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Desolate Zustände in der Asylunterkunft Eichhof
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Wird die Asylunterkunft Eichhof schlampig geführt? (Bild: bra)

Heftige Vorwürfe an Caritas Desolate Zustände in der Asylunterkunft Eichhof

5 min Lesezeit 1 Kommentar 13.11.2015, 20:00 Uhr

Zwei Zivilschützer packen aus: In der Luzerner Asylunterkunft Eichhof werde der Betrieb vernachlässigt. Es sei dreckig, das Personal sei häufig mit sich selber beschäftigt und nehme sogar gespendete Esswaren selber mit. Die Caritas wehrt sich und sagt, das seien «Fehlinterpretationen».

Da läuft einiges schief in der Aslyunterkunft Eichhof: In der Zivilschutzanlage, die seit Februar als Notunterkunft für Asylsuchende genutzt wird, herrschen offenbar miserable hygienische Bedingungen. Dazu werden Sicherheitsbestimmungen nicht eingehalten und das Personal der Caritas futtert die Lebensmittelspenden lieber selber, als sie den Bewohnerinnen und Bewohnern abzugeben. 

«Das Notfall-Handy wurde mehrfach nicht beantwortet.» 
M. B., Zivilschützer

Dies sagt der Zivilschützer M. B. gegenüber zentral+: «Vor allem nachts ist es chaotisch zu und her gegangen.» Während zwei Wochen beobachtete M. B. zusammen mit seinen Dienstkollegen unhaltbare Zustände in der Notunterkunft. Die Zivilschützer waren für die Eingangskontrollen zuständig und teilten sich die Schicht.

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Die Liste mit den Beanstandungen ist lang. Die Ereignisse hätten M. B. keine Ruhe gelassen und so wandte er sich an unsere Redaktion. Sein Name soll nicht erwähnt werden, da er für seinen Dienst eine Vertraulichkeitserklärung unterzeichnet hatte. 

Zivis auf sich allein gestellt

In der Notunterkunft Eichhof sind 50 Personen untergebracht. Es sind vorwiegend Männer. Zu einem grossen Teil leben dort Eritreer sowie Personen aus dem Maghreb. Das zuständige Personal der Caritas habe den Betrieb in der Zivilschutzanlage oft vernachlässigt, moniert M. B. «Manchmal war einfach Laissez-Faire. Wir haben uns nicht selten um die Probleme von Bewohnerinnen und Bewohnern kümmern müssen, was nicht unsere Aufgabe war.» Die Zivilschützer seien mehrfach auf sich allein gestellt gewesen.  

«Sobald die Abendschicht der Caritas abrückte, wurde auch Marihuana geraucht.»

Tagsüber arbeiteten sechs bis sieben Caritas-Mitarbeiter vor Ort, einige Teilzeit und nur für ein paar Stunden. «Dass von der Caritas keine 24-Stunden-Betreuung möglich ist, verstehe ich. Aber nachtsüber zwischen 22 bis 8 Uhr wurde wiederholt das Notfall-Handy nicht beantwortet. Wir konnten niemanden alarmieren. Das finde ich erschreckend», berichtet M. B. Dabei habe es einige Vorfälle gegeben, bei denen dies nötig gewesen wäre.  

Weiter seien die Abendschichten von Caritas-Personal begleitet worden, das weder englisch noch französisch spricht. Und es sei trotz Verbot und Brandgefahr in der unterirdischen Anlage geraucht worden. Man habe das zwar gewusst, aber dennoch nichts unternommen, sagt M. B.: «Sobald die Abendschicht der Caritas abrückte, wurde auch Marihuana geraucht.»

Horror in der Küche

«Was mich am meisten beschäftigt, ist, dass gespendete Lebensmittel vom Personal aussortiert wurden.» Begehrtere Artikel wurden vom Personal verzehrt oder nach Hause mitgenommen. Bei den Flüchtlingen landeten nur das Gemüse und die Dosenware. «Ich fand das vollkommen daneben.» 

In der Gemeinschaftsküche war es dauernd dreckig. «Zwei Wochen lang herrschten miserable hygienische Zustände in der Küche. Das war Horror.» Die Herdplatte war verkrustet, ein Abfluss verstopft und an den Wänden hingen Spaghetti. «Aufräumen mit den Bewohnern wäre doch kein Problem gewesen. Die sind hilfsbereit. Sie sind es sich nur nicht gewohnt und man muss es ihnen halt einfach sagen», meint M. B.

Bild von M.B.

Das Caritas-Personal sei aber vielfach mit sich selber beschäftigt gewesen, statt sich um die Bedürfnisse der Bewohner zu kümmern. «In der Abendschicht wurden am Computer die Stellenportale gecheckt und Bewerbungen ausgedruckt. Manchmal war das Büro einfach abgeschlossen. Wir hatten das Gefühl, die sind alle auf Jobsuche.»

