Deshalb gehen Luzerner immer seltener zum Corona-Test
  • Gesellschaft
Im Kantonsspital Luzern werden die Testkapazitäten ausgebaut – Testzentren hingegen werden teils geschlossen. (Bild: ber)

Testzentren schliessen vorläufig Deshalb gehen Luzerner immer seltener zum Corona-Test

3 min Lesezeit 6 Kommentare 28.01.2021, 12:39 Uhr

Die Nachfrage nach Corona-Tests in den kantonalen «Drive-In»-Testzentren des Kantons Luzern ist eingebrochen. Für den stellvertretenden Kantonsarzt ist das ein Zeichen dafür, dass die Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie Wirkung zeigen. Der Betrieb der Testzentren in Nottwil und Entlebuch wird vorläufig eingestellt.

«Die Nachfrage nach Tests ist generell zurückgegangen», sagt der stellvertretende Kantonsarzt Christos Pouskoulas auf Anfrage von zentralplus. Dies sei auch in anderen Kantonen feststellbar. Die Frage ist: Wird weniger getestet – oder weist die sinkende Nachfrage auf einen Rückgang der Fallzahlen hin?

Pouskoulas ist überzeugt, dass die ergriffenen Massnahmen nun Wirkung zeigen. «Die sinkende Positivitätsrate interpretieren wir so, dass die Fallzahlen zurückgehen.»

Seit Jahresbeginn wird vor allem in den Luzerner «Drive-Ins» ein stetiger Rückgang der Nachfrage nach Tests verzeichnet. So wurden beispielsweise zwischen dem 11. und dem 17. Januar im Testzentrum Entlebuch gerade mal knapp 20 Tests pro Tag durchgeführt. Beim «Drive-In» in Nottwil waren es durchschnittlich 30 Tests und am Standort Luzern rund 60 Covid-Tests pro Tag.

Infrastruktur wird (noch) nicht zurückgebaut

Während sich in der Weihnachtswoche rund 1’700 Personen in einem kantonalen «Drive-In» einem Covid-19-Test unterzogen haben, waren es in jener Woche knapp 550 Personen. Aufgrund dieser geringeren Auslastung hat das Gesundheits- und Sozialdepartement beschlossen, den Betrieb in den beiden Testzentren Entlebuch und Nottwil per Anfang Februar 2021 vorläufig einzustellen.

Wer sich testen lassen will, kann dies – nach einer vorgängigen Anmeldung – noch bis und mit 29. Januar 2021 tun. Die Infrastruktur wird an beiden Standorten nicht rückgebaut, so dass bei einer Zunahme der Nachfrage der Betrieb jederzeit und schnell wieder aufgenommen werden kann.

Das kantonale Testzentrum in Luzern bleibt weiterhin offen, wie der Kanton weiter mitteilt. Dies jeweils Montag bis Freitag von 13.00 bis 17.00 Uhr. Das Anmeldeformular findest du hier.
 
Immer noch hoch ist die Nachfrage nach Covid-19-Tests im Luzerner Kantonsspital (Luks). Aufgrund der Sistierung des Betriebs der beiden «Drive-Ins» wird von einer Erhöhung der Anzahl Tests am Luks an den Standorten Wolhusen und Sursee ausgegangen. Deshalb wird das Personal dort verstärkt mit dem Personal aus den Drive-Ins.

«Insgesamt wird die Testkapazität nicht reduziert, sondern verlagert», sagt Pouskoulas. «Und zwar weil wir festgestellt haben, dass die Leute lieber ins Spital gehen, um sich testen zu lassen.

Widerspruch zur Teststrategie des Bundes?

Der Bund hat bisher die Kosten für die Tests nur übernommen, wenn ein Verdacht oder Symptome vorlagen. Am Mittwoch entschied der Bundesrat allerdings, dass die Kantone neu auch präventive Tests an Schulen veranlassen können. Die Teststrategie wird angepasst, um die Pandemie effizienter bekämpfen zu können.

Es soll also mehr getestet werden. Ist es da ein Widerspruch, wenn der Kanton Luzern die Testzentren schliesst? Pouskoulas, der auch Leiter der Gesundheitsversorgung ist, verneint dies. «In den Drive-Ins haben wir nie Kinder getestet. Wenn man präventive Tests an Schulen durchführt, würden diese in den Schulhäusern erfolgen. Dieses Vorgehen hat sich bereits bei den Alters- und Pflegeheimen bewährt. Zudem bleibt die Infrastruktur in den Testzentren erhalten – wir können sie bei steigenden Fallzahlen also jederzeit wieder in Betrieb nehmen», so Pouskoulas.

Ob der Kanton Luzern Schülerinnen präventiv testen lassen will, ist noch nicht bekannt.

