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Deshalb verdient der Luzerner Schweinebauer Walter die beste Liebe
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Kann anpacken, aber auch streicheln: Bauer Walter Birrer mit einem seiner Glücksschweine. (Bild: hae)

Walter Birrer ist ein «Bauer, ledig, sucht ...» Deshalb verdient der Luzerner Schweinebauer Walter die beste Liebe

8 min Lesezeit 21.09.2017, 16:33 Uhr

Der schüchterne Luzerner Walter Birrer zieht rein in die neue Staffel von «Bauer, ledig, sucht …». Mit einem Jungsäuli bezirzte er seine Hofdame Jeannette. Trotz des gemeinsamen Glücks muss Schweinchen Theodor sein Leben lassen und wird derzeit als Wurst verzehrt. Weil Liebe eben doch durch den Magen geht.

Hofdamen und Traktoren! Säuli und Chueli! Heu und Gloria! Vorhang auf zum Fernsehformat, das die kleinen Helden des Alltags liebt. Und sie nicht wie halbnackte Wilde und totaltätowierte Zivilisationsgeschädigte aufeinander losgehen und Säfte austauschen lässt, und sie dann zum Gefallen des Publikums in fiese Intrigen lockt. Nein, die Sendung «Bauer, ledig, sucht …» hilft den in den Provinzen tapfer Anpackenden beim ältesten Spiel der Menschheit sanft ein bisschen auf die Sprünge. Das Spiel heisst: Mann sucht Frau.

Grosses Herz: So empfing Walter seine Jeannette auf dem Hof.

Grosses Herz: So empfing Walter seine Jeannette auf dem Hof.

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(Bild: hae)

Besonders rührt derzeit das Schicksal von Walter Birrer, 47, aus 6133 Hergiswil bei Willisau, 1799 Einwohner. Er ist Sohn der schlanken und grossherzigen Hermine, 81, die ihm während unseres Besuches kaum von der Seite weicht. Walter sitzt morgens am Küchentisch, Hermine serviert Znüni, im Eck bullert der Holzofen, während zwei der – wie vielen? «Öppe es Dotzed» – Katzen im Körbchen auf der Bank schnurrend schlummern.

«Sie mag Tiere und Volksmusik, sie passt zu mir, und sie ist eine Gäbige.»

Bauer Walter Birrer

Der TV-Bauer schlummert schon lange nicht mehr, er ist hellwach seit fünf Uhr, die zehn Kühe sind gemolken und bimmeln auf der Weide. Er hat sich auf den Journalisten gefreut, wie damals auf die TV-Equipe. Walter hat sich «gsonntiget»: seine neuen Jeans montiert und den Pulli im Krapfenmuster.

Objekt der Begierde: Jeannette aus Stans, die gerne arbeitet und auch mal tanzt.

Objekt der Begierde: Jeannette aus Stans, die gerne arbeitet und auch mal tanzt.

(Bild: zvg)

Walter erzählt: «Es ist eine gute Sendung, für manchen ledigen Bauern eine Chance. Auch für mich. Denn wer weiss, ob ich sonst die liebe Jeannette kennen gelernt hätte.» Er strahlt. Und charakterisiert seine neue Liebste: «Sie mag Tiere und Volksmusik, sie passt zu mir, und sie ist eine Gäbige.»

Endstation Sehnsucht

Doch Jeannette ist weit weg, im fernen Stans. Wo sie im Länderpark als Verkäuferin in der Zivilisation von Plastik und Kommerz arbeitet. Nah ist Walter der wilde Napf, und dies ist eine andere Welt: Hier gibt es keinen Handyempfang, eine Stunde von der Stadt entfernt hält die Postautolinie 272 an der Endstation Hübeli.

Natur pur: Hier in Hergiswil bei Willisau haben die Rinder noch Hörner.

Natur pur: Hier in Hergiswil bei Willisau haben die Rinder noch Hörner.

(Bild: hae)

Der Hof in der Sagenmatt duckt sich oben an den Hang, wo die Wiesen noch herrlich grün sind, die Rinder Hörner tragen und um 9.30 Uhr bereits Träsch ins Luzerner Kafi gekippt wird. 70-prozentig ist der Schnaps, der einer der Fernsehfrauen beim Ex-Trinken fast den Hals verbrannte. Hier, bei den Bauern, da herrschen raue Sitten. Zum Znüni gibt’s würzige Würste aus einem Schweinchen, das vor nicht so langer Zeit noch geknuddelt wurde.

Es ist die Endstation Sehnsucht. 

