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Die Chinesen, die man rief
  • Wirtschaft
In Luzern gehören sie zum Stadtbild, in Zug bald auch: chinesische Touristen. (Bild: zentral+ )

Wird Zug doch ein zweites Luzern? Die Chinesen, die man rief

3 min Lesezeit 06.08.2015, 12:40 Uhr

Zug hat chinesische Touristen angezogen, und es kommen immer mehr. Wir wollen kein zweites Luzern, hat der ehemalige Chef von Zug Tourismus gesagt. Aber hat man überhaupt die Wahl? Die neue Chefin von Zug Tourimus sagt, weshalb sie keine Massnahmen ergreifen wird, um noch mehr Gäste anzuziehen.

Die Anzahl der asiatischen Gäste in Zug wächst rasant: Dieses Halbjahr waren es 75 Prozent mehr als im Frühlingshalbjahr 2014. Das hat Zug Tourismus am Mittwoch mitgeteilt. Was bedeutet das für Zug? Die Chefin von Zug Tourimus, Seraina Koller, sagt im Interview, weshalb Zug sich nicht aussuchen kann, woher die Gäste kommen.

zentral+: 75 Prozent mehr chinesische Gäste als im Frühlingshalbjahr 2014, das ist ein starkes Wachstum. Freut Sie das oder finden Sie das bedenklich?

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Seraina Koller: Mich persönlich? Das habe ich mir noch nie überlegt (lacht). Dazu werde ich mich in einem Jahr äussern, wenn ich etwas länger im Amt bin. Grundsätzlich ist es so, dass die Zuger Tourismusstrategie vorschreibt, dass wir sanften Tourismus fördern wollen. Und solange das gilt, werde ich nichts unternehmen, um noch mehr asiatische Gäste anzuziehen.

zentral+: Sie haben im Interview mit zentral+ gesagt, dass die chinesischen Gäste nur einen kleinen Teil des Zuger Tourismus ausmachen. Das hat sich wohl geändert?

Koller: Dazu stehe ich auch heute: Verglichen mit den 140’000 Übernachtungen von Schweizer Gästen sind die 17’000 Übernachtungen von Chinesen im Jahr 2014 immer noch ein sehr kleiner Teil. Und die Anzahl Übernachtungen der Schweizer Gäste ist um 40 Prozent gestiegen, das macht schlussendlich viel mehr aus.

zentral+: Allerdings wächst der Teil der asiatischen Gäste massiv. Und das schürt Bedenken in der Bevölkerung. Urs Raschle, Ihr Vorgänger, hat gesagt, niemand wolle ein zweites Luzern. Aber lässt sich das überhaupt noch verhindern?

Koller: Erstens habe ich das nie behauptet, und deshalb werde ich das auch nicht kommentieren. Ich vergleiche nicht. Und zweitens ist es so, dass wir keinen Einfluss darauf haben, wer zu uns kommt. Gerade bei asiatischen Gästen werden die Touren von Touroperatoren organisiert, sie entscheiden, wo ihre Kunden übernachten, welche Orte sie besuchen. Wenn Zug auf dem Programm ist, kommen sie, wenn nicht, bleiben sie aus.

zentral+: Zug hat also gar keine Möglichkeit, auf diese Art des Tourismus Einfluss zu nehmen?

Koller: Solange wir nicht direkten Kontakt mit Touroperatoren haben, ist dies schwierig.

zentral+: Wird der Anteil asiatischer Gäste weiter wachsen?

Koller: Da eine Prognose abzugeben, das ist Kaffeesatz lesen. Dafür bin ich noch zu wenig lange hier.

zentral+: Es ist wohl nur ein kleiner Teil der asiatischen Gäste, der auch in Zug übernachtet. Gibt es Zahlen darüber, wieviele Touristen Zug nur auf der Durchfahrt besuchen?

Koller: Nein, wir haben nur die nackten Übernachtungszahlen.

zentral+: Haben sich die Zuger Tourismusanbieter schon an die neuen Gäste gewöhnt – und etwa chinesischsprachige Angebote entwickelt?

Koller: Teilweise. Vereinzelte Betriebe machen das. Aber Neues braucht immer eine Weile, bis es sich etabliert. Es gibt immer Leute, die es toll finden, und solche, die sich von der Veränderung gestört fühlen. Was ich sagen kann ist, dass es schon Gespräche gegeben hat wegen Problemen: Man tauscht sich aus und findet zusammen Lösungen.

zentral+: Welche Probleme hat es denn im Zusammenhang mit chinesischen Touristen gegeben?

Koller: Kulturell bedingte Missverständnisse in den Zuger Kirchen: Die Touristen aus China haben da Dinge getan, die andere Besucher als unpassend empfunden haben. Jetzt werden Massnahmen ergriffen.

 

 

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