Die «Abstauber» beim Zuger Ökihof
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Beim Ökihof Hünenberg Zythus schaffen es nicht alle Entsorgungsgegenstände in die entsprechenden Tonnen, sondern werden bereits auf dem Parkplatz «rezykliert». (Bild: Christian Hug)

Recycling der anderen Art Die «Abstauber» beim Zuger Ökihof

3 min Lesezeit 09.08.2015, 12:34 Uhr

Zugs Ökihöfe sind beliebt: Einfach hin und den Unrat in den entsprechenden Tonnen entsorgen. Bei gewissen Sammelstellen geht es zuweilen noch schneller – bereits auf dem Parkplatz wird man alte PCs und Co. los. Das freut aber nicht alle, zuletzt die Betreiber.

«Fast täglich stehen sie da», sagt Thomas Berger, der Betreuer der Sammelstelle Zythus. Mit «sie» meint er die Leute auf dem Parkplatz vor dem Ökihof. Jedoch nicht jene Leute, die mit Gegenständen aller Art bepackt sind und beabsichtigen, ihr Zeug auf dem Hof zu entsorgen. Sondern jene, die mit leeren Händen kommen, um genau dieses Zeug vorweg «abzustauben» – und damit vornehmlich weisse, fensterlose Lieferwagen beladen.

Berger bezeichnet es als ein Problem, dass seine «Kundschaft» auf dem Parkplatz abgefangen wird. «Regelmässig kommen zwei bis drei Ausländer an die Sammelstelle, parken ihre Transporter und sprechen die Ökihofbesucher an.» Die Absicht bestehe darin, an brauchbare Materialien zu kommen und damit – davon wird ausgegangen – Handel zu betreiben.

Ab in die Heimat

«Grundsätzlich sind es anständige Leute», betont Berger. «Einer von ihnen erzählte mir, dass er die Sachen zu seinem Sohn nach Bosnien schicke. Weil Ersatzteile dort viel billiger zu haben seien, könne er bestimmte Dinge kostengünstig wieder reparieren.» Einige Gegenstände würden sicher auch für den Eigenbedarf gebraucht, meint er.

«Leider können wir nichts dagegen tun. Wir haben keine Befugnis, die Leute wegzuweisen.»

Thomas Berger, Ökihof Hünenberg Zythus

In Cham habe man ähnliche Erfahrungen gemacht. «Vor einigen Monaten waren regelmässig ein bis zwei Leute da», sagt Gisela Bucher vom Werkhof. «Sie haben beobachtet, was für Materialien die Leute zur Sammelstelle bringen und diese dann teilweise angesprochen.» Auch hier wird vermutet, dass die Gegenstände für den Eigenbedarf verwendet werden oder, dass damit Handel betrieben wird.

Platzmangel und Aggressivität

Dass es unter den «Abstaubern» auch schwarze Schafe hat, daraus macht Thomas Berger keinen Hehl – und zeigt sich mitunter etwas konsterniert. «Leider können wir nichts dagegen tun», sagt er, «wir haben kein Bodenrecht auf dem Parkplatzareal und damit keine Befugnis, die Leute wegzuweisen». Deshalb beschränke sich dieser Missstand auf den Ökihof Zythus. Die Sammelstelle Hünenberg Zentrum sei nicht betroffen, denn dort parkieren die Besucher direkt auf ihrem Grund, erklärt er.

Neben dem Parkplatzmangel nennt Humbert Ghirlanda, Betriebsleiter vom Ökihof Cham, einen weiteren Aspekt, welcher die Sache problematisch erscheinen lässt: «Das Problem ist die Aggressivität. Wenn Leute ihre Sachen zum Entsorgen bringen, dann glauben sich gewisse Menschen im Recht, ihnen die Sachen aus den Händen reissen zu dürfen.» Dies bestätigen Ökihofbesucher gegenüber zentral+.

«Die Leute sind nicht nur genervt ob dieser Masche. Viele fürchten sich auch.»

Thomas Berger, Hofbetreiber Zythus

Marktplatz beim Parkplatz

Thomas Berger relativiert: «90 Prozent der Besucher sind froh, zehn Prozent sind genervt.» Grundlegend besteht das Problem also lediglich auf der einen Seite. Und doch: «Ich könnte gut darauf verzichten. Sie nehmen Parkplätze weg und belästigen einen Teil der Hofbesucher.» Regelmässig werde er darauf angesprochen. «Die Leute sind nicht nur genervt ob dieser Masche. Viele fürchten sich auch», erklärt der Hofbetreiber.

Handel auf dem Parkplatz sei nicht zu tolerieren, meint Humbert Ghirlanda. Da sich die Parkplätze beim Ökihof in Cham auf privatem Gelände befänden, habe sich das Phänomen aber nie wirklich ausbreiten können. «Wir haben das gemeldet. Die Leute wurden weggewiesen, seither gibt es keine Probleme mehr.»

Eine Frage der Befugnis

Der Schlüssel liegt im Bodenrecht. Das bestätigt André Wicki, Vorsteher des Baudepartements Zug. «Wir haben solche Fälle in Zug auch schon gehabt. Da kamen Leute und wollten Entsorgungswillige um ihre PCs und Teppiche entlasten. Da der Parkplatz aber auf dem Gelände der Sammelstelle ist, kann ich nicht von einem Problem sprechen.»

Das Phänomen ist indessen kein kantonales. Sowohl die Sammelstellen in Baar und Steinhausen, als auch jene in Walchwil und Risch-Rotkreuz seien nicht betroffen, wie entsprechende Anfrage ergaben.

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