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Der Zuger Park Tower wird zum Puff – und der Stadtrat links
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Nicht das einzige, doch beliebtes «Opfer» der diesjährigen Zuger Fasnachtszeitung «Feuerhorn»: Beat Villiger. (Bild: Feuerhorn 2019)

Die Höhepunkte des Fasnachtsblatts «Feuerhorn» Der Zuger Park Tower wird zum Puff – und der Stadtrat links

5 min Lesezeit 1 Kommentar 28.02.2019, 12:38 Uhr

Zur Zuger Fasnacht, die gerade mit Pauken und Trompeten begonnen hat, gehört auch das Satireheft «Feuerhorn». Wir haben uns das literarische Werk zu Gemüte geführt. Auch wenn kaum überraschen dürfte, welcher politische Akteur darin die Hauptrolle spielt.

Nicht nur Luzerner üben sich an der Fasnacht in Sachen Satire (zentralplus berichtete). Auch die Zuger führen mit dem «Feuerhorn» ein eigenes Organ, in dem jährlich Politiker und andere auffällige Akteure auf die Schippe genommen werden. Das Zusammentragen von farbigen Geschichten dürfte dieses Jahr ein Leichtes gewesen sein. Wir erinnern uns an die Causa Villiger, ausserdem stehen in Bern dieses Jahr Wahlen an.

Zeit, sich zwischen den angesäuselten Chesslete-Freunden und paukenschwingenden Guuggenmusikern ein Exemplar des Blattes zu organisieren. Und tatsächlich: Beat Villiger prangt müde auf der Front, auf seiner Schulter ein zensiertes Kind. Gespannt beginnen wir zu blättern.

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Ohne halbnackte Frau gehts offenbar nicht

Die Grenzen des guten Geschmacks werden auch heuer wieder ausgetestet, nämlich mit einer Karikatur von Vroni Straub im Ursula-Andress-Bikini. «Brutal untergegangen» sei Straub mit ihrem Slogan «Lust auf mehr» an den vergangenen Stadtpräsidialwahlen, darum macht die Redaktion aus dem «Mehr» ein «Meer» und verwandelt die Stadträtin in eine Badenixe. Naja.

Lustiger sind hingegen die Vorschläge, was aus dem «Top of Park Tower», der obersten Etage des Hochhauses denn statt eines öffentlichen Raumes werden könnte. Alternative Nutzungsmöglichkeiten: Ein Märlistübli, in dem Alt-Stadtrat Andreas Bossard Zuger Sagen erzählt. Ein Raucherstübli mit Gastgeber Kaspar Villiger. Ein Puff für Gutbetuchte mit Helikopterlandeplatz.

Finanzspritzen vom Verein strickender Mütter und der AfD?

Ihr Fett weg bekommen die Zuger Stadtpolitiker ausserdem bei der Frage, wer denn ihren Wahlkampf finanziere. So mutmasst die «Feuerhorn»-Redaktion ziemlich böse, dass SVP-Stadtrat André Wicki von der AfD-Parteizentrale Berlin und der Stiftung Christoph Blocher gesponsert werde. Dem Neo-Stapi Karl Kobelt unterstellt man die Finanzierung durch die einfache Gesellschaft der Zuger Parkhäuser sowie durchs Centro Español Zug.

Bei Vroni Straub griff die «Feuerhorn»-Redaktion in die Öko-Emanzo-Schublade mit folgenden mutmasslichen Unterstützern: Der Verein strickender Mütter und die IG für die Quotenfrau Bern. Urs Raschle, Vater eines fast dreijährigen Kindes, soll durch Pampers Switzerland und Zug Tourismus unterstützt werden, und der Stapi-Kandidat Rupan Sivaganesan soll von den Tamil Tigers und Doku-Zug gepusht worden sein.

Der obere Postplatz: «A total disaster»

Dolfi Müller, der sein Amt als Stapi kürzlich an den Nagel gehängt hat, wird in Sachen Kommunikation gar der Zensur bezichtigt. Im letzten Stadtmagazin lobte sich der Stadtrat nämlich damit, was er in der letzten Legislatur alles geschafft hat. Das «Feuerhorn» ergänzt diese – der Transparenz halber – nachträglich mit den nicht erreichten Zielen.

Dazu, dass die Stadt die Umgestaltung des oberen Postplatzes abgeschlossen habe, ergänzt das «Feuerhorn» einen durchgestrichenen Passus: «Nicht erreicht: Der obere Postplatz ist noch hässlicher als der Arena-Platz. Scheusslich. Trump würde dazu nur eines sagen: ‹A total disaster›.»

