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Der zweite Stock in der Mall of Switzerland leert sich
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Heruntergelassene Storen sind im zweiten Stock der Mall of Switzerland keine Seltenheit. Es herrscht tote Hose. (Bild: les)

Centerleiter Peter Triner: «Es braucht Geduld» Der zweite Stock in der Mall of Switzerland leert sich

4 min Lesezeit 5 Kommentare 30.10.2019, 05:01 Uhr

Am 8. November feiert die Mall of Switzerland ihren zweiten Geburtstag. Doch wie geht’s dem Einkaufscenter in Ebikon eigentlich? Mehrfach hat zentralplus in den letzten Wochen die Mall of Switzerland besucht. Das Fazit ist ernüchternd, aber es gibt Lichtblicke.

Im dritten Stock der Mall hat es noch Leerflächen. Diese Aussage war bei der Eröffnung vor zwei Jahren aktuell – und sie ist es heute noch. Doch in den letzten Wochen hat sich das Problem mit den Leerflächen verschärft. Auch im zweiten Stock reihen sich in einem der beiden Flügel leere Geschäfte aneinander. Ein Optikergeschäft ist Geschichte, ein italienisches Modehaus ebenso und auch der Pop-up-Store von Nespresso ist nicht mehr. Ganze 14 Lokale stehen im zweiten Stock mittlerweile leer.

Verträge mit Pop-up-Stores liefen aus

Laut Centerleiter Peter Triner sind die Veränderungen sehr kurzfristig: «Das ist einerseits eine Folge der generell höheren Volatilität bei der Vermietung von Einzelhandelsflächen, welche man in der ganzen Schweiz feststellt, andererseits fallen bei der Mall natürlich auch die zahlreichen kleineren Pop-up-Stores ins Gewicht, welche ja per se immer befristete Verträge haben und bei denen der kontinuierliche Wechsel Teil des Konzepts ist.»

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«Durch den generellen Umbruch im Einzelhandel ist die Aufgabe anspruchsvoller geworden.»

Peter Triner, Centerleiter Mall of Switzerland

So seien aktuell mehrere Verträge ausgelaufen. Peter Triner hat jedoch auch eine Erfolgsmeldung zu verzeichnen. «Im Frühjahr 2020 eröffnet Petfriends auf 560 Quadratmetern einen Store mit einer grossen Auswahl an Tiernahrung und Tierbedarf.»

Die Mall of Switzerland hat mit Mieterschwund zu kämpfen.

Gemäss Triner liegt der Vermietungsstand derzeit bei 84 Prozent. Das Freizeitgebäude mit Kino, Fitness, Wellness, Surfwelle und zwei Restaurants ist zu 100 Prozent vermietet.

Das Suchen von neuen Mietern, die in das Gesamtangebot passen, sei für die Centerleitung der Mall eine ständige Aufgabe. Triner gibt zu, dass dies nicht ganz einfach sei. «Durch den generellen Umbruch im Einzelhandel ist die Aufgabe der Vermieter in den letzten Jahren sicher eher anspruchsvoller geworden.»

Ursprüngliches Ziel erneut verfehlt

Es gäbe anhaltendes Interesse von Schweizer und ausländischen Anbietern. «Aber die Vertragsverhandlungen sind heute viel zeitaufwändiger als früher und die Marktstrukturen und Entscheidungswege wesentlich komplexer», so Triner. Statt einzelner Ladengeschäfte seien die Partner heute vielfach Unternehmensgruppen mit ganzen Markenportfolios. Diese würden ein Engagement im Kontext von Einkaufsdestinationen oder Innenstadtlagen und Dörfern sorgfältig planen.

Lenkt ab Januar 2019 die Geschicke des zweitgrössten Shoppingcenters der Schweiz: Peter Triner.

Er erhalte auch die Rückmeldung, dass man noch zuwarte, bis sich die Mall in den Einkaufsgewohnheiten der Konsumenten im Einzugsgebiet etabliert habe. Von Resignation ist bei Triner nichts zu spüren. «Die kontinuierlich steigenden Besucherfrequenzen der letzten neun Monate stimmen uns zuversichtlich. Wenn der Trend anhält, rechnen wir mit 4,2 Millionen Besuchern bis Ende Jahr.» Bei der Eröffnung setzte sich die Centerleitung eine Besucherzahl im ersten Jahr von 4,5 Millionen zum Ziel. Im ersten Jahr besuchten 3,9 Millionen Kunden die Mall (zentralplus berichtete).

Triner: «Wir stellen einfach fest, es braucht Geduld.» Grundsätzlich funktioniere die Mall aber gut. «Was wir derzeit erleben, ist eine gewisse Bereinigung innerhalb des Angebotsmixes. Vielen Läden läuft es sehr gut, andere Angebote haben hier noch nicht ihr Zielpublikum gefunden», so Triners Fazit.

Welcher Stock hat Priorität?

Ob erst der zweite Stock wieder- oder der dritte neubelebt wird, lässt sich nur schwer sagen. Im dritten Stock sind noch keine Trennwände zwischen den Läden eingebaut. Es hätte also Platz für Mieter mit grossem Platzbedarf, wie zum Beispiel ein Möbelhaus. Im zweiten Stock sind die Ladenflächen einiges kleiner.

Im zweiten Stock der Mall of Switzerland stehen zahlreiche Shops leer.

