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Die baldige Lockerung ist für Zuger Restaurants nicht nur ein Segen
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Ramon Nietlispach, Pirmin Ulrich und Rémy Blaser: Die Zuger Gastronomen leiden unter der Krise. (Bild: wia)

Kreativ, skeptisch, ängstlich: So reagieren Beizer auf die Krise Die baldige Lockerung ist für Zuger Restaurants nicht nur ein Segen

7 min Lesezeit 5 Kommentare 06.05.2020, 05:01 Uhr

Es sind harte Monate für die Gastronomie. Sie gehen praktisch allen Betrieben «as Läbige» und könnten nicht wenigen den Garaus machen. Wie geht’s den Zuger Restaurants in dieser Krise? Und wie geht’s für sie ab dem 11. Mai unter den strengen Auflagen weiter? Sehr unterschiedlich, wie sich zeigt. Respekt haben jedoch alle.

«Ich schätze, dass bis zu 30 Prozent der Restaurants die Luft ausgeht», sagte der langjährige Zuger Gastronom Felix Franz kürzlich bezüglich der Corona-Krise (zentralplus berichtete).

Tatsächlich. Wenn man sich bei den Zuger Gastronomen umhört, wird klar, dass die schwierigen Zeiten am 11. Mai, wenn Restaurants wieder öffnen dürfen, noch lange nicht zu Ende sein werden. Die Vorschriften sind streng. So werden von jedem Gast, der vor Ort konsumiert, die Kontaktangaben aufgenommen. Weiter wird die Zahl der Gäste stark limitiert sein: Es dürfen Gruppen von maximal vier Personen beieinander sitzen. Es gelten strenge Abstandsregeln. Das macht es für hiesige Betriebe schwer, lukrativ zu wirten.

Grosse Unsicherheit herrscht beispielsweise beim «Platzhirsch» in Zug, einer Weinbar, die auch kleinere Gerichte anbietet.

Der ehemalige Banker ist skeptisch

Inhaber Christoph Schmid erklärt gegenüber zentralplus: «Es wird ein Überlebenskampf für alle Gastrobetriebe. Gerade für die, die finanziell bereits angeschlagen sind, wird es brutal.» Doch er ergänzt: «Trotz der Krise bin ich zuversichtlich. Wenn ich es nicht wäre, würde ich das Lokal nicht mehr aufmachen.» Vieles hänge nun davon ab, per wann wieder Normalität herrsche und wie sich das zweite Halbjahr gestalte. «Wir hoffen, dass unsere Liquidität bis dahin genügt», so der Inhaber.

Der ehemalige Banker gibt zu bedenken: «Viele Gastrobetriebe sind wie wir Aktiengesellschaften. Wenn bei diesen die Verluste zu hoch werden und das Eigenkapital aufgebraucht ist, muss der Betrieb die Bilanz deponieren.» Oder anders ausgedrückt: Die Unternehmen müssen Konkurs anmelden.

«Dass unser Betrieb mit den geltenden Vorgaben niemals wirtschaftlich sein kann, liegt auf der Hand.»

Christoph Schmid, Inhaber des «Platzhirsch»

Ab 11. Mai darf wieder gewirtet werden. Wie plant der «Platzhirsch» vorzugehen? «Wir möchten öffnen. Doch mussten wir feststellen, dass wir lediglich Platz für maximal 14 Gäste anbieten können im Innern des Lokals», sagt Schmid. «Dass dies niemals wirtschaftlich sein kann, liegt auf der Hand.» Normalerweise umfasst die Bar Platz für 50 Gäste. Was bereits klar ist: Ab kommendem Donnerstag bietet der «Platzhirsch» einen Take-away an, der später noch vergrössert wird.

«Mit der jetzigen Ausgangslage sind massive Verluste sicher. Es bleibt abzuwarten, ob die Verluste grösser sind, wenn wir öffnen, als wenn wir geschlossen haben.»

Eines der Hauptprobleme: Schmid fürchtet, in der kommenden Zeit lediglich 20 bis 30 Prozent des üblichen Umsatzes generieren zu können. «Die Kosten jedoch lassen sich niemals um 70 bis 80 Prozent senken.»

Die Jungen retten sich mit kreativen Lösungen

Erstaunlich gut gelaunt sind die Verantwortlichen im Restaurant Cheers in Baar. Dort hat man der Krise die Stirn geboten, indem man kreative Lösungen gesucht hat. Und vor allem schnell reagiert hat.

