Dicke Luft im Luzerner ÖV? So steht es um die Frischluft im Bus
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Mit diesem CO2-Messgerät geht es in den Feierabendverkehr.

Messungen im Bus Dicke Luft im Luzerner ÖV? So steht es um die Frischluft im Bus

4 min Lesezeit 6 Kommentare 22.01.2021, 05:00 Uhr

Im Privaten soll man sich höchstens noch zu fünft treffen. Wer mit dem ÖV unterwegs ist, teilt sich oft lange Strecken mit Dutzenden von anderen Personen. Darin sehen viele einen massiven Widerspruch. Wie aber verhält es sich denn nun mit der Luftqualität im ÖV? Der CO2-Anteil gibt einen Hinweis darauf – wir haben in Luzern nachgemessen.

Der Begriff Aerosole ist derzeit in aller Munde – auch wenn man die Schwebeteilchen, zumindest die von Fremden, dort lieber nicht haben will. Die Aerosolausbreitung, und damit die Wahrscheinlichkeit einer Corona-Ansteckung, ist denn auch das, was mit den derzeit einschneidenden Massnahmen eingedämmt werden soll. Restaurants und Läden sind geschlossen und Homeoffice ist angesagt und draussen wird – von den meisten – Maske getragen.

Ein Punkt der aber immer wieder für Diskussionen und Kopfschütteln sorgt, ist die Situation im ÖV. Da Bus und Bahn eine Transportpflicht haben, kann man die Passagierzahlen dort nicht einfach so beschränken. Und so verbringt man als ÖV-Nutzer zur Stosszeit schnell etliche Kilometer Schulter an Schulter mit Fremden. Kann das gut gehen? Und wenn ja, wie?

Raumluftqualität ist zentral

Selbstredend ist das Virus an sich nicht sicht- oder messbar.  Was man aber durchaus messen kann, ist der CO2-Gehalt eines Raumes. Der Anteil Kohlenstoffdioxid in der Luft ist der Gradmesser schlechthin, wenn es um die Qualität der Umgebungsluft geht. Regelmässiges Lüften gehört denn auch zu den empfohlenen – aber oftmals vernachlässigten – Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus.

Gemessen wird der CO2-Anteil in der Luft mit parts per million (abgekürzt ppm, wörtlich übersetzt «Anteile pro Million»). Aussenluft hat üblicherweise eine CO2-Konzentration von etwa 400 ppm. 

In Bezug auf geschlossene Räume bedeutet dies Folgendes: Alles was unter 800 ppm liegt – also mit einem CO2-Anteil in der Luft von weniger 0,08 Prozent – wird als «hohe Raumluftqualität» gewertet. Wird ein Wert von über 1400 ppm registriert, spricht man von einer sehr niedrigen Raumluftqualität. Ab ca. 2500 ppm werden bereits gesundheitliche Auswirkung wie etwa Kopfschmerzen wahrscheinlich.

Der kritische Wert ist innert Minuten erreicht

Wie also ist die Luftqualität zur Stosszeit im Luzerner ÖV? Mit einem kleinen CO2-Messgerät machen wir uns auf den Weg. An der Obergrundstrasse beträgt der Aussenwert bei Verkehr zur Stosszeit rund 470 ppm. An einer viel befahrenen Strasse nicht aussergewöhnlich.

Wir betreten den Bus am Luzerner Paulusplatz. Dieser ist gut ausgelastet, aber keineswegs überfüllt – die Homeoffice-Pflicht macht sich bemerkbar. Wir positionieren uns in der Nähe einer Türe. Dennoch klettert der Wert nach bloss einer Haltestelle bereits über 900 ppm. Beim Bellpark angelangt, beginnt das Gerät zu blinken: Der kritische Wert von 1000 ppm ist überschritten. In der Folge pendelt sich dieser bei rund 1200 ppm ein.

Schnelle Entspannung

Nachdem das Zentrum von Kriens erreicht ist, dünnt sich die Zahl der Fahrgäste rapide aus – und mit ihnen nimmt auch der CO2-Wert merklich ab. Im Obernau angelangt, liegt der Wert wieder bei 840 ppm. Man befindet sich freilich nicht auf einer Alpenwiese, aber die Luftqualität geht absolut in Ordnung. Bei der Rückfahrt zeigt sich dasselbe Muster, allerdings auf deutlich tieferem Niveau – in die unbelebte Stadt muss abends schliesslich kaum jemand.

Unsere Messungen sind selbstredend nicht empirisch belegt und nur eine Momentaufnahme. Es zeigen sich jedoch klar zwei Dinge: Während der Stosszeit nimmt die Luftqualität in den Bussen schnell rapide ab beziehungsweise ist über längere Strecken schlecht. Auf der anderen Seite scheint die Tatsache, dass die VBL-Chauffeure seit dem Ausbruch der Pandemie alle Türen bei jeder Haltestelle öffnen, durchaus eine positive Wirkung zu zeigen.