Und es ist die Geschichte eines Bauern, der fast 30 Jahre in der grossen Verpackungsfabrik Folag bei Sempach arbeitete. Tagtäglich hat er frühmorgens jeweils noch schnell nach den Kühen geschaut, die 50 Säuli gefüttert, den Eltern tschüss gesagt und neun Stunden in der Fabrik gestanzt.

Tag für Tag. Bis an jenem 24. September 2015 die ganze Belegschaft in die grosse Halle gerufen wurde. «Proppere Männer mit schönen Krawatten» verkündeten den Konkurs. Knapp vor seinem grossen Jubiläum mit zwei zusätzlichen Monatslöhnen und zwei Wochen Extraferien stand Walter Birrer plötzlich auf der Strasse. Einsam und allein. Mit 145 anderen Entlassenen.

Einmal im Leben ins Ausland reicht

A propos Ferien: Nur einmal in seinen 47 Jahren war er im Ausland: London, drei Tage, es war ein Wettbewerbsgewinn der Dorfmetzgerei. «Royal Eagle», königlicher Adler, hiess das Hotel, das ist ihm geblieben. Doch Walter Birrer hob in England nicht ab: Er hat zwar die Brücken bewundert und ist Doppeldecker gefahren. Aber vor allem hat er schlecht gegessen. «Ganz schlecht! Ich kam gerne wieder heim.»

Manchmal ist auch zu Hause ganz schlecht, wie damals nach dem Folag-Debakel. Da war Walter hilflos. Im RAV hatte man kein Ohr für ihn, ein Job in Zürich und die Arbeitslosen-Kurse in Sempach waren ihm zu weit. Er winkte ab.

Stolz: Kleinfamilie Birrer mit Hund Miro vor dem Oldtimertraktor, Jahrgang 1946.

Stolz: Kleinfamilie Birrer mit Hund Miro vor dem Oldtimertraktor, Jahrgang 1946.

(Bild: hae)

Die zig Tausend Franken, so viele wie ein Tag Stunden hat, strich er sich ans Bein. «Man hat ja ein Rückgrat.» Und wer ein rechter Bauer ist, der kann wegstecken. Ach, dann lieber wieder mit der Mutter auf dem Bauernhof nach dem Rechten schauen, da ja zur fast gleichen Zeit auch noch der Vater gestorben war. Am Herz.

Kein Glück mit Frau Nummer eins

Ums Herz tat es auch Walter weh, weil er in einer zwei Jahre dauernden Beziehung mit einer Beatrice sein Glück nicht fand. Obwohl sie auch eine Bäuerin war, gar mit eigenem Hof. «Aber die Liebe passt eben nicht immer.» Obendrein hatten die kleinen Milchbauern des Tales auch noch den Kampf um die Milchsammelstelle an ihrer Strasse verloren, nach manch bitterem Streit – und die Grossbauern lachten sie aus. So landeten die geschlagenen Kleinbauern im Restaurant «Alpenrösli», gaben sich im Frust die Kante, bis die Stube gegen Morgen kalt wurde.

Der Erste der geselligen Runde brach auf und sagte: «Ich friere. Gehe jetzt heim zu meiner Frau, die gibt mir warm.» Da seufzte Walter. Und antwortete: «Du hast es aber schön.» Der Freund klopfte ihm auf die Schulter: «Wart’s ab!»

Und bald ging die Sonne auf für Walter. Ein Fernsehmann aus dem fernen Zürich rief ihn an, Walter sei doch ledig, oder? – Klar, er würde gerne bei «Bauer, ledig, sucht …» mitmachen, antwortet der Bauer, die Sendung schaue er immer. Vor dem TV-Apparat freue er sich mit seinen Freunden beim Bier – und manchmal habe er auch Mitleid ob des gezeigten Liebespechs. Aber er, der Walter Birrer, wolle sein Glück gerne versuchen. Doch, doch.

«Walter ist charmant, galant und absolut liebenswürdig. Seine Geheimwaffe läuft auf vier Beinen.»

Moderator Marco Fritsche

Da steht er, frisch rasiert, streichelt ein Jungsäuli. Ein herzensguter Mann, der auch deftig anpacken kann. Er macht vieles in der TV-Sendung richtig, und seine Augen leuchten, wenn er mit roten Bäcklein von den Ausflügen mit Jeannette erzählt. Zweimal waren sie auf dem Napf grillieren, einmal in Trubschachen mit Freunden, das Highlight war ein Besuch in der Guetslifabrik Kambly. Und sein Glück dauert an, auch wenn Jeannette in Stans wohnen bleibt.

