wir konnten eine ganze Reihe von Leuten fürs Projekt begeistern.»  

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Erst skeptisch sein, dann gut finden

Das Projekt heisst «Dräcksou». Klingt einfach, ist aber dann doch recht schwierig. Werder wollte fürs Jubiläum der Eichenfasnacht in Hünenberg deren Gründungsfabel als animierten Trickfilm verfilmen. Plus eben: den Ruf der Guggenmusik retten. Und dann das ganze als Dok-Film zusätzlich mit der Kamera begleiten.

Und das passiert jetzt alles gleichzeitig. Am 12. November und am 26. November spielen das Stadtorchester und die frischgebackene «Super»-Guggenmusik aus den talentiertesten Guggenmusikspielern des Kantons den Soundtrack dazu ein – vor Publikum. Zuerst in Hünenberg, dann in Zug. Der Heirisaal in Hünenberg ist schon ausverkauft, in der Chollerhalle dürfte es auch voll werden.

«Jetzt kommen der Film und die Musik aufeinander zu», sagt Werder. Denn der Film ist noch nicht fertig. Am Konzert werden die Ausschnitte gezeigt, die schon animiert sind, ergänzt mit zusätzlichen Szenen und Making-of-Material. Der Rest des Films wird dann aufgrund der Musik animiert, die an den Konzerten aufgenommen wird.

Geschrieben hat die Stücke der Hünenberger Tonmeister Silvan Gretener. «Der Zuschauer soll zuerst skeptisch in den Saal sitzen und sich fragen, ob das überhaupt geht», sagt Gretener, «Orchester und Guggenmusik.» Und dann beim Rauslaufen finden: «Ja, das geht.»

Guggenmusik und Orchestermusiker: Gibt das Krach?

Dafür mussten die beiden allerdings erst die Musiker davon überzeugen, dass das geht. Das war beim Stadtorchester fast einfacher. «Natürlich gab’s da auch Skepsis. Besonders bei den älteren Musikern», sagt Werder. «Aber schon nach der ersten Probe waren die überzeugt, dass das funktionieren kann.» Schwieriger war’s bei den Guggenmusikern. «Da habe ich einen grossen Respekt gespürt», sagt Gretener. «Gegenüber den Orchestermusikern. Die Arbeitsweise ist auch ganz anders: In der Guggenmusik schaut man die Stücke in der Probe zusammen an, macht dann im Spiel zusammen aus, wie das Stück gespielt werden soll. Das Orchester wird vom Dirigenten geleitet, da werden Noten gelesen.»

Die Guggenmusiker mussten allerdings ihre Notenlese-Fähigkeiten ausgraben fürs Stück. Nur schon, um die Einsätze nicht zu verpassen. «Ich habe mit verschiedenen Mitteln versucht, die beiden Gruppen zusammenzubringen», sagt Gretener.

Guggenmusik und Orchester spielen dieselben Passagen nacheinander, um den Unterschied aufzuzeigen, spielen aber auch zusammen, die Küchen, die Streicher, die Bläser, die Guugger. Damit das live auch mit der Lautstärke aufgeht, werden gewisse Orchestermusiker verstärkt – etwa die Geigen. «Es gibt auch eine räumliche Trennung, eine Schaumgummiwand zwischen den beiden, um die beiden Gruppierungen akustisch etwas trennen zu können.»

Normalerweise endet es böse für die Wildsau

Und wie geht nun diese Fabel? Das Märchen vom Eichenfresser in Kurzform: Böses Wildschwein legt alles in Schutt und Asche, weil die Hünenberger es nicht als Wappentier ausgewählt haben. Dazu nur so viel: Es endet böse für die Wildsau. Sie wird an der Fasnacht jedes Jahr verbrannt. Werder: «Unsere Verfilmung ist etwas anders.» Der Eichenfresser kommt wieder. Aber diesmal geht’s ihm nicht an den Kragen.

Und jetzt, nach der ganzen Arbeit – gehen Guggenmusik und Orchester wirklich zusammen? Gretener lacht und sagt: «Mir geht’s, wie es dem Zuschauer gehen sollte. Ich bin nach der ersten Probe rausgelaufen und habe gedacht: Mol, das klappt.»

Wie passt das jetzt zusammen? Guggenmusiker und Orchester im Kulturclash.

Wie passt das jetzt zusammen? Guggenmusiker und Orchester im Kulturclash.

(Bild: Screenshot)

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