Dieselben Vorwürfe wie M. B. bestätigt ein anderer Zivilschützer, der in der Notunterkunft Eichhof im Dienst war. «Vor allem ein Mitarbeiter ist mir besonders aufgefallen.» Schlussendlich tun ihm die Bewohner leid: «Ich finde die Unterkunft ohne Tageslicht schon krass genug. Und wenn dann noch Abflüsse verstopft sind und die Küche verdreckt sind, ist das einfach zu viel.» 

Caritas: Vorwürfe «nicht nachvollziehbar»

Was läuft da schief in der Notunterkunft Eichhof? Vor Ort erklärt der zuständige Betriebsleiter, er habe von solchen Vorwürfen noch nie etwas gehört. Ein Blick in die Räumlichkeiten sei allerdings nur mit Voranmeldung möglich. Wir sollen uns mit den Vorwürfen an Urs Odermatt, Kommunikationschef der Caritas, wenden. Dieser sagt, es könne sich auch um «Fehlinterpretationen» handeln. Zu den einzelnen Punkten äussert er sich wie folgt:

Laut Odermatt ist die Caritas nur von 8.00 bis 22.00 Uhr vor Ort. In der übrigen Zeit habe der Zivilschutz die Aufsicht. «Dies ist ein Entscheid des Kantons. Der Zivilschutz hat den Auftrag, bei Gefahr oder Gewalt die Polizei zu informieren.

Dass sich unter der Notfall-Nummer niemand meldete, sei für Odermatt nicht nachvollziehbar. «Es kann sein, dass nicht die richtige Nummer gewählt wurde.» Weiter spreche das Personal der Caritas mindestens eine Fremdsprache. Das Personal sei in der Präsenzzeit immer ansprechbar. Es gelte aber auch, administrative Aufgaben zu erledigen.

Der Zivilschutz sei nachts zuständig für die Durchsetzung des Rauchverbots. «Wenn wir keine Rückmeldungen bekommen, können wir auch nicht sanktionieren», sagt Odermatt.

Und was passiert mit den gespendeten Lebensmitteln? «Alle Lebensmittel der Luzerner Tafel werden sofort unter die Asylsuchenden verteilt. Die Verteilung erfolgt immer in Begleitung eines internen Asylsuchenden.»

Zudem werde die Küche laut Odermatt jeden Tag ein bis zwei Mal intensiv gereinigt. «Wenn aber 50 Leute eine Küche teilen müssen, ist sie schnell wieder schmutzig.»

Die Caritas-Mitarbeitenden hätte gemäss Odermatt kein Interesse an einem Laissez-faire-Betrieb. «Das Personal ist sehr motiviert, die Asylsuchenden in der schwierigen Unterbringungssituation zu unterstützen und ihnen zu helfen.» Der Austausch mit der Nachbarschaft und die Zusammenarbeit mit der Polizei, dem Zivilschutz, den Gemeinden und Kanton würden sehr gut laufen. «Alle attestieren uns eine gute Führung und gute Verhältnisse.»

Noch keine Beobachtungen gemeldet

Aussage gegen Aussage? Fehlinterpretationen? Der Zivilschützer M. B. ist von den Erklärungen der Caritas wenig überzeugt. Er meint, die Leitung der Caritas habe keine Ahnung von den Zuständen vor Ort oder vom Verhalten einzelner Mitarbeiter. «Nur schon der Dreck in der Küche. Sorry, aber das kann unmöglich nur von einem Tag sein.» Und eine Handy-Nummer einzustellen sei nicht so schwierig. «Wir hatten einen Notfall und niemand ging ran.»

Beim Sozialdepartement des Kantons seien noch keine solchen Beobachtungen gemeldet worden. «Wir werden den Sachverhalt abklären», sagt die Kommunikationsleiterin Silvia Bolliger. 

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1 Kommentare
  1. Ines G. Biss, 13.11.2015, 22:43 Uhr

    Falls die Fotos ohne Legende an Ort aufgenommen wurden, würden sie die Aussage der Caritas («jeden Tag ein bis zwei Mal intensiv gereinigt») stützen. Die Seiten sind recht sauber. Und für den Rest brauchen mehrere Leute weniger als einen Tag. Könnte experimentell überprüft werden.

    Die Caritas ist nur noch bis Ende Jahr zuständig (oder hat sich der Kanton umbesonnen?). Dass da Arbeitende auf Stellensuche sind, ist anzunehmen. Hat M. B. das nicht gewusst?

    «Sobald die Abendschicht der Caritas abrückte, wurde auch Marihuana geraucht.» In der Zeit ist laut Caritas (lässt sich leicht überprüfen) der Zivilschutz zuständig – ev. auch M. B.

    Weitere Bemerkungen bei Bedarf später.