Die Centerleitung lässt durchblicken, dass man im zweiten Stock am liebsten wieder eine Reihe von Läden mit einer ähnlichen Zielgruppe, ein sogenanntes Cluster, ansiedeln möchte. Wenn die Nachfrage da ist, sind sogar auch Zusammenlegungen einzelner Flächen denkbar, was es ermöglicht, auf unterschiedliche Bedürfnisse zu reagieren. Wie zentralplus weiss, haben hier auch Gespräche mit Luzerner Uhrenläden stattgefunden. Eine Lösung hat sich aber noch nicht ergeben.

Migros ist mit Geschäftsverlauf zufrieden

Das triste Bild im zweiten Stock lässt sich also zu einem gewissen Mass erklären. So bündelt die Centerleitung bewusst die leeren Flächen, damit sich in anderen Regionen des Einkaufstempels keine leeren Läden zwischen den florierenden befinden.

Denn es gibt durchaus Shops, die Kunden anziehen. zentralplus sind Migros, Müller, Bershka und auch H&M positiv aufgefallen. Eine Sprecherin der Migros bestätigt dieses Bild: «Wir sind auch in diesem Jahr mit der Entwicklung unserer Formate in der Mall of Switzerland zufrieden.» Sie erwähnt insbesondere den MMM-Supermarkt. Auch das Trainingscenter verzeichne steigende Mitgliederzahlen.

Der Samstag läuft am besten

Bezüglich der Anzahl der Mall-Kunden hat zentralplus bei seinen Besuchen festgestellt, dass der Samstag – wie in den meisten Einkaufscentern – am besten funktioniert. Spärlich ist der Besucheraufmarsch unter der Woche, im Abendverkauf am Donnerstag lief praktisch nichts.

Bald feiert die Mall ihren zweiten Geburtstag. Das grösste Geschenk erhält sie jedoch am 15. Dezember. Mit dem Fahrplanwechsel fährt der 1er-Bus künftig bis zum Einkaufstempel. Damit wird die Mall von der Stadt Luzern im 7,5-Minuten-Takt erreichbar sein. Davon erhofft man sich im Einkaufszentrum viel.

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5 Kommentare
  1. kim, 30.10.2019, 21:32 Uhr

    Holt euch Brandy Melville und/oder urban outfitters und einen veganen Supermarkt, dann rennt man euch die Bude ein.

  2. Kasimir Pfyffer, 30.10.2019, 16:14 Uhr

    Diese Durchhalteparolen sind lächerlich. Die Mall ist längst zu einer Zenmeister-Schule für Verkaufspersonal geworden: Finde dich ab mit der Leere deines Ladens und mit der Absenz deiner Kundschaft. Aus dem Nichts kamen die Malls und im Nichts werden sie enden. Ommmmmm.

  3. André Dörflinger, 30.10.2019, 15:47 Uhr

    Man muss auch sehen, welches das Zielpublikum ist ! Für mich, Schweizer Rentner, ist die Mall keine Attraktion, sondern ein auf Business = UMSATZ getrimmter Konsumtempel, wo man von (Heer)Scharen Junger (ca. 60 % Schweizer) umgeben ist > wird. Nee, ohne Not geh’ ich nicht mehr dorthin. // Betreffend nur noch 2 Jahre Ueberleben, wie da ein Kommentator meint > ist natürlich Unsinn > die dahinter stehenden, petroexotischen Superkapitalisten haben einen unendlichen Finanz-Schnauf, um sich da keine Blösse zu geben > wie auch die MM wird nicht ausziehen. Wenn dann erst die Chinesen udgl. auf drei Seidenstrassen e n d lich bei uns eintreffen, ist die Mall endgültig ”über dem Berg”, so sehr, dass zwei weitere Stockwerke darüber gebaut werden müssen….

  4. Joseph de Mol, 30.10.2019, 09:12 Uhr

    Die Verantwortlichen dieses sich abzeichnenden Mall-Debakels haben wirklich in total grobfahrlässiger Manier gegen alle Zeichen der Zeit gehandelt. In den USA, dem Mutterland der Shopping-Malls zeichnet sich der Trend bereits seit ca. 20 Jahren ab, dass Malls mit schwindenen Besucherzahlen zu kämpfen haben. Ab den 00-Jahren kommt dann noch ein explosionsartig wachsender Online-Handel hinzu, welcher zu einer extremen Konsolidierung der Shopping-Malls weltweit geführt hat. Aber in Ebikon ist man offensichtlich komplett lernresistent und schlägt sämtliche warnenden Vorzeichen einfach in den Wind. In spätestens 24 Monaten werden bei der Mall of Switzerland die Tore für immer geschlossen. Und wir haben die nächste Mall-Ruine.

  5. Jörg, 30.10.2019, 08:08 Uhr

    Die Mall Ebikon ist falsch gebaut am falschen Ort. Wäre der Coop derjenige gewesen, wo gebaut und vermietet hätte, wäre es besser als der Pilatusmarkt. So aber gibt es kein Jumbo, kein Möbel Discount nichts. Mein Vorschlag wäre Loft Wohnungen daraus zu machen. In Littau gab es eine neue grosse Migros, aber auch daneben nur eine 1 M Migros, keine Metzg, alles abgepackt. Ich will meinen Braten aussuchen, ich bin Single, ich will mein Stück Käse und nicht abgepackte Ware, also gehe ich zu Coop nach Emmen oder ins Emmen Center, da schlägt mein Herz höher, Bachmann, Metzg, alles da und die Migros wundert sich über rückläufigen Umsatz. Nicht Online, sondern die Angebote der einzelne Märkte sind schuld, eine solche Migros in Littau, wo immer mehr gebaut wird, ist eine Fehlentscheidung,

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