Jetzt wehrt sich der Chocolatier: «Wir wurden missbraucht»
  • Gesellschaft
Die Firma Läderach fühlt sich von der Zuger SP «missbraucht». (Bild: zvg)

Nach Flashmob gegen Homophobie vor Zuger Läderach Jetzt wehrt sich der Chocolatier: «Wir wurden missbraucht»

3 min Lesezeit 11 Kommentare 19.01.2020, 05:00 Uhr

Nachdem im Dezember ein paar Zuger eine «Süsse Küsse»-Aktion gegen Homophobie vor der Confiserie Läderach im Metalli durchgeführt haben, wehrt sich das Unternehmen nun vehement gegen die erhobenen Vorwürfe.

Unter dem Motto «Schokolade macht glücklich, nicht homophob und rassistisch», veranstalteten im Dezember einige Zuger einen diskreten Flashmob vor der Filiale des Chocolatier Läderach im Metalli. Paarweise traten jeweils zwei Menschen gleichen Geschlechtes aus dem Laden und küssten sich davor kurz. Danach hoben sie Transparente mit dem Schriftzug «Liebe ist ein Menschenrecht» hoch. Wenige Minuten später war der Spuk vorbei (zentralplus berichtete).

Gerade bei Zuger Expats löste die Aktion ein grosses Echo aus. In einem entsprechenden Post auf Facebook taten Expats ihren Unmut über die Haltung der Familie Läderach betreffend Homosexualität kund und versprachen, nicht mehr dort einkaufen zu wollen (zentralplus berichtete).

«Läderach wurde als Steigbügel in das Abstimmungsthema missbraucht.»

Kommunikationsverantwortliche Läderach

Nun reagiert die Firma Läderach. Die Kommunikationsverantwortliche ist überzeugt, dass die Aktion die Start-Aktivität der SP Zug für den Abstimmungskampf für den 9. Februar gewesen sei, bei der über die Vorlage «Verbot der Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung» abgestimmt wird. «Läderach wurde als Steigbügel in das Thema missbraucht. Ich sage ‹missbraucht›, weil Läderach Homosexuelle auf keinen Fall diskriminiert, auch nicht zu Hass gegen Homosexuelle aufruft oder diesbezügliche Propaganda verbreitet.» Denn um solche Themen gehe es in der Abstimmungsvorlage.

Sie ist überzeugt: «Die Firma wurde in völlig falschem Licht dargestellt und die Familie wie die Firma wurden falsch angeschuldigt.»

Fokus auf die «Fortpflanzung der Menschheit»

Auch wenn die Aktion als freie Meinungsäusserung zu taxieren sei, sei sie dennoch rufschädigend, so die Kommunikationsverantwortliche weiter.

Gegen den Vorwurf der Homophobie wehrt sich das Unternehmen vehement. Sowohl der aktuelle Geschäftsführer des Unternehmens, Johannes Läderach, wie auch sein Vater Jürg Läderach, der die Firma bis 2018 geführt hatte, engagieren sich bei der Organisation Christianity for Today. Der Verein ist beim «Marsch fürs Läbe» – einer jährlichen Kundgebung gegen Abtreibung – mitbeteiligt.

Der Verein setze sich jedoch nicht gegen Homosexualität ein, so die Presseverantwortliche von Läderach. «Das zentrale Thema von Christianity for Today ist nicht die Homosexualität per se, es ist das Anliegen der Ehe von Mann und Frau als Grundlage für die Fortpflanzung der Menschheit und der Gesellschaft», erklärt sie weiter. Damit sei man aber nicht im Umkehrschluss gegen Homosexuelle oder generell sexuell anders orientierte Menschen und deren Lebensform, sagt sie weiter.

«Der Begriff ‹Homophobie› ist für uns sehr extrem und verletzend.»

Überhaupt verstehe man bei Läderach den Begriff «Homophobie» als «eine gegen lesbische und schwule Personen gerichtete soziale Aversion oder Aggressivität». Sie sagt: «Homophobie hat für uns etwas stark Ablehnendes und Aggressives. Werden wir als homophob bezeichnet, so ist das erstens unwahr und zweitens sehr verletzend.»

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11 Kommentare
  1. Puorger Marianne, 15.03.2020, 09:56 Uhr

    Jetzt erst recht Läderach Schokolade! Es ist eh die beste Schokolade der Welt! Ich hoffe, Ihr lasst Euch nicht einschüchtern und marschiert weiter „für’s Läbe.“ Tolerant sollen nur wir Christen sein und alles akzeptieren, was von Schwulen und Lesben kommt. Sie aber wissen nicht einmal, wie man
    T o l e r a n z schreibt, geschweige denn, wie man sich anders denkenden gegenüber tolerant verhält!

  2. Ruth Berney, 24.01.2020, 14:02 Uhr

    Meinungsfreiheit ist so oft gefordert. Weshalb haben denn Christen nicht mehr das Recht in aller Freiheit zu den biblischen Werten zu stehen? Werte die unsere Schweiz während Jahrzenten geprägt haben und uns auch zu unserem Allgemeinwohl verholfen haben.