In der Bahn ist die Klimaanlage entscheidend

Der Luxus des oftmaligen Türöffnens ist bei den Zügen natürlich nicht gegeben. Dort spielt das jeweilige Klimaanlagensystem eine entscheidende Rolle. «SRF» hat für einen Beitrag kürzlich in einem Traverso-Zug der Südostbahn die Aerosolausbreitung visualisiert.

Diese funktionieren lokal sehr gut – die Distanz von ein, zwei Abteilen genügte, um praktisch keine Aerosole ausmachen zu können – sofern denn auch die Maske getragen wird. Die Innenluft von SBB-Waggons – deren Bauart jener der Südostbahn entsprechen – werde im Durchschnitt sechs- bis zehnmal pro Stunde komplett mit Frischluft ausgetauscht, heisst es im Beitrag weiter. Je nach Besetzung sogar häufiger. Neuerdings halte man die Türen an den Haltestellen länger offen, um den Luftaustausch weiter zu fördern.

Lüften im ÖV hilft – genau wie übrigens auch zuhause. Wie stark die Wirkung ist, bleibt aber unklar. Dies, weil auch offenbleibt, wie viele Viren im Aerosol vorhanden sind und ab wann das Virus ansteckend ist.

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6 Kommentare
  1. minou, 26.01.2021, 11:18 Uhr

    Die VBL macht eindeutig zu Wenig gegen Corona. Ein Kleber an jeder Türe „ab hier Nasen- und Mundschutz obligatorisch“ würde schon Einiges bringen.
    Auch bitte das Tonband häufiger abspielen lassen.
    Viele futieren sich um den Schutz Ihrer Mitreisenden, lassen den Nasen- Mundschutz am Kinn hängen, oder ihre Nasen frei. Wenn man ihnen ein Zeichen macht den Mundschutz hochzuziehen, hört und sieht man Nettigkeiten, wie: halt die Schnauze, Stinkefinger, blöde Kuh, geht dich überhaupt Nichts an.
    Hier müsste der Chauffeur und andere Mitfahrende den Mut haben und eingreifen. Die Nasen-Mundschutz- Verweigerer gehören aus dem Bus gewiesen.
    Ich würde es auch begrüssen, wenn die Polizei ab und zu Mal (ohne Uniform) Kontrollen durchführt und saftige Bussen verteilt. Es schadet nie ein wenig das Corona-Verweigerer-Hirn durchzulüften und ein paar Schritte zu gehen.
    VBL, bitte unternehmt mehr, damit die Pflichten vom Bundesrat Ernst genommen werden und die Pandemie abklingt. DANKE

  2. H. Muster, 22.01.2021, 19:07 Uhr

    „Auf der anderen Seite scheint die Tatsache, dass die VBL-Chauffeure seit dem Ausbruch der Pandemie alle Türen bei jeder Haltestelle öffnen, durchaus eine positive Wirkung zu zeigen.“ Das ist eine Traumvorstellung; es gibt ja jene Chauffeure, die eine Haltestelle gar nicht bedienen, sondern durchfahren, da niemand zum Aussteigen den Knopf gedrückt hat und niemand an der Haltestelle wartet. Ist dies vorschriftsgemäss? Ich weiss es nicht. Und jene Chauffeure, die bei jeder Haltestelle anhalten, aber die Türen nicht öffnen. So erlebe ich die Realität.

    1. Roli Greter, 23.01.2021, 01:30 Uhr

      Keine Ahnung wo sie Bus fahren, aber bei der vbl die ich kenne und nutze wird genau gleich gefahren wie immer. Einzige Ausnahme ist die Türöffnung aller Türen wenn jemand ein- oder aussteigt, das könnte von mir aus immer so sein.

  3. Jürg, 22.01.2021, 12:25 Uhr

    Eine Riesensauerei, dass man von Ansteckungen im ÖV NIE etwas liest!
    Meiner Meinung nach steckt sich dort die Mehrheit mit dem Virus an!
    Aber der ÖV ist halt die Domäne der LINKEN !!!!!!!

    1. Roli Greter, 23.01.2021, 01:32 Uhr

      Ach Jürg, wäre es dir lieber wenn alle statt mit öv in einem Auto rumfahren? Ich vermute mal du wärst sofort an deiner Tastatur. Allzeit bereit für den nächsten Pseudo-Shitstorm…

  4. Rabbitas, 22.01.2021, 08:56 Uhr

    “ Der Begriff Aerosole ist derzeit in aller Munde – auch wenn man die Schwebeteilchen dort lieber nicht haben will.”

    Journalistische Meisterleistung!😂

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