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6 Kommentare
  1. Roli Greter, 29.01.2021, 06:27 Uhr

    Paul Bründler hat verstanden worum.es geht; die Evidenz für die Schäden welche durch die Massnahmen entstehen ist gegeben. Die Evidenz für die Wirkung der Massnahmen fehlt.

  2. Paul Bründler, 28.01.2021, 13:04 Uhr

    Und warum jetzt „gehen Luzerner immer seltener zum Corona-Test“?
    (Übrigens vielen Dank, dass Sie auf das allgegenwärtige Herausheben der Tatsache, dass es zwei Geschlechter gibt verzichtet haben und einfach „Luzerner“ schreiben. Das rechne ich Ihnen hoch an!).
    Aber die Logik der Antwort auf die Einstiegsfrage ist mir nicht ganz klar. Es gehen also weniger zum Test, weil die Fallzahlen sinken?
    Vielleicht sinken ja auch die Fallzahlen, weil die Leute genug haben von der Panik und deshalb nicht mehr zum Test gehen? OK. die „Positivitätsrate“ gibt es auch noch, aber tendenziell könnte es doch auch so sein? Irgendwann wird man Panikmüde.

    1. Redaktion Lena Berger, 28.01.2021, 13:34 Uhr

      Vielen Dank für den Kommentar und die Nachfrage. Es stimmt, es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder die Leute sind testmüde oder es gibt weniger Fälle von Symptomen und Verdachtsfällen und es wird deswegen weniger getestet. Der Kanton Luzern geht davon aus, dass letzteres der Fall ist. Aus der sinkenden Positivitätsrate schliesst der stellvertretende Kantonsarzt, dass die Verbreitung des Coronavirus abnimmt. Er führt dies darauf zurück, dass die ergriffenen Massnahmen langsam Wirkung zeigen. Insofern könnte die Tatsache, dass weniger getestet wird, durchaus auf eine positive Entwicklung hindeuten.

    2. Paul Bründler, 28.01.2021, 13:59 Uhr

      Danke für die Antwort Frau Berger.
      Das mit der sinkenden Positivitätsrate ist umso erstaunlicher, wenn man davon ausgeht, dass sich vor Weihnachten viele Gesunde haben testen lassen aus Angst, ihre älteren Verwandten anzustecken.
      Das müsste ja eigentlich zu einer sehr tiefen Positivitätsrate geführt haben.
      Das diese nun noch weiter sinkt ist schon interessant.
      Das das irgendwie mit den kürzlich ergriffenen Massnahmen zusammenhängt ist natürlich reinste Spekulation.
      Ich glaube, das hat mit den Lockdown überhaupt nichts zu tun, dafür gibt es einfach nicht genügend Evidenz (S.a. Stanford Studie).
      Unbestritten ist jedoch der gesellschaftliche und wirtschaftliche Schaden von Lockdowns.
      Es wäre an den Medien, Schaden und Nutzen der Massnahmen unideologisch gegenüberzustellen und zwar jeden Tag, genau in der Kadenz, wie die anderen Kenn- und Fallzahlen.

    3. Redaktion Lena Berger, 28.01.2021, 15:26 Uhr

      Ich finde es eine spannende Idee, Nutzen und Schaden gegenüberzustellen. Nur: An welchen Kennzahlen sollte man das festmachen? Sie selber bezeichnen es ja als reine Spekulation, dass der Rückgang der Fallzahlen auf die Massnahmen zurückzuführen ist. Also sind die Fallzahlen aus Ihrer Sicht wohl kein Indikator für den Nutzen der Massnahmen. So gesehen stelle ich es mir schwierig vor, eine „unideologische“ Gegenüberstellung zu machen.

    4. Paul Bründler, 28.01.2021, 16:54 Uhr

      Danke Frau Berger.
      Der Witz dabei ist, dass der Nutzen rein spekulativ, aber der Schaden sicher und theoretisch sogar berechenbar ist.
      Oder anders gesagt: Wir sind sicher, dass die Massnhamen einen immensen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schaden mit sich bringen, aber wir wissen nicht, ob sie etwas nützen und wenn ja, auf welcher Skala?
      Die einzige halbwegs vernünftige Messeinheit sind die geretteten Lebensjahre und da sieht es eher nicht so dramatisch aus, wenn die Coronaopfer im Bereich der normalen Lebenserwartung liegen.
      Also warum tun wir das? Wenn man etwas weiter denkt, müsste dass doch selbst wohlmeinenden Menschen ein Rätsel sein. Verstehen Sie?
      Klar gibt es wohl andere Betrachtungsebenen, siehe Klaus Schwab, aber wenn ich das erwähnen würde, bekäme ich den „Verschwörungstheoretiker“ angehängt. 😉

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