Marco Fritsche umgarnt Mutter Hermine

Das sechsköpfigen TV-Team drehte an fünf Tagen im Januar, April und Mai auf Walters Hof. Derzeit läuft die 13. Staffel von «Bauer, ledig, sucht …», wieder mit grossem Erfolg. Marco Fritsche, der hip tätowierte Moderator, war gerne bei den Birrers, wo er Mutter Hermine umgarnte und ihr auch Autogrammkarten für ihre Freundinnen überreichte.

Umgarnt: Mutter Hermine mit der Widmung des Fernsehmoderators Marco Fritsche.

Umgarnt: Mutter Hermine mit der Widmung des Fernsehmoderators Marco Fritsche.

(Bild: hae)

Fritsche sagt in der Sendung über den 47-jährigen Schweinebauern: «Walter ist charmant, galant und absolut liebenswürdig. Seine Geheimwaffe läuft auf vier Beinen.» Dann wirft er kess seine Augenbrauen in Positur und lässt seine bunten Arme im hochgekrempelten Sennenhemd kreisen: «Ein Vierbeiner mit Ringelschwänzli und rosa Schnäuzli!»

Er redet von Theodor, dem lustigen Ferkelchen, das das Liebesglück zwischen Jeannette und Walter besiegeln konnte. Immer wieder wird es am TV eingeblendet. Der Jööh-Effekt zieht. Und Walters Werben um die Hofdame geht unter die Haut. Auch Jeannette.

«Ich fühle mich wohl, sauwohl! Ja, für mich ist es wie ankommen!»

Hofdame Jeannette

Säuli Theodor ist beim Dreh fünf Wochen alt, so herzig. Als Walter es seiner Hofdame vorführt, nachdem er sie in seinem schmucken Traktor, einem Oldtimer mit Jahrgang 1946, heimgeholt hat, sagt sie: «Oha, Theodor.» Während sie herzlich lacht, fragt Walter sich: Ob sie wohl mit dem Gestank in der Sauschüür zu Schlag kommt? Diese Hürde nimmt die gestandene Frau im Stall locker: «Ich fühle mich wohl, sauwohl! Ja, für mich ist es wie ankommen!»

Doch ein Bauer mit Hof wie er, der braucht doch einen Erbfolger. Wie steht es da mit Kindern? Jeannette: «Haushalten ja – Hausmütterchen nein», denn sie hat schon zwei erwachsene Söhne, und überdies möchte sie auch weiterhin arbeiten. Im fernen Stans. Walter schluckt. Und akzeptiert.

Hemden glätten ist gefährlich

Und dann schluckt er gleich nochmals, denn sie ruft ihn nun ihrerseits zum Test: Fenster putzen. Walter schüttelt ungläubig den Kopf. Naja, da sei er noch lernfähig. Was er auch beweist. «Aber Hemden glätten, das ist dann schon etwas gefährlich …»

Knackig: Schweinchen Theodor wird einverleibt – Liebe geht durch den Magen.

Knackig: Schweinchen Theodor wird einverleibt – Liebe geht durch den Magen.

(Bild: hae)

Gefährlich ist bekanntermassen auch die Liebe, das weiss Walter aus früheren Fernsehstaffeln. Mit dem jungen Christian hat er Verbarmen, weil sein Gegenüber unschicklich zickt. Am alten Sepp gefällt ihm sehr, dass dieser offen auf seine Hofdame zugeht, sie packt, mit ihr Händchen hält und sie gerne herzt.

Das Herzen gelingt Walter auch immer wieder. Und auch wenn es Liebe auf den ersten Blick ist: Die erste Nacht mit Jeannette erlebt er sehr nervös – auch wenn nur Tür an Tür.

«Ich möchte aber einfach keine Luxusfrau.»

Bauer Walter Birrer

Manchmal ist Walter noch etwas zaghaft. Aber Jeannette gefällt ihm schon sehr. Doch, doch. Und Mutter Hermine sagt am Küchentisch: «Jeannette ist ganz ein Liebes. Ich habe Freude, wenn sie hier ist. Und freu mich für Walter, wenn es was bleibt.»

Und Walter? Er gesteht schon ein, dass er eher ein altmodischer Mann mit traditionellen Werten ist. «Ich möchte aber einfach keine Luxusfrau.» Der Bauer aus Hergiswil bei Willisau ist nach langsamem Abtasten zwar durchaus bereit für Veränderungen. Und Jeannette will ja gerne mal tanzen, zur Not gehe er da schon mal mit.

Auf diesen Tanz wartet Jeannette aber bis heute noch.

«Bauer, ledig, sucht …» läuft donnerstags ab 20.15 Uhr auf «3+» in der 13. Staffel. Die Sendung wird am Sonntagabend jeweils wiederholt.

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