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«Der wirtschaftliche Erfolg am Schwanenplatz ist fragil»
  • Wirtschaft
VR-Mitglied Adelbert Bütler und Mediensprecher Jörg Baumann von Bucherer nach der Medienkonferenz im Schweizerhof. (Bild: giw)

Luzerner Uhrenbranche ist nicht gegen Aufwertung «Der wirtschaftliche Erfolg am Schwanenplatz ist fragil»

3 min Lesezeit 1 Kommentar 06.06.2018, 16:39 Uhr

Der Luzerner Stadtrat plant der Carparkierung am Schwanenplatz den Riegel zu schieben. Bei der direkt betroffenen Uhrenbranche fürchtet man sich vor diesem Schritt – und präsentiert eine Studie zur Wertschöpfung der Reisegruppen. Die Branchenvertreter warnen – und signalisieren gleichzeitig Verhandlungsspielraum.

Die Schmuck- und Uhrenbranche verdient sich mit Gruppentouristen am Schwanenplatz eine goldige Nase. Die Pläne des Stadtrates, den zentralen Marktplatz der Branche aufzuwerten und Cars nicht mehr direkt vor den Geschäften vorfahren zu lassen, macht die Firmen nervös. Die am Mittwochvormittag präsentierte Studie von Hanser Consulting im Auftrag von Bucherer und Co. kommt daher wenig überraschend zum Schluss: Damit der Rubel rollt, müssen die Cars möglichst nahe am wertschöpfungsintensiven Standort Gäste aus- und einladen können.

Adelbert Bütler, Verwaltungsratsmitglied von Bucherer, sagt: «Die Touranbieter wollen einen möglichst direkten Zugang.» Denn bei den Gruppenreisenden zähle aufgrund des sehr gedrängten Programms jede Minute. Und Jörg Baumann, Mediensprecher von Bucherer, betont: «Die Cars mit den Gruppenreisenden in der Allmend auszuladen, könne eine Verzögerung von über eine Stunde bedeuten.»

Konkurrenz aus Interlaken

Dennoch – Luzern würde mit sehr nahen und abwechslungsreichen Attraktionen wie Kapellbrücke, KKL, Pilatus oder Vierwaldstättersee ein einzigartiger Tourismusstandort in der Schweiz bleiben. Dass dieser Aspekt ein wichtiger Erfolgsfaktor für den Boom ist und auch ohne Carhaltestelle am Schwanenplatz bleibt, daraus machen weder die Auftraggeber noch die Studienverfasser einen Hehl.

Warum sollten also plötzlich die Gäste nicht mehr in die Innenstadt kommen und Uhren kaufen? «Weil der Faktor Zeit eine so grosse Rolle spielt, könnte es sein, dass Gruppentouranbieter Luzern plötzlich nicht mehr ansteuern», sagt René Goetz von Hanser Consulting. Es sei möglich, dass stattdessen die Cars vermehrt nach Interlaken fahren – welches die Studienautoren als wichtigsten Konkurrenz-Standort ausmachen. Dort erfuhr die Uhrenbranche in den vergangenen Jahren ebenfalls ein klares Wachstum.

So könnte der Schwanenplatz ohne Cars aussehen.

So könnte der Schwanenplatz ohne Cars aussehen.

(Bild: Visualisierung zvg)

Eine genaue Prognose sei jedoch sehr schwierig zu machen – jede Änderung könne eine tiefgreifende Kettenreaktion ausmachen. «Der wirtschaftliche Erfolg am Schwanenplatz ist sehr fragil», so Goetz. Er warnt daher, am Status quo zu rütteln, dies sei ein Risiko: «Wenn es kippt – dann kippt es», ist er überzeugt.

Aufwertung ja, aber erst wenn Lösung steht

Was ist also die zentrale Botschaft an die Luzerner Politik ausgehend von der Studie zum Luzerner Gruppentourismus? Man habe vor allem Fakten in der Diskussion schaffen wollen, so Bütler. Einer Attraktivierung der Innenstadt und damit auch des Schwanenplatzes können die Luxus-Detailhändler durchaus etwas abgewinnen. Denn davon würden nicht nur die Stadtluzerner, sondern auch die Touristen profitieren. «Eine Aufwertung des Schwanenplatzes ist absolut eine Chance», sagt Bütler.

