Detailhandel
In Deutschland sinkt die Nachfrage

Trotz Krise: Bio-Produkte sind in Luzern sehr beliebt

Bio bleibt beliebt, weiss Lisa Savenberg von der Migros Luzern. (Bild: zvg / Migros)

In Deutschland vermiest die Inflation das Bio-Geschäft. Läden, die sich auf den Verkauf von Bio-Produkten spezialisiert haben, leiden stark. Ein Blick nach Luzern zeigt ein anderes Bild.

Der Trend bei Lebensmitteln ist eigentlich klar. Er zielt vor allem seit der Corona-Pandemie vermehrt Richtung hausgemacht und regional. Viele Leute haben sich während der Corona-Monate mit hiesigen Läden solidarisiert, die auch lokale Produkte aus Bio-Anbau verkaufen (zentralplus berichtete).

In Deutschland sind jedoch zahlreiche Läden, die sich ausschliesslich auf Bioprodukte spezialisieren, in die Bredouille geraten. Besonders die steigende Inflation macht der Branche zu schaffen. Wie die deutsche Tageszeitung «taz» schreibt, brechen vor allem bei kleineren Bio-Läden die Umsätze weg. Bei einigen Betrieben um die 20 Prozent. In Extremfällen gar bis zu 50 Prozent.

Die Schweiz zeigt sich – zumindest, wenn man den Franken mit dem Euro vergleicht, der jüngst auf denselben Wert wie der US-Dollar gesunken ist – relativ stabil. Während in Deutschland die Inflationsrate auf 7,6 Prozent liegt – Dienstleistungen also um ein solches teurer sind als noch im Vorjahr – beträgt sie in der Schweiz gegenwärtig um die 3 Prozent.

Luzerner Bio-Läden zieren sich

Lieferengpässe, teurerer Dünger – viele Lebensmittel kosten derzeit mehr. Das gilt auch für die meist ohnehin etwas teureren Bioprodukte. Da greifen viele Leute während der Inflation lieber zum günstigeren Lebensmittel. Und in Deutschland bleiben deswegen viele Bio-Regale voll. Wie sieht’s in Luzern aus?

Wir haben bei zwei Luzerner Bio-Läden nachgefragt. Zur Thematik wollten sich jedoch beide nicht äussern. Beim Unternehmen Alnatura, das eine Filiale in der Hertensteinstrasse in Luzern betreibt, werden wir jedoch fündig. Die Marke, die an die Migros angegliedert ist, feiert heuer in der Schweiz ihr zehnjähriges Bestehen. Alnatura spezialisiert sich darauf, Lebensmittel aus biologischem Anbau und Bio-Höfen an die Leute zu bringen.

Die Alnatura-Filiale in Luzern befindet sich an der Hertensteistrasse. (Bild: cbu)

Alnatura spürt die Krise – aber nicht so stark

Ganz spurlos geht die gegenwärtige Krise auch nicht an Alnatura vorüber. Das sagt Gabriela Ursprung von der Genossenschaft Migros Zürich, die hinter den Schweizer Alnatura-Betrieben steht. «Die erschwerten Rahmenbedingungen haben dazu geführt, dass auch wir punktuell Preisanpassungen haben vornehmen müssen.» Ausserdem sei «eine leichte Abflachung gegenüber der Nachfrage in dem durch die Pandemie geprägten Vorjahr» spürbar. Dennoch: So drastisch wie in Deutschland ist die Situation hier nicht.

Zudem sei ein reiner Vergleich mit den beiden Vorjahren wenig aussagekräftig. Dies, weil das Konsumentenverhalten in den ersten zwei Pandemiejahren stark durch die Massnahmen und insbesondere die Schliessungen der Gastro-Betriebe geprägt war, so Ursprung. Jetzt, wo die Restaurants wieder geöffnet haben, wird weniger daheim gekocht und vermehrt auswärts gegessen.

Bio erlebt grossen Aufschwung

Komplett anders zeigt sich die Situation bei den grossen Detaillisten. Hier ist das Gegenteil der Fall. «Bio wird in der Migros Luzern weiterhin stark nachgefragt», schreibt Lisa Savenberg, Sprecherin der Migros Luzern auf Anfrage. Der Sortimentsausbau wie auch die Promotionen würden Wirkung zeigen. Das Bio-Sortiment würde sogar stärker wachsen als reguläre Produkte. «Ungebrochen gross ist das Wachstum beispielsweise in den Bereichen Brot, Convenience, Eier, Käse sowie Fleisch und Fisch», so Savenberg.

Wirft man einen Blick auf die Statistiken, zeigt sich, dass der Umsatz mit Bio-Produkten in der Schweiz jährlich zunimmt. Gemäss der Plattform «Bio Aktuell», die von Dachverband Bio Suisse betrieben wird, beträgt der Jahresumsatz 2021 rund 4 Milliarden Franken. Das sind 3,9 Prozent mehr als noch im Vorjahr und machen rund 10,9 Prozent des gesamten Lebensmittelmarktes aus.

Ob Luzerner Bio-Läden in naher Zukunft aufgrund der politischen Lage in eine ähnliche Schieflage schlittern wie in Deutschland, ist derzeit (Bio-)Kaffeesatzlesen. Bis dahin erfreuen sich Bio-Produkte weiterhin grosser Beliebtheit. Auch in Luzern.

Verwendete Quellen
  • Telefongespräch und Mail-Austausch mit Lisa Savenberg, Projektleiterin Kommunikation Migros Luzern
  • Artikel in der «taz»
  • Schriftlicher Austausch mit Gabriela Ursprung, Alnatura – Migros Genossenschaft Zürich
  • Statistiken von «Bioaktuell.ch»
  • Inflationswert Deutschland via ZDF Nachrichten
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