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«Der Weihnachtsmarkt erhält immer mehr Event-Charakter»
  • Wirtschaft
Drehorgelspieler Walter Heidelberger mit Tatiana Vogt, der Präsidentin des Vereins Zuger Weihnachtsmarkt. (Bild: mam)

Zuger Postplatz erstmals komplett verkehrsfrei «Der Weihnachtsmarkt erhält immer mehr Event-Charakter»

5 min Lesezeit 1 Kommentar 14.12.2018, 14:03 Uhr

Er ist nicht ganz so gross wie im Vorjahr – dafür stimmungsvoll und geschützt vor Wind und Wetter: der Zuger Weihnachtsmarkt. Er ist für die Aussteller eine teure Sache. Dennoch rentiert er sich für sie. Und das Rahmenprogramm wurde gar ausgebaut.

«Zug braucht ganz einfach einen Weihnachtsmarkt», sagt Tatiana Vogt und verbreitet gute Laune. Die Präsidentin des Vereins Zuger Weihnachtsmarkt, welche die Veranstaltung nach über zehn Jahren Pause 2014 wiederbelebt hat, freut sich über die stimmungsvolle Dekoration, die Lichter und weihnachtlichen Gerüche, die momentan durch die Zuger Altstadt wabern.

Der Markt habe bestens begonnen. Der Besucheraufmarsch sei schon an den ersten beiden Tagen beachtlich gewesen und das Wetter zwar kalt, aber schön. «Im vergangenen Jahr hatten wir einen Herbststurm zu ertragen», sagt Vogt. «Ein solcher ist heuer glücklicherweise nicht in Sicht.»

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Parkplätze sind verschwunden

Allerdings wäre er dieses Jahr auch besser zu ertragen. Denn der nach Westen – zur Wetterseite – offene Landsgemeindeplatz wurde geräumt. Dafür wurde der Parkplatz auf dem unteren Postplatz, um den die Zuger Politik seit langem verbissen kämpft, vorübergehend aufgehoben und den Marktständen zugeteilt.

«Wir sind die erste Veranstaltung, die sowohl auf dem oberen, wie auch dem unteren Postplatz stattfindet», sagt Vogt stolz. Dies sei wunderbar, weil der untere Postplatz durch Gebäude und Bäume besser geschützt und deshalb weniger zugig sei.

Wo man sich trifft

Weiter ausgebaut wurde das Rahmenprogramm, die Tanz- und Gesangesaufführungen auf der Bühne des Hirschenplatzes. Verschiedene Chöre und die Musikschule Zug sind zu Gast. «Der Weihnachtsmarkt erhält immer mehr Event-Charakter», sagt Vogt. «Weihnachtsmärkte werden generell zu Begegnungsorten.»

Süss-saures Schleckzeug für Kinder sind der Renner – daneben verkauft Heidi Weiss alles Mögliche.

Süss-saures Schleckzeug für Kinder sind der Renner – daneben verkauft Heidi Weiss alles Mögliche.

(Bild: mam)

Die Zahl der Aussteller ist leicht gesunken – von 84 im Vorjahr auf 74. «Aber eigentlich ist der Zuger Weihnachtsmarkt bei Marktfahrern sehr beliebt», sagt Vogt. Denn bei ihnen sei er bekannt für sein internationales und auch kaufkräftiges Publikum.

«Muss manches Konfi-Glas verkaufen»

Das braucht es auch, denn die Standgebühren für den fünftägigen Markt betragen für einen Handwerk-Aussteller knapp 950 Franken – also 190 Franken pro Tag. Wie kann man dies mit dem Verkauf von Kerzen, Gewürzen, Guetzli oder Marmelade herausschlagen? «Ja, ich muss manches Konfi-Glas verkaufen», sagt eine Marktfahrerin aus Ausserschwyz, «aber der Weihnachtsmarkt in Einsiedeln ist beispielsweise genauso teuer.»

«Mit den Leuten ist es nett, aber der Verkauf läuft schleppend», sagt Gabi Eugster aus Zug. Sie verkauft Bilder, Accessoires, Kaffee und Kuchen. «Vermutlich rentiert es sich nur den Glühwein- und Raclette-Ständen richtig gut», meint ihre Kollegin.

«Man darf die Präsenzzeit nicht rechnen»

Ein Rundgang duch den Markt bestätigt den Eindruck nicht unbedingt. Zwar wird über das härter werdende Umfeld geklagt. «In jedem Dorf gibt es schon Weihnachtsmärkte und in Zürich sogar schon drei», sagt eine Frau hinter einem Verkaufsstand und reibt sich die vor Kälte gerötete Nase. Dennoch ist man guter Dinge, in Zug etwas zu verdienen.

