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«Die Bestürzung ist gross, unsere Heimat wurde zerstört»
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Der Spanische Verein ist abgebrannt: Noch sind alle geschockt. (Bild: woz)

Wie geht's weiter mit dem Centro Espanol in Zug? «Die Bestürzung ist gross, unsere Heimat wurde zerstört»

4 min Lesezeit 21.08.2017, 16:12 Uhr

Der Schock lastet schwer auf dem Spanischen Verein Zug: Nach dem verheerenden Brand am Sonntag ist nichts mehr so, wie es war. Die Stadt Zug hat indes gute Nachrichten: Sie schliesst einen Neubau in der Chollermühle nicht aus. Und man will dem Verein grundsätzlich helfen, eine neue Bleibe zu finden.

War es ein Kabelbrand bei den Kühlschränken, der das riesige Feuer am Sonntagmorgen in aller Früh entfachte? «Das ist meine Vermutung, ich weiss nicht, ob es stimmt», sagt Antonio Rodriguez, Präsident des Spanischen Vereins in Zug. Der Kriminaltechnische Dienst der Zuger Polizei suche derzeit noch nach der Brandursache. «Die Ermittlungen sind am Laufen», bestätigt Frank Kleiner, Sprecher der Zuger Polizei. Konkrete Ergebnisse gibt es noch keine.

Erst langsam, räumt Rodriguez ein, sei ihm und den Mitgliedern des «Centro Espanol» klar geworden, was für eine schreckliche Sache da passiert sei. «Denn wo ist in Zukunft unser Treffpunkt?», sinniert der 51-Jährige über die Katastrophe. Zwar seien keine Personen bei dem verheerenden Brand zu Schaden gekommen (zentralplus berichtete). «Die Bestürzung ist gleichwohl gross, denn irgendwie ist auch unsere Heimat durch den Brand zerstört worden.» Wie hoch der materielle Schaden ist, kann Rodriguez noch nicht beziffern.

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«Das Wirteehepaar hat seine Existenzgrundlage verloren.»

Antonio Rodriguez, Präsident des Spanischen Vereins, Zug

Gleichzeitig schmerzt es den Vereinspräsidenten, dass durch den Brand all die mühevolle Arbeit, die Investitionen und die Anstregungen der Mitglieder zunichte gemacht worden seien, die vor drei Monaten das Restaurant umgebaut und modernisiert hätten. Und vor allem: Das Wirteehepaar Merino habe durch den Brand seine Existenzgrundlage verloren. «Denn das Restaurant des Spanischen Vereins war die ganze Woche geöffnet, und viele Handwerker und Geschäftsleute haben bei ihnen regelmässig gegessen», sagt Rodriguez. Kein Wunder: Gilt doch die Paella im «Centro Espanol» als die beste in Zug.

Auf Facebook läuft schon was.

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(Bild: zvg)

Doch, wem Schlimmes widerfährt, der erhält auch Hilfe. «Wir haben bereits Anteilnahme von vielen Leuten bekommen, die uns Hilfe angeboten haben», berichtet Rodriguez, der in Baar wohnt und eine IT-Firma in Holzhäusern managt.

Wie es aber nun konkret weitergehen soll, weiss auch er noch nicht. Denn der Spanische Verein hat das Areal beziehungsweise die Liegenschaft von der Stadt Zug gepachtet. «Wir stehen zwar in engem Kontakt mit der städtischen Immobilienverwaltung, haben aber noch kein Feedback darüber, wie es weitergehen könnte.»

«Zusammen mit dem Centro sind wir indes offen, nach möglichen Lösungen zu suchen.»

Karl Kobelt, Stadtzuger Finanzchef

Die Stadt Zug hat von dem Brand schon Kenntnis genommen. «Gemäss Einschätzung der Abteilung Immobilien und der Gebäudeversicherung liegt ein Totalschaden des Gebäudes vor», sagt der Stadtzuger Finanzchef Karl Kobelt. Ein Wiederaufbau der bestehenden Holzbaracke sei eher fraglich und  müsste jedenfalls sinnvoll und wirtschaftlich verantwortbar sein. «Es ist auch ein Neubau in einer anderen Form denkbar. Die Lage eignet sich grundsätzlich für Vereinslokale. Hierüber wird sich der Stadtrat generell Gedanken machen müssen», so der FDP-Politiker.

 

Das «Centro Espanol» hat in den Augen Kobelts zwei Funktionen – als Begegnungsort für die spanisch sprechende Bevölkerung und als Gastro-Betrieb. «Die Stadt Zug verfügt momentan über keine leer stehenden Räume, um diese beiden Funktionen abzudecken. Zusammen mit dem Centro sind wir indes offen, nach möglichen Lösungen zu suchen», so der Stadtzuger Finanzchef. «Es wäre deshalb wünschenswert, für die spanisch sprechenden Menschen in der Stadt Zug weiterhin einen Begegnungsort zur Verfügung zu stellen.» 

1’124 Spanier leben derzeit im Kanton Zug

Der Spanische Verein Zug zählt derzeit 94 Mitglieder. Er wurde bereits 1964 gegründet. Antonio Rodriguez ist ein klassischer Zuger Secondo. Momentan sind laut Bundesamt für Migration offiziell 1’124 Spanier im Kanton Zug als wohnhaft registriert. Zum Vergleich: Doppelt so viele Portugiesen leben im Kanton Zug und etwa dreimal so viele Italiener. Die grösste Ausländergruppe sind die Deutschen mit rund 7’000 Personen.

Das abgebrannte Restaurant, das auf städtischem Grund steht, wurde erst vor drei Monaten durch Fronarbeit und grosses Engagement der Mitglieder modernisiert. Jetzt ist es nicht mehr zu gebrauchen. 

Das abgebrannte Restaurant, das auf städtischem Grund steht, wurde erst vor drei Monaten durch Fronarbeit und grosses Engagement der Mitglieder modernisiert. Jetzt ist es nicht mehr zu gebrauchen. 

(Bild: woz)

Auf dem Areal bei der Chollermühle ist der Verein seit 21 Jahren beheimatet. Wie die andalusische Sonne, geht dort das Vereinsemblem «Centro Espanol» über dem schwarzen «Torro» an der Eingangstür auf und wirkt sehr einladend. Nun ist das Gelände nach dem Brand wie tot.

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