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«Der Virus ist schnell, wir müssen schneller sein»
  • Politik
Intensiver Start: Lukas Gresch-Brunner hat vom Kanton Luzern zum Bund gewechselt. (Bild: zvg)

Luzerner Staatsschreiber wechselt zu Bundesrat Berset «Der Virus ist schnell, wir müssen schneller sein»

4 min Lesezeit 04.04.2020, 05:00 Uhr

Lukas Gresch-Brunner ist seit Mittwoch neuer Generalsekretär im Departement von Bundesrat Alain Berset. Der langjährige Luzerner Staatsschreiber steht damit im Zentrum der Corona-Bewältigung und sagt: «Im Moment ist nichts so, wie es normal wäre.»

Wer den Job wechselt, bezieht oft noch ein paar Tage oder Wochen Ferien, bevor er die neue Stelle antritt. Und arbeitet sich zuerst in aller Ruhe in die künftigen Aufgaben ein.

Nicht so Lukas Gresch-Brunner: Der langjährige Luzerner Staatsschreiber hat diesen Mittwoch inmitten der Corona-Krise seine neue Stelle als Generalsekretär des Innendepartements angetreten. Auf Wunsch von Bundesrat Alain Berset einen Monat früher als geplant. Die Luzerner Regierung hat ihn aufgrund der aktuellen Situation vorzeitig ziehen lassen.

Zwei bis drei Sitzungen gibt es täglich zum Thema Corona, erzählt der 48-Jährige nach seinem Start in Bundesbern. «Der Rhythmus ist ausserordentlich hoch, das habe ich noch nie erlebt.»

Sorgfältig improvisieren

Derzeit seien die Generalsekretariate und Stäbe aller Departemente sowie sehr viele Bundesämter pausenlos mit Corona beschäftigt. «Es ist nicht nur im Land eine aussergewöhnliche Situation, auch in der Bundesverwaltung», sagt Gresch. Er hat in Bern 95 Mitarbeiter unter sich.

«Es geht um entscheidende Fragen, die einen riesigen Einfluss haben auf die Menschen und die Wirtschaft im ganzen Land.»

Dass er so in den neuen Job startet, hat er sich bei der Zusage nicht ausmalen können. «Im Moment ist nichts so, wie es normal wäre. Es braucht viel Improvisation und gleichzeitig grosse Sorgfalt. Der Virus ist schnell, wir müssen schneller sein.»

Der Bund ruft die Bevölkerung explizit dazu auf, zuhause zu bleiben. Gresch ist aber derzeit seltener daheim als üblich. «Das ist so», sagt er und lacht. «Es gibt in dieser Zeit Menschen, die weniger zu tun haben, weil sie teilweise gar nicht arbeiten können. Und es gibt andere, die umso mehr Präsenz zeigen müssen.» 

Das Mitleid des Umfelds, die Motivation des Teams

In seinem Umfeld hätten ihm viele Menschen Kraft und Mut für den neuen Job gewünscht. «Sie hatten teils sogar Mitleid», sagt er, «aber das muss man nicht haben.» Denn trotz aller Hektik sagt der Luzerner: «Die Arbeit ist sehr spannend. Innert weniger Tage oder teils sogar Stunden muss man Ideen entwickeln und Szenarien entwerfen.» 

Bundesrat Alain Berset am Dienstag zu Besuch in Luzern.

Welche Gruppen bezieht man mit ein? Welcher Verlauf der Pandemie ist wahrscheinlich? Wann und wie kann man die Massnahmen wieder lockern? Fragen, die Gresch nun täglich beschäftigen. Der Bundesrat tagt seit dem Lockdown zweimal statt einmal pro Woche, die Corona-Verordnung wird inzwischen wöchentlich angepasst.

Seit 2012 Staatsschreiber

Lukas Gresch-Brunner hat in Genf internationale Beziehungen studiert. Er arbeitete ab 2001 zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bund, später als Referent von Bundesrat Joseph Deiss und Bundesrätin Doris Leuthard. Sechs Jahre lang war er stellvertretender Direktor der heutigen Direktion für europäische Angelegenheiten. 2012 wurde er Staatsschreiber beim Kanton Luzern und damit Stabschef von Regierung und Parlament. Seit April ist der dreifache Vater neuer Generalsekretär beim Innendepartement des Bundes.

«Es geht um entscheidende Fragen, die einen riesigen Einfluss haben auf die Menschen und die Wirtschaft im ganzen Land», sagt Gresch. Entsprechend gross sei die Verantwortung, die der Bundesrat trage. «Die Entscheide müssen trotz grossem Zeitdruck durchdacht sein, man darf sich keine Fehler erlauben und muss die Szenarien wirklich durchkneten.»

Gresch ist beeindruckt vom grossen Einsatz im Bundesamt für Gesundheit. «Alle sind sehr motiviert, weil man weiss: Es geht jetzt um Menschenleben und um die Stabilität des Landes.» Es gilt, Zustände wie in Italien oder Spanien zu verhindern. Die Arbeitskollegen und sein direkter Vorgesetzter, Bundesrat Berset, seien seit einem Monat im Krisenmodus. «Da wird wenig geschlafen, wenig gegessen und viel gearbeitet.» 

Beim FCL gibt er als Speaker ab

Auch beim Kanton Luzern sei es in den letzten Wochen hektischer geworden, doch die Intensität beim Bund beeindruckt den Luzerner sehr. Und Lukas Gresch geht davon aus, dass dies noch mehrere Wochen anhalten wird. Er bekräftigt, was Alain Berset am Dienstag in Luzern sagte: Nach wie vor soll die Bevölkerung die sozialen Kontakte minimieren und zuhause bleiben.

«Obwohl die Zuwachsraten der Infektionen etwas weniger steil sind, haben wir den Peak noch nicht erreicht», mahnt der dreifache Vater. «Es ist gefährlich, wenn sich die Menschen jetzt nicht mehr an die Anweisungen halten.» 

Derweil müsse der Bundesrat in nächster Zeit gründlich überlegen, wie und wann der Ausstieg aus dem Lockdown vonstattengehen soll. Ein überhasteter Entscheid könnte die bisherigen Bemühungen zunichte machen.

«Nur schon täglich zwei Stunden im leeren Zug zu sitzen, hilft.»

Die Aussagen zeigen: Gresch ist bereits nach wenigen Tagen voll im neuen Job angekommen. Obwohl die Arbeitstage lang sind, könne er aber gut abschalten. «Nur schon täglich zwei Stunden im leeren Zug zu sitzen, hilft», sagt er und schmunzelt. Gresch wohnt mit seiner Familie nach wie vor im Luzernischen.

Als FCL-Speaker wird man ihn jedoch nicht mehr hören. «Nach 30 Jahren ist es sowieso höchste Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen», sagt er. Eigentlich hat er zwar erst per Ende Saison den Rücktritt gegeben, doch angesichts der Umstände ist fraglich, ob die Fussball-Meisterschaft noch fortgeführt wird. Die Arbeit von Lukas Gresch und seinem Team werden wohl auch das mit beeinflussen.

Bundesrat Alain Berset Ende Januar auf Facebook:

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