Die Cars bleiben weg, die Falschparkierer kommen
  • Regionales Leben
Die grosse Leere: Die Carparkplätze entlang dem Alpenquai bleiben zumeist ungenutzt. (Bild: ios)

Beim Luzerner Alpenquai werden Bussen verteilt Die Cars bleiben weg, die Falschparkierer kommen

3 min Lesezeit 6 Kommentare 24.07.2020, 05:00 Uhr

Die grossen Touristenströme fallen für die absehbare Zeit aus. Das bedeutet auch, dass die Carparkplätze der Stadt öfters leer bleiben. Auf sozialen Medien fragt man sich: Könnte man diese nicht temporär den Autos und Motorrädern freigeben? Nein, sagt die Stadt und zerpflückt die Idee.

Sich regelmässig über «Touri-Cars» zu echauffieren, gehörte bis anhin zu den «Guilty Pleasures» eingefleischter Stadtluzerner. Jetzt bleiben die Cars weg – und sorgen in absentia irgendwie immer noch für Diskussionsstoff.

Konkret ist es der Umgang mit den derzeit ungenutzten Carparkplätzen, der manchen Luzernern den Puls hochjagt. Das Thema sorgte in der Facebookgruppe Sorgenbriefkasten der Stadt Luzern unlängst für eine belebte Diskussion. Debattiert wurde die Frage, ob die leerstehenden Carparkfelder temporär von Autos und Motorrädern genutzt werden könnten.

Öffnung für den Individualverkehr?

Das Augenmerk der Diskussion liegt auf den Carparkfeldern entlang dem Alpenquai und dem dortigen Carparkplatz (Ecke Rösslimattstrasse). Diese seien in der jüngeren Vergangenheit wiederholt von Autofahrern benutzt worden, was zu Bussen durch die Polizei führte.

Und hier liegt der Stein des Anstosses: Müsste die Stadt – angesichts der grossen Hoffnungen auf den innerschweizerischen Tourismus – nicht ein Auge zudrücken oder die Felder eben dem Individualverkehr gegenüber öffnen? So könnte man den Tagestouristen entgegenkommen. Mittels der zentralen Parkuhr bei der Ufschötti könnten die Parkplätze auch ohne grossen Aufwand reguliert werden, lautet das Plädoyer.

Polizei: Keine gezielten Aktionen

Statt mit Gastfreundschaft zu brillieren, werden dort nun aber lieber fleissig Bussen verteilt, lautet der Vorwurf an die Stadt. Die Luzerner Polizei relativiert jedoch. Gezielte Aktionen, um dort Bussen zu verteilen, hätten keine stattgefunden, heisst es auf Anfrage.

Das Gebiet wird aber regelmässig patrouilliert, da die Ufschötti bekanntlich zu den Luzerner «Hotspots» gehört, heisst es seitens der Polizei weiter. Die Situation um Falschparkierer in diesem Gebiet sei jedenfalls nicht derart dramatisch, dass zusätzlicher Aufwand betrieben werden müsste.

Auch beim Carparkplatz bei der Rösslimattstrasse herrscht gähnende Leere. (Bild: ios)

Stadt: Bereits genug Parkplätze vorhanden

Bei der Stadt findet die Idee derweil keinen Anklang: Eine Öffnung der Carparkplätze für den Individualverkehr und Tagestouristen sei bisher nicht geprüft worden. Es besteht auch keine Absicht dazu, wie es auf Anfrage heisst.

Christoph Bättig, Stabchef der Umwelt- und Mobilitätsdirektion, hält grundsätzlich fest, dass die Stadt Luzern für Tagestouristen mit dem öffentlichen Verkehr sehr gut erreichbar ist. «Am linken Seeufer, im Bereich des Alpenquais, stehen zudem bereits zahlreiche öffentlich zugängliche Parkplätze für Autos und Motos zur Verfügung», sagt Bättig.

«Die damit verbundene Zusatzbelastung für das Wohnquartier ist ebenfalls kritisch zu beurteilen.»

Christoph Bättig, Stabchef der Umwelt- und Mobilitätsdirektion

Eine Erhöhung des Parkplatzangebots in diesem Gebiet macht für die Stadt nicht nur wegen der zentralen Lage nahe dem Bahnhof wenig Sinn, wie Bättig ausführt: «Die damit verbundene Zusatzbelastung für das Wohnquartier ist ebenfalls kritisch zu beurteilen.»

