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Deville: «Ich bin noch dran herauszufinden, was der Witz an diesem Virus ist»
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The Show must go on: Dominic Deville will am Sonntag zeigen, was Satire in Corona-Zeiten kann. (Bild: srf)

Humor in Zeiten der Krise Deville: «Ich bin noch dran herauszufinden, was der Witz an diesem Virus ist»

4 min Lesezeit 27.03.2020, 13:29 Uhr

Auch professionellen Humoristen ist in der Corona-Krise nicht immer zum Lachen. Der Luzerner Dominic Deville kann wenigstens seine Sendung produzieren. Im Interview erklärt er, was Satire zur Krisenbewältigung beitragen kann.

zentralplus: Dominic Deville, sitzen Sie bequem?

Dominic Deville: Das tue ich schon länger. Was soll ich auch sonst tun?

zentralplus: Wie sieht die Quarantäne des Satirikers aus?

Deville: Gerade jetzt haben alle eine Tastatur vor sich, jeder produziert Bildli und Memes und wird so selber zum Satiriker. Im Augenblick halte ich mich noch zurück und beobachte.

zentralplus: Was haben Sie denn in den vergangenen Tagen beobachtet?

Deville: Auffällig viele Gemeinsamkeiten. Die Corona-Krise gibt anscheinend für alle was her. Auch politisch: Die Linken kramen die Solidarität hervor. Die rechten Bürgerlichen schlagen einen militärischen Duktus an und befinden sich im «Krieg gegen das Virus». Und in der Mitte kann die FDP zuschauen, wie der Markt alles regelt. Jeder probiert was für sich herauszuziehen. Das Virus ist – neben der Klimakrise – seit Langem wieder etwas, das wirklich jeden berührt, beschäftigt, aber auch beeinträchtigt.

zentralplus: Apropos Einschränkungen: Wie sieht es in der Deville-Produktion aus?

Deville: Wir haben vom Schweizer Fernsehen den Auftrag erhalten, unsere Sendung weiterhin zu produzieren. Natürlich ohne Publikum, so macht auch ein grosser Saal keinen Sinn. Deswegen ziehen wir uns in die Büroräume von Deville zurück. Wir haben ein sehr ansprechendes Set aufgebaut, wie ich finde, und werden am Sonntag zur gewohnten Zeit auf Sendung gehen.

Der Plan: Die Skizze für das improvisierte Deville-Studio.

«Ich suche nach etwas, das über WC-Papier-Witze hinausgeht.»

zentralplus: Sie sind als TV-Satiriker etwas weniger von den einschränkenden Massnahmen betroffen als andere – stehen Sie in Kontakt mit Kollegen, die Auftritte und Tourneen haben absagen müssen?

Deville: Natürlich. Ich pflege mit vielen Kollegen guten Kontakt. Einige treten ja auch bei uns als Künstler auf, etwa Michel Gammenthaler, Martina Hügi oder Manuel Stahlberger. Sie alle hätten auf Tour gehen sollen, aber das wird jetzt nichts. Es geht mir nahe. Bis vor kurzem war ich ja selbst noch von Tourneen abhängig.

zentralplus: Was kann man da machen?

Deville: Von unserer Seite aus versuchen wir, die Leute vermehrt in die Sendung einzubinden. Tatsächlich war es vor der Krise schwierig, Leute zu finden, die Zeit haben. Das ist jetzt anders, weil viele zu Hause sind. Die meisten werden wir per Skype zuschalten. Wir haben im Studio aber auch eine extra Quarantäne-Box installiert. Einen Glaskasten, hermetisch abgeriegelt und garantiert virenfrei. In der kommenden Sendung wird dort Slampoetin Martina Hügi Platz nehmen.

zentralplus: Jetzt aber: Dominic Deville, erzählen Sie uns einen Corona-Witz!

Deville: Uff. Noch bin ich von Pointen ziemlich verschont geblieben. Ich möchte eigentlich alles für die Sendung zurückhalten – die wir erst ab Donnerstag produzieren. Generell: Ich finde unfreiwillige Corona-Sachen lustig.

«Wir müssen jetzt viel mehr an der Kante balancieren und schauen, was möglich ist – und was nicht. Da zeigt sich, was Satire kann.»

Applaus: Dominic Deville schaut im noch leeren Quarantäne-Studio in die Ecke, wo Regisseur Patrick Karpiczenko für ihn klatschen wird.

zentralplus: Zum Beispiel?

Deville: Letzthin war ich einkaufen. Da gab es das Osterkranzbrot, das auf Italienisch angeschrieben war – mit «Corona Party». Das ist in sich unfreiwillig komisch, weil von diesem Brot ja jeder ein Stück nehmen und teilen soll. Aber eigentlich bin ich noch dran herauszufinden, was der Witz an diesem Virus ist. Es gibt da zuerst all diese komischen, oft negativen Auffälligkeiten im Verhalten der Leute, in die sie jetzt reinpurzeln. Ich suche aber nach etwas, das über WC-Papier-Witze hinausgeht.

zentralplus: Wann hört der Spass bei Ihnen auf?

Deville: Schlechte Corona-Witze sind, wenn es gegen die Schwächsten geht. Oder wenn es geschmacklos wird.

zentralplus: Es ist nicht ganz einfach mit Witzen in Krisenzeiten. Viele reagieren sensibler als sonst. Wie verändert Corona den Humor?

Deville: Interessant ist ja, dass sich die Grenzen verschieben: Wir haben etwa einen grossartigen Einspieler auf dem Friedhof gedreht. Jetzt überlegen wir uns aber, ob dafür der richtige Zeitpunkt ist. Wir müssen jetzt viel mehr an der Kante balancieren und schauen, was möglich ist – und was nicht. Da zeigt sich, was Satire kann.

zentralplus: Was kann denn Satire?

Deville: Eigentlich gar nicht so viel. Wir werden auch in zwei oder drei Wochen noch in der Stube rumhocken. Aber vielleicht lässt sich das später besser beurteilen.

zentralplus: Kann Humor helfen, die Corona-Krise zu bewältigen?

Deville: «Der Humor» ist ein schwieriger Begriff. Der Punkt ist doch, dass die Menschen immer Antworten suchen und Lösungsvorschläge wollen. In den vergangenen Wochen haben wir unglaublich viel von der Naturwissenschaft gehört, auch von den Sozialwissenschaften und der Politik. Es gibt viele neue Verhaltensregeln. Aber vielleicht gibt es daneben auch satirisch-humoristische Lösungen, die neue Denkwege ermöglichen. Aber eben, so viel kann Satire jetzt auch wieder nicht – ausser eine gute Zeit zu bereiten und zu helfen, den ganzen Wahnsinn von einem anderem Blickwinkel her anzuschauen.

zentralplus: Was ist Ihre Botschaft?

Deville: Wir kennen die drei Regeln: Abstand halten, zu Hause bleiben, Hände waschen. Nun kommt eine vierte hinzu: Am Sonntag um 21.40 Uhr den Fernseher einschalten.

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