Dank Oeschwiesen-Enteignung zum linken Stadtrat

Auf das Erreichen der Entwicklung Vereinsstrategie und der aktiven Kontaktpflege kommt die vermeintlich zensierte Passage: «Centro-Español-Skandal könnte eskalieren, wenn andere Vereine ebenfalls jährlich 3’000 Franken von der Stadt fordern und ihre Vereinslokale notfalls abfackeln.»

Die eingeleitete Enteignung der Oeschwiese, mit der sich der Stadtrat rühmt, wird durch den Absatz ergänzt: «Nicht erreicht: Mit der Enteignung der Oeschwiese outet sich der Stadtrat als antiliberal und links. Ein höchst gefährliches Signal im herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld: Wen enteignet der Stadtrat als nächstes?»

Nicht nur an dieser Äusserung wird klar, die «Feuerhorn»-Redaktion fühlt sich in bürgerlichen Gefilden heimisch, kommt doch etwa die FDP auffällig selten unter die Räder. Dafür wird der (im Zuger Kontext doch eher irrelevante) Wirt des Wildspitz, Martin Keiser, gleich zweimal sanft auf die Schippe genommen.

Stefan Thöni: Ein wahrer Pirat

So etwa in der Rubrik «Lieber Dr. Horn», in welcher der Wirt fragt, warum ihm wohl die Beine nach dem Marsch vom Restaurant bis zum Parkplatz so wehgetan hätten. Die Antwort gibt Aufschluss: «Lieber Wildspitzwirt Martin Keiser, weil du unten angekommen, deinen Autoschlüssel vermisst hast und diesen zuerst oben holen musstest. Merk dir: Hoch und runter im hohen Schnee tut auch fitten Beinen weh.»

Der Pirat Stefan Thöni fragt in derselben Rubrik, warum ihm denn niemand gedankt habe, nachdem dank ihm Richterwahlen stattgefunden hätten. Die Antwort ist saftig: Thöni mache seiner Reputation als Pirat alle Ehre, denn «dein Egotrip hat den Kanton Zug rund 40’000 Franken gekostet».

Die Wahlen sind vorbei, zahlen Sie Ihre Bussen selber

So viel mussten die Steuerzahler für den Urnengang blechen. «Und dies in einer Zeit, in der die Zugerinnen und Zuger den Gürtel engerschnallen müssen. Stichwort: Sparprogramme. Dich betrifft das ja nicht.» Thöni zahle ja seit eh und je keine Steuern. «Du bist ein wahrer Pirat.»

Auf die Frage eines Autofahrers, ob er denn ab jetzt immer damit rechnen könne, dass die SVP seine Rechnung zahle (zentralplus berichtete), antwortet Dr. Horn: «Lieber Autofahrer, Nein. Die Wahlen sind vorbei. Du kannst es in dreieinhalb Jahren wieder probieren.»

«Im Juni tritt Villiger zurück»

Zu den kommenden National- und Ständeratswahlen stellt das Heft jede Menge Mutmassungen auf. Manche eher weniger realistisch: Etwa, dass Regierungsrat Beat Villiger im Juni seinen Rücktritt bekanntgeben werde. «Er brauche mehr Zeit, um sich um seinen unehelichen Nachwuchs zu kümmern», so die Prognose. Dann gibts auch realistischere Vermutungen. Dass Stefan Thöni nämlich Anspruch auf dieses freiwerdende Regierungsratsmandat erheben wird. Dies, obwohl der Wähleranteil der Piratenpartei bei 0 Prozent liege.

Für den kommenden September sieht das Heft im Übrigen voraus, dass der Sicherheitsdirektor gegenüber dem «Sonntagsblick» ein weiteres aussereheliches Kind einräume. Apropos «Sonntagsblick»: Das absolute Highlight der diesjährigen «Feuerhorn»-Ausgabe ist tatsächlich das fingierte – und doch so realitätsnahe – Interview zwischen Villiger und besagter Sonntagzeitung.

Ein Auszug gefällig?

Wie geht es Ihrer unehelichen Tochter?

Dazu sage ich nichts. Das ist Privatsache.

Warum haben Sie sich mit Ihrer Geschichte im «Sonntagsblick» und nicht im Käseblatt geoutet?

Dazu kann ich erst nach meiner Konsultation mit meinem Medienberater etwas sagen.

Treten Sie als Regierungsrat Mitte Jahr oder erst später zurück?

Dazu kann ich im Moment nichts sagen. Wenn überhaupt, äussere ich mich dazu erst nach einer mehrtägigen Klausur – und natürlich exklusiv im «Sonntagsblick».

Und so geht’s denn auch bis zum Schluss weiter.

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1 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 28.02.2019, 15:19 Uhr

    Mein Gartenzwerg wird sich halb totlachen, wenn er das Feuerhorn liest.