Der zwölfte Luzerner «Tatort»: Jetzt wird’s persönlich
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Schon bald ist dieses Kommissareteam Geschichte: Stefan Gubser, Regisseur Walter Weber und Delia Mayer (v.l.). (Bild: SRF/ Daniel Winkler)

Neuer Gubser-Krimi «Zwei Leben» Der zwölfte Luzerner «Tatort»: Jetzt wird’s persönlich

3 min Lesezeit 04.09.2017, 15:30 Uhr

Langsam schliesst sich das Sommerloch und auch im Fernsehen wird es wieder spannend: Der nächste Schweizer «Tatort» steht an. Schon bald ermitteln Gubser und Ritschard bei einem rätselhaften Suizid in Luzern.

Jeder Pendler kennt die Durchsage: «Wegen eines Personenunfalls muss mit Verspätungen gerechnet werden.» Und nur wenige der verspäteten Fahrgäste werden in dem Moment an die Person denken, welche ganz vorne im Zug sitzt und im schlimmsten Fall alles ganz genau mitbekommt – und das meist mehrfach in seiner beruflichen Laufbahn. Ein Lokführer überfährt in seiner Karriere im Schnitt drei Menschen. 

Jeden zweiten Tag wirft sich in der Schweiz ein Mensch vor den Zug. Aus Angst vor Nachahmungstätern wird das jedoch selten thematisiert. Nicht so im neusten «Tatort» aus Luzern. Der tragischen Rolle und dem traumatischen Erleben der Lokführer wird hier Raum gegeben.

Geübtes Team

Für den zwölften Schweizer «Tatort» wurde der Krimi- und Tatort-erprobte Schweizer Regisseur Walter Weber engagiert. Die Autoren von «Zwei Leben» sind Felix Benesch und Mats Frey, Letzterer führt auch auch beim «Bestatter» die Feder.

Neben Delia Mayer und Stefan Gubser stehen auch diesmal Fabienne Hadorn und Jean-Pierre Cornu vor der Kamera. Weitere Episodenrollen sind unter anderem mit Michael Neuenschwander, Saskia Vester, Stephanie Japp und Roland Bonjour besetzt.

Zweifelhafter Suizid

Zur Geschichte: Der Fernbuschauffeur Beni Gisler sieht einen Mann von der Brücke springen, kann aber nichts mehr machen. Der Körper knallt gegen die Windschutzscheibe und wird weggeschleudert. Der vermeintliche Selbstmord weckt beim Buschauffeur – einem ehemaligen Lokführer – traumatische Erinnerungen an Schienensuizide.

Lob und Tadel

Auch beim nächsten Luzerner «Tatort» wird zentralplus wieder aufmerksam vor der Flimmerkiste sitzen.

Bei der neuen Folge «Zwei Leben»  am 17. September 2017 werden wir nicht mit Kritik geizen. Und selbstverständlich fassen wir auch das schlagfertige, witzige und manchmal auch recht fiese «Twittergewitter» zusammen.

Bald gibt es allerdings nicht nur Gründe, die Identität des vermeintlichen Suizidopfers anzuzweifeln, es stellt sich zudem heraus, dass der Tote eine hohe Dosis Benzodiazepin im Blut hatte. Unter diesen Umständen hätte er sich unmöglich alleine von der Brücke stürzen können. Kommissar Flückiger und Kollegin Ritschard beginnen zu ermitteln.

Die wahre Identität des Opfers zu klären, erweist sich jedoch als erste Herausforderung. Eine Spur führt in die Bauwirtschaft. Ein längst verstorbener Patron zeigt eine grosse Ähnlichkeit mit dem Opfer. Was hat seine Familie zu verbergen?

Mehr Opfer als Tote

Während den Ermittlungen hadert Flückiger mit dem persönlichen Bezug zum Fall. Das Schicksal seines Militär-Kameraden Gisler lässt ihn nicht los. Der ehemalige Lokführer kämpft mit schweren Belastungsstörungen und aggressiven Ausbrüchen. Er schwört, den Täter persönlich zur Rechenschaft zu ziehen.

Die Hauptdarstellerin Delia Mayer versteht, dass die Emotionen bei Lokführern nach solchen Erlebnissen überkochen können: «Er ist in einem anderen Sinne auch Opfer von Gewalt. Gewalt, die ein Mensch gegen sich selbst richtet.»

«Es muss ein absoluter Albtraum sein, der einen das ganze Leben nicht mehr loslässt», betont Schauspielkollege Stefan Gubser und gibt zu: «Mich machen solche Taten auch fast ein wenig wütend, trotz allem Verständnis für die Not dieser Menschen.»

«Tatort – Zwei Leben» erzählt neben dem Mordfall aber auch davon, dass sich in jedem Moment die Chance ergeben könnte, nochmals neu anzufangen. Ob das jedoch stets eine gute Idee ist, bezweifelt Delia Mayer: «Meine Grossmutter hat immer gesagt, wenn Menschen ihr Leben in einen Rucksack packen, bei der Garderobe abgeben könnten und danach einen anderen Rucksack mitnehmen dürften, würden alle spätestens nach einem Monat ihren eigenen zurückhaben wollen …»

Hilfe und Beratung

Menschen, die unter Depressionen leiden und Suizidgedanken haben, finden bei der Dargebotenen Hand online (anonyme Beratung via Mail oder schneller Kontakt im Einzelchat) oder telefonisch unter der kostenlosen Nummer 143 rund um die Uhr Hilfe. Jeder Anruf ist anonym und kostenlos.

Direkte Anlaufstellen sind zudem Hausärzte sowie auf Suizidalität spezialisierte Ambulanzen in psychiatrischen Kliniken. Eine Übersicht über eine Vielzahl von Beratungsangeboten für Menschen mit Suizidgedanken gibt es etwa auf der Website zur Prävention von Suizid in der Schweiz.

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