«Ab dem zweiten Tag waren wir parat und konnten Take-away anbieten», erklärt Pirmin Ulrich, einer der beiden Betreiber. «Als Wochen davor die Restaurants in Italien geschlossen wurden, wusste ich, dass wir einen Notfallplan brauchen würden.»

Der Hamburger-Take-away läuft. «Es lohnt sich, dass wir den anbieten. Ohne den würden wir dem Geld viel mehr nachrennen. Dies, obwohl wir natürlich deutlich weniger Umsatz machen, allein weil die Marge beim Essen viel schlechter ist als bei Getränken.»

Und wenn der Take-away mal nicht so läuft, wie er sollte, wirft man sich auch mal ins Kostüm: «Ich habe ein Burgerkostüm, mit dem ich dann rausstehe und Passanten reinlocke. Damit haben wir bestimmt schon 200 Burger verkauft.»

Wenn der Betrieb zu wenig läuft, wird Ulrich auch mal selbst zum Burger.

Weiter erklärt Ulrich: «Wir haben riesiges Glück, dass die Baarer Räbefasnacht eine Solidaritätsaktion ins Leben gerufen hat.» Mit «En Plakette für dini Beiz» kann die Bevölkerung ihrem Lieblingslokal einen bestimmten Betrag spenden. «Dadurch konnten wir bereits einen beträchtlichen Betrag generieren. Es freut uns enorm, dass wir so treue Stammkunden haben.»

«Wir werden mit einem blauen Auge davonkommen.»

Pirmin Ulrich, Betreiber des «Cheers» in Baar

Ausserdem hat das «Cheers» eine eigene Aktion gestartet. «Neu gibt es die Möglichkeit, einen Stuhl im Lokal mit einem Schild beschriften zu lassen. Im Betrag inbegriffen ist auch ein Burger, ein T-Shirt, ein Pfefferminzschnaps und ein Desinfektionsmittel.»

Er erklärt: «Mit diesen drei Aktionen können wir die Hälfte des benötigten Geldes generieren. Wir werden mit einem blauen Auge davonkommen.» Dies, ohne einen Covid-19-Kredit aufzunehmen.

Am 11. Mai wird das «Cheers» jedoch noch nicht öffnen, wie die Betreiber entschieden haben. Man werde einzig vier Tische im Lokal aufstellen, damit jene, die möchten, ihre Burger vor Ort konsumieren können. Ulrich weiter: «Jetzt schon abends aufzumachen, lohnt sich nicht, wenn wir nur vier bis fünf Tische aufstellen können.» Stattdessen führt man das Take-away-Angebot bis auf Weiteres weiter.

Auf eine Wiedereröffnung am 11. Mai verzichtet auch der Zuger «Rathauskeller». «Unsere Räumlichkeiten im Gasthaus und auch in der Küche sind sehr eng und die Platzkapazitäten gering», schreibt das Restaurant in einer Mitteilung. «Das Genusserlebnis und unser gewohnter Standard würden darunter leiden.» Deshalb bietet man wie bereits bisher ein Take-away-Angebot an. Kunden stellen sich online ein Menü zusammen und holen es am kommenden Samstag ab.

Take-away: Der Tropfen auf den heissen Stein

Ebenfalls auf Take-away gesetzt hat das Restaurant Meating in Zug. Ausserdem bietet man dort einen Lieferservice an. «Das kommt unglaublich gut an», sagt Betreiber Ramon Nietlispach. Auch wenn es sich dabei um einen Tropfen auf den heissen Stein handle. «Durch dieses Angebot werden wir nicht weniger Minus machen.» Vielmehr handle es sich um einen solidarischen Akt mit der Bevölkerung und eine Möglichkeit, die Mitarbeiter – zumindest ein wenig – zu beschäftigen sowie den Teamgeist aufrechtzuhalten.

«Noch einmal würde ich das wahrscheinlich trotzdem nicht machen», sagt Nietlispach. Er ist wohl einer der wenigen Zuger Gastronomen, die aktuell viel um die Ohren haben. «Wir machen nicht nur beim «Meating», sondern auch fürs «Café Glücklich» einen Lieferservice, ausserdem öffnen wir bald unseren Take-away in der Männerbadi.»

«Es war uns wichtig, die Leute nicht zu ermutigen, während des Lockdowns rauszugehen.»

Ramon Nietlispach, Betreiber des Restaurants Meating in Zug

Den dortigen Kiosk betreibt Nietlispach seit letztem Jahr. «Wir werden vorerst ein kleineres Angebot haben, doch freue ich mich riesig darauf.» Den Kiosk hätte man bereits vor einigen Wochen eröffnen können, da sich viele Menschen während des schönen Wetters draussen am See aufgehalten hätten. «Doch war es uns wichtig, die Leute nicht zu ermutigen, während des Lockdowns rauszugehen.»