    1. Anne Imhof, 31.01.2020, 13:35 Uhr

      da bin ich gleicher Meinung wie Ruth Berney!!!!

  3. Marianne Aepli, 21.01.2020, 13:26 Uhr

    So eine gelungene Aktion!
    Würde die Familie Läderach sich über die Aktion freuen, ein Grund die Firma zu berücksichtigen und weiter zu empfehlen. Die Reaktion zeigt die andere Seite der Medaille auf und somit weiss ich, dass ich dort bestimmt nicht mehr einkaufen werde.

  4. Armin Sierszyn, 19.01.2020, 10:24 Uhr

    Ist doch ganz einfach: Läderach wird geschädigt, weil er sich an die biblische von Mann und Frau hält. Seine Gegner diffamieren den Schutz des Lebens von der Empfängnis bis zum Tod als „rechte Position“. Demgegenüber proklamieren sie die Tötung eijnes unschuldigen Kindes im Mutterleib für ein Menschenrecht und halten sich damit für fortschrittlich.

  5. CScherrer, 19.01.2020, 08:20 Uhr

    DIe Presseverantwortliche ist gut beraten, sich der Webseite der Christianity for today mal ganz genau anzusehen. Ich zitiere: Wir glauben, dass die Familie – ein Mann und eine Frau, verheiratet, und deren Kinder – die Grundlage einer intakten Gesellschaft bildet, wenn zwischen ihnen eine Beziehung nach den Ratschlägen der Bibel besteht.
    Weiter findet man auf der Webseite Stellungnahmen zur aktuellen Debatte diverse Publikationen, welche nur so vor Homophobie strotzen und zum Teil nur schwer erträglich sind. Nein, das Unternehmen Läderach ist in meinen Augen weiter zu boykottieren.

    1. Dunning-Kruger, 19.01.2020, 14:32 Uhr

      Boykottieren oder aktiv schädigen sind zwei völlig verschiedene Vorgehensweisen. Vielleicht sollte man mal ausprobieren, wie wohl sich z.B. Clubbesucher eines Gayclubs fühlen, wenn man draussen mal eine Personengruppe postiert, die wie hier im Beispiel eine diametral andere Meinung zum Thema haben. Was ja jederzeit auch legitim ist. Vielleicht so 20-30 ultraorthodoxe und chauvinistische Rocker? Dann wäre auch für Sie der feine Unterschied zwischen boykottieren (legitim) und schädigen (nicht legitim im Wertekontext) erkennbar. Wer die Eskalation durch Provokation sucht, muss sich nicht wundern, wenn dann plötzlich mit ganz harten Bandagen „gekämpft“ und gekontert wird!

    2. bertus, 19.01.2020, 15:38 Uhr

      unternehmen sollen für ihre werte einstehen. diese werden meist von shareholder – oder bei kleinen firmen von den inhabern selbst – mitbestimmt.

      im falle von läderrach wurde ich dank dieser aktion auf die werte der inhaber aufmerksam gemacht. ich bin dankbar dafür und werde keine läderrach schokolade mehr kaufen.

      die mitarbeiter/innen sind herzlich eingeladen, dass verhalten der inhaber ebenfalls zu hinterfragen und rechenschaft einzufordern.

      in unserer verfassung steht, dass vor dem gesetz alle gleich sind. leider trifft das noch immer nicht

    3. Ramon Dassler-Maldonao, 19.01.2020, 16:31 Uhr

      Ich bleibe Läderach sehr gerne als treuer Kunde erhalten. Einfach lächerlich diese ganze Diskussion. Als ob es nicht gravierende Probleme gäbe. In dieser ganzen Gleichstellungs- und Gleichberechtigungsdiskussion sollte man sicher besser primär mal die Frage stellen, warum einige wenige Menschen mit unglaublich viel Macht ausgestattet sind und die grosse Mehrheit überhaupt keine Macht hat. Daher figurieren diese ganzen Themenkomplexe meiner Meinung nach vorallem und in erster Linie als Ablenkungsstrategie, damit die wirklich dringenden Probleme gar nicht erst behandelt werden müssen resp. die Machteliten weiterhin ungestört und unbehelligt bleiben.

    4. CScherrer, 21.01.2020, 13:22 Uhr

      @Dunning-Kruger

      Seltsame Äusserungen, welche Sie hier von sich geben. Es macht wohl einen riesengrossen Unterscheid, ob sich homosexuelle Menschen vor einem Laden küssen und vollkommen friedlich verhalten. Sie sprechen von „20-30 ultraorthodoxe und chauvinistische Rocker“ und vertreten somit genau eine solche Weltanschauung. Gerade solche Gruppierungen mit Ihrem martialischen Auftreten sorgen dann für non-verbale Gewalt und Einschüchterung. Mann, Mann.

    5. CScherrer, 21.01.2020, 13:24 Uhr

      @Ramon Dassler-Maldonao

      Ihre Aussage ist deplatziert und vollkommen daneben. Homophobie ist wohl alles andere, aber auf keinen Fall eine Lächerlichkeit. Möchte wissen, wie Sie sich fühlen würden, wenn Sie nur aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert und im schlimmsten Fall noch verprügelt werden. Mann, Mann.

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