Die Blegikurve: ein Gewurstel ohne Ende

2 min Lesezeit 20.07.2016, 15:46 Uhr

Zug ist bekannt für seine Kirschen, tiefen Steuern – und die Blegikurve. Diesen Eindruck zumindest erhält, wer die Unfallmeldungen im Radio hört. Warum das trotz millionenteuerer Sanierung der Kurve so bleibt, ist völlig unverständlich. Neuster Coup: Drei Jahre nach Fertigstellung der Bauarbeiten wird das Tempo gesenkt. Das hatten wir doch schon.

Man stelle sich vor: Ein Strassenabschnitt wird für 200 Millionen Franken ausgebaut, und dabei auch gleich eine für ihre Gefährlichkeit bekannte Kurve entschärft. Gemeinhin ist davon auszugehen, dass damit auch die Unfallhäufigkeit sinkt.

Nicht so aber in der Blegikurve zwischen Zug und Cham. Hier nahmen die Unfälle nach den baulichen Massnahmen massiv zu. Von etwa 12 im Jahr 2010 auf über 30 Unfälle im Jahr 2014. Nicht weiter erstaunlich: Wer die Kurve einmal gefahren ist, wundert sich über den neuen, grösseren und unsteten Kurvenradius, in dem die Lenkung immer wieder korrigiert werden muss.

Erst nicht alarmierend – nun die Massnahmen

Die Folgen dieser planerischen Fehlleistung sind eklatant: Innert drei Jahren kam es auf den paar hundert Metern zu 23 Leicht- und 8 Schwerverletzten sowie einer Million Franken Sachschaden (Quelle: Schweizer Unfallkarte). Noch vor einem Jahr fand die Zuger Polizei diese Zahlen gegenüber zentralplus «nicht alarmierend». Nun erfolgt also der mit einer Temporeduktion einher gehende Gesinnungswandel.

Was sind die Konsequenzen? Nein, Köpfe werden beim Bundesamt für Strassen wohl keine rollen. Stattdessen betreibt man Pflästerlipolitik. Eine bundesrätliche Ausnahmebewilligung macht es möglich, vom Mindesttempo 80 abzuweichen (siehe unseren heutigen Artikel). Plakativ gesagt: Die Sanierung wird verbockt, und der Bundesrat legitimiert den Fehler nachträglich. Den Schaden hat der Steuerzahler.

An sich ist das nun verfügte Tempo 70 – oder allenfalls auch eine tiefere Geschwindigkeit, falls diese Massnahme nicht den nötigen Erfolg zeitigen sollte – nicht wirklich ein Problem. Schliesslich haben die Zuger während den letzten Jahrzehnten gelernt, dass man auch mit 60 km/h ganz gut ans Ziel, respektive durch die Kurve kommt.

Eingeständnis verkehrsplanerischen Unvermögens

Die neuerliche Temporeduktion jedoch ist nichts anderes als das Eingeständnis des Unvermögens unserer Verkehrsplaner. Und schliesst sich damit perfekt an die weitere Streckenführung bis Luzern an, wo man sich nach einer Stunde staustehen tagtäglich fragen kann, weshalb eine vielbefahrene Autobahn nach dem Rathausentunnel auf einer Länge von wenigen hundert Metern einspurig wird.

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