Im Widerspruch zur Mobilitätsstrategie

Bättig verweist zudem auf die von der Bevölkerung abgesegnete Mobilitätsstrategie der Stadt. Diese setzt auf flächensparenden ÖV, Fuss- und Veloverkehr. «Ein Reisecar ist, im Vergleich zum Auto, ebenfalls ein flächeneffizientes Verkehrsmittel.»

Ein Zusatzangebot von öffentlich zugänglichen Auto- und Moto-Parkplätzen führe hingegen zu einer Zunahme des «wenig flächeneffizienten motorisierten Individualverkehrs» und zu einer Verkehrszunahme. Die Schaffung zusätzlicher Auto-Parkplätze im Bereich Werftstrasse/Alpenquai stünde also auch im Widerspruch zur städtischen Mobilitätsstrategie.

Technisch aufwendige Umsetzung

Die Einrichtung temporärer Autoparkplätze anstelle der bestehenden Carparkplätze wäre zudem mit grossen technischen Aufwendungen und erheblichen Kosten verbunden, ist Bättig überzeugt. So müssten etwa Signalisation, Markierungen, Parktariftafeln und Parkuhren angepasst oder zusätzlich angebracht werden.

Mit Blick auf den Tourismus weist Bättig zudem darauf hin, dass die Gäste von Luzerner Hotels Parkkarten zu einem Vorzugstarif erhalten. Diese Karten berechtigen zum Parkieren auf allen öffentlichen Parkplätzen in der Stadt Luzern.

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6 Kommentare
  1. Achi Luzern, 27.07.2020, 13:54 Uhr

    Dies war übrigens meine Antwort zur Stellungnahme der Stadt. Leider blieb diese unbeantwortet.

    Besten Dank für ihre ausführliche Antwort, die ich wohl akzeptieren muss, aber nicht verstehen kann. Zum ersten braucht es in aussergewöhnlichen Situationen auch aussergewöhnliche Massnahmen(schnell und unbürokratisch). Zum zweiten ist genau dieses Gebiet Alpenquai Ufschötti (obwohl mehrfach von Anwohnern und ansässigen Firmen gefordert) immer noch nicht mit dem ÖV erreichbar. Vorschläge für eine Anbindung an die Linie21 liegen seit längerem auf eurem Tisch. Leider ist es für Touristen mit Sack und Pack eher schwierig dieses schöne Naherholungsgebiet zu erreichen. Dies gilt auch für Ältere, Schwächere und Gehbehinderte. Deshalb finde ich Ihre Antwort leider nicht befriedigend
    Freundliche Grüsse R.Achermann

  2. Martin Schleiss, 26.07.2020, 10:52 Uhr

    @kaptän liebe: Was soll diese Diskreditierung als Autorambo? Beleidigen Sie einfach alle, die nicht Ihrer Meinung sind? Ihr Post offenbart einen eklatanten Mangel an Toleranz und Respekt.

  3. Martin Schleiss, 24.07.2020, 08:41 Uhr

    „Die Schaffung zusätzlicher Auto-Parkplätze im Bereich Werftstrasse/Alpenquai stünde also auch im Widerspruch zur städtischen Mobilitätsstrategie.“ Genau darum geht es doch. Lieber an Prinzipien festhalten, statt pragmatische Lösungen fällen, die zu Mehreinnahmen für die Stadt führen würden. Wer nicht mit dem eigenen Geld wirtschaften muss, kann das locker so machen.

    1. Marc, 24.07.2020, 09:13 Uhr

      Richtig. Dafür in der Innenstadt Parkplätze mit irgendwelchen lächerlichen Zwischennutzungen blockieren. Macht den Mist doch dort draussen? Aber dann ist der Selbsverwirklichungsgrad halt nicht so hoch weil es keiner sieht…

    2. kaptän liebe, 24.07.2020, 12:17 Uhr

      ihr autorambos wieder…..tztztz 🤦‍♂️🤦‍♂️🤦‍♂️

    3. CScherrer, 27.07.2020, 09:11 Uhr

      Grundsätzlich mit Ihnen einverstanden. Verkehrstechnisch vermutlich einfach der falsche Ort, da das Gebiet um den Bahnhof so oder so schon überlastet ist. Die Gesellschaft muss zu verstehen lernen, dass das Auto in der Zukunft nichts mehr in den Innenstädten verloren hat. Dazu müssen wir neue Konzepte finden und u.a. auch den ÖV umgestalten. Ein Ansatz könnte die kostenlose Benutzung des ÖV auf dem städtischen Gebiet sein.

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