Welche Lösung hat man für die Zeit nach dem 11. Mai fürs Restaurant Meating gefunden? «Wir werden mit einer Testwoche starten, in der das Restaurant sicher abends geöffnet sein wird. Je nach Resonanz werden auch die Öffnungszeiten angepasst.» Zwar verfüge das Restaurant, das im Normalfall Platz für 100 Gäste hat, auch mit den strengeren Regeln über genügend Platz für 45 Personen. «Doch muss auch die Bevölkerung mitmachen. Wenn nur wenige Gäste kommen, wird es schwierig.»

Finanziell geht es dem «Meating» bis jetzt noch einigermassen gut. «Wir haben in den letzten fünf Jahren gut gewirtschaftet und können die Situation soweit stemmen. Doch wenn der Ausnahmezustand noch ewig geht, wird es auch für uns schwierig», sagt Nietlispach.

«Felsenkeller»: Der Weinhandel entschärft die Situation

Glück im Unglück hat der «Felsenkeller» in Zug. Dies, weil Rémy Blaser neben seiner Weinbar auch einen Weinhandel betreibt. Mit diesem konnte der Firmeninhaber die schlimmsten Verluste der letzten Woche abfedern. «Zwar fielen die Einnahmen durch den Verkauf an die Restaurants weg, doch konnte ich während der letzten Monaten deutlich mehr Wein an private Kunden verkaufen.»

Dass man am 11. Mai wieder öffnet, ist für ihn klar. «Im Restaurant können wir maximal 18 Gäste bewirten», so Blaser. «Ausserdem haben wir das Glück, draussen über Storen zu verfügen, welche es ermöglichen, dass Gäste auch bei leichtem Regen draussen sitzen können.»

Er hofft zudem, dass die Stadt Zug in der kommenden Zeit kulant ist betreffend der Nutzung des öffentlichen Grundes, damit es den Gastronomen möglich wäre, auf einer grösseren Fläche als vorgesehen Tische und Stühle zu platzieren.

Der Umgang mit der Krise ist von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich. Was ihnen jedoch allen gemein ist: Offene Fragen gibt es noch viele, sorgenfrei ist niemand. Zweifellos wird die Corona-Krise auch unter den Gastronomen ihren Tribut fordern.

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5 Kommentare
  1. mebinger, 06.05.2020, 10:55 Uhr

    Es gibt nur eine Lösung: Diese unsinnigen Restriktionen aufheben und alles frei geben und die Natur walten lassen oder dumm bleiben und alles an die Wand fahren. Corona ist eine aggressive aber nicht übermässig gefährliche oder tödliche Krankheit, ähnlich der Grippe. Das wusste am schon vor dem Lock Down

    1. Manjaro, 06.05.2020, 11:21 Uhr

      Sie schreiben jeden Tag denselben Kommentar.
      Nix gelernt, doch Riskikogruppe, oder?

    2. Andreas Peter, 06.05.2020, 11:41 Uhr

      @mebinger: Genau so ist es. Nur kann die Politik das nicht machen, weil sie damit zugeben müsste, dass alle die nun folgenden wirtschaftlichen Katastrophen von ihr verursacht wurden.
      Deshalb wird die Suppe noch ein bisschen am köcheln gehalten und „vorsichtig“ gelockert“, damit die Gutgläubigen nicht ins Grübeln kommen.
      Das einzig Richtige wäre eine Vollbremsung des „Lockdown“.
      Alles wieder auf normal schalten per sofort.

  2. Michi Weber, 06.05.2020, 08:36 Uhr

    Ich gehe gerne auswärts essen. Mit den meisten Einschränkungen könnte ich leben. Ich habe aber keine Lust, meine Personalien anzugeben, nur um mich verpflegen zu dürfen. Was passiert mit diesen Angaben?

    1. Kasimir Pfyffer, 06.05.2020, 11:10 Uhr

      Angeblich werden die Daten zwei Wochen lang aufbewahrt und danach gelöscht. Wers glaubt.
      Aber ja, das Täubelen und Intrigieren von Gastrosuisse-Platzer hat sich definitiv gelohnt. Die Beizen werden max. 50 % der Kapazität ausschöpfen und darum nie im Leben rentieren. Der Service trägt Masken wie im OP, und die Stimmung ist komplett im Eimer. Als Dank zahlen wir die regulären Preise und legen unsere Daten obendrauf. Oder eben nicht.

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.