«Man darf einfach die Präsenzzeit nicht rechnen», sagt ein Craft-Beer-Brauer aus Zug. «Aber der Stand lässt sich eigentlich problemlos finanzieren.» Sein Hauptprodukt – eine Geschenkpackung mit handwerklich gebrauten Ales aus Menzingen – verkaufe sich gut.

Multi-Kulti-Essen

Der Markt funktioniert auch als Marketingmassnahme. «Verschiedene Zuger Start-ups stellen hier ihr Angebot vor», sagt Tatiana Vogt und weist auf einen Stand, der von einem frisch eröffneten Zuger Laden betrieben wird. Bei den verschiedenen Hilfswerken, welche sich am Weihnachtsmarkt zeigen, ist ebenfalls nicht davon auszugehen, dass sich ihr Auftritt allein durch den Verkauf von Socken oder Wollmützen rechnet.

«Unser Ziel ist es, einfach unsere Unkosten zu decken.»

Tatiana Vogt, Verein Zuger Weihnachstmarkt

Die Makramee- und Holzdekorationsstände, wie man sie von früher kannte und wie sie in kleinen Dörfern immer noch zu finden sind, sind grösstenteils verschwunden. Es dominieren Stände aus dem Food-Bereich. Das Essensangebot ist ungeheuer bunt und im Vergleich zum Vorjahr noch multikultureller geworden. Das Getränkeangebot bleibt vorwiegend alkoholisch.

Blumenkerzen und Nudelpuppen

Dennoch findet man bei genauem Hinsehen eine grosse Zahl an Geschenkmöglichkeiten. Neben den obligaten Schals, Wollsocken, Teelichtern und Schmuckstücken gehören auch Hundehalsbänder oder Ingwerreiben dazu. Raffinierte Aussteller kombinieren Lebensmittel mit Dekoration – basteln etwa Schleckstengel-Figuren für Kinder oder verpacken Pasta in Puppen.

Es gibt Stände wie den Chäsladä aus Unterägeri, der jedes Jahr zu finden ist, aber auch solche, die neu in Zug sind. «Zum Beispiel diese Blumenkerzen dort», sagt Tatiana Vogt und wirkt ehrlich begeistert. Der Weihnachtsmarkt sei ihr eine «Herzensangelegenheit».

Ohne Sponsoren gehts nicht

Alle Organisatoren sind ehrenamtlich für den Verein Zuger Weihnachtsmarkt tätig. «Unser Ziel ist es, einfach unsere Unkosten zu decken, und das haben wir bisher geschafft», so Vogt. Alleine die Vermietung von Ständen reiche dazu nicht aus, es brauche auch Sponsoren. In der Tat finanziert der Handel von Kupfer und Glas den vorweihnächtlichen Zauber in Zug mit.

Für einmal gibt es auf dem unteren Postplatz ein Parkverbot.

Für einmal gibt es auf dem unteren Postplatz ein Parkverbot.

(Bild: mam)

«Ausserdem könnten wir ohne die Unterstützung der Behörden den Markt nie durchführen», sagt Vogt. Die Stadt Zug beteiligt sich mit einer Spende und stellt den Grund zur Verfügung, hat dieses Jahr auch für stimmige Lichtprojektionen auf das Gebäude der ehemaligen Hauptpost gesorgt.

Polizei beobachtet Situation genau

Obwohl die Sicherheit und Abfallentsorgung vom Verein organisiert wird, sind auch Polizeipatrouillen zu sehen. «Wir beobachten die Situation genau», sagt Judith Aklin, Sprecherin der Zuger Polizei nach dem Attentat von Strassburg.

Den grössten Besucherandrang verzeichne man erfahrungsgemäss am Sonntag, erzählt Tatiana Vogt – und natürlich nach Feierabend, wenn zahlreiche Bürokräfte zum geselligen Umtrunk kommen. «Immer öfter nutzen auch Unternehmen den stimmigen Rahmen des Weihnachtsmarktes für einen Firmenanlass», sagt die Immobilienfachfrau, die sich nun zu einem solchen Apéro aufmacht.

Kinder spielen im Co-Working-Space

Neben Freddy Weller, der für die technischen Belange des Marktes verantwortlich ist, ist Vogt die Seele des Weihnachtsmarktes. Sie schreitet durch die Zeile der Stände auf der Zeughausgasse, wechselt freundliche Worte mit den Marktfahrern, erntet Lächeln und strebt dann der alten Hauptpost zu.

Dort hat der Co-Working-Space Office-Lab Platz an der Wärme für Kinder bereitgestellt. Sie basteln an einem langen Tisch. «Ich bin gut vernetzt in Zug», sagt Vogt. «Das hilft beim Organisieren.» Denn einen Weihnachtsmarkt, den brauche es einfach in Zug. Sagt es und entschwindet.

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1 Kommentare
  1. Ruth Röllin, 14.12.2018, 22:27 Uhr

    … und noch immer sind die Marktstände nicht wirklich schön dekoriert – sehr schade