Doch der Bucherer-Verwaltungsrat fordert, dass erst wenn eine passende Ersatzlösung für die Parkierung am Schwanenplatz steht, das Regime geändert werden darf. Und diese Lösung wäre nicht die Allmend, sondern ein Carparking im Zentrum. «Wir sind mit dem Status quo natürlich einverstanden», sagt Mediensprecher Baumann. Bei den Verantwortlichen wünscht man sich einen besseren Dialog mit dem Stadtrat.

Zukunft ist ungewiss

Über Alternativen lasse sich diskutieren. Und die sehen die Schmuck- und Uhrenläden inbesondere in Carparkings ganz in der Nähe. Das wäre einerseits das Musegg-Parking oder auch das Seeparking. Die Machbarkeitsstudie dazu hat Bucherer selbst mitfinanziert. Ob und bis ein solches Grossprojekt überhaupt umgesetzt werden kann, bis dahin könnten noch Jahrzehnte ins Land gehen. Es ist mehr als fraglich, ob der Luzerner Stadtrat und mit ihm die grün-linke Mehrheit im Parlament so lange warten wird, bis sie den Schwanenplatz aufbrezelt. Ende Juni wird im Parlament über das weitere Vorgehen entschieden. Auch der Stadtrat hält derzeit sowohl an den Carparkhäusern als auch dem Carhub auf der Allmend als Optionen fest.

Doch Unsicherheiten bestehen auch, was die zukünftige Entwicklung des profitablen Geschäfts angeht. «Eine Prognose zu machen, wie sich die Verkaufszahlen bei den Uhren- und Schmuckläden am Schwanenplatz zukünftig entwickeln, ist schwierig», sagt Unternehmensberater Goetz. Sprich, vielleicht vergeht der Uhren-Hype dereinst und die Touristen von nah und fern finden andere Produkte oder Attraktionen, für die sie ihre Batzen in Luzern liegen lassen. Dann würde sich die eifrig geführte Debatte etwas entspannter führen lassen.

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1 Kommentare
  1. Walter Albrecht, 06.06.2018, 19:26 Uhr

    Das vom Tourismus profitierende Gewerbe möchte möglichst direkten Zugang zum Schwanenplatz. Ermöglichen tut das die jetzige eher schlecht als recht funktionierende
    Situation oder die Projekte Parkhaus Musegg, bzw. Schweizerhofquai. Beide haben zu wenig
    Kapazitäten, sind kostenmässig pro Parkplatz viel zu teuer und, was schlimmer ist: Die Reisecars fahren weiterhin durchs Stadtzentrum, belasten den Verkehr und Wohngebiete.
    Das trifft auch für die Lösung Allmend zu. Bei letzterer gibt es bei erhöhtem Passagieraufkommen in der Zentralbahn ebenfalls Kapazitätsprobleme, die ihre Fortsetzung im und um den Bahnhof finden. Der geforderte direkte Zugang zum Schwanenplatz ist auf diese Weise nicht möglich.
    Das totgeschwiegene Projekt Metro (Parkhaus Ibach, Metro zum Kantonsspital und ins Zentrum) sieht jedoch genau das vor und berücksichtigt sowohl die Wünsche des Tourismus,
    der Zentrumsgeschäfte und der Leute, die von aussen rasch ins Spital oder in die Stadt kommen wollen.
    Man sollte dieses Projekt unvoreingenommen anschauen, optimieren und dann so rasch wie
    möglich verwirklichen. Eine stets grösser werdende Anzahl von Leuten, die sich in der Stadt
    bewegen, hat ebenfalls eine klare Forderung: Die Reisecars parkieren ausserhalb des Zentrums und sicher nicht in einem Wohngebiet. Die Verwirklichung dieses Projekts ist auch
    ein gutes Argument für eine Redimensionierung oder gar den Verzicht auf die Spange Nord.
    Warten wir auf die Realisierung des Tiefbahnhofs im Jahre 2045+ ?
    